Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Donnerstag, 10. Juni 2010

Hoi An und My Son - Tourist trap und Cham Ruinen

Es ist nun schon einige Monate her, dass wir mit Sascha in Hoi An waren, aber der Bericht darüber steht noch aus. Vielleicht liegt es daran, dass ich die Begeisterung, die alle Reiseführer zu Hoi An verbreiten, nicht so ganz teilen konnte?
Unser Flug, diesmal mit Jetstar, der Discount Fluglinie, brachte uns nach Da Nang, ein Flugplatz ähnlich Tuy Hoa mit deutlich militärischer Vergangenheit. Am Flugplatz holte uns ein Hoteltaxi ab, so hatte ich es per Internet und telefonisch bestellt.
Die Fahrt nach Hoi An geht die Küste entlang, vorbei an entstehenden Betonburgen, die schlimmste Befürchtungen schüren: Hier ist Vietnam dabei, einen seiner schönsten Strände durch Massentourismusangebote massiv zu verschandeln und verderben. Das Grauen kündigt sich an.
Dass Touristen in dieser Region die Melkkühe sind, erleben wir dann gleich, als uns das Taxi am Hotel abliefert: Dieses Etablissement hat einfach keinerlei Ähnlichkeit mit dem neu eröffneten Hotel, das ich im Internet gefunden und gebucht hatte. Zwar gibt es den „Riverview" aus dem Fenster, aber nur über die allgemeine Terrasse, mit Rauchertisch gleich unter unserem Fenster. Als dann das Licht nicht funktioniert und die Zimmerwände sich als schwarz von Schimmel erweisen, weigern wir uns, und verlangen, in das Hotel gebracht zu werden, das wir gebucht haben. Ein Vergleich mit den Emails ergibt, dass ich per Internet ein anderes, sich ähnlich nennendes Hotel gebucht habe. Dann ist mir nicht aufgefallen, dass sich per Telefon jemand anderes, eben diese Bruchbude, gemeldet hat, und dass ich telefonisch hier auch gebucht habe. Ein Anruf beim eigentlich gemeinten, guten, Hotel ergibt, dass sie auch einen Wagen am Flughafen hatten und noch immer auf uns warten. Doch unsere Bruchbude will uns nicht auslassen: Sie haben gleich unsere Pässe kassiert und wollen die erst rausrücken, wenn wir bezahlen. Erbitterte Diskussionen, ich bestehe darauf die Polizei zu holen, aber es hilft nichts. Wir müssen erst eine Abstandszahlung raushandeln und leisten, bevor sie uns ziehen lassen.
Überraschend ist dann, dass auch das Hotel, zu dem wir gebracht werden, nicht das ist, was wir gebucht haben, sondern die Dependence in der Stadt, mit einer lauten Strasse vor den Fenstern. Die ursprünglich für uns vorgesehenen Zimmer seien erst morgen wieder verfügbar. Nun, wenigstens ist alles sauber und schick, so ergeben wir uns in unser Schicksal. Geschlafen wird halt mit Klimaanlage, geschlossenem Fenster und Oropax.
Schon der erste abendliche Spaziergang zeigt: Die Stadt ist hübsch, hat geradezu idyllische Ecken die man sonst in Vietnam so nicht findet, aber sie ist extrem touristisch – wobei Touristen hier Ausländer sind, Vietnamesen meiden den Trubel eher.

