Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Freitag, 21. Dezember 2012

Happy Christmas - Frohe Weihnachten - Giáng sinh vui vẻ

Die Vorweihnachtszeit war in diesem Jahr von Konzerten mit dem Hanoi International Choir geprägt, so soll das Blog-Jahr schliessen mit einem kleinen Weihnachtskonzert. Hier sind alle unsere 6 Beiträge zum Weihnachtskonzert des Goethe Instituts.

Nun Komm der Heiden Heiland (Bach) -> http://www.youtube.com/watch?v=Yv0xMqWicaA
Nun Komm der Heiden Heiland (Telemann) -> http://www.youtube.com/watch?v=mqWSJ5m0p4s
Ave Verum -> http://www.youtube.com/watch?v=teOECHSXGJA
Macht hoch die Tür -> http://www.youtube.com/watch?v=TdT-GNRLcME
Oh Du Fröhliche -> http://www.youtube.com/watch?v=O__nsFCYAmY
Stille Nacht -> http://www.youtube.com/watch?v=AIm1UsCJar8

Ein weiteres YouTube Video mit Ausschnitten der beiden Weihnachtskonzerte ist jetzt auch noch Online -> http://www.youtube.com/watch?v=uR8CiaCCX2E
Daraus dieses Bild, das uns auf der Bühne in Hai Phong zeigt:
Ein ziemlich kleiner Chor war das .....

Und damit ein herzliches "Frohe Weihnachten!" 

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Freude! aus dem Schimmeltempel

In den letzten Wochen sind wir ja fast nur noch in Sachen Chor unterwegs. Schon parallel zu den Proben für die Weihnachtskonzerte hatten wir begonnen, den 4. Satz aus Beethovens 9. Symphonie "An die Freude" zu proben. Gleich im Anschluss an den Ausflug nach Hai Phong wurde es Ernst, und gestern Abend war Aufführung. Unser Auftritt auf YouTube ist, dank Kameraführung von Günter, hier zu sehen: http://www.youtube.com/watch?v=_Pq28Hi-pYE

Dieses Konzert stand wieder unter der Gesamtleitung von Honna, dem japanischen Dirigenten des VNSO (Vietnam National Symphony Orchestra). Dieses hat ein eigenes Probengebäude mit großem Saal, notwendig wenn man drei Chöre zusammen führt wie bei diesem Konzert. Den Saal kennen wir schon von früheren Proben, beobachten sozusagen den Verfall. Jedes Mal wenn wir dort sind, sind die Schimmelflecken an den Wänden grösser geworden, weshalb das Etablissement den Namen Schimmelpalast redlich verdient hat.
Nun ist Schimmel in Hanoi ja allgegenwärtig, auch bei uns daheim haben wir damit zu kämpfen. Aber wir kämpfen wenigstens. Im Schimmelpalast geht man eher humorvoll mit der Sache um.
Zudem ist der Schimmel natürlich für keinen Vietnamesen ein Grund, die ganze Pracht nicht mehr zu nutzen. Das bisschen Schimmel in der Luft ist ja sicher auch im Vergleich zu der Nikotinvergiftung, der sie sich doch noch immer sehr gerne aussetzen (Rauchen ist sehr verbreitet hier, jede Probenpause hüllt das große Treppenhaus in dichten Qualm) für die Lungen fast noch Erholung. Nur wir Langnasen haben dort manchmal schon Atemprobleme.
Auch hier grüßt natürlich der berühmte Dirigent und Musiker Bac Ho von der Wand
Dort also wurde geprobt. Unser Chor, der Japanerchor, der Chor des Opernensembles, dazu die Solisten von der Oper, es war (manchmal, wenn alle da waren) eine stattliche Anzahl. Dirigent Honna dirigierte wie immer eher orchesterbezogen, hat aber im Laufe der Konzerte doch gelernt, dass es manchmal sinnvoll ist, dem Chor mit so vielen Laien die Einsätze zu signalisieren. In den Unterbrechungen war Graham zur Stelle, um uns zusatzliche Tips zu geben. Vor allem die Aussprache der komplizierten deutschen Texte macht vielen Vietnamesen zu schaffen. Versucht mal diesen Text zu lesen, und statt "r" ein weiches "dz" zu sprechen, wie es für Vietnamesen normal ist!
Ja – wer auch nur eine Seele
     Sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer’s nie gekonnt, der stehle
     Weinend sich aus diesem Bund!
Oder auch das "D" am Anfang von "Diesen Kuss", das hierzulande auch wie "Dz" klingt. Ebenso wurde das klassische Chorproblem geübt: Ein "t" am Ende sei doch bitte wie aus einem Munde auszusprechen, klar, deutlich ein "T" und bitte nicht 5o "ttttttt"...!
Schwierig wurde es auch für uns Deutsche, als die Forderung aufgestellt wurde, "e" wie in "wer" oder "stehle" sei doch bitte nach Englischer Art als "i" auszusprechen. Ich konnte mich dem nicht anschließen.
Wie dem auch sei, nach nur zwei Proben, von denen für eine hier ein kleiner Ausschnitt gezeigt wird, ging es dann gleich zur großen Oper.
Eine Generalprobe war am Nachmittag und Abends die oben verlinkte Aufführung. Auch hier gab es wieder das altbekannte Problem: Zu den Proben, sogar zur Generalprobe, sind immer deutlich weniger Sänger präsent als dann zur Aufführung. Jedes Mal wird dann auf der Bühne der Platz knapp und diesmal hatten nicht mal die kleinen Plastikhockerchen, die man uns genehmigt hatte, genügend Stellfläche. Aber der Körperkontakt zum Nachbarn stärkt auf jeden Fall das Gruppenerlebnis. Heute Abend, zur zweiten Aufführung, sind es sicher schon wieder weniger Mitwirkende.
Ach ja, apropos "Freude": Der japanische Chor heißt tatsächlich "Hanoi Freude Choir"! Die mussten doch einfach mitsingen!

