Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
_________________________________

Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Freitag, 30. September 2011

Noch ein Beitrag aus der Presse ...

Verschiedene vietnamesische Medien berichteten kürzlich über einen der Vizeminister des Gesundheitsministeriums:
Der gute Mann hat anscheinend zwei Probleme. Erstens hat er die Bescheinigung der Universität Uppsala, dass er als Promotionsstudent zugelassen sei, als Promotionszeugnis ausgegeben und auch sein ganzes berufliches Leben der "Dr." geführt. Das ist doch deutlich einfacher als die Guttenberg-Promotion.
Zweitens hat er als Zuständiger für die Überwachung des Pharmasektors von dem Besitzer eines Pharmakonzerns ein für vietnamesische Verhältnisse riesiges Darlehen bekommen. Unklar ist nur, ob es gefordert oder "freiwillig gegeben wurde". Unklar ist weiter, ob es stimmt, dass er bei Fälligkeit, statt zurück zu zahlen, eine Kontrolle der Firma angeordnet hat.
Karneval in Vietnam - oder: Hanoi wie es singt und lacht...

Vor dem Klo und nach dem Essen Hände waschen nicht vergessen!

Vor wenigen Tagen wurde in der offiziellen Presse (in einem Land in dem die Zensur nicht unbekannt ist) ueber die Hygiene in Krankenhäusern berichtet:
Kurz gesagt: Im Bach Mai Hospital, was eine der grössten und bekanntesten Kliniken in Hanoi ist, waschen sich nur 2,6% des Personals anständig die Hände!
Und eine Befragung von Klinikmitarbeitern ergab, dass über 50% die gestellten Fragen zur richtigen Krankenhaushygiene nicht ausreichend beantworten konnten.
Dies beleuchtet auch, warum in einem kürzlich durchgeführten Workshop, bei dem Klinikmitarbeiter Vorschläge machen sollten, welche kleinen Projekte zur Qualitätsverbesserung sie vorschlagen würden, mehr als die Hälfte sich für Projekte zur Verbesserung des Händewaschens stark machte. Es wurde freimütig diskutiert, dass die "compliance", also die Disziplin der Mitarbeiter ebenso zu wünschen übrig lasse wie die "awareness", also die Erkenntnis der Notwendigkeit. Als Massnahme wurde unter anderem vorgeschlagen, Video-Kameras in die Waschräume zu hängen, was allerdings daran scheitern sollte, dass dies oft auch die WCs seien, und dort sei eine Videoäberwachung ja wohl doch fragwürdig. Ein anderer Kollege schlug vor, unangekündigte Abklatschkontrollen der Hände bei Chirurgen zu machen und bakterielle Kontamination hart zu bestrafen. Auch dies erwies sich aber als kaum umsetzbar, weil die Krankenhäuser unterhalb der obersten Versorgungsstufe nicht über die bakteriologischen Labors verfügen, um solche Tests durchzuführen. Klartext: In den meisten Krankenhäusern gibt es gar keine Möglichkeit, den bakteriologischen Status von OPs und Intensivstationen zu überwachen!
Da möchte man nicht behandelt werden ...

Donnerstag, 29. September 2011

Singapore revisited

Unser zweiter Besuch in Singapur liegt etwa 2 Wochen zurück, eine kleine Nachbereitung:

Die Stadt ist weiterhin im Business District eine Art asiatisches Manhattan. An der Marina Bay steht ein neues Wahrzeichen, das Marina Bay Sands mit meheren Hotels und einer darüber schwebenden mehrere hundert Meter langen Terrasse plus riesigem Swimmingpool in 56. Stock. Wir waren am Abend oben, um den atemberaubenden Blick zu genießen.
Untergebracht waren wir diesmal direkt im arabischen Viertel, neben der großen Sultan Moschee. Die 5000 Gläubigen, die da rein gehen sollen, haben wir nicht erlebt, aber es war doch überraschend, dass es auch für Elena kein Problem war, die Halle zu betreten - sogar ohne Kopftuch. An die Moschee schließt sich ein nettes arabisches Viertel an mit vielen kleinen arabischen Strassenkneipen. In manchen bekam man sogar ein Bier zu trinken!

