OK. Das Internet ist voller Geschichten und Beschwerden von Leuten, denen man in Vietnam auf mehr oder weniger legitime Weise Geld aus der Tasche gezogen hat. Echter Taschendiebstahl ist zwar eher selten, aber dafür dieses ewige Übervorteilen: Auf dem Markt, beim Taxifahren, in der Kneipe usw.
Auch wir könnten da natürlich etwas beitragen. Die Taxifahrt, die laut Taxometer 260.000 Dong kosten sollte statt der für diese Strecke üblichen 60.000. Oder die Nudelsuppe Phö, die plötzlich 300.000 ausmachte und nicht die etwa 20.000, die man sonst bezahlt. Man ist selbst schuld, wenn man das dann bezahlt.
Heute war es mal anders: Wie alle drei Monate fuhr ich zur Bank, um die Dollars för die Miete zu holen. Die Miete ist immer ein Quartal im Voraus, immer in bar und immer in Dollar zu bezahlen, so steht es im Mietvertrag. Die nötige Deckung auf unserem vietnamesischen Dollarkonto muss man immer durch eine rechtzeitige Überweisung aus Deutschland sicherstellen. (Mein vietnamesisches Gehalt von 200.-Dollar reicht nicht für die Miete...).
Als ich anfange, das Abhebeformular auszufüllen, beugt sich der Bankangestellte an das Fensterchen: " If you withdraw tomorrow and not today, you will not have to pay a fee. Today, the fee is 8 Dollar." Als ich frage warum, erklärt er mir, dass man keine Gebühren bezahlen muss, wenn das Geld 10 Tage auf dem Konto gelegen hat. Das wäre bei mir morgen.
Natürlich breche ich den Vorgang ab und fahre morgen wieder hin. Der Vermieter muss halt einen Tag warten. Schließlich entsprechen 8 Dollar mindestens 5 Schalen Nudelsuppe, die kann ich doch nicht verschenken!
Aber ob der gute Junge in der Bank auf diese Weise Karriere machen wird? Super Kundenorientierung (nachdem ich ein Jahr dort Kunde bin!), aber auf Kosten des Umsatzes ist das vielleicht nicht so förderlich.
Die Deutschen sind in der Welt dafür bekannt, dass sie Festpreise lieben. Andere Völker verbringen mit großem Vergnügen Stunden mit dem Feilschen um Preise. In Nordafrika z.B ist man fast beleidigt, wenn man gleich den geforderten Preis zahlt. Woran liegt unsere Vorliebe für Festpreise? Zeitmangel? Warenüberfluss? Ordnungsliebe? Streben nach Sicherheit und Verlässlichkeit?
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