Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Montag, 14. Dezember 2009

Aktion Weihnachtsbaum

Seit gestern Morgen haben wir unseren Weihnachtsbaum! Oder so was ähnliches? Natürlich ist es keine Nordmanntanne, sondern ein hiesiges Gewächs. Das muss auch so sein, oder?

Vor etwa einer Woche waren wir auf einem der auch hier durchaus stattfindenen Weihnachtsmärkte, und ich hatte angefangen, herumzfragen: „ Wo könnte man hier so etwas wie einen echten Baum für Weihnachten finden? Wir wollen keinen Plastikbaum!?" Die Antworten waren nur teilweise ermutigend. („Ja, da hat doch mal über die Botschaft …., importiert….., richtig teuer…, so ab 300 Dollar ….“). Das war es uns sicher nicht wert.

Auch eine Anfrage, die ich im „New Hanoian“ einstellte, brachte von den hier überwiegend vertretenen englisch-sprechenden Expats keine ermutigenden Hinweise. Tendenz:  „Christmas Trees in Hanoi? Forget it!“

Aber eine Rund-Email in der deutschen Community ergab gleich: Alles halb so schlimm. Die teuren importierten Bäume gibt es auch, aber in der Dang Thai Mai, auf der Tay Ho Halbinsel sollte es mehrere Gärtnereien geben, bei denen man Bäume im Topf kaufen könne, die einem Weihnachtsbaum schon recht nahe kämen. Na gut, mit einem CIM-Kollegen wurde verabredet, dass wir am Samstag hinfahren um einen „Baum zu jagen“. Ein anderer CIM-Kollege meldete sich noch, der beim Radio arbeitet, und wollte eine Redakteurin mitschicken, die darüber, wie die Deutschen in Hanoi einen Weihnachtsbaum jagen, einen kleinen Beitrag für den deutschen Kanal von Radio VOV machen wollte.

In der Dang Thai Mai gab es tatsächlich bei einigen Gärtnereien Bäume mit einer gewissen Ähnlichkeit zu Weihnachtsbäumen. In riesigen Töpfen, und ohne Verhandlungsbereitschaft über den Preis. „Frechheit“ denkt sich der Ausländer, der inzwischen gelernt hat, dass es in Vietnam eigentlich „fixed prices“ nicht gibt. So zog ich erst mal weiter, der Kollege und die Reporterin hatten auch noch was anderes zu tum. Aber ich ließ nicht locker und fand bei einer anderen Gärtnerei einen Baum, der mir gefiel. Die Frage nach dem Preis löste langes Kinnkratzen aus, dann die Antwort „My friend not here“, der eigentliche Chef also sei nicht da, er käme erst gegen Abend.

Nun, so schwang ich mich erst mal wieder auf meinen Roller und prüfte die weitere Umgebung. Andere Gärtnereien, den Blumenmarkt, der unweit ist, die Strassen in Richtung Ciputra, wo die Expats so gerne leben. Nichts. Kein einziger Baum, nicht mal Zweige. Dabei gibt es 40 km nördlich von hier die schönsten Kiefernwälder!

Nun, auch gegen 17.00 war der Chef noch nicht da, und ich versuchte, mit der Chefin der Nachbargärtnerei zu klären, ob er noch kommt. Im Ergebnis ging sie mit mir in das Gelände ihres Kollegen und verkaufte mir den Baum. Preis: Wieder nicht verhandelbar. Ich hatte aber auch meine Verhandlungsposition schon ziemlich schlecht gemacht durch die intensive Nachfrage. Und am nächsten Morgen um 9.00 sollte er geliefert werden.

Zum Termin erschien erst mal die Radioreporterin wieder. Ich hatte ihr per SMS mitgeteilt, dass ich doch einen Baum gefunden hatte. Wir bemerkten, dass der Strom ausgefallen war, weil die Türglocke nicht ging. Dann kam der Baum-Xe Om Fahrer zu Fuß und meinte, er könne nicht bis zum Haus fahren. Bauarbeiten! Wir schauten nach und das Problem wurde klar: Der Strom war weg, weil der Strommast an der Ecke abgebaut worden war. Alle Kabel hingen so in etwa 1,50 Meter Höhe über der Strasse (und ich meine ALLE Kabel, was in Vietnam ziemlich viele sein können!)  Hinten sah man den Baum auf dem Xe Om: Er stand mit seinen über 2 Meter einfach hinten auf dem Gepäckträger des Mopeds. Mit dem Fahrzeug konnte er nicht unter den Kabeln durch! 

Nun, Reporterin un Putzfrau ergriffen irgendwelche Bretter und Stangen, schoben die Kabel hoch und vorsichtig navigierte der Fahrer unten durch. 

Auch das Hoftor war nicht zu meistern, aber mit unserem Rollbrett hatten wir den Baum dann doch schnell im Haus.


Die Reporterin hatte ihre Story (der Beitrag soll am 23. gesendet werden) und unsere kleine Katze Bao-Tsi hatte einen Baum, den sie erkunden konnte.


Und mit Schmuck sieht er doch wirklich wie ein Weihnachtsbaum aus, oder?


(Die eigentlich an diesem Tag noch geplante Adventskaffee-Einladung musste dann wegen des persistierenden Strommangels leider ausfallen, aber das ist eine andere Geschichte ….)

Samstag, 5. Dezember 2009

Bali im November


Der Rand der Strasse kommt irgendwie unausweichlich näher, Gewichtsverlagerung geht nicht, schon sind wir mit beiden Rädern auf dem Schotter und bei dem Versuch, dagegen zu lenken bricht das Hinterrad aus – krachend und schleifend rutschen wir seitlich auf der Teerstrasse entlang. Als wir zum Stillstand kommen, richte ich mich auf, mache ich den Motor aus und betrachte den Schaden. Mein Bein hat Einiges an Haut eingebüsst beim Schliddern auf der Strasse, Elena hat zum Glück nur kleinere Schürfwunden, der Roller sieht OK aus und ist schnell wieder aufgestellt. Ärgerlich so was, ob es uns den weiteren Urlaub vermasselt? Dabei hatte ich doch nur kurz einen der vielen schönen Eindrücke aufnehmen wollen und kurz den Blick von der Strasse genommen! (Was aber schon seit Hans-guck-in-die Luft keine empfohlene Vorgehensweise ist…)

Bald hält ein netter Balinese, fragt ob er helfen kann, besteht darauf, mich zur nächsten Apotheke zu bringen wo ich mit chinesischen Superjod und Verbandsmaterial ausgestattet werde. Auf dem Weg erzählt er, dass er Bildhauer ist und schon viel in der Welt herumgekommen ist mit seinen Arbeiten. Ich bin nicht geistesgegenwärtig genug, zu fragen ob wir ihn in seinem Atelier besuchen können, Als er weiter gefahren ist, verarztet Elena mich erst mal, dann fahren auch wir weiter.

Der Urlaub hatte wirklich schön angefangen: GTZ-Workshop in Kuta in einem schicken Hotel mit großem Pool und 100 Meter vom berühmten Strand (an dem wir auch ein Mal baden), der abendliche Ausflug zum Uluwatu Tempel, malerisch auf dem Felsen hoch über dem Meer, zwar ohne Sonnenuntergang aber mit vielen Affen: Dann das romantische Abendessen zu zweit bei Kerzen – und Mondschein direkt auf dem Strand von Jimbaran, das festliche Konferenzabendessen mit Tanzvorführungen in der großen Anlage des Garuda Visnu Parks, der nette Fahrer Myrta, der immer gerne auf unsere Versuche einging, den Preis etwas runter zu handeln (anscheinend haben wir es nicht geschafft, unter die Schmerzgrenze zu kommen), alles versprach einen traumhaften Kurzurlaub! ( Wie immer, gibt es zu diesem Bericht auch viele Fotos. Ihr findet sie hier.)

