Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Freitag, 29. Juni 2012

Es gibt doch eine Baustelleneinrichtung

Die bereits erwähnte Baustelle liegt direkt an meinem Weg zur Arbeit, ich komme also jeden Morgen vorbei.
Dabei konnte ich auch beobachten, wie in diesem Fall die Fundamente gemacht wurden. Riesige Betonpfeiler, etwa 20x20cm dick und drei Meter lang wurden mittels gebohrter Löcher senkrecht im Untergrund versenkt. Damit das nicht so schwer war, wurde die Baugrube zusätzlich zum ausreichend vorhandenen Regen unter Wasser gesetzt.

Das alles hindert aber die Arbeiter nicht daran, auf der Baustelle zu wohnen. Eine kleine Plattform schwebt über dem Matsch, eine Plastikplane als Regenschutz, fertig ist die Bauhütte. Als wir gestern Abend ins Konzert fuhren, sah man sie dort gemütlich sitzen und kochen. Und auch die Wäsche wird gewaschen.
Ganz links unten sieht man das obere Ende einer der Funadament-Säulen. Davon wurden etwa 30 Stück in dieser Fläche verbaut. Der "Bohrer" liegt rechts.
Und man kann erkennen: Es fehlt an nichts, sogar die blaue Flasche mit Trinkwasser haben sie sich geleistet.

Mittwoch, 20. Juni 2012

Baustelle

Am Montag waren wir im Kino. "Das weisse Band" dauerte etwa zwei Stunden und so war es schon nach 23.00 als wir in unsere Ngach 63 einbogen. In der Dunkelheit erkannten wir ein Hindernis - ein kleiner LKW versperrte uns die Durchfahrt. 
Beim Näherkommen erkannten wir, dass da aus einer kleinen Lücke zwischen den Häusern ein Bagger Bauschutt auf den Laster packte. Nach einigen Minuten war er voll und fuhr davon, wir konnten heim.
Die Lücke, in der anscheinend ein Neubau geplant ist, war bei näherer Betrachtung kaum grösser als ein normales Zimmer. Da drin war nun also der kleine Bagger tätig, nachts um Halb zwölf! Die Kinder aus den umliegenden Häusern spielten auf dem Platz vor dem Tempel, an Schlaf war bei dem Lärm ja nicht zu denken.
Am nächsten Morgen war schon alles erledigt, die Baulücke ist fast schon bereit für den Neubau.
Ich denke, in den kommenden Wochen werden wir noch öfter hier warten, weil grade mal wieder Steine, Sand oder Beton angeliefert werden. In der Baustelle gibt es nicht wirklich viel Platz für eine Baustelleneinrichtung.
Aber man soll ja nicht so ungeduldig sein.