Dann waren wir natürlich wieder in der China Town. Hier war das größte Erlebnis der Besuch des Tempels von der Reliquie des heiligen Zahnes des Buddha. Hier fand gerade eine große Festzeremonie statt. Zwei Reihen Mönche sangen die sprechgesangsartigen Gesänge, begleitet von der vielköpfigen Gemeinde. Unendliche Mengen bunter Lampen waren aufgehängt, in langer Reihe kamen die Gläubigen um kleine Opfertellerchen auf einer langen Tafel in der Mitte abzulegen. In dem kleinen Tempel auf dem Dach konnte man eine riesige Gebetstrommel bewundern, in der Gebetshalle darunter die kleine Stupa aus reinem Gold, in der angeblich der Zahn des Buddha aufbewahrt wird. (Es wird berichtet, dass Buddha 33 Zähne hatte. Ob der hier aufbewahrte allerdings einer davon ist, ist umstritten. Immerhin ist er 7,5 cm lang!!)
Die Welt der dritten großen Volksgruppe haben wir dann noch in Little India besucht. Im Innenhof des Kleiderbasars konnte man sich wirklich mitten in Indien wähnen. Ohne Shopping kam man da nicht mehr raus.
Ein besonderer Besuch galt dem wunderschönen Botanischen Garten mit dem "National Orchid Garden", angeblich dem größten Orchideengarten der Welt. Ob es stimmt oder nicht: es wird schwer fallen, wo anders so viele wunderbare Blumen an einem Ort zu finden.
Der Grund der Reise war aber die Teilnahme an der Hospital Management Asia Konferenz, mit weit über 1000 Teilnehmern aus der gesamten asiatischen Welt, Indien, Bangladesh, Thailand, Malaysia, Indonesien, Philipinen, Vietnam, China, Taiwan, Hongkong waren die Länder, die besonders häufig auf den Namensschildern standen. Die Kongresshalle auf dem Recreation Island vor der Stadt war tief unter der Erde und so eisgekühlt von den Klimaanlagen, dass man es nur mit Anorak aushalten konnte. Die Vorträge waren so wie immer auf solchen Konferenzen, manche gut, manche schlecht. Interessant war eine Podiumsdiskussion zu der Frage, ob es in 10 Jahren überhaupt noch Krankenhäuser geben wird. Die Meinung, echte längere stationäre Versorgung werde bis dahin obsolet sein, wurde ernsthaft vertreten - jedenfalls für die arme Normalbevölkerung. Die Reichen würden aber sicher weiter gut und teuer mit Medical Wellness versorgt werden.
Vor allem von dieser Veranstaltung habe ich ein merkürdiges Gefühl mitgenommen: Diese Vertreter der asiatischen Eliten schienen innerlich fest überzeugt, dass Asien das kommende Zentrum der Welt ist. Das alte Europa ebenso wie das wirtschatlich schwächelnde Amerika, das sind vergehende und vergangene Welten. Ebenso wird auch etwa Afrika negiert und man geht einfach davon aus: Die Zukunft findet in Asien statt, der Rest der Welt wird Randfigur. 

Dieser fast schon an Hybris grenzende Stolz auf die eigene Entwicklung kommt leider daher auf einem sehr ausgeprägten Merkantilismus: Alles was Geld bringt, ist gut, alles was gut ist, muss Geld bringen. Speziell für den Bereich Gesundheit zeigt sich das Manko dieser schönen neuen Welt besonders deutlich. Auch das, was das Abendland unter Ethik versteht, was ja weitgehend auf der christlichen Nächstenliebe aufbaut, droht hier auf dem Abfallhaufen der Geschichte zu landen. Ist es wirklich so, dass Nächstenliebe dem Buddhismus, dem Hinduismus ebenso wie dem Islam fremd ist? Wenn man hier lebt, wenn man diese Menschen erlebt, in ihrem völlig unverkrampften permanenten Gewinnstreben, könnte man es fast glauben. Wenn dieser Sozialdarwinismus zur Ethik der Zukunft werden soll, dann bin ich nicht sicher, ob diese neue Welt so schön sein wird.