Kuta hatten wir nach Ende der Konferenz schnell verlassen – ein kurzer Stadtrundgang konnte uns nicht zum Bleiben überreden. So brachte uns Myrta zunächst nach Ubud, nicht ohne unterwegs die einschlägigen Stopps bei der Batikfabrik und bei den Silberschmieden zu einzulegen. Angeblich bekamen wir nur durch ihn Rabatt auf die ansonsten festen Schmuckpreise. Aber es gab wirklich auch schöne Sachen dabei….

In Ubud hatten wir kein festes Hotel vorbestellt. Es war ja keine Saison mehr. Aber alle, die ich aus dem „Lonely Planet“ raussuchte, waren bei Myrtas Telefonanrufen schon ausgebucht. Schließlich gab doch eines, das schön klang: Auf verschlungenen Pfaden durch die Reisfelder mühsam gefunden, wunderschöne Lage, netter Pool – aber ziemlich teuer für die Abgelegenheit und die offenen Badezimmer sind für Elena ungewohnt, weil ihr doch die Geckos unheimlich sind. So landeten wir schließlich im Tjampuhan, aus der früheren 30er Jahre Villa des Malers Walter Spies entstanden, viele kleine grasgedeckte Häuschen am Steilhang mit Pool in einer traumhaft schönen Anlage. Unten unter den dschungelartigen Bäumen rauscht ein kleiner Fluss in der Schlucht .Zum Abendessen gingen wir in ein schickes Restaurant in Richtung Stadt. Das Essen war köstlich, aber die riesigen Geckos an der Wand waren nicht alle aus Ton…

Ubud zeigte sich als das charmante Tourismuszentrum, das allseits angekündigt worden war. Im Königspalast filmten wir eine kleine Gruppe Jungs, die unter Aufsicht ihres Lehrers Tänze aufführten, mit ernsten Gesichtern, rollenden Augen und den verzwicktesten Hand- und Fingerbewegungen (hier ist der Film). Wir besuchten den Monkeyforest mit seinen Scharen frecher Makaken und den drei Tempelanlagen in einer urwaldartigen Umgebung. Wir speisten direkt am großen, mit Lotusblüten übersäten See beim Wassertempel, wir sahen Abends einen Ketchak -Tanz beim Schein eines lodernden Feuers und wir streiften durch die unendlichen Läden mit Schmuck, Batikstoffen und Sarongs in Baumwolle und Seide. Die vielen Galerien haben wir ausgelassen, obwohl die Stadt gerade auch dafür berühmt ist, seit der kluge König in den 30er Jahren des 20. Jhdt. begonnen hat, internationale und nationale Künstler dorthin zu holen und es damit wirklich geschafft hat, dem kleinen Städtchen weitab von den Stränden ein ganz besonderes und bei Touristen aller Art beliebtes Flair zu geben.

Von Ubud aus machten wir dann auch den Rollerausflug, der uns zunächst nach Gunung Kawi führte, eine wunderschöne Fahrt durch die tropische Landschaft und verschlafene Dörfer, dann die Begräbnisanlage, riesige Grabdenkmäler für eine Königsfamilie aus dem 11. Jhdt., in die Wände eines tief eingeschnittenen Flusstales gehauen, dazu ein großer Tempel, und rundherum die berühmten Reisterrassen. Schon ziemlich märchenhaft. Und mit den Sarongs (die man wegen des Tempels anziehen muß) auch ziemlich warm.


Ja, und dann passierte bei der Weiterfahrt der blöde Unfall. Doch wir beschlossen, ihn so gut es ging zu ignorieren. Die Binden sahen zwar ziemlich bald ziemlich schrecklich aus, aber wir setzten die geplante Fahrt auf den Kraterrand des Gunung Batur fort. Ein wirklich einmaliger Blick empfängt einen dort, mit dem riesigen Krater, dem türkisen See und dem neuen Vulkankegel der vor etwa 20 Jahren entstanden ist und noch immer aus nackter Lava besteht. Die Fahrt in den Krater hinunter wollten wir unserem Roller nicht antun, weil er den extrem steilen Strassen nicht gewachsen gewesen wäre, und so fuhren wir nur den Kraterrand entlang, bis wir in die Wolken kamen und uns kalt wurde.

Auf dem Rückweg kamen wir dann noch durch mehrere Dörfer, in denen die für diesen Tag anscheinend typischen Prozessionen stattfanden:
Alle Männer, manchmal auch die Frauen, schritten in langer Kolonne hinter der Musikkapelle her, das eine oder andere wilde Maskentier umringend. Am Straßenrand hatten die Frauen kleine Tische mit Opfergaben aufgebaut, die dann wieder eingeräumt wurden wenn die Prozession vorbei war. Sonst liegen ja buchstäblich überall diese kleinen Opferkörbchen herum, selten werden sie angezündet, meist von Fußgängern zertreten oder sie kommen unter irgendwelche Räder – ein merkwürdiger Brauch.

Von Myrta, der darauf bestand, gerufen zu werden, ließen wir uns dann nach Padangbai bringen, unterwegs bestanden wir auf dem Umweg über Sidemen. Hier war nun die richtige Reisterrassengegend, einmalige Bilder mit dem Gunung Agung (ein 3000 Meter Vulkan der noch rauchend aktiv ist) im Hintergrund. Eine Weberei, die in einem wunderschönen Haus wunderschöne Arbeiten herstellte und auch verkaufte, riss nicht nur uns sondern sogar Myrta zum Einkaufen hin.

Padangbai, an der Südküste, stellte sich als Enttäuschung heraus. Die eigentlich traumhafte Bucht war ziemlich verdreckt, der Ort einfach total verschlafen. So wurde wieder ein Roller gemietet und eine weitere Tagesrundreise gemacht. Zunächst auf den Gunung Agung soweit es ging, das Staunen der Lokalbevölkerung zeigte uns, dass wir nicht auf den üblichen Touristenwegen waren. Dann in Richtung Amlapura, eine Gegend der ganz berühmten Reisterrassen und der Wasserschlösser wie Tirta Gangga, die ein etwas verschrobener König dort in den 40er Jahren des letzten Jhdt. erbauen ließ. Nach dem Ausbruch des Gunung Agung 1968 musste das alles wieder aufgebaut werden. Und obwohl gar nicht so alt:. Wieder nahm uns diese Märchenatmosphäre gefangen. (Sie ging allerdings bei Heimfahrt durch die Dunkelheit auf unbekannten Strassen etwas verloren.)

Am folgenden Tag wurde dann ein kleines typisches Fischerboot (mit zwei Ausliegern) gechartert und wir ließen uns hinüber auf die kleine Insel Nusa Lembongan bringen – der Geheimtipp von Niki. Schon die Mushroom Bay, an der wir unser Domizil fanden (mit einem Restaurant auf dem Fels direkt über dem Meer) ist derart südseeromantisch, dass es uns den Atem fast verschlug. Nur die Dream Bay, am nächsten Tag über einen kleine Fußmarsch zu erreichen, kann das noch überbieten, mit dem weißen Strand, den sanften Wellen, dem klaren Wasser zum Schnorcheln und den Liegen im Schatten der Palmen. Doch, es gibt so was wirklich! Ebenso auch das Abendessen bei Mondschein und Kerzen am Strand!

Am nächsten Morgen hieß es im 5.00 aufstehen. Für 6.00 hatten wir uns wieder ein Fischerboot bestellt, das uns eilig nach Sanur auf der Hauptinsel zurück brachte. Taxi zum Flughafen, Verspätung des Fliegers, Umsteigen in Singapur, abends sind wir wieder in unseren Haus in Hanoi. Und planen, nun doch morgen mein Bein mal dem Arzt vorzustellen.

Aber derart viele derart schöne Eindrücke in so kurzer Zeit, das einmalig! Und es bleibt die Erinnerung an die friedfertige Musik, die vielen erstaunlich freundlichen und entspannten Menschen, an die Frauen die im graziösen Gang mit ihren Körben auf dem Kopf und den schönen Sarongs um die Hüften auf den schmalen Wegen zwischen den Reisterrassen entlang schreiten. Es klingt kitschig, aber es ist real: Bali!