Montag, 17. Dezember 2012

HIC on Tour

“Auch in diesem Jahr gastierte der Hanoi International Choir unter der Leitung seines weithin geschätzten Dirigenten Graham Sutclliffe, gemeinsam mit einem kleinen vietnamesischen Kammer-Ensemble gestellt vor allem aus  Musikern des Vietnam National Opera and Ballet Orchesters wieder im Innenhof des Goethe Instituts in Hanoi.”

Soweit der Nachrichtentext. Die Ankündigung kann man hier nachlesen.

Wir waren in diesem Jahr leider nur mit 4 Weihnachtsliedern beteiligt, und zwei kleinen Kantaten (Nun Komm der Heiden Heiland, von Telemann und von Bach). Ein großer Teil des Programms wurde vom Kammerorchester bestritten, vor allem mit Werken von Teleman. Bei den Weihnachtsliedern war das Publikum zum Mitsingen aufgefordert: Christmas Sing-along sozusagen.
Der Chor war allerdings auch relativ klein. Nach dem Mozart hatten sich doch einige Mitglieder ausgeklinkt, manche Expats waren wohl auch schon im Vorweihnachtsstress, weil sie dann bald nach Europa fahren wollten.
Wir haben aber dank Günters Kameraführung doch einige Aufnahmen, die hier in aller Bescheidenheit (da im offenen Innenhof viele Nebengeräusche und schlechte Akustik) präsentiert werden: “Macht Hoch die Tür” und “Nun Komm der Heiden Heiland (Telemann)”

In diesem Jahr hatte das Goethe Institut beschlossen, uns auch “On Tour” zu schicken, in die etwa 100 km entfernte Hafenstadt Hai Phong, wo es wohl eine sehr aktive Deutschland-affine Gemeinschaft gibt.
So wurde die ganze Mannschaft am 8. 12. in zwei Bussen nach Hai Phong verfrachtet.
Foto ist eine Raubkopie aus dem Internet!

Das wirklich sehr hübsche kleine Opernhaus ist eine Hinterlassenschaft der Franzosen und wurde wohl vor kurzem sehr schön renoviert. Außen begrüßt einen “Bac Ho”, der berühmte Opernfanatiker (in unserem Probengebäüde grüßt er als Dirigent von einem Bild)
Aber drinnen erfreut einen dann wirklich gepflegter französischer Jugendstil.
Auch dies Foto ist "geklaut" David Hao Cousin hat es auf Facebook gepostet
Erst mal wurde natürlich das Haus beschnuppert.


Und es ist doch wirklich sehenswert, oder?

Es folgte das kleine Einsingen, dann gingen wir erst mal Essen, das GI hatte uns ja schließlich pro Nase 120.000 Dong dafür spendiert. Dann kurzes Konzentrieren hinter der Bühne:
Hier wieder Dank an David Hao
Das Konzert gaben wir dann vor gut gefülltem Hause. Von “Sing-along” hat man aber nicht viel gehört, obwohl auch viele Kinder im Publikum waren.
Das prangte hinter uns auf der Bühne .. (Thanks David Hao)

Nach dem Konzert sprach uns ein sehr stolzer älterer Vietnamese auf Deutsch an, wie uns denn das Opernhausgefallen habe. Es sei über 100 Jahre alt.
Wir konnten wahrheitsgemäß bestätigen, Ja, das Haus sei schön unad auch das Konzert habe uns viel Spaß gemacht.
“Dann kommen Sie doch bitte wieder!”