Montag, 18. Juni 2012

Quang Ngai Skin Disease


In diesem Frühling wurde aus dem Ba Tơ Distrikt der Provinz Quang Ngai das vermehrte Auftreten von unerklärbaren Todesfällen gemeldet. Ganz überwiegend waren Kinder betroffen. Die Zahlen waren nicht überwältigend, zwischen April 2011 und Juni 2012 wurden 216 Patienten mit besonderen Lesionen and Händen und Füssen gemeldet, viele hatten erhöhte Leberwerte, 12 starben an Multiorganversagen oder allgemeiner Sepsis. Medizinisch heisst die neue Erkrankung „inflammatory palmoplantar hyperkeratosis, IPPH“. Eine „mystery disease“ wurde sie genannt, bei der erst die Haut betroffen ist, später eine allgemeine Entzündung um sich greift.
Der Alarm war deshalb trotz der kleinen Zahlen gross. Wirkungsmechanismen, Ursachen und Behandlungsansätze waren nicht bekannt. Zunächst war auch nicht klar, ob die Erkrankung lokal beschränkt bleiben würde, was nach derzeitiger Auffassung wohl der Fall ist. Die Fälle sind auf diese relativ arme Küsten-Region Nord-Mittelvietnams beschränkt.
Was tut ein Land wie Vietnam, wenn so eine rätselhafte neue Krankheit auftritt? Man berät sich mit Experten von der WHO und aus den USA. Eine Gruppe solcher Experten wurde nach Vietnam eingeladen und hat nun einen ersten Bericht vorgelegt.
Danach wird davon ausgegangen, dass eine Vergiftung als wahrscheinlichste Ursache anzunehmen ist, weil neben bestimmten Hautpartien die Leber in besonderem Masse betroffen war. Anorganische Gifte (an denen es ja in Vietnam nicht mangelt, vom natürlich vorkommenden Arsen bis zur US-amerikanischen Hinterlassenschaft Dioxin (Agent Orange), aber auch Blei, Chrom, Nickel und andere wurden ausgeschieden, weil sie in der Region nicht verstärkt auftreten. Da in der Gegend viel Reis angebaut wird, wurden auch die diversen Agrochemikalien in Betracht gezogen. Der Verdacht blieb nicht auf ihnen haften, weil sie überregional im ganzen Land angewendet werden. Auch traditionelle Medizin geriet ins Visier der internationalen Experten. Aber alle Patienten bekräftigten, dass sie vor der Erkrankung keinen der traditionellen Heiler aufgesucht oder selber im Wald Heilkräuter gesucht hatten.
Die hier geschilderte Vorgehensweise ist m.E. nicht uninteressant: Im Negativverfahren werden nacheinander alle möglichen Toxine oder deren Quellen ausgeschlossen, wenn sie nicht in Frage kommen.
Und was blieb übrig? Zitat: „Mycotoxins have a high priority because some fungi may produce dermatologic symptoms and are toxic to the liver (but no known mycotoxin produces both symptoms). Fungi and aflatoxins are present in rice from the affected commune. Aspergillus, Fusarium, and Penicillum were present in the rice. Aflatoxins were measured in 37% (68/186) of the unhusked rice samples and 11% (25/233) of the husked rice samples. Levels of aflatoxin B1 and B2s exceeded the permissible level in 9% (16/186) of the samples of unhusked rice and 2% (4/233) of the husked rice.“ Also Pilztoxine, die auf Reis vorkommen, werden als die Auslöser vermutet – auf Deutsch: Der Reis war verschimmelt.
Der Abschlussbericht der Kommission wurde in diesen Tagen vorgelegt. Er schlägt zunächst weitere Untersuchungen vor, um die Hypothese weiter zu prüfen. Bis dahin geht man aber davon aus, dass bestimmte Arten der Behandlung und Aufbewahrung von Reis, der in der Region angebaut wird, unter bestimmten klimatischen Bedingungen zur Bildung der giftigen Pilze führen können. Die Menschen sollen also möglichst die Lagerungsbedingungen ändern, weniger den dort übliche roten Reis essen und ihren Reis nicht zu lange lagern. Wenn bereits ein Familienmitglied die Krankheit hat, dann ist dies ein Indikator, das dieser Haushalt den toxischen Schimmelpilzen gute Lebensbedingungen bietet. Hier besteht also besonderer Handlungsbedarf.
Warum Kinder besonders betroffen sind? Wie gesagt, es ist eine eher arme Region, in der zwar kein direkter Hunger herrscht, aber die Ernährung relativ einseitig auf 3xtäglich Reis basiert. (Ein beliebtes Gericht: Reis mit Kaulquappen.) Dabei gelten 30% der Kinder offiziell als unterernährt.
Schimmel ist überall in Vietnam ein Problem. Zu bestimmten Jahreszeiten kann man fast nicht vermeiden, dass alles im Haushalt schimmelt. Auch bei uns haben wir diese netten weissen oder grünen Beläge schon fast überall gefunden, Lebensmittel, Kleidung, Schuhe, Koffer, Möbel (sogar unsere Lautsprecherboxen hatten plötzlich solch einen weisslichen Überzug!) und Wände, Türen, Fenster. Schlimm wenn eine solche Schimmelart nun eine solche Krankheit verursacht. 
Denn diese Ursache wird dort kaum zu bekämpfen sein.

Freitag, 15. Juni 2012

A War Memorial - 9 Miles long

Just now I found an email in my HSPH Inbox, which was forwarded to faculty members. I would like to share it with you here:

---------- Forwarded message ----------
From: Mark Shapiro <mshapirouk@yahoo.com>
Date: Thu, Jun 14, 2012 at 4:46 PM
Subject: [aowg] (Dow Chemical) - Letter from the President of the Vietnam General Confederation of Labour
To: "xxxx@ngocentre.org.vn" <axxxx@ngocentre.org.vn>
Cc: Len Aldis <xxxxxx@yahoo.co.uk>


Len Aldis Secretary of the Britain-Vietnam Friendship Society has released a letter (attached) received from Comrade DangNgoc Tung the President of the Vietnam General Confederation of Labour (VGCL) representing 7.5 million Vietnamese workers addressed to Mr. Jacques Rogge the President of the International Committee and hand delivered yesterday to Sebastian Coe Chairman of the London Organising Committee for the London Olympic Games. 
Mr. Aldis held extensive talks regarding DOW Chemical and Agent Orange with the VGCL and senior members of government following a recent speaking engagement at a medical conference in Hanoi. 