Samstag, 7. November 2009

Rollergeschichten

Nun haben wir seit einer Woche einen eigenen Roller!

Seit August fuhren wir mit einem gemieteten Yamaha Roller durch die Gegend – zwischendrin zum Ausprobieren auch mal einen von SYM. Der Preis war OK ($ 40/ Monat), es gab aber immer einige Punkte, mit denen wir unzufrieden waren: Mal waren die Räder zu klein, immer war der „Kofferraum zu klein (unsere großen deutschen Helme passten einfach nicht rein, unsere Obsteinkäufe auch nicht) und es war schwierig für uns als Europäer, auf den Dingern zu sitzen, ohne mit den Knien am Lenker anzustoßen oder hinten eingeschlafene Beine zu bekommen.

So hatte ich schon lange nach einem eigenen Roller Ausschau gehalten, der wenigstens einige dieser Nachteile nicht haben sollte. Aber aufgrund der physikalischen Gegebenheiten („Wo ein Körper ist, kann kein Zweiter sein") gibt es entweder große Räder oder großen Kofferraum. Eigentlich logisch. Einen hohen und schicken Roller sah ich immer wieder (Honda SH), aber der ist hier sündhaft teuer, weil er importiert wird, und über 100% Zoll drauf liegen; er kostet mehr als in Europa. Aber ein anderer Honda-Roller fiel mir auf, mit dem Namen „@", der nicht so oft anzutreffen ist aber interessant aussieht. Es gibt ihn aber nur noch gebraucht, und vor dem Gebrauchtkauf wird allgemein abgeraten, weil oft die guten Originalteile durch billige Chinateile ersetzt werden. Aber schließlich schaltete ich eine Suchanzeige im „The New Hanoian" und siehe da, es meldete sich ein Benjamin und hatte einen zu verkaufen.

Letzten Sonntag fuhren wir hin – es war ganz in der Nähe – und besahen das Teil. Groß, großer Kofferraum, nicht ganz kleine Räder, 2 Jahre alt, angeblich 14.000 km, und für 1000.-$. Da „Benjamin" ein Holländer war, der hier als Lehrer arbeitet und der den Roller verkaufen wollte, weil er seiner vietnamesischen Freundin einfach zu groß war (sie kam mit den Füßen nicht zum Boden), waren wir uns nach einer kurzen Probefahrt schnell einig, und der Kauf war perfekt. (Dass er 150 cc hat, was ich mit meinem Führerschein gar nicht mehr fahren darf, wurde großzügig übersehen.) Dienstag brachte ich den Mietroller zurück, und am Donnerstag fuhr ich nach dem Büro in die „Rollerzubehörstrasse" und ließ mir einen Topcase hinten drauf bauen. Nicht sehr professionell, weil er nicht ganz zu dem Rollermodell passte, aber groß, schick und von Honda.

So stand er also total schick vor unserem Haus

Gestern, Freitag fuhren wir damit ganz stolz bei der Bank vor, wo meine CIM-Kollegin Vera arbeitet, in deren Büro wir immer unseren Vietnamesisch Sprachunterricht haben. Danach war er total zugeparkt, und als der Wächter ihn für mich holen wollte, passierte es: Er kräftiger Griff an den Gepäckträger um den Roller im die Ecke zu hieven, es machte krax und der Träger war abgebrochen. Allseits lange Gesichter und verlegenes Lächeln. Aber es war nun halt so: Von den drei Schrauben, die den Träger halten, war eine ganz herausgebrochen, die Halterung der zweiten zeigte bedenkliche Risse.

Ich erinnerte mich, wo ich mal einen Honda Reparaturbetrieb gesehen hatte und wir machten uns auf den Weg, quer durch die Stadt. Aber die freundlichen Reparaturjungs lehnten ab. Sie hätten das Ersatzteil nicht, könnten es auch nicht bekommen. Außerdem machten sie mich darauf aufmerksam, dass auch die Seitenverkleidung ziemlich wackelig und unbefestigt wirkte. Aber das sei alles kein Problem, bedeuteten sie uns, wir sollten einfach in die Hang Trè fahren, Nummer 50. Dort wären wir richtig. Weil ich etwas hilflos fragte, wo die den sei, sprang gleich noch einer auf sein Moped und zeigte uns den Weg, nur einige hundert Meter.

Aber wenn wir ohne ihn hin gefahren wären, wir hätten nicht verstanden, was wir dort sollten. Die beiden „Jungs" am Straßenrand hätten wir glatt übersehen. Sie betrieben dort, schlicht auf dem Bürgersteig, eine Plastik-Karrosserie Reparaturwerkstatt. Werkstattinventar: Ein kleiner Holzkohleofen, einige Metallstücke die als „Lötkolben" Verwendung fanden, einige Messer und ein Kästchen mit Schrauben und Schraubenschlüsseln. Dazu zwei der hier üblichen niedrigen Plastikhockerchen, damit es sich die Kunden während der Wartezeit mit 15cm Sitzhöhe gemütlich machen können. Kaum saßen wir, waren schon unsere kaputten Plastikteile abgebaut (auch der Gepäckträger ist aus Plastik, habe ich gelernt), und die Reparatur begann. Mit verschiedenen heißen Eisen, kleinen Plastikstückchen zum Schmelzen waren die beiden zugange (Elena meinte es waren Vater und Sohn), einige Handy-Fotos zeigen die Atmosphäre dabei: http://picasaweb.google.de/Jowi.krause/Rollergeschichten?authkey=Gv1sRgCMfZhozjvZn0LA&feat=directlink. Gleich nebenan war übrigens eine Lackiererei, dort hätte man auch größere Unfallschäden wieder ausbessern lassen können. Aber das brauchten wir zum Glück nicht: Zwei Halterungen des Gepäckträgers und drei Halterungen der Seitenverkleidung konnten unsichtbar „geschweißt" werden, und nach einer halben Stunde konnten wir unter Zahlung von 100.000 Dong (4,00.€ ) weiter fahren, die nächsten Kunden warteten schon. Und wahrscheinlich sind die geflickten Stellen haltbarer als das Original.

Tja, und heute wollte Elena mal ausprobieren, ob sie auch Roller fahren kann. Wir fuhren raus nach „Ciputra International City", einer Retortenwohnstadt für Reiche (Langnasen ebenso wie Vietnamesen) wo wir von einem Besuch dort wussten, dass es große lange Straßen und wenig Verkehr gibt. Und, gesagt getan: Eine Runde fuhr ich hinten drauf mit, dann begann Elena alleine ihre Runden zu drehen (siehe Fotos). Später fuhren wir dann noch an eine andere Ecke, dort wurde noch Achter-Fahren geübt. Alles lief bestens, bis auf einen kleinen Ausrutscher auf einer sandigen Stelle; die Hautabschürfungen ließen wir uns dann bei einer Bekannten (Ukrainerin aus Österreich) verarzten (dabei entstand auch das Foto aus dem 5. Stock über Ciputra). Dann ging es, Elena noch immer am Steuer, wieder zurück in die Stadt. Erst als der Verkehr ganz nervig wurde, haben wir dann gewechselt!

Und nach dem Auskundschaften eines weiteren Supermarkts waren wir gerade noch rechtzeitig zu Hause um im letzten Tageslicht einige Runden zu Schwimmen.

(Ciputra ist übrigens nicht nur für Reiche, die Wohnungen dort kosten auch nicht mehr als unser Haus hier. Aber dafür ist es „steril", quasi gar nicht Vietnam. Aber das ist für nicht Wenige durchaus attraktiv: Weniger Ungeziefer, saubere Straßen und Kinderspielplätze, und man kann den Hund spazieren führen. Trotzdem: Mir könnte man gar nicht genug zuzahlen, damit ich dort wohnen würde. Elena aber hört sehr aufmerksam, dass es angeblich dort keine Kakerlaken und keine Geckos gibt.)