Das Hübsche erklärt sich aus der Geschichte, die ich wieder aus Wikipedia übernehme: Die Stadt wurde im 4. Jahrhundert von den Cham gegründet. Mit deren Rückzug verlor sie erstmals an Bedeutung. Unter der Herrschaft von Regent Nguyễn Hoảng (1558 - 1622) und dessen Sohn Nguyễn Phúc Nguyễn (1623 - 1634) wurde der Hafen nach außen geöffnet. Es siedelten sich zahlreiche Händler-Familien aus China und Japan an, deren Länder sich Ende des 15. Jahrhunderts offiziell abgeschottet hatten, und ihre Waren in ausländischen Häfen umschlagen ließen. Durch die Nähe zu China eignete sich Hội An für japanische Schiffe, die die Genehmigung dazu besaßen, Shuinsen genannt, und den Hafen bei Nordost-Monsun in 40 Tagen erreichen konnten. Zu dieser Zeit war die Stadt zweigeteilt, jenseits der japanischen Brücke (Chùa Cầu) wohnten die japanischen Familien. Als 1635 der Außenhandel in Japan endgültig verboten wurde, verlagerte sich die Bedeutung des Hafens erneut. Zu dieser Zeit wurden europäische Handelsniederlassungen in Hội An gegründet: 1613 die English East India Company, 1636 die holländische Vereenigde Oostindische Compagnie und 1644 die französische Compagnie des Indes Orientales. Zu der Zeit ließen sich Inder, Portugiesen, Holländer und Franzosen nieder­. Der geschäftliche Erfolg der Gesellschaften war allerdings gering, so dass sie sich bald zurückzogen. Als 1644 die Ming-Dynastie in Bejing von den mandschurischen Qing gestürzt wurde, flohen zahllose Chinesen nach Südostasien und übernahmen Hội An geradezu. Mit der zunehmenden Versandung des Hafens mussten die immer größeren Handelsschiffe in den Hafen von Đà Nẵng ausweichen. So verlor Hội An im 18. Jahrhundert immer mehr an Bedeutung. Während der Tây Sơn-Rebellion wurde die Stadt 1780 weitgehend zerstört und nochmals aufgebaut. 1888 erklärten die Französische Kolonialmacht Đà Nẵng zur Hauptstadt von Annam und auch die Eisenbahn wurde 1930 an Hội An vorbei gebaut. Diesem Niedergang hat die Stadt allerdings den Erhalt des historischen Stadtbildes zu verdanken. Die Altstadt wurde 1999 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, da sie als gut erhaltenes Beispiel eines südostasiatischen Handelshafens aus dem Zeitraum vom 15. bis zum 19. Jahrhundert gilt, deren Gebäude eine Verschmelzung einheimischer und fremder Einflüsse, vor allem dem Stil südchinesischer Kleinstädte, zeigen. 

Dem Durchschnittstouristen bieten sich die teilweise französisch anmutenden kleinen Gassen, die sog. Japanische Brücke, die vielen sehr prachtvollen chinesischen Gebetshäuser. Auch einige alte Bürgerhäuser werden als Museen angeboten – zu einem für uns horrenden Eintrittspreis (wir sind halt genervt, dass hier plötzlich europäische Preise verlangt werden).

Ansonsten ist die Stadt eine einzige „Tourist Trap": Ein sogenannter Schneiderladen am anderen (alle mit den gleichen Klamotten im Angebot), und natürlich unendlich viele Kneipen aller Art, auch mit fast europäischen Preisen. Trotz unserer ursprünglichen Zweifel haben wir uns doch noch einfangen lassen von einem der Unmengen von Schneiderläden, wo einem die Erstellung eines Maßkleides oder Hemdes in wenigen Stunden und für wenig Geld angeboten wird. Das Kleid für Elena wurde auch in wenigen Stunden erstellt – allerdings musste es ungefähr 5 mal nachgearbeitet werden, weil die Schneiderin absolut nicht in der Lage war, Maß zu nehmen. Und Saschas maßgeschneidertes Hemd schrumpfte nach der ersten (vorsichtigen!) Wäsche auf 30% des Ursprungs, weil der Stoff offensichtlich völlig ungeeignet war. Ich weiß, viele andere Touristen sind von der Schneiderei begeistert, wir waren es nicht, weil nach unserem Eindruck die meisten der Shops nicht wirklich schneidern können.
Nun ja, das klingt jetzt alles negativ, war aber eigentlich nicht so. Es gibt wirklich sehr hübsche Gassen, es gibt sehr nette Läden, es gibt viele gute Kneipen, sogar in der bevorzugten Lage direkt am Fluss. Durch den Fluss und durch die engen Gassen der Altstadt sowie durch die vielen besonders prachtvollen Tempel entsteht trotz der Touristenströme und trotz der permanenten Anmache (You buy from me?!) eine ganz eigene Atmosphäre.