Sonntag, 16. Dezember 2012

Transportkünstler

Das Internet ist ja voll von Bildern mit absurden Transporten, die man in Südostasien und China beobachtet hat. Vietnam ist sicher gut vertreten. 5 bis 6 Menschen, 3-5 lebende oder gerade geschlachtete Schweine, Kühlschränke oder riesige Plakatwände, alles begegnet einem auf Moped oder Fahrrad und man  lächelt oder lacht kopfschüttelnd.

Gestern haben wir auf dem abendlichen Heimweg aber ein weiteres Bild nicht lassen können.

Dieser gute Mann war auf der Seepromenade zu besten Verkehrszeit unterwegs und provozierte einen Stau nach dem anderen. Warum nicht wenigstens das Moped schob und das Radl hinten drauf gebunden hatte?

Jedenfalls war es auch das erste Mal, dass jemand sauer reagierte, als ich ihn fotografiert habe. Er schimpfte sogar wie ein Rohrspatz, aber er konnte ja nicht auf mich losgehen. Die Hände waren ihm sozusagen gebunden.


Mittwoch, 12. Dezember 2012

Noch eine Hochzeit - und was für eine!

Schon vor Monaten wurde sie angekündigt, die Hochzeit  des Jahres in der So 66, Hoang Hoa Tham 173-63. Dung, Sohn unseres Vermieters (27) werde dem Rat der Wahrsager folgend am 28.11. heiraten. Dann wurde es vor einigen Wochen ernst:
Als erstes wurde angekündigt, dass einige Malerarbeiten nötig seien, an unserem Haus außen, sowie am Eingangstor. Ob denn auch bei uns gefeiert würde, war unsere Frage. Aber nein doch! Das große Fest sei im “Vietnamesisch-Russischen Kulturpalast” mit über 1000 Gästen, wurde uns bedeutet.
Trotzdem wurde aller Schimmel an der Fassade mit einer Schicht Farbe zugedeckt, sogar die Dachziegel, die in nicht geringer Zahl von den herab fallenden Kokosnüssen zertrümmert worden waren, wurden ersetzt. Und ja, doch, eine kleine Zeremonie sei auch hier gelpant, in seinem Haus, nicht bei uns im Garten.
Wenige Tage später wachten wir morgens früh von lauten Stimmen im Garten auf. Einige Herren in schwarzen Anzügen und dazu passende Damen in Ao Dais standen neben dem Pool und rauchten. Bis wir uns die Augen gerieben hatten, waren sie aber schon weg. Dafür wurde kurz darauf unten vor unserem Wohnzimmerfenster eine mobile Küche eingerichtet. Später fand von hier aus drüben in Tuans Haus eine Bewirtung statt, dann war der Spuk wieder weg.


Aus dem offiziellen Hochzeitsvideo, das wir inzwischen unser eigen nennen dürfen, wissen wir: Es war der offizielle bei der Familie der Braut, mit gemeinsamem Teetrinken, gegenseitiger Vorstellung.
Dies Bild ist vom zweiten Besuch, daher das Datum

Auch die Übergabe grosser Mengen von Opfergaben für die Ahnen der Braut gehörte dazu sowie deren gemeinsamer Anbetung.
Auch beim zweiten Besuch, da die Braut schon im Brautkleid ist.

Seitdem behauptete Tuan, die beiden seien schon nicht mehr Brautleute, sondern eigentlich schon Mann und Frau.