Donnerstag, 24. September 2009

Die Geschichte mit den Schlüsseln

Oder: Ein Stückchen interkulturelle Kommunikation.

Nun bin ich ja schon seit Mitte Juli hier, und fast jeden Tag bei der Arbeit an meinem Arbeitsplatz im Department of Hospital Management. Es besteht, wie schon berichtet, aus einem Sitzungsraum mit anschließendem Hinterzimmer. Am großen Sitzungstisch arbeiten – wenn sie da sind - alle, die Praktikanten, Assistenten und Lecturer, meist mit ihren privaten Notebooks oder an einem der drei PCs, die dort stehen. Im Hinterzimmer sind zwei kleine Schreibtische, einer für mich, einer für den Professor.

Nun ist es hier ja üblich von etwa 11.30 bis 14.00 Mittagspause zu machen. Alle die können, gehen nach Hause, um während der Mittagshitze Pause zu machen. Die Tür zur Abteilung wird mit einem großen Riegel und einem Vorhängeschloss verschlossen. Der jeweils letzte der geht, lässt das Schloss zuschnappen. Der Schlüssel, so wurde gesagt, liegt beim Pförtner. Soweit die Theorie.

In der Praxis merkte ich schnell, dass mindestens 8 Schlüssel im Umlauf waren. Einige Male ergab es sich auch, dass jemand vergessen hatte, einen oder "den" Schlüssel beim Pförtner abzugeben, sodass ich vor verschlossener Tür stand, wenn ich nach der Mittagspause der erste war. Per Telefon wurde dann ein Schlüsselinhaber herbei geholt, ich konnte die Gastfreundschaft eines Nachbardepartments genießen (Klima-Anlage).

Was lag näher, als der Vorschlag, mir doch auch so einen kopierten Schlüssel zu geben? „Oh nein!“ war die Antwort. „Das ist unmöglich. Laut offizieller Weisung des Rektorats darf es für jede Abteilung nur 2 Schlüssel geben: Einen für den Leiter, einer liegt beim Pförtner. Mehrschlüssel darf es nicht geben.“ Meine Hinweise, dass so alle Praktikanten und Assistentinnen Schlüssel hätten, also freien Zugang zur Arbeit, nur ich nicht, wurde mit verlegenem Lächeln und Schulterzucken quittiert – "Es ist halt so, die Regelung des Rektors ..."

Nun begab es sich, dass ich mal wieder fast eine Stunde warten musste und dann nach Hause ging. Ich schrieb dem auswärts tätigen Professor eine Email, dass das so nicht weiter gehe, dass ich meine Arbeit für nicht weniger wichtig hielte als die der Assistenten, dass ich ja auch zu Hause arbeiten könne. Was geschah?

Bei Rückkehr wurde ein Abteilungsmeeting anberaumt und vom Professor festgelegt: Es wird aus seinem Geld ein neues Schloss gekauft, für das dann die nötige Anzahl an Schlüsseln gemacht und verteilt wird, während das offizielle Schloss, für das die Regelung des Rektorats gilt, außer Betrieb genommen wird.

Was lernen wir daraus? Eine Lösung muß eben nur alle hierarchischen Gegebenheiten berücksichtigen, dann ist alles kein Problem ...

Donnerstag, 10. September 2009

A Field Trip to Uong Bi Vietnam-Sweden Hospital

During the week 7th-11th September 2009 I had the opportunity to join 24 students of the Master in Hospital Management course of HSPH, together with Dr. Bui Thi Thu Ha, Ms. Thuy Dong and Ms. My Anh, for the initial week of their 2 month exercise program to prepare and report on a practice project in a hospital. The week was dedicated to a number of presentations with general information and descriptions of the functions and activities of a number of departments and faculties of Uong Bi Hospital – a hospital that was built under Swedish sponsorship and leadership in 1973-1976. For me, participation was important, as it was my first chance to get an inside view of a hospital in Vietnam.

We were accommodated at a rather pleasant “rehabilitation facility”, a special accommodation compound which was built for the Swedish experts that built the hospital in the mid-seventies and also worked there for many years. A number of simple but comfortable Swedish wood houses grouped around a swimming pool with pleasant grounds, at about 2 km from the hospital.

At the hospital, all the presentations were prepared and delivered in Vietnamese only, and it was Ms. My Anh and Ms. Thuy Dong who had to try and interpret the most important issues to me. Any questions I had could be asked in English, but responses were also usually in Vietnamese. This said in advance, meaning that I might not have understood everything that would have been important for the speakers to convey, I will try to summarize my impressions as follows:

Uong Bi Vietnam-Sweden hospital is a district hospital with about 600 beds, an average occupancy rate of over 100%, serving about 30.000 inpatients and 130.000 outpatients per year. There is a number of internal medicine and surgical departments, pediatrics, obstetrics (5000 births per year), urology, ENT, others (?). Among the important functional departments the general examination department, the emergency unit, the laboratory, the training department and the pharmaceutical department should be mentioned.

The Hospital Manager, Dr. Tiep, gave a very comprehensive overview of the history, development and current situation of the hospital. While substantial additions have been made since 1976, most of the buildings and a great deal of the technical equipment are still the Swedish installation. A good and competent technical department keeps them in good shape, but of course after more than 30 years the hospital is confronted by an impressive wave of replacement needs. Recent changes in legislation give the hospital leadership more autonomy regarding economic activity, but it may be doubted whether it will have the strength to raise the immense amounts of money that will be necessary. And even today Dr. Tiep quoted the good standard of equipment as one of the major assets of the hospital.

An important institution of the hospital presented itself as the Planning Unit. With a staff of 15 people, including 3 physicians, this unit seems to have a broad array of responsibilities: Working out and monitoring the implementation of all development plans for management and clinical departments, accumulation, analysis, evaluation and communication of controlling data on the medical services, the development of the institution and the economic situation, patient satisfaction surveys, patient file documentation storage and retrieval, deployment of information technology are the more important. The examples shown gave the impression that a host of controlling data is available, but that the techniques to aggregate these data into a comprehensive set of management data seem underrepresented. However, the existence of such a unit, even with so much manpower, seems justified.

The Personnel Division presented itself with a surprisingly small staff of 3 persons. It did not become comprehensive to me how such a small department could be able to take care for the complete spectrum of human resource management (without the calculation and payment of salaries), including monitoring yearly staff assessment process for the whole hospital. But it is noteworthy, that such a process seems to be well established throughout the hospital, leading to a sophisticated scheme of paying additional bonuses to the salaries depending on the results of these assessments. (Surprising aspect: One overwhelmingly important factor of the assessment of a unit’s achievements seems to the amount of electric energy that was used during the year. This importance is not evident to an external view.)

The Technical and Equipment Division gave an impressive overview on how a team of 40 people maintains the high technical standard that was provided by the Swedish government initially. It claims that it takes care of the complete technical maintenance, including medical equipment, without contracting out a relevant proportion of the activities. It cannot be judged from the visit, whether the medical equipment, like X-ray, CT, laboratory automats and ultrasound imaging really get the service they need in order to be safe, consistent and delivering certifiable results. A computer-based MAD system allows full documentation of all technical activities for each piece of equipment.

The Laboratory Division gave an impressive overview of its hematology, biochemistry, microbiology and pathology facilities, which include an adequate amount of modern equipment for automation of tests. The blood bank seemed small for a hospital of this size, but was said to be adequate. The division also assumes responsibility for overall hygiene and infection control in the hospital, but it was not clear to me how far that goes.