An einem Tag mieteten wir uns Fahrräder, um durch die schöne Landschaft mit Gebüschen, Bananen und vor allem Reisfeldern an den Strand zu fahren. Das Meer begrüßte uns mit einer angenehmen kleinen Brandung, der Strand war nicht überlaufen und unter den Palmen lag man sehr angenehm. Relaxen pur!

Am nächsten Tag mieteten wir uns 2 Roller (das übliche Feilschen um den Preis war hier schon deutlich unverschämter als in Hanoi) und machten uns auf den Weg (ca 50km) nach My Son, der alten Kultstätte der Cham. Sascha genoss es, zum ersten Mal im Leben Roller zu fahren und kam schnell mit dem Verkehr klar. Dieser war aber auch nur auf der relativ kurzen Strecke an der Nationalstrasse, mit den vielen Lastern, unangenehm. Dann ging es wieder durch die Dörfer, vorbei an vielen Gestellen, an denen Tabakblätter zum Trocknen hingen und vorbei an vielen Szenen vietnamesischen Dorflebens.
My Son: Eine völlig andere Welt öffnet sich. Die Cham waren mit ihrem Champa-Reich ab dem 2.-3. Jahrhundert die dominierende Kultur in Zentralvietnam. Vieles darin war von Indien beeinflusst, der Hinduismus mit der Verehrung des Gottes Shiva ist in allen Bauwerken zu erkennen. In dem idyllischen Tal von My Son hatten die Cham bis ins 13. Jahrhundert ihre zentrale Tempelstadt, errichteten etwa 70 Bauwerke. Diese  wurden in der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts von französischen Archäologen aus dem Dschungel freigelegt und renoviert, bis hin zu dem 24 Meter hohen Hauptturm mit seinen Bildhauereien von Elefanten und Löwen. 

Leider kamen 1969 die damals aktivsten Verteidiger der abendländischen Kultur vorbei und zerstörten mit einem Teppich von Bomben und Napalm fast alles, was die Franzosen kurz vorher wieder hergerichtet hatten – die Anerkennung als Weltkulturerbe 30 Jahre später kommt einem da fast wie Hohn vor. Denn die spezielle Bauweise der Cham, ohne Verwendung von Mörtel, kann bis heute niemand nachvollziehen und der erneute Wiederaufbau ist schwierig. Vieles ist Ruine geblieben, wieder im Urwald verschwunden.
Die Stimmung ist trotzdem sehr romantisch und irgendwie an „Indiana Jones" erinnernd. Der Zauber der alten Cham wirkt noch immer und auf dem großen Gelände verlaufen sich die zahlreichen, auch einheimischen, Touristen. Als wir gerade auf einer Bank im Schatten zusammengebrochen waren (es waren die ersten richtig heißen Tage in diesem Jahr) hatten wir eine vietnamesische Großfamilie als Nachbarn, die einen veritablen Picknick dabei hatte. Viel Gelächter, viel „How are you? What is your name? Where are you from?" und plötzlich hatten wir eine Platte wunderschöner Wassermelone vor uns. Die Freude darüber war an beiden Tischen durchaus gleich groß!

Auf dem Rückweg verkauft ein taubstummer Bildhauer hinduistische Tier-Gott Figuren „made from genuine My Son Rock". Seit unserem Halt bei ihm steht nun so ein kleiner Elefantengott bei uns auf dem Regal. Ganesha oder so?
Fazit dieses Kurzurlaubs aus meiner Sicht: Hoi An kann, My Son muß sein, wenn man Zentralvietnam bereist.

Weitere Fotos gibt es wie immer bei Picasa im Album Hoi An und My Son.Viel Spass!