Das alles war also schon am 15.11, also fast zwei Wochen vor dem angekündigten Termin, dem 28. November gewesen.
Später, 5 Tage vor dem Termin, kam unser Vermieter Tuan dann freudestrhalend an: “I have your invitation to the wedding!” Und nun, unter Hinweis auf den gedruckten Einladungstext rückte er damit heraus, dass doch eine Veranstaltung bei uns im Garten geplant sei. Ob er mein innerliches Schmunzeln gespürt hat? Jedenfalls wurde JETZT ganz höflich gefragt, ob es uns recht sei, wenn eine kleine Zeremonie doch hier stattfinden würde? OB es nicht zu “inconvenient” sein würde? Eigentlich hätten wir wirklich bedauernd sagen müssen, dass wir selber gerade an diesem Vormittag zu einer Gartenparty eingeladen hätten - aber wir haben es nicht getan. Natürlich sei das OK, natürlich dankten wir herzlich für die Einladung.
Nun wurde auch erklärt: Neulich, das erste Fest, das war der Besuch bei der Brautfamilie. Aber es gehöre auch noch die Gegeneinladung für die Brautfamilie dazu, bei der die Braut zum Haus des Bräutigams gebracht werde. Und dies sollen bei uns im Garten stattfinden. Nur eine knappe Stunde, denn gehe alles weiter zum grossen Fest im “Kulturpalast”. Ob es auch wirklich nicht “inconvenient” sei für uns? Mit breitem Lächeln haben wir ihn beruhigt. Was blieb uns auch anderes übrig?
In der Früh vor dem großen Tag machte die Putzfrau den Garten etwas gründlicher sauber als sonst (da ist auch viel Platz nach oben...). Unterwegs ins Büro kam mir ein Handkarren gezogen von einem Moped, mit Zeltstangen und Planan entgegen. Als ich mittags heim kam, stand ein riesiges Zelt vor unserem Haus, das den gesamten Raum zwischen Haustreppe und Pool sowie bis direkt vor das Tor einnahm. Tische, Stühle, bis zum Abend war alles gedeckt und eingerichtet, einschließlich Geschirr und Blumenvasen. Vermieter Tuan kam strahlend an: “Очень красивая ?” wollte er bestätigt bekommen. “Da, da, Очень красивая, sehr schön!” mussten wir mehrfach bestätigen. Der einsetzende Regen konnte seiner guten Laune nicht das geringste anhaben.
Es regnete, bzw. goss die ganze Nacht, aber am Morgen gegen 9.00 wurde es doch weniger. Draußen herrschte rege Betriebsamkeit. Und als wir kurz vor 9.30, dem offiziellen Start der Veranstaltung, auf die kleine Terrasse vor unserem Eingang traten - auch dort stand ein Tisch und wartete auf Gäste - begann sich alles zu füllen.
Neugierige Blicke streiften uns, der eine oder andere Gruß wurde genickt. Es gelang gerade noch ein paar Fotos zu machen, vom Tor und von der einmarschierenden Braut.
Vorher gegangen war, wie wir auch aus dem Video wissen, die Fahrt mit dem geschmückten Auto zum Haus der Braut, nochmaliges Teetrinken und Ahnenopfer, dann wurde Braut”heimgeholt” und traf pünktlich bei uns im Garten ein.
Diese kurze Veranstaltung vor unserer Tür war schon etwas erstaunlich. Erst mal ging das Brautpaar weiter ins Haus der Familie, während wir mit den Gästen auf den (ziemlich feuchten) Stühlen sassen und grünen Tee tranken.
Nach dem Video war dort drin die offizielle Begrüssung der Schwiegermutter - und wieder etwas Ahnenkult.

Bei uns draußen und für die Gäste gab es Plätzchen und Sonnenblumenkerne. Punkt(!) Dann kamen die Hauptpersonen zurück, der ältere Herr (Onkel des Bräutigams?) hielt eine kurze Rede.
Ja, und dann wurden alle wurden eingeladen, die Wohnung des Brautpaars zu besichtigen - Tuan hatte ja vor etwa einem 3/4 Jahr sein Haus noch etwas aufgestockt. Stolz wurde uns allen das Schlafzimmer präsentiert. “Alle Möbel und auch die Bettwäsche ganz neu! Heute erst aufgezogen!”wurde uns stolz erklärt.
Aber dann ging es, knapp 45 Minuten waren vorbei (dafür war unser Haus gemalert worden!), schnellstens ab in Richtung “Kulturzentrum”. Für der Transport waren eigens Busse bereit gestellt.
Das Veranstaltungslokal entpuppte sich als ein uns durchaus bekanntes Messegebäude. Vor 3 Jahren hatten wir dort mal eine Auto -und Moto - Messe besucht. Jetzt fanden hier gleichzeitig 2 Hochzeiten statt, getrennt durch einen Vorhang, der für die installierten Lautsprecheranlagen kein echtes Hindernis darstellte.
Natürlich war der geschmückte Saal beeindruckend. Tische für 1000 Gäste, Blumen, eine Bühne mit dem kleinen Hochzeitskuchen und der obligaten Sektglaspyramide.
Die herzliche Begrüssung

Schon vorher hatten wir Tuan auf die in den Zeitungen veröffentlichte Regelung angesprochen, nach der gerade die Parteimitglieder aufgefordert wurde, bei ihren Hochzeiten nicht so unmäßig zu sein.
Gleich beim Eingang gab es zwei Spendenhäuser. Und wirklich, es wurde nur Geld geschenkt und hier versenkt. Kein einziger Gast kam mit Geschenk oder auch nur einem Blumenstrauß!
 “Nicht mehr als 300 Gäste pro Familie sind erlaubt” hieß es. Aber Tuan hatte nur gelacht: “Das bedeutet, dass man nicht weniger als 600 Leute einladen darf” war seine etwas freie Interpretation, als Parteimitglied.
Die Braut wurde von ihrem Bruder geführt - den Vater haben wir nur flüchtig gesehen
Als der Saal gefüllt war, gab es die Prozession der engsten Familie nach vorn zur Bühne, es folgte die Ring-Tausch-Zeremonie.