And let's not forget Napalm, another Dow product and one of the most quoted passages of a U.S.Army source:

‘We sure are pleased with those backroom boys at Dow. The original product wasn’t so hot - if the gooks were quick they could scrape it off. So the boys started adding polystyrene - now it sticks like shit to a blanket. But if the gooks jumped under water it stopped burning, so they started adding Willie Peter (white phosphorous ) so’s to make it burn better. And just one drop is enough, it’ll keep on burning right down to the bone so they die anyway from phosphorus poisoning.’ 

"The Vietnam war memorial in Washington is 492 feet long. If a similar war memorial had been made for the Vietnamese who died, with the same density of names, it would be nine miles long."

Dow should be ashamed of itself! 
Justice for the Victims of Agent Orange!


Mark Shapiro
London UK
In my view, it is difficult to understand why the discussion is being focused on Dow Chemicals alone. It was military leadership that ordered and decided to use that terrible stuff!

PS.: Dies ist, ich sehe es grade, Blog Nummer 100. Zum Jubiläum also mal was explizit Politisches. Sorry! Eine Spätfolge meiner "linken Indoktrinierung" gegen den Vietnamkrieg, als ich noch Student war.

Montag, 11. Juni 2012

Where do all the Porsches come from?


When I drive through the streets of Hanoi on my SYM motor scooter (Made in Taiwan) what are the most popular cars I see? Porsche Cayenne, BMW X5, Audi Q7, Lexus and of course many Toyotas, most of them in the „City Tank Class“. Sometimes I also meet a beautiful Rolls Royce (a lovely white convertible seems to reside in Tay Ho.) According to an article that was published in 2010, Vietnam is an important market for European luxury cars (in 2009 two out of 4 Maybachs that were procuced that year, priced at roughly 500.000 USD, were flown to Vietnam, along with a Ferrari and a Mercedes SLS Gulling AMG. Vietnam is a communist country, so the buyers still have to pay 80% -100% import tax on top of these prices.

Vietnam is also still a developing country. While it is not in the lowest income country group by World Bank criteria anymore, it is still well within the Lower-middle-income Economies (Annual GNI per capita of $1,006 to $3,975), having an average of 1160 USD in 2010). The poverty rate was 12% in 2009. So where do people get the money to buy all these cars?

When you ask some of the expat insiders who have been living here for many years, they say: „Most are paid from ODA money“. (ODA = Offcial Development Aid). A somewhat drastic but widespread quote by Douglas Casey comes to mind: “Foreign aid might be defined as a transfer of money from poor people in rich countries to rich people in poor countries.”

Indeed, Vietnam is proud to be one of the 5 most important recipients of ODA in the world (OECD Statistics). Only Afghanistan and Ethiopia received more in absolute figures, Tanzania, Iraq and Pakistan follow in the list. In 2010 Vietnamese income from ODA decreased slightly to 2.940.08 Million USD (2009 it was 3.731.69). For a population of 87,375,000 that means 33.65 USD per person and year, which does not seem extremely much. This indicator places it on rank 99 of the DCA list of all ODA-recipient countries.

The list of most important donors for Vietnam is lead by Japan, Germany is on rank 5, with an overall aid sum of 110 Million USD (average 2009-1010). Link for graph.
Well, how does this translate into Porsches and Mercedes? This question is more difficult to explore as, obviously, we would be looking for corruption here (which is what we expats are referring to when we link the luxury cars to ODA.) According to the “General Corruption Perception Index” Vietnam was at rank 112 in 2011, better than 70 other countries including Russia, Bolivia, Bangladesh, Guatemala, Honduras, Philippines, Pakistan. Nevertheless, corruption is an issue that is causing increasing concern to the government as well as to the donors. At the 2011 Anti-corruption Roundtable Discussion in Hanoi, 2011, Jairo Acuña-Alfaro, Advisor to UNDP, presented findings that showed: Nearly 70% of the respondents to a nation-wide survey which was conducted in 2010 had been obliged to pay bribes when they wanted to get certain public services.
And Tuan Anh Ngyen shows in his 2011 PhD Thesis on page 144, that 50% of the costs of a normal generic drug in Vietnam are caused by the high load of informal payments that are made for marketing purposes.
In one of my prior blogs I related to the story about one of the Vice-Ministers of Health, who was found to have received a substantial "loan" from a manufacturer of pharmaceuticals in Vietnam (besides having presented a false document about his PhD qualification).