Dienstag, 8. Juni 2010

Das Requiem von Verdi in Hanoi

Es ist ein ungewöhnliches Gefühl, als ich da oben in der hintersten Reihe bei den „Basses Two“ sitze und zuschaue, wie sich der Zuschauerraum langsam füllt. Der schöne Raum der Hanoier Oper, die Aufregung unter uns Choristen, das Orchester beim Stimmen – das ist schon so etwas wie Schmetterlinge im Bauch!
Bei der Generalprobe
Wir sitzen schon auf der Bühne, weil die über 100 Chormitglieder sich sehr drängen müssen da oben, was den sonst üblichen feierlichen Einzug zum Risiko werden ließe. Aber wir sind, wie vorgegeben, alle in schwarz, die Männer mit Fliege (manche wurde noch eben hinter der Bühne schnell umgebunden), die Notenbücher in schwarzen Einbänden. Einladungen und Werbung wurden professionell verteilt, siehe Grapevine, wir haben unsere Freikarten an unsere Freunde und an den Vermieter verschenkt.
Die Gedanken gehen zurück. Etwa neun Monate ist es her, als wir zum ersten Mal versuchten, leise und doch kraftvoll, geheimnisvoll und mit viel Spannung „Requiem“ zu raunen. Als wir damit begannen, uns das „Dies Irae“ zu erarbeiten („OK, that was not bad, but now try to be five times as loud!“ meinte Graham damals). Als wir das Gefühl hatten, den großen Schlussakt des „Libera me!“ einigermaßen zu beherrschen, war es dann schon 6 Monate später (in denen wir zwischendrin mal schnell die Carmina Burana eingeübt und aufgeführt haben)… Eine tolle Zeit, die in der letzten Woche mit bis zu zwei Proben pro Tag ihren Höhepunkt hatte.
Der Hanoi International Choir (HIC) besteht schon seit vielen Jahren. Er wird geleitet von Graham Sutcliffe, der hauptberuflich auch der Leiter von Chor und Orchester der Hanoier Staatsoper ist – VNOB: Vietnam National Opera and Ballet. Das bedeutet, dass er über ein kleines, schlagkräftiges Ensemble von Profis verfügt. Aber wenn größere Projekte anstehen, wie die Carmina Burana im Herbst oder eben jetzt der Verdi, dann wird der HIC zur Verstärkung herangezogen. (Wobei hier auch das nicht ausreichte: Andere Hanoier Chöre wurden auch noch eingeladen, mit zu singen, damit wir nun so stimmgewaltig auf der Bühne stehen können.) Die Proben fanden im allgemeinen Montag Abends in den Übungsräumen des VNOB statt, in den letzten Wochen dann auch mit den Mitgliedern des VNOB, die sonst separat beübt wurden. Nur zur Generalprobe kamen wir in die Oper.
 Nochmals Generalprobe
Als Graham uns damals als Neulinge begrüßte, war der Eindruck eigentlich: „Das kann ja gar nichts werden“,  Aber mit Geduld und dank vielem Üben daheim am Computer (auf www.cyberbass.com kann man jede Stimme einzeln anhören und mitsingen) fühlt es sich nun doch ganz gut an. Natürlich trauen wir uns nicht zu, an die Aufführungen heranzukommen, die wir beispielsweise von Karajan auf CD anhören, wir sind ja noch nicht mal alle 100% sicher bei allen Einsätzen, aber wir haben doch ein ganz gutes Gefühl.
Zu Verdis „Requiem“ will ich einfach mal aus Wikipedia zitieren: Unter dem Eindruck des Todes von Gioachino Rossini 1868 lud Giuseppe Verdi die seinerzeit zwölf bedeutendsten Komponisten Italiens zur Gemeinschaftskomposition einer Totenmesse ein, der sogenannten Messa per Rossini. Er selbst übernahm in diesem Requiem die Vertonung des Schlusssatzes, des „Libera me“. Die Uraufführung sollte am ersten Todestag Rossinis, dem 13. November 1869, in Bologna stattfinden. Die Messa per Rossini war im September 1869 fertiggestellt, eine Aufführung kam jedoch wegen widriger Umstände nicht zustande. Das Manuskript geriet daraufhin zunächst in Vergessenheit. Erneut beschäftigte sich Verdi mit dem Requiem-Stoff, nachdem 1873 der Dichter Alessandro