The Finance Division, with a staff size of 21, described its responsibility as comprising the collection of all income and the facilitation of all payments (including payroll) of the hospital. The different types of funding (government budget, income from fees, income from health insurance, other income) are planned, accepted, monitored and reported in the appropriate ways. All the relevant rules and regulations, including the standards for hospital autonomy are being observed. The economic results 2008 showed a sufficient surplus to allow the payment of interesting bonuses to the staff. The accounting system of the hospital, following government rules, is a simple in-out system, double-entry book-keeping (which would allow the use of depreciation to accumulate funds for the replacement of equipment) is not in use.

The Pharmaceutical Department is one of the important sources of revenue for the hospital, as it is licensed to retail pharmaceutical products to inpatients and outpatients. For reasons of quality, the hospital procures the products only from government wholesalers. A comprehensive documentation system is in place which allows online ordering, inventory control and monitoring for expiry dates, Some projects on adverse drug effects are under way, and instances of accidental false medication are under close surveillance. The official list of available pharmaceuticals is remarkably short (350 positions) for a hospital of this range of medicine, which is taken as a token of good management.

The Surgery Faculty comprises 3 departments: Trauma, including neurosurgery, visceral surgery including oncology, urology. Besides, ENT and gynecology also use the operating facilities, which provide 5 operating rooms. The Traumatology Department (overall staff 21, of which 6 are physicians) claims to be working on the basis of SOPs (DIN Iso system), has overutilized its 40 beds at 103%, and services about 12.000 patients per year, including 2.700 inpatients. Average LOS is reported at 6.5 days, total surgical interventions at 1700 per year. Soft criticism was voiced regarding the importance of electricity use as major factor in the hospital’s internal scoring system, and also regarding the standardized annual planning process. An acquired infection rate of 2,67% did not seem to cause major concern. The Visceral Surgery Department reported 2000 inpatients and 1000 surgical interventions per year, bed utilization is 100%. Urology has about 1000 inpatients and 650 operations per year, of which about 200 are kidney stone extractions. This will be reduced in the future, as a new ESWL has been established. All surgery departments report shortage of medical staff, as they all have to participate in the central examination and emergency units’ duties. A second problem is the age of medical equipment, which is up to 30 years old

The Central Imaging Department has been established to concentrate all major imaging techniques under one responsibility. A CT, X-ray equipment, the urology x-ray workplace, 3 ultrasound machines and the endoscopy unit are available for all diagnostic needs of the clinic and emergency departments. It was pointed out, that radiation safety and monitoring of staff exposure is an issue of constant observation, the government rules being fully observed. A staff of 13, including 5 physicians, seems well utilized. Consistency and radiation safety is checked regularly by external providers, utilizing national benchmarks. Equally, maintenance for the department’s technical equipment has been contracted out, also the cleaning services. Activity figures: Up to 100.000 X-rays, 6000 CT-scans, 14.000 endoscopies and 50.000 USI per year. The management of the department seems well organized.

The General Operating Facility which was visited to watch a urological intervention (transurethral stone extraction) has a standard layout with a clean and an unclean corridor, a preparation room servicing three operating rooms, standard changing and staff rooms. A small recuperation room can service 3-4 patients; central ICU is adjacent to receive the patients afterwards. Additional operation rooms are under construction. A problem which might also be responsible for intra-operative infections is the lack of modern air conditioning and airflow: We observed two standard household electric fans in operation during the intervention (one obviously mainly to cool down the “Storz” operating machine.) General hygiene standards seemed acceptable but not exceptional. Anaesthesia was well administered. From this one observation it seems that general turnover in intervention figures could be improved, if the preparation of the patient was done prior to bringing him to the surgery room: It took at least 15 minutes until the patient had been put to sleep, with the complete surgery room staff including 2 surgeons looking on and waiting.

Internal Medicine has been divided into 4 departments: Vascular/cardiology Department (only conservative diagnostics and treatment, no PCI, stenting or vascular surgery is established at Uong Bi), Digestive System Department, Respiratory System Department (which also houses the dialysis unit?), Endocrinology and Nervous System Department (which includes a unit for traditional medicine.) These departments all have about 40 beds (and overutilize them), about 6 physicians, the necessary nursing and supporting staff. All physicians have to participate in the duties of the central examination and emergency units, thus the departments seem understaffed. 24-hour duties seem inevitable but do not make the positions attractive. The Faculty takes pride in presenting a concept of patient-centered cooperation between the internal medicine departments, but has not seen the possibility to establish one central hematology/oncology unit including palliative care: Each department cares for its own oncological patients. The visited ward (cardiology) showed the expected crowded patient rooms (4 beds seem more than the rooms can accommodate), documentation system and staff communication seemed well organized. We were shown one intensive care room, but it had no monitoring or respiration equipment. The online system for ordering pharmaceuticals was functional. Unusual crowding of the ward (from Western point of view) came from the fact that family members assume a lot of nursing care duties (which explains a low nursing staff ratio of 11 for 40 patients.)

The Central Examination Unit comprises 3 divisions: Emergency admittance, General Examination and Physical Examination. The emergency unit has its own medical staff (2), any medical staff on top of this has to be provided by the clinical departments. CEU provides diagnostics, teaching and prevention medicine; emergency has triage as additional responsibility (deciding if the patient can be treated as outpatient or inpatient, and whether a transfer to another hospital is necessary). 10 Beds are available to accommodate patients during diagnostics prior to admittance to the inpatient wards, these beds are not utilized at night. There are two waiting rooms (with waiting line numbering system), a good number of examination rooms and resting rooms for outpatients before they go home. The imaging diagnostics department is adjacent, laboratory as well. The activity figures quoted over 9000 emergencies during the first 6 months (of which only 30% were seen as “real” emergencies) and 44.500 general examinations.

A short visit was possible to the Central Intensive Care Unit (ICU). It seems to be under the supervision of the Emergency Unit Dean (but that was not quite clear to me). The unit, with 14 beds in 3-6 bed rooms is suitably placed next to the Operation Unit, but unseemingly far away (on another floor) from the emergency unit. The rooms and layout seemed adequate, but a lack of modern monitoring systems was obvious. Respirators seemed sufficient in number, I cannot judge their condition.

Of course, the visit was also documented by some pictures. They can be found here.

Montag, 31. August 2009

Der Ausflug zur Ha Long Bay

Es ist sicher das berühmteste, was Vietnam an Attraktionen zu bieten hat, das Weltkulturerbe Ha Long Bay. Die einzigartige Meereslandschaft ist entstanden, als ein ausgedehntes Flusstal, in dem der prähistorische Fluss bizarre Felskegel und Höhlen aus dem ehemaligen Flusstal herausgearbeitet hatte, überflutet wurde. Es entstand eine Meeresbucht mit einer Ausdehnung von 60 mal 200 km, mit über 2000 kleineren und größeren Inseln. Etwas weiter landeinwärts wird deshalb das Gebiet, u.a. mit der berühmten Perfume Pagoda, auch die „trockene Ha Long Bucht“ genannt: Die Landschaft ist ähnlich, nur eben nicht überflutet. Die Ha Long Bay aber ist ein Teil des sog. Golfs von Tonking im Chinesischen Meer, Ha Long City und vor allem die große Hafenstadt Hai Phong liegen an der Bucht. Das Gebiet ist die Heimat von einigen tausend Fischerfamilien, die in sog. schwimmenden Dörfern in des Buchten der ausgedehnten Inselwelt leben – der klassische Fischfang hat wohl vielfach der Fisch –und Krabbenzucht im industriellen Maßstab Platz machen müssen.

Die 2-3 Tage Touren in die Ha Long Bay werden einem in der Altstadt von Hanoi von hunderten von Reisebüros angeboten. Wir hatten gehört, dass die tatsächliche Qualität sehr unterschiedlich sein soll. Mit Eigeninitiative, (selbst mit Motorrad hin, selbst Hotel und Boot buchen), soll es praktisch unmöglich sein. So entschlossen wir uns, dem Rat eines CIM-Kollegen zu folgen und über das sog. Kangaroo Café, eine schon seit vielen Jahren von einem Australier betriebene Institution, zu buchen. Kleine Gruppen auf einem eigenen kleinen und schönen Schiff, mit einem Programm von Rundfahrt, Kajak-Entdeckungen, Badeaufenthalten und Höhlenbesichtigung wurde versprochen. Unser deutscher Besucher Carsten, wie wir eher skeptisch was organisierte Reisegruppen betrifft, fügte sich mit uns in die angebliche Unmöglichkeit, alles selbst in die Hand zu nehmen, die 2-Tage-Tour mit einer Übernachtung auf dem Schiff wurde gebucht, am Samstag früh um 8.00 sollte es per Bus losgehen.