Wieder gab es eine kurze Ansprache des Bräutigamvaters, auch eine professionelle Moderatorin gab noch einige Sprüche zum Besten.

Als das Brautpaar sich der kleinen symbolischen Hochzeitstorte mit einem ziemlich heftigen Samurai-Schwert näherte, begannen die Gäste schon mal, über das Essen herzufallen, dass auf gefahren worden war.
Auf der Bühne kam noch die Sektzeremonie (vorher hatte ein Kellner die Gläser mit Co2 gefüllt, so gab es schönen farbigen Nebel).
Nicht aus der Pyramide, sondern aus anderen Gläsern wurde dann der Familie serviert und ein gemeinsames Chuc Suc Khue gerufen:

Dann begann für sie die Runde durch den Saal: An jedem Tisch wurde angestossen, bedankt und Glück gewünscht. Bei den vielen Tischen waren sie da schon eine gute Zeit unterwegs.
Wir hatten knapp Zeit, unser Essen zu genießen (es war köstlch, übrigens), dann gingen die ersten Gäste schon wieder. Die Familie war wohl gerade wieder hinten am Eingang angekommen und konnte nun alle Gäste wieder verabschieden. Die süsse kleine Hochzeitstorte stand unberührt und einsam auf der Bühne.
Als wir draussen ein Taxi schnappten, hatte die ganze Aktion gerade mal eine Stunde gedauert.
Ein letztes Mal Hochzeitsfeier war dann am Abend: Gegen 20.30 klingelte das Telefon, ob wir nicht rüber kommen wollten, etwas trinken? Die gesamte Familie war versammelt, Tuan hatte sich vorgenommen, alle halb geleerten Flaschen mit bestem russischem Wodka, die wohl vom Mittagessen gerettet worden waren, klein zu machen. Wir waren keine grosse Hilfe, aber er schwärmte wieder mal von seinen Jahren als Student in der Ukraine und in Russland, deklamierte russische Gedichte, stimmte ein russisches Lied nach den anderen an und war richtig gut drauf. Sicher ein halbes Dutzend mal mussten wir bestätigen, dass die Hochzeit toll war, die Zeremonie beeindruckend, das Essen lecker, seine Ansprache hervorragend (nu, vorgetragen, die Worte hatten wir ja leider nicht verstehen können).
Das Brautpaar hatte sich in seine neue Bettwäsche zurück gezogen, die Hausherrin hatte Tuans ältere Schwester geschickt, die ihn wohl zur Ordnung rufen sollte. Da wure de es doch Zeit, die Hochzeit für beendet zu erklären. “Cantus ex est”haben wir damals in Studententagen gesagt.

Ach ja: Die Braut machte einen wirklich netten Eindruck und sie war auch richtig hübsch. Was noch mal festzuhalten wäre...