Mittwoch, 21. September 2011

E-Medizin in Singapur

Neulich waren wir ja wieder in Singapur.
Darüber wäre viel zu berichten: Teilnahme an der "Hospital Management Asia" Konferenz, Besuche im arabischen Viertel, der Botanische Garten mit dem wunderbaren Orchideengarten, das Marina Bay Sands ...
Von Letzterem wenigstens ein Foto, wir waren am Abend da oben, aber nicht im Schwimmbad..

Dann waren wir auch in einer Drogerie mt integrierter Apotheke. Leider war die Apotheke nicht besetzt. Sonntag nachittag halt.
"Ich hatte gerne für meine Frau ....". Das Gewünschte gäbe es leider nur auf Rezept, sagte die Verkäuferin. Wir seien schließlich in Singapur und nicht in Hanoi. Aber das sei kein Problem.

Ich musste meinen Pass vorlegen, die Angaben wurden in ein Heft eingetragen. Dann wurde der diensthabende Apotheker angerufen und die Web-Kamera, die auf der Kasse saß, auf mich gerichtet. Ich erläuterte unser Begehr, beantwortete die Fragen nach Syptomen und Vorgeschichte, verneinte Unverträglichkeiten, zeigte auch noch meine Frau vor der Kamera, dann meinte er "That's OK". Ich reichte das Telefon an die Verkäuferin zurück, mit der Kamera ging sie zum Regal, holte auf Anweisung des Fern-Apothekers das richtige Medikament raus, schrieb die Gebrauchsanweisung. Verpackung, Zahlung, fertig.

So einfach kann das Leben sein...


HIC

Nein! Nicht das lateinische "Hier" ist gemeint, auch nicht die akustische Quittung übermäßigen Alkoholgenusses. Vom Hanoi International Choir soll nochmals die Rede sein, in dem wir ja seit Herbst 2009 dabei sind.

Anlass ist die große Aufführung des Requiems von Verdi in der Hanoier Oper am 15. und 16. September 2011. 


Eigentlich hatten wir dieses Werk schon vor etwa einem Jahr unter der Leitung unseres Graham Sutcliffe aufgeführt, mit tollen Solisten aus Großbritannien (Auszug auf YouTube).  Aber der Chef des Vietnam National Symphony Orchestra, Honna Tetsuji, hatte sich wohl vorgenommen, diese Aufführung zu überbieten, und wieder waren wir, der HIC, eingeladen zur Mitwirkung. Da für Verdi ein großer Chor wichtig ist, waren insgesamt drei Chöre beteiligt: Der vielköpfige Chor der Lehrer-Musikhochschule (viele junge Leute, manchmal mit ganz tollen Stimmen) und ein kleiner japanischer Chor (der sich witzigerweise "Freude-Choir" nannte), und eben wir.

Die Vorbereitung und die Aufführung war so ein kulturell besonders farbiges Erlebnis. Graham hatte alle Chöre einstudiert, auf seine routinierte Art wenn auch ziemlich zügig weil "wir das ja schon kannten". Trotzdem merkte man, dass ihm dieses Werk, eine "Oper für die Kirche anläßlich einer Trauerfeier", viel bedeutete. Die Texte und die Gedanken, Gefühle, die der Komponist mit einem "Dies Irae" oder einem "Solvet", mit "Lacrimosa", "Agnus dei" und eben "Requiem" ausdrücken wollte sagten ihm etwas und er versuchte, uns buntem Völkchen diese gedanken nahe zu bringen damit wir ihnen den richtigen Ausdruck verleihen konnten. Für uns Internationals war dies ja auch keine wirklich fremde Gedankenwelt, kommen wir doch aus Deutschland, Holland, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Skandinavien und USA. Deutlich weiter entfernt war dies aber unseren asiatischen Mitsängern aus Vietnam und Japan. Für sie stand nach meinem gefühl einfach das Kunstwerk im Vordergrund - die zutiefst christliche Fundierung sagt ihnen halt auch nichts.