Wir trafen uns schon zum Frühstück im Café mit einigen Mitreisenden. Die Reisegruppen-phobie schmolz dahin, als wir feststellten, dass wir nur insgesamt 8 zahlende Gäste sein würden, zuzüglich der Führer Cuong. Würden wir wirklich zu neunt das Schiff mit 14 Plätzen für uns haben? Es sollte so sein!

Die Anreise im Kleinbus dauerte, unterbrochen von einem WC&Einkaufsstop in einer riesigen, angeblich von Behinderten belieferten Einkaufsanlage mit Bildern, Schmuck, Seidenartikeln, Töpfereiwaren und und und, etwas mehr als 4 Stunden. Bei der Ankunft behinderte eines der netten vietnamesischen Gewitter etwas die Einschiffung, doch mit dem letzten Tröpfeln ging es los. Unser Schiff, eine hübsche kleine „Dschunke“ aus dem hier üblichen rötlichen Holz, stand uns zur Verfügung. Die eher unspektakuläre erste Strecke vom Hafen zur Inselwelt wurde für ein ausführliches und köstliches Mittagessen, zum Kennenlernen der Mitreisenden (eine Dreiergruppe aus UK und ein Ehepaaar aus Malaysia) und zum Bezug der Kabinen genutzt. Elenas und meine Kabine, mit echtem Doppelbett und eigenem kleinem Bathroom sowie einer ausnahmsweise gut regulierbaren Klimaanlage, verfügte neben dem Fenster über den Zugang zu einem eigenen kleine „Balkon“ über dem Heck des Schiffes, praktisch vom Bett aus konnte man die wunderbare Landschaft (oder Meerschaft) draußen vorüberziehen sehen.

Als man danach wieder an Deck erschien, nahm einen die Inselwelt gefangen. Die Fotoapparate klickten sich heiß, einfach nur da sitzend und staunend wurden wir dann alle immer stiller: Vor lauter Staunen, sich durch Gesten auf den nächsten atemberaubenden Blick aufmerksam machen und einfach nur schauen, schauen, schauen verschlug es einem die Sprache. Sogar der permanent Witze sprudelnde Dave flüsterte nur noch andachtsvoll. So etwas hatten wir alle noch nie erlebt, wir waren überwältigt.

Durch immer neue Buchten, mit immer neuem Blicken in andere Buchten und Fjorde, ging es langsam dahin, an schwimmenden Dörfern vorbei, bis wir an einer schwimmenden Anlegestelle festmachten, um den Kajak-Ausflug zu machen. Paddeln über die Bucht, durch einen niedrigen Höhlendurchschlupf in einen stillen Bergsee - nun, still wurde er erst, als wir abgewartet hatten bis alle die Touristen (denn natürlich waren noch mehr und größere Schiffe unterwegs und hatten Kajak-Paddler los geschickt) wieder unter dem Berg durch verschwunden waren.

Nach der Rückgabe der Kajaks (und dem Klarmachen des Festmach-Taus, was sich unter Wasser verfangen hatte, ohne die Gemütsruhe der Mannschaft wirklich aus dem Gleichgewicht zu bringen) ging es in die Nachbarbucht, um richtig an Land anzulegen. Ein kleiner Sandstrand (ohne Menschen!!) lud zum Baden ein, der Inselberg sollte die Gelegenheit für die Sonnenuntergangsbilder liefern. Das Baden war vor allem warm und salzig. So ein warmes Wasser habe ich noch nie in einem Meer erlebt. Und hier war es leider nicht ganz perfekt sauber. Dafür gab es Sandboden, und Elena fühlte sich sicher. Dann entdeckte sie einen Einsiedlerkrebs in einer schönen Muschel und versuchte ihn zur friedlichen Aufgabe seines Hauses zu überreden. Aber er weigerte sich stand- und wehrhaft, und wir ersparten ihm dann doch den Weg in den Kochtopf. Die Blicke vom Berg in die Abenddämmerung waren ein weiteres besonderes Erlebnis.

Zum Abendessen und Schlafen schipperte unsere „Hoa Binh 22“ wieder in eine große Bucht, wo inmitten einer ganzen Armada ähnlicher Schiffe Anker geworfen wurde. Besorgte Blicke gingen zu den Nachbarn, aber sie waren weit genug weg. Ein köstliches Dinner wurde serviert, anschließend verweigerten wir uns den Tanz und Karaoke-Aufforderungen unseres Cuong, lagen noch einige Zeit an Deck, um unter Mond- und Sternenhimmel um die Eindrücke des Tages Revue passieren zu lassen, und verschwanden früh in der Koje. Der Sonnenaufgang war für 5.30 angekündigt, und wir wollten ihn erleben!

Die Blicke und Bilder, die sich den schlaftrunkenen Augen am nächsten Morgen boten, waren das Aufstehen wert. Der Himmel war bewölkt, ein Gewitter im Anzug, aber auch die unsichtbare Sonne zauberte einzigartige Farbenspiele an den Himmel, die sich im stillen Wasser der Buchten spiegelten. Vereinzelte Fischer waren mit ihren kleinen Booten unterwegs, langsam wurde es heller. Die Fotoapparate klickten um die Wette und unvergessliche Bilder gruben sich ins Gedächtnis.

Dann kam das Gewitter, und bot die willkommene Gelegenheit, noch etwas Schlaf nachzuholen, bis um 7.30 zum Frühstück gerufen wurde. Kurz danach erreichten wir die Insel mit der Sung Sot Höhle (Höhle der Überraschungen, weil sich drei Kammern hintereinander auf tun, eine größer und schöner als die vorher). Merkwürdig ist, dass es nicht mal in der Höhle, mitten im Berg, kühler ist. Das kannten wir von unseren Höhlen anders. Natürlich gab es hier mehrere Besuchergruppen, die auch meist schneller unterwegs waren. Uns ließ unser Führer Zeit, die Atmosphäre der Höhle auf uns wirken zu lassen.

Als wir wieder an Bord waren, wurde schnellstens eine ruhige Stelle etwas abseits angesteuert, und wieder Anker geworfen. Badezeit! Eine Leiter ins Wasser erleichterte das fröhliche Hin-und-Her zwischen Sprüngen von allen Ebenen des Schiffes und ruhigem Schwimmen oder auf dem Rücken treiben lassen im salzigen und warmen Wasser (was sich durch das Gewitter doch etwas abgekühlt hatte. Elena hielt sie Kapriolen im Foto fest. Da in der Bucht kaum mehr als 10 Meter Wassertiefe erreicht werden soll, ist es eben warm – an dieser Stelle aber war es tadellos sauber und ein echtes Vergnügen.

Doch dann hieß es „Alle Mann an Bord“ und ohne Hektik glitt das Schiff zurück in Richtung Ha Long City. Es blieb bewölkt, sodass wir ohne Angast vor der Sonne auf Deck sitzen und nochmals die wunderbare Inselwelt an uns vorbei ziehen lassen. konnten.

Ein weiteres gutes Essen in Hotel in der Stadt, eine etwas schnellere Busfahrt, wieder der Besuch eines „Einkaufscenters“ für „Behindertenprodukte“ (in einem Raum wurde sogar trotz des Sonntags Unterricht gehalten, und ganze Heerscharen junger Frauen saßen an den Nähmaschinen), alles dies war wie gehabt, gegen 16.30 standen wir wieder vor dem Kangaroo Café, eine wunderbare Erfahrung reicher. Die Tour ist jedenfalls unbedingt weiter zu empfehlen!