Montag, 26. November 2012

Champa, Khmer und Po Auloah

Unser Ausflug in die Cultural Heritage Village bei Hoa Lac hat bei mir einige kulturhistorische Puzzles-Steinchen an ihre Plätzchen fallen lassen, die mir bisher zwar bekannt, aber nicht richtig zugeordnet waren. Und Neues hat sich auch noch ergeben.
Unser erster Kontakt mit der Kultur der Champa oder Cham In Vietnam war, als wir Anfang 2010 zu den Tet-Ferien nach Tuy Hoa geflüchtet waren. Dort steht über der Stadt ein riesiges Baudenkmal, der sog. Cham Tower, wir haben ihn natürlich besichtigt. Auf irgendwelche Besonderheiten der dort gepflegten Anbetung hatten wir nicht so sehr geachtet.
Aber wir hatten uns dann ziemlich über eine abendliche Tanzdarbietung im Ressort gewundert, die wir irgendwie gar nicht mit unserem Bild von vietnamesischen Volkstänzen in Einklang bringen konnten.
Etwas später waren wir von Hoi An aus mit Sascha in My Son gewesen, einer Ausgrabungsstätte, von der gesagt wird es sei Angkor Wat im Westentaschenformat.
Im April jetzt waren wir dann im richtigen Angkor, und natürlich überwältigt von den Zeugnissen dieser alten Kultur - der Khmer-Kultur.
Aber als ich die vielen Abbildungen von Tempeltänzern und Tänzerinnen sah, hatte ich die Darbietung damals in Tuy Hoa einfach vergessen.
Vor einigen Wochen waren wir nun auf den neu erbauten Cham-Tempel im sog. Ethnografischen Dorf bei Hoa Lac gestossen, und hatten kurz darauf gesehen, dass dieser Tempel jetzt “eingeweiht” werden sollte, wozu es ein Wochenende lang diverse Vorführungen der Cham Minoritäten geben solle - einer der 54 Minderheiten aus denen sich Vietnams Bevölkerung zusammensetzt. Am Samstag früh war erst eine “Weihe der jungen Cham- Mädchen” angekündigt, dann eine traditionelle Hochzeit.
Die Mädchen-Weihe war eine längere Veranstaltung, auf den Hof eines der dort aufgestelltem hölzernen Bauernhäuser, einige Besucher waren gekommen, eine Anzahl Damen
man beachte die Schuhe!
und Herren
 saßen oder liefen in völlig unvietnamesischer Bekleidung herum.  Die Wirtschaft mit Kochen unter freiem Himmel war denn aber doch ganz normal und landesüblich.
Die Zeremomie sah zunächst das kunstvolle Einkleiden der die drei Hauptpersonen vor.

Die Haare mussten künstlich verlängert werden, um einen möglichst hohen Knoten zu Stande zu bringen


Traditionell sollen sie drei Tage in ihrem Zelt auf dieses Ereignis warten. Hier wurde die feierliche Tracht wohl etwas schneller komplettiert, dann saßen sie bereit.


Ausser den drei "Mädchen" gab es noch zwei kleine Jungen, die ebenfalls auf eine Zeremonie warteten.
Gegenüber hatten drei ältere Herren in weissen Gewändern und Turbanartigen Kopfbedeckungen Platz genommen, Ihnen wurden erst mal die zeremomiellen Gabenteller hinüber in ihr Zelt gebracht.

Die Herren mussten dann ihren Kopfschmuck noch ordnen.
Danach folgte eine ausführliche Zeremonie mit diversen Rauchopfern,

 der Kürzung der Haare um einige Strähnchen

Ausgiebige leise Gesänge in einer uns völlig unbekannten Sprache und gemurmelte Gebete gehörten natürlich auch dazu.

Dann gingen die frisch gebackenen Damen wieder in ihr Zelt und es wurde zum Essen aufgetischt.
Von hier wanderte der Trupp der Besucher (außer uns nur noch 2 Ausländerinnen) und vor allem der Filmteams zu einem anderen Haus in der Nähe, am Chamtempel vorbei. Auch der Bräutigam war unterwegs.


Na, wer ist wohl der Bräutigam? Natürlich der coole Typ mit der supercoolen Sonnenbrille
Das Haus war geschmückt, die Braut im blinkenden Ornat wartete in ihrer Kemenate auf den "Zukünftigen".
 Dieser blieb aber erst mal vor dem Haus, schickte einen Unterhändler, der in einem kurzen Palawer den vorgesehenen Hochzeitsring abgeben durfte. Die Braut wurde auch selbst gefragt, aber der Handschlag kam dann doch von einem Mann der Familie.

