Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Mittwoch, 30. März 2011

Bác oder Thầy Ho im Interview 1964

Ein Kollege hier an der Hochschule hat eben einen Link zu einem youtube Video verteilt, das ich recht interessant finde.
Hanoi im Jahre 1964, ein Interview mit dem Präsidenten Ho Chi Minh für das französische Fernsehen, in fließendem Französisch.
"Nous ne sommes pas des équipes de footbol" antwortet der Präsident auf die (vielleicht nicht sehr intelligente) Frage, ob der französische Präsident de Gaulle im Krieg mit den Amerikanern "arbitrer" könne. Er hatte "arbitre" als Schiedrichter verstanden.

Nur 10 Jahre nach dem (siegreichen) Ende des Indochinakrieges gegen eben diese Franzosen hat "Thay Ho" auch keinerlei Probleme, engere kulturelle und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Frankreich zu begrüssen...

(Thầy  bedeutet auf Vietnamesisch Lehrer. Auch hier an der Hochschule eine gerne verwendete Anrede.)

Dienstag, 29. März 2011

Einkaufen

Viele hier in Hanoi schicken vor allem ihre “maid” zum täglichen Einkauf auf den Markt. Für die Dinge, die man nicht auf einem der unendlich vielen kleinen oder größeren Strassenmärkte kaufen kann, fährt man dann hin und wieder in den Metro oder andere große Läden.

Wir haben keine Maid zum Einkaufen und selber haben wir keine Lust, uns bei jedem Einkauf durch langes Handeln gegen die Übervorteilung zu wehren, die jedem Ausländer automatisch auf dem Markt zugedacht ist. Deshalb fahren wir jede Woche zum Großeinkauf, mal zu Metro, mal zu BigC. Das frische Gemüse, vor allem die tolle Auswahl an Fisch genießen wir immer wieder.

Ein ganz besonderer “Fisch” wurde neulich bei BigC angeboten (Cá bedeutet Fisch auf Vietnamesisch), wir haben ihn aber nicht gekauft, nur ein Foto war fällig.
Richtig: Cá sấu ist mit Krokodil zu übersetzen.

Bei Metro, eigentlich ja in Europa beheimatet, kann man immer wieder beobachten, dass doch auch die Bedürfnisse des einheimischen Marktes recht gut bekannt sind. Etwa wenn man dieses Überangebot sieht:
Ja, richtig, es handelt sich um MSG (Monosodium Glutamate), den weltberühmten Würzzusatz. Nach einer unlängst veröffentlichten Studie wird zwar weltweit ganz überwiegend am meisten davon in China produziert und konsumiert.