Natürlich gibt es auch wieder Fotos bei Picasa. Das ist der Link.:

Montag, 24. August 2009

Tagebuch eines Haushaltsumzugs Stendal-Hanoi

20.06.2009: Nach intensiver Recherche, Angebotseinholung und Vergleich wird ein Auftrag an eine Speditionsfirma vergeben. Sitz der Firma ist Costa Rica, Zweigstelle in Darmstadt. Der Umzug eines 20-Fuss Standard Containers, mit Selbstbeladung in Stendal, Schiffstransport nach Hai Phong, Transport nach Hanoi und Selbstausladung vor unserer Haustür soll etwa 2000.-€ kosten. Kaum ist der Auftrag bestätigt, teil die Firma mit, dass sie den Transport zum Haus in Hanoi nicht durchführen kann: Nur eine komplette Umzugsentladung mit Auspacken und Möbel aufstellen, was aber über 800.-€ mehr kosten soll. Ich als Jurist stelle fest, dass es nicht wirklich einen Auftrag gegeben hat, also „Dissens" besteht, und teile dies dem Spediteur mit. (Es ergibt sich ein längerer Email-Austausch über die Forderung von Stornozahlungen.)

Am 24.06.2009 wird einer anderen Firma der Auftrag erteilt, mit einem deutlich günstigeren Auftragsvolumen.

26.06.2009: Für 14.00 Uhr ist der LKW mit dem Container angesagt. Wir packen wie die Weltmeister, einschließlich Einwickeln aller Kisten usw. in Strechfolie, weil angeblich alle Container unterwegs mit Gift begast werden. Dank tatkräftiger Hilfe durch zwei Freunde schaffen wir es tatsächlich, 56 Umzugskisten, die gesamte Kücheneinrichtung mit E-Geräten, drei Sofas, das Wasserbettgestell, Schränken, 2 Fahrräder usw, usw. innerhalb drei Stunden zu verstauen. Der Container ist zu etwa 70% gefüllt, wird versiegelt und verschlossen, eine detaillierte Packliste als Exceltabelle muss nachgereicht werden (mit Inhaltsangabe zu allen Kisten, Deutsch und Englisch).

Etwa am 03.07.2009 geht der Container von Hamburg aus auf die Seereise. Papierkrieg mit der Spedition zur Packliste und zur sog. „Bill of Lading" erfolgt per Email. Wir sind ja inzwischen ohne Wohnsitz.

22.07.2009: Mit der Ankunft beim neuen Arbeitgeber beginne ich damit, auf die Ausstellung der nötigen Dokumente für die Zollfreigabe unserer Sachen zu drängen. Da ich stattliche Angestellter bin, muss meine Hochschule über ihr zuständiges Sachministerium (bei mir MOH) beim Ministry of Planning and Investment (MPI) eine sog. GA-Declaration beantragen, eine Bestätigung dass ich hier arbeite und als staatlich angestellter internationaler Experte mit mehrjährigem Aufenthaltsrecht berechtigt bin, meinen Hausstand zollfrei einzuführen. Die eigene Personalabteilung will das erst nicht einsehen, mehrfache Rücksprachen mit dem GTZ-Büro klären die Notwendigkeit und die bürokratischen Wege.

08.08.2009: Der Subunternehmer der Deutschen Transportfirma teilt aus HCMC mit, dass „gestern" der Container in Hai Phong angelandet sei und bittet um Übersendung der Papiere, insbes. der GA-Declaration. Diese ist aber nicht in Sicht: Der zuständige Sachbearbeiter bei MPI sei auf Dienstreise. Ich mache Rabatz, weil jeder Tag Containernutzung jetzt Geld kostet (allerdings nicht über 100.-US$ pro Tag wie in Deutschland angekündigt, sondern nur 13.- US$.) Im übrigen vereinbare ich mit der Firma in HCMC, dass uns die Sachen für 300.-US$ zusätzlich bis ins Haus gebracht werden, weil der Container überhaupt nicht in die Nähe unseres Hauses gebracht werden kann. Dieser Auftrag beinhaltet die Umladung in Klein-LKWs (mit denen man wenigstens in die Nähe des Hauses fahren kann), am Schluss bleibt nur Tragen, weil die Gasse teilweise kaum breiter als 2 Meter ist. Eine weitere „Prüfgebühr" vom Kulturministerium kommt dazu, weil wir CD, DVDs und Computer im Gepäck haben – 75.- US$

12.08.2009: Der Vermieter übergibt uns die Schlüssel des neuen Hauses, wir haben aber noch immer das Dokument nicht. Ein Mitarbeiter der Hochschule bietet an, mit einem „kleinen Umschlag" das MPI zu besuchen, dann werde sich schon jemand finden, der unterschreibt und ihm eine beglaubigte Kopie der Erklärung mitgibt. (Das Original kommt dann später mal auf dem ordentlichen Instanzenweg.) Ich stelle die notwendigen VND bereit.

13.08.2009: Ich habe die erwartete Erklärung, bzw. die Kopie mit Originalunterschrift, in Händen, scanne sie und schicke sie per Email an den Spediteur in HCMC. Rückmeldung, dass unser Container schon auf dem Zollhof in Hanoi steht. Es meldet sich Mr. Duc als Agent des Spediteurs in Hanoi, dieser holt sich am 14.08.09 die Dokumente und Unterschriften (incl. einer VN-Übersetzung unserer Packliste, die er erstellt hat. Trotzdem: Die Zollaktion kann erst in der neuen Woche passieren, angeblich ist auch der Frachtbrief im Original noch nicht da.

18.08.2009: Ich besuche mit Mr. Duc zusammen unseren Container auf dem Zollhof und bin bei der Öffnung von Schloss und Siegel dabei. Es scheint im Container alles perfekt in Ordnung zu sein. Kein Bruch, Scherben o.ä. zu erkennen. Die Zöllner, deren Wohlgesonnenheit man sich wohl auch durch eine kleine Spende gesichert hat (die ich aber nicht zusätzlich bezahlen muss!) werfen keinen Blick in den Container oder gar in die Kartons. Die Freigabe erfolgt nach ausführlichem Aktenstudium (Abends ruft mich Mr. Duc an und fragt, was denn nun eigentlich ein sog. „Herrendiener" sei. Und wieviele CDs wir denn hätten? 100 oder 2000?)

19.08.2009: Wir treffen uns um 09.30 Uhr mit Mr. Duc an unserem Haus – die LKWs sollen gleich da sein, angeblich sind sie schon unterwegs. Um kurz vor 12.00 schließlich wird per Handy mitgeteilt, dass die Zollfreigabe tatsächlich erfolgt ist, nach einigen Umwegen treffen die LKWs ein und entladen ihren Inhalt auf dem kleinen Platz vor der Pagode; etwa 100 Meter Fußweg von unserem Haus müssen mit Sackkarren, einem kleinen Ziehwagen und Transport auf dem Moped (z.B. unser Fernsehapparat, damit er nicht beschädigt wird) überwunden werden. Zwei freiberufliche Xe-Om Fahrer wurden als Träger angeheuert und bringen die Sachen nach Anweisung in die verschiedenen Räume im EG. So war es vereinbart. Auf dem Platz vor der Pagode wird es unübersichtlich, weil gleichzeitig für eine ebenfalls hier befindliche Baustelle Baumaterialien angeliefert werden, etwa ein großer Haufen Kies, der dann auch per Handkarren weiter verbracht wird. Trotzdem: Nach etwa 4 Stunden sind keine Sachen von uns mehr auf dem Platz, alles bei uns im Haus. Gegen ein Trinkgeld tragen uns die beiden sogar noch einige schwere Teile (Sofa, Badezimmerschrank mit Glastüren) nach oben ins 1. OG. Nachdem sie weg sind, packe ich den Flaschenzug aus, und wir mit Elena transportieren damit das riesige Bettgestell über den Balkon ins Schlafzimmer. Die Träger und Mr. Duc sahen sich dazu kräftemäßig nicht mehr in der Lage. (Die Fotos von dieser Aktion gibt es wie immer bei Picasa, hier.)