Of course none of these examples can prove the funding sources of the Porsche Cayenne that I am passing on the street (Hanoi traffic is not favourable to Porsches and Ferraris). But the feeling, that it was funded in some illegal way is hard to avoid. The official explanation is clear:

„Vietnam has a thriving economy“!

Freitag, 8. Juni 2012

Hanoi Opera rocks!

Yesterday evening we had the performance of Orff's Carmina Burana, again we were singing with the Hanoi International Choir.
I think the performance was great fun - we enjoyed it so much! I personally have never in my life sung with so much enjoyment and we all gave everything we had. 
A very rare occasion for Hanoi: We even gave an encore - "O Fortuna" once more. And the applause was great!
Alas, there is only one short video on YouTube, of the "O Fortuna" finale, and it was taken by somebody in the audience who could only show the left part of the stage. (So Elena and I do not appear, both being with the deeper voices on right - but OH YES!, we were there!!!). After the performnance we had hardly any voice left...
Well, here is the link: http://www.youtube.com/watch?v=vYGziv894Pc
And thanks to Graham, our conductor, who once again managed to stage a wonderful performance and gave us a memorable experience! 

Mittwoch, 6. Juni 2012

Regenwasser


Manchmal regnet es in Hanoi. Manchmal regnet es sogar ziemlich heftig. So waren für heute etwa 30mm vorhergesagt. Das meiste davon ist wohl zwischen 11.00 und 12.00 runter gekommen und mal wieder stand alles unter Wasser. Unsere Studenten brauchten die „Amphibien-Motos“ um zum Parkplatz durchzudringen, im Erdgeschoss des Hauses stand das Wasser knöcheltief.
Dieses viele und gern spontan auftretende Wasser soll natürlich möglichst schnell im Untergrund verschwinden. Unter den Hauptstraßen gibt es wohl große Kanalisationsrohre, die es auch innerhalb weniger Stunden verschlucken. (Bis dahin braucht man die „Amphi-Motos“, bei denen der Motor auch unter Wasser nicht ausgeht. Wenn ich mit meinem nicht zu langsam fahre, also richtig durchpflüge, dann hat es auch diese Qualität.)
Auch in den kleinen Gassen, wie sie zu unserem Haus führen, steht das Wasser natürlich, wenn der Kanal nicht funktioniert. Hier ist es ein echter Kanal, der etwa in der Mitte der Gassen direkt unter der Oberfläche verlegt und mittels Betonplatten abgedeckt ist. Man sieht diese Platten besonders dann, wenn eine kaputt ist – die Weiterfahrt wäre etwas behindert, wenn man mit dem Vorderrad rein fahren würde.
In den letzten Wochen wurden auf meiner Heimfahrstrecke diese Kanäle gesäubert. Alle paar Meter wurden die Betonplatten mit Presslufthammer und großen Stemmeisen hoch gewuchtet, dann wurde darunter mit Gabeln und Pumpen der feste und flüssige Dreck der letzten Jahre (?) heraus geholt und mit Handkarren weg gebracht. Eine ziemlich ekelige Angelegenheit, geruchsmäßig und so. Nachdem die Platten wieder zurück gelegt waren, zeigten sich ziemliche Löcher und Fugen (etwa 8-10 cm Breite), die Platten drohten teilweise in die Kanäle zu fallen. Klar, man hatte sie ja auch mit dem Presslufthammer gelockert um sie heraus zu heben, da hatten manche etwas Schaden genommen. Da auch diese Straßenbeschaffenheit nicht besonders erfreulich ist (wer ist schon mal mit dem Motorrad in eine tiefe, 10cm breite Fuge gekommen?) sannen die guten Anwohner auf Abhilfe. Plötzlich war vor jedem Haus jemand dabei, die Fugen mit Zement zu schließen. Bei laufendem Verkehr war das nicht immer ganz einfach, und bis zum Festwerden des Zements wurden dann halt alle möglichen Markierungen angebracht um zu verhindern, dass jemand durch den weichen Zement fuhr. 
Der Kanal war also sauber als dann heute mal wieder der Regen kam. Es zeigte sich, dass die Fugen, in begrenzter Breite und vor allem wenn sie quer zur Fahrtrichtung verlaufen, durchaus eine Funktion haben: Dadurch soll nämlich das Wasser in den Kanal kommen.
Diese Fugen waren nun aber zu zementiert. 
Schade eigentlich.