Ähnlich erlebte ich Honna in den final rehearsals und der Aufführung, ähnlich auch die Solisten - bis auf unsere norwegische Mezzosopranistin bei der man sofort spürte, dass sie wußte was sie sang. Aber es ist natürlich ein durchaus legitimes Verständnis, ein Werk der musikalischen Weltliteatur auch als solches zu verstehen, in Szene zu setzen und dar zu bieten. Durch die vorher ausgesprochene Widmung an die Opfer der Naturkatastrophe in Japan und des Terroranschlags in Oslo wurde doch versucht, die ernste Fundierung einzubringen. Über diese Aufführung gibt es ein recht schönes  Video: Hier kommen auch die beiden Dirigenten und die Solisten zur Sprache. (Das Video ist lang, aber es lohnt sich!)

Die Vietnamesische Solistin ist übrigens gleichzeitig in der Carmen-Inszenierung, an der auch der HIC beteiligt ist (wir allerdings haben uns ausgeklinkt) als die Micaela beteiligt. Auch hiervon bietet YouTube einen Ausschnitt: .

Honna ist für uns ja kein Unbekannter: Aus Anlass der Hanoi-1000-Jahre-Feier hatten wir das nicht reine Vergnügen gehabt, mit ihm Mahlers 8. Symphonie aufzuführen (ich habe darüber schon berichtet). Auch hier sei ein YouTube Ausschnitt beigefügt. War er uns damals als besonders zügiger Dirigent aufgefallen (manche meinten, ihm ginge es um neue Geschwindigkeitsrekorde) so zeigte er sich jetzt vielseitiger: Einige Passagen empfand ich fast unerträglich langsam, bei anderen dann lief er wieder zu seiner alten Hochform auf.

Noch ein paar Worte zu Graham: Wie sein öffentliches Profil ausweist, kommt er aus GB, hat dort und in München studiert (Englisch, Deutsch, Musik), in den 70er und 80er Jahren sogar in der Nähe von München als Lehrer gearbeitet bevor es ihn nach Südostasien verschlug. Seit 2000 leitet er den HIC und das VNOB (Vietnam National Opera and Ballet) und hat sich so die Möglichkeit geschaffen, den kleinen professionellen Opernchor durch den bis zu 120 Stimmen starken HIC zu erweitern. Den meist sehr wenig professionellen Mitgliedern des HIC bieten sich so die einzigartige Chancen, an großen Aufführungen teilzunehmen und in der schönen Hanoier Oper zu singen. Wir genießen es sehr.

Vor einigen Monaten waren wir so an der Inszenierung konzertanter La Traviata Teile beteiligt, auch hiervon gibt es zwei Auszüge bei YouTube: Brindisi  und Lied der Matadores.

Wer alle diese Videos genau anschaut, wird uns bei Verdi und Mahler auch entdecken (meist rechts oben im Bild). Bei Carmen sind wir nicht dabei, bei La Traviata war ich ohne meine Frau, die zu der Zeit in Russland war.

Wie geht es weiter? Nun zunächst kommt die 9. von Beethoven, dann unser Weihnachtskonzert. Und dann schaun wir mal. Honna meinte ja, er würde gerne die Carmina Burana machen. Da sind wir gerne dabei, haben wir doch auch da die wichtigsten Chöre schon in der Oper gesungen...