Am Abend fahren Elena und ich dann zu Gottfrieds Haus um dort unsere Sachen zu holen. Es sind auch noch mehrere Koffer und Taschen, die Elena mit dem Taxi zu unserem Pagodenplatz bringt. Auch nachts werden hier Steine, Zementsäcke, Sand und Kies verladen. Wir bringen zwischen den Handkarren auch unser Gepäck nach Hause. Das Bad im Pool ist ein kaum noch zu überbietender Genuss an diesem Abend.

24.08.2009: Ich treffe mich mit Mr. Duc in meinem Büro und zahle meine Zusatzrechnung, etwa 8 Mio VND in bar.

Fazit: Transportzeit: 26.06. bis 19.08.2008, Kosten etwa 2700.-Euro, etwa 500 Emails und SMS, keine Verluste.

Sonntag, 16. August 2009

Ausflug nach Co Loa

Gestern stand unser erster Ausflug aufs Land auf dem Programm. Nach ausführlichen Studien von Reiseführern, Landkarte und Internet hatte Elena den Ort Co Loa ausgesucht, eine der frühen Statten Vietnams, etwa 30 km östlich, jenseits des Roten Flusses. Wir wollten mal raus aus der Stadt um auch etwas Landschaft zu sehen.

Trotz des Wochenendes ist nicht nur in der Stadt heftigster Verkehr – aber den kennen wir ja inzwischen. Es geht erst mal quer durch die Stadt, dann durch die Altstadt am Hoan Kiem See, dann auf der Brücke über den Roten Fluß. In der Mitte stoppen wir kurz, um Fotos zu machen. Die Brücke vibriert heftig unter den vielen Fahrzeugen. Drüber der jenseitige Teil von Hanoi ist erst mal sehr modern, teilweise fast chic, dann wird die Strasse kleiner und der Standard der unendlichen kleinen Geschäfte, Läden und Werkstätten auch. Wir sehen viele Möbelgeschäfte. Als wir endlich nach fast einer Stunde die Stadt hinter uns lassen, atmen wir auf: Weite grüne Flächen mit Reisfeldern, einfach etwas frische Luft.

Co Loa war zur Bronzezeit die Hauptstadt des Königreichs Au Lac. König An Duong Vuong (257 -208 vor C.) hatte dort die berühmte Muschelstadt errichtet, eine Zitadelle umgeben von spiralförmigen Mauern und Kanälen von etwa 5 km². Die Geschichte von seinem Ende ist traurig: Wie so viele vietnamesische Herrscher vor und nach ihm hatte er gegen die übermächtigen Chinesen zu kämpfen. Als er nicht mehr weiter wusste, flehte er an einem See um den Beistand der heiligen goldenen Schildkröte. Sie erhörte ihn, indem sie ihm eine magische Armbrust schenkte, magisch, weil sie eine ihrer Krallen als Abzug hinein zauberte. Die Waffe half, der chinesische General wurde besiegt. Als Besiegter erbat er sich die Hand der Königstochter für seinen Sohn – und erhielt sie. (Ritterlicher Umgang mit Unterlegenen, ganz ohne Genfer Konvention…) Doch damit begann das Unheil seinen Lauf zu nehmen: Die Tochter des Königs erzählte heimlich ihrem Gatten von der der magischen Armbrust, und er stahl heimlich den besonderen Abzug, die Schildkrötenkralle. Dann ließ er seinem Vater die Nachricht zukommen, dass ein erneuter Angriff erfolgversprechend sei. Und so geschah es, ohne die magische Kraft der Armbrust konnte sich König An Duong Vuong nicht mehr behaupten. Er lief mit seiner Tochter zum Teich der Schildkröte und bat erneut um Hilfe. Sie erschien und sprach: „Dein Feind steht hinter Dir.“ Der König zog sein Schwert, drehte sich um und enthauptete mit einem Schlag – seine die hinter ihm stehende Tochter. Als er dieses Ausmaß seines Unglücks verstand, konnte auch er nicht mehr leben, und stürzte sich in den Teich. Der General kam in die Zitadelle, wohin sein Sohn den Leichnam seiner toten Ehefrau gebracht hatte und sah, dass er den Kampf gewonnen, die Schwiegertochter aber verloren hatte. Doch bleib sachlich: Er sagte sich los von seinem Heimatland China und übernahm die Herrschaft des gewonnen Landes als König des von ihm so genannten Nam Viet.

Heute kann man an der Stelle der alten Zitadelle eine dem König gewidmete Tempelanlage Den An Duong besichtigen, einschließlich eines kleinen runden Teichs, in dem angeblich die Schildkröte lebte. Die Nachbildung in goldenem Plastik, mit der Armbrust, ist jederzeit käuflich zu erwerben. Der Tempel hat einen Innenhof und drei Altarräume hintereinander, in einem eine Gebetsmühle, in einem die prächtigen Königskleider, im hintersten eine Statue des unglückseligen Königs. Touristen gibt es kaum, einige wenige opfern Räucherstäbchen oder werfen Geld in die riesigen Kisten, die vor jedem Altar stehen. Umgeben ist der Tempel von einer kleinen Anlage, mit etwas Phantasie kann man darin noch Reste der alten Zitadellenmauern erkennen.

Ebenfalls zum Dorf Co Loa gehört die Anlage des Dorftempels Dinh Ngu mit einem über 50 Meter breiten Dorfgemeinschaftshaus, in dem auch an einem Altar die Goldene Schildkröte verehrt wird. Sonst ist es mehr ein Museum. Daneben, hinter einem 1000-jährigen Banyanbaum, steht noch der kleine dreiräumige Tempel der Königstochter Ni Chau, auch hier große Kisten für Geldspenden – wenn man 10.000 Dong und mehr spendet, dann darf man sich auch in ein Spenderbuch eintragen.

Während der gesamten Zeit unseres Besuchens in Dinh Ngu übt eine Gruppe nicht mehr ganz junger Damen auf dem großen Platz davor zu ziemlich moderner Musik aus CD-Player in langer Reihe stehend verschiedene Tänze. Uns ist unklar, ob es einfach nur die lokale Variante von Aerobic sein soll oder die Vorbereitung für das nächste Dorffest. Jedenfalls sieht es manchmal sehr malerisch aus, wenn sie zu den Klängen eines Lobliedes auf Vietnam und unter der Nationalfahne mit ihren roten Fächern tanzen. Eine ältere Dame führt als Vortänzerin mit klarer Stimme das Kommando.

Unweit des Dorftempels, an der Strasse mit den weidenden Kühen, finden wir noch einen Teich, auch mit einem kleinen roten Tempel und eine Statue des Königs An Duong mit seiner Armbrust. Auch etwas außerhalb des Dorfes mit weidendem Vieh und Reisfeldern, vermag man sich noch die Reste der alten Wallanlagen mit ihren 10 Meter hohen Mauern und den Kanälen dazwischen vorzustellen.

Der Rückweg geht, wie immer, schneller als der Hinweg, bald sind wir wieder am Hoan Kiem, speisen am See sitzend noch einige der köstlichen vietnamesischen Frühlingsröllchen und kommen in der Dämmerung nach Hause – kurz bevor mal wieder ein Gewitter losbricht, das uns erst mal für einige Stunden Stromausfall und damit den Ausfall der Klimaanlagen beschert.

Einige Fotos sind, wie immer, hier hinterlegt.

Sonntag, 2. August 2009

Hausdrachen

Gestern habe ich meinen Hausdrachen hier gesehen. Er hatte sich hinter dem Badezimmerspiegel sein Beute gesucht. Ich hab ihn sehr gelobt! Weiter so!