Dann kam die Bräutigamsfamilie nach einer kurzen Pause ins Haus, die Braut trat heraus, es gab wieder eine Zeremonie in einer uns unbekannten Sprache, es wurde gebetet und gesungen, dann durfte der Bräutigam mir der Auserwählten kurz ins Brautgemach, wo nochmals gebetet (und vor allem fotografiert) wurde.
Dann traten sie wieder in der Vorraum, es folgte der Dank an die Gäste und ein letztes gemeinsames Lied, von dessen Text wir nur immer wieder “Ho Chi Minh” aufschnappten. Anschließendes Posieren.
 Vor dem Haus erklärte uns dann ein würdiger älterer Herr in relativ gutem Russsich, dies sei die öffentliche Wiederholung einer echten Hochzeit gewesen, die diese beiden Brautleute vor etwa einem Monat im südlichen Vietnam gefeiert hätten. Und ja, es sei eine muslimische Hochzeit gewesen, weil die Cham dort eben Muslime seien.
Nun wanderte der Trupp wieder zurück zum Hof mit der Mädchenfeier. Die Mädchen hatten sich inzwischen etwas aus der Festkleidung geschält, es wurde für alle Essen aufgetischt (eher aufgemattet, Tische sind dort ja relativ unbekannt.)
Danach kamen wir noch kurz mit einem der weiss gekleideten Turbanherren ins Gespräch (dank Dolmetscherin). Er erklärte uns, dass beide Familien, die hier ihre Feiern zum öffentlichen Spektakel gemacht hatten, in der Tat muslimische ("islamische", das Wort Muslim kannte er nicht) Cham aus Südvietnam seien. Allerdings gehörten sie zu unterschiedlichen islamischen Glaubensrichtungen. Er selbst, mit seiner Familie sei Bani-Islam, die andere Familie gehöre zu einer malayisch-arabischen Richtung. (Uns war schon der arabische Kopfschmuck des Bräutigams aufgefallen.) Aber sie seien beide Cham und hätten als solche ihre eigene Sprache und Schrift. Die Schrift war uns schon im Museum aufgefallen, die fremdartige Sprache hatten wir auch wirklich in beiden Zereomien gehört.
Eine Dolmetscherin hatte die Worte ins Vietnamesische übertragen müssen.) Im übrigen erklärte er uns, dass die Mädchen diese Zeremonie nur im Bani-Islam benötigten, um zu heiratsfähigen Frauen erklärt zu werden. Traditionell müsse das noch vor der Geschlechtsreife geschehen, aber heute, wo der Staat die Ehe erst ab 18 erlaube, sehe man das nicht mehr so eng. Allerdings: Wenn eine Frau aus den anderen Familien in eine Bani-Islamfamilie einheiraten wolle, dann müsse sie dies noch nachholen.
Weiter erzählte er, er sei quasi hauptamtlich Schamane der Gruppe, als solcher bei allen diesen Zeremonien der Bani-Islam Cham wichtig, aber darüber hinaus sei er auch als Heiler tätig, müsse neu erbaute Häuser von Geistern befreien und so weiter. Auch sein Kopfschmuck weise ihn als Schamanen aus, weil er doppelt sei: Sowohl das männliche Käppi als auch das verschlungene Tuch der Frauen zierte sein Haupt, weil er beide Geschlechter in sich habe, das Männliche und das Weibliche, und beides als Schamane verkörpern könne. Auch dies war uns aufgefallen: In der Zeremonie vorher wurde immer wieder das Tuch abgenommen und dann für den nächsten Schritt wieder um den Kopf geschlungen. Erinnert das nicht an die Zeremonien in unserem Stadtteilstempel, wo wir ja auch bestimmte als Medium bezeichnete Personen gesehen hatten, die mal männliche, mal weibliche Gottheiten personifizierten?
Dieser und eine Menge anderer Gedanken wanderten auf der Heimfahrt im Hinterkopf herum. Cham als heute gelebte Kultur? Arabischer Isalm und Bani-Islam? Diese indisch anmutenden Trachten sowohl der einen als auch der anderen Familie, wie kommt das?
Erst mal wurde uns aber auf Vietnamesisch klar, dass der Sommer vorbei ist:
Daheim, mit Hilfe von Tante Google waren bald einige Aufsätze von Ethnologen gefunden, die allerdings manchmal sehr unterschiedliche Erklärungen gerade zum Bani-Islam abgeben. Zusammengefasst habe ich es so verstanden:
Die Cham sind eine alte Volksgruppe Südostasiens. Ihre Sprache nach kamen sie als Seefahrer aus dem polynesisch-australischen Raum, vermutlich über Malaysia, nach Indochina. Eine erste Blüte hatten sie ab etwa 445, als ein Indraprua genannter Staat auf heute vietnamesischem Gebiet gegründet wurde. My Son stammt aus dieser Zeit und man hat dort einiges Material über diese frühe Kultur gefunden, etwa Steintafeln aus denen man die Sprache und die Schrift ableiten kann. Die Könige führten den Shiva-Kult ein, kämpften mit wechselndem Erfolg gegen die Vietnamesen (die ab dem 10. Jahrhundert von den Chinesen unabhängig geworden waren und sich nach Süden ausweiten wollten) sowie gegen die Khmer im heutigen Kambodscha.