Manzoni verstorben war. Verdi hatte den hochangesehenen Manzoni, Identifikationsfigur des Risorgimento – der italienischen Nationalbewegung, deren Vertreter auch Verdi selbst war (vgl. Viva Verdi) – zutiefst verehrt. Er offerierte der Stadt Mailand die Komposition einer Messe, die ein Jahr nach Manzonis Tod aufgeführt werden sollte. Die Stadt nahm dankend an. Nachdem Verdi 1871 mit der Oper Aida einen bahnbrechenden Erfolg errungen hatte, der ihm auch in Deutschland endlich zur Anerkennung verhalf, komponierte Verdi die Messa da Requiem als sein vorläufig letztes Werk. Kirchenmusik hatte Verdi bis zu diesem Zeitpunkt lediglich während seiner ersten Ausbildungsjahre, die damals schon dreißig Jahre zurücklagen, und bei der erwähnten Teilkomposition der Messa per Rossini hervorgebracht. Angeblich studierte er während der Komposition der Messa da Requiem in Paris die Requiems von Mozart, Cherubini, Berlioz und weiteren Komponisten. Verdis Beitrag zur Messa per Rossini, das abschließende „Libera me“, wurde nun die Keimzelle für das gesamte Requiem. Verdi behielt ihn in leicht veränderter Form als Schlusssatz auch der neuen Komposition bei. Den A-cappella-Satz „Requiem aeternam“ für Solosopran und Chor aus der Totenmesse für Rossini verwendete Verdi im neuen Requiem im Orchester- und Chorsatz des „Requiem aeternam“ im Introitus. Die Vertonung des „Dies irae“ aus der älteren Komposition wurde dreimal für textgleiche oder -ähnliche Passagen der Sequenz aufgegriffen. Verdi verwertete außerdem eine weitere Eigenkomposition, die in der französischen Erstfassung der Oper Don Carlos als Totenklage für Posa fungierte, im „Lacrimosa“.
Nun, die aus England eingeflogenen jungen Solisten und Graham kommen auf die Bühne, wir stehen „wie ein Mann“ auf, öffnen auf Kommando unsere Noten, die Celli stimmen die ersten Brummeltöne an und dann geht es los: „Requiem! Requiem in aeternam!“ Sowohl bei den leisen Stellen, noch mehr aber bei den vielen lauten und sehr lauten Passagen (Wie sagte Gottfried? „Heute haben wir mal wieder richtig toll gebrüllt!“) entstehen diese kleinen Schauer auf dem Rücken, die nicht von der Klimaanlage kommen, entsteht dieses unbeschreibliche Gefühl, mit einem mächtigen Klangkörper eins zu sein, tragend und getragen werdend, mit einer Stärke, die man sich selber vorher nie zugetraut hätte.
Als die letzten Töne verklungen sind, die Spannung des Schlussschweigens dem Beifall Platz macht, schauen wir uns an, drücken uns die Hände, bestätigen uns, wie toll es war, sind erleichtert, erschöpft und irgendwie euphorisch. Einfach ein wahnsinniges Erlebnis! (Dass wir nach Hanoi, Vietnam, kommen mussten, um so was zu erleben, ist schon kurios. In Deutschland hätten wir uns nie getraut, in einen Chor zu gehen.)

Der Abend klingt aus draußen im Operncafe, bei angenehmen 28 Grad, unter Sternen und Palmen, mit den Hanoier Hupkonzert im Hintergrund. Die Melodien lassen einen nicht los, immer wieder summt man einzelne Passagen. Die Freunde bestätigen uns, dass die Aufführung schön war, ein tolles Erlebnis. Einige Tage später liest man einen Kommentar in Hanoi Grapevine, der auch den Eindruck bestätigt, selbst wenn dem Chor kleine Unsicherheiten bescheinigt werden. Was ja auch nicht zu leugnen war...
Aber gehen die Gedanken schon in Richtung des nächsten Projektes: Mahlers 8. Symphonie soll mit den anderen Hanoier Chören aufgeführt werden, unter Leitung eines Japaners. Na ja, das ist ja ein noch ehrgeizigeres Projekt!

(Auch hier gibt es wieder Fotos, aber nur wenige. Man kann ja nicht gleichzeitig singen und Fotos machen. Einige hat uns auch Günter gegeben. Vielen Dank!)