Unser zweiter Besuch in Singapur liegt etwa 2 Wochen zurück, eine kleine Nachbereitung:
Die Stadt ist weiterhin im Business District eine Art asiatisches Manhattan. An der Marina Bay steht ein neues Wahrzeichen, das Marina Bay Sands mit meheren Hotels und einer darüber schwebenden mehrere hundert Meter langen Terrasse plus riesigem Swimmingpool in 56. Stock. Wir waren am Abend oben, um den atemberaubenden Blick zu genießen.
Untergebracht waren wir diesmal direkt im arabischen Viertel, neben der großen Sultan Moschee. Die 5000 Gläubigen, die da rein gehen sollen, haben wir nicht erlebt, aber es war doch überraschend, dass es auch für Elena kein Problem war, die Halle zu betreten - sogar ohne Kopftuch. An die Moschee schließt sich ein nettes arabisches Viertel an mit vielen kleinen arabischen Strassenkneipen. In manchen bekam man sogar ein Bier zu trinken!

Dann waren wir natürlich wieder in der China Town. Hier war das größte Erlebnis der Besuch des Tempels von der Reliquie des heiligen Zahnes des Buddha. Hier fand gerade eine große Festzeremonie statt. Zwei Reihen Mönche sangen die sprechgesangsartigen Gesänge, begleitet von der vielköpfigen Gemeinde. Unendliche Mengen bunter Lampen waren aufgehängt, in langer Reihe kamen die Gläubigen um kleine Opfertellerchen auf einer langen Tafel in der Mitte abzulegen. In dem kleinen Tempel auf dem Dach konnte man eine riesige Gebetstrommel bewundern, in der Gebetshalle darunter die kleine Stupa aus reinem Gold, in der angeblich der Zahn des Buddha aufbewahrt wird. (Es wird berichtet, dass Buddha 33 Zähne hatte. Ob der hier aufbewahrte allerdings einer davon ist, ist umstritten. Immerhin ist er 7,5 cm lang!!)

Die Welt der dritten großen Volksgruppe haben wir dann noch in Little India besucht. Im Innenhof des Kleiderbasars konnte man sich wirklich mitten in Indien wähnen. Ohne Shopping kam man da nicht mehr raus.
Ein besonderer Besuch galt dem wunderschönen Botanischen Garten mit dem "National Orchid Garden", angeblich dem größten Orchideengarten der Welt. Ob es stimmt oder nicht: es wird schwer fallen, wo anders so viele wunderbare Blumen an einem Ort zu finden.

Der Grund der Reise war aber die Teilnahme an der Hospital Management Asia Konferenz, mit weit über 1000 Teilnehmern aus der gesamten asiatischen Welt, Indien, Bangladesh, Thailand, Malaysia, Indonesien, Philipinen, Vietnam, China, Taiwan, Hongkong waren die Länder, die besonders häufig auf den Namensschildern standen. Die Kongresshalle auf dem Recreation Island vor der Stadt war tief unter der Erde und so eisgekühlt von den Klimaanlagen, dass man es nur mit Anorak aushalten konnte. Die Vorträge waren so wie immer auf solchen Konferenzen, manche gut, manche schlecht. Interessant war eine Podiumsdiskussion zu der Frage, ob es in 10 Jahren überhaupt noch Krankenhäuser geben wird. Die Meinung, echte längere stationäre Versorgung werde bis dahin obsolet sein, wurde ernsthaft vertreten - jedenfalls für die arme Normalbevölkerung. Die Reichen würden aber sicher weiter gut und teuer mit Medical Wellness versorgt werden.

Vor allem von dieser Veranstaltung habe ich ein merkürdiges Gefühl mitgenommen: Diese Vertreter der asiatischen Eliten schienen innerlich fest überzeugt, dass Asien das kommende Zentrum der Welt ist. Das alte Europa ebenso wie das wirtschatlich schwächelnde Amerika, das sind vergehende und vergangene Welten. Ebenso wird auch etwa Afrika negiert und man geht einfach davon aus: Die Zukunft findet in Asien statt, der Rest der Welt wird Randfigur.
Dieser fast schon an Hybris grenzende Stolz auf die eigene Entwicklung kommt leider daher auf einem sehr ausgeprägten Merkantilismus: Alles was Geld bringt, ist gut, alles was gut ist, muss Geld bringen. Speziell für den Bereich Gesundheit zeigt sich das Manko dieser schönen neuen Welt besonders deutlich. Auch das, was das Abendland unter Ethik versteht, was ja weitgehend auf der christlichen Nächstenliebe aufbaut, droht hier auf dem Abfallhaufen der Geschichte zu landen. Ist es wirklich so, dass Nächstenliebe dem Buddhismus, dem Hinduismus ebenso wie dem Islam fremd ist? Wenn man hier lebt, wenn man diese Menschen erlebt, in ihrem völlig unverkrampften permanenten Gewinnstreben, könnte man es fast glauben. Wenn dieser Sozialdarwinismus zur Ethik der Zukunft werden soll, dann bin ich nicht sicher, ob diese neue Welt so schön sein wird.