Mit der Khmer-Königen von Angkor war man manchmal verbündet, häufiger bekriegte man sich. Letztlich gewannen die Vietnamesen 1470 ff die Oberhand auch im Mekong Delta, die Cham wurden bedeutungslos, viele flohen in die Nachbarländer Laos, Kambodscha und Thailand. In Kambodscha heißt heute eine große Provinz deshalb Kâmpóng Cham.
Religiös-kulturell waren die Cham offensichtlich stark von Indien geprägt, später war das Khmer-Reich dominierend. Dies erklärt auch die Ähnlichkeiten mit der Kultur der Khmer in Kambodscha. Hier wie dort hielt das Sanskrit als Schrift Einzug, hier wie dort wurde zwischen Shiva-Verehrung/Hinduismus und Buddhismus gewechselt, auch eigene Mischformen entwickelt. Der von uns so verwundert aufgenommene “Volkstanz” in Tuy Hoa könnte also eine späte Cham-Nachempfindung der Apsaras von Angkor gewesen sein.
Heute soll es in Vietnam etwa 150.000 Cham geben, dazu 500.000 sog. Berg-Cham, die eine andere Kultur aber die gleiche Sprache haben. Weiteere Volksgruppen leben in den Nachbarländern. Insgesamt bis zu 2 Millionen Cham soll es weltweit geben, ein World Council of Champa in Schweden will sie vertreten.
Und wie, Cham, habt Ihr’s mit der Religion?
Soweit bekannt, begann der Islam Fuss zu fassen, als die Herrschaft der Champa-Könige zu Ende ging, die ja, als gute Hinduisten, Göttergleich waren. Erste Erwähnungen aus dem 11. Jahrhundert berichten, die Cham hätter Wasserbüffel geopfert und dazu Allahu Akbar gerufen, eine schon damals eigenwillige Rezeption des Islam? Heute sollen etwa 80 % der Cham in Vietnam und Kambodscha Muslime sein, 20% etwa sind noch immer hinduistisch, Ba La Mon Cham genannt. Die Muslime aber sind ihrerseits zu zwei Gruppen gehörig. Die eine, eher der klassischen Sunnitischen Richtung zugehörig, ist im Süden Vietnams konzentriert und hat enge Verbindung sowohl zum Malayischen Isalm als auch zu den arabischen Sunniten. Wallfahrten nach Mekka, täglich 5-maliges Gebet in Richtung Mekka, der Koran und die Moscheen zeugen von einem relativ normalen Islam, der allerdings nach unserer Beobachtung bei der Hochzeit doch deutlich unverkrampfter daher kommt als in den Ursprungsländern. Die Frauen sind offen, frei und selbstbewusst, vielleicht auch weil die Cham traditionell eine matrimoniale Gesellschaft gewesen sein sollen. Nun, auch unser Bräutigam zog ins Haus der Schwiegereltern. Die andere muslimische Gruppierung, zu der nun auch unser Schamane gehörte, nennt sich Bani-Islam. Sie haben ebenfalls Moscheen in ihren Dörfern, beten zum “Po Auloah” genannten Allah, kennen auch die Engel und Heiligen des orthodoxen Isalm. Aber sie haben eine stark verkürzten Koran (nur Suren 96 - 114)und geben neben Mohammed auch dessen Tochter Fathima sowie ihren Mann Neffen Ali eine besondere Bedeutung. Inhaltlich vermischen sich offensichtlich hinduistische und sogar animistische Elemente (die in Vietnam, mit seinem Ahnenkult, ja nirgends fehlen) sodass sich ein Schamane ganz ungezwungen als Teil des islamischen Klerus verstehen kann. (Wobei man ja nicht ganz sicher sein kann, ob dies wirklich das Wort war, das er verwendete, er wurde ja dann vom Vietnamesischen ind Englische und von dort ins Deutsche übersetzt.)
Es ist auch insofern eine Art “Islam light”, als die Normalbevölkerung sich als religiöse Laien aus den vielen muslimischen Religionspflichten weitgehend heraus halten können. Diese werden gewissermaßen an den Klerus delegiert, eine Hierarchie von Priestern vom "Azar" bis zum "Po Guru". Nach Möglichkeit stellt jede Familie einen Sohn für diese Aufgabe ab, zeichnet dann auch für dessen Lebensunterhalt verantwortlich und muss ihn etwa während des Ramadan, den nur die Priester in der Moschee verbringen, mit den nötigen Speisen versorgen. Dafür ist dieser dann auch für die täglichen Gebete verantwortlich, während die Laien nur 1 ml pro Woche in die Moschee gehen. Während des Ramadan werden übrigens auch die hinduistischen Priester zum Gebet in die Moschee eingeladen, und sie sollen kein Problem damit haben, “Po Auloah” als den “Ishvara” (wörtl.: der Höchste Herr) anzubeten.
Obwohl man also einige Gemeinsamkeiten mit dem orthodoxen Islam erkennen kann, war also unser "Schamane" der Vertreter einer sehr eigenen Glaubensrichtung. Die vietnamesischen Cham haben sich da schon was ganz besonderes ausgedacht.

PS: Wer will kann hier und hier etwas genauer über die Cham und ihren Bani-Islam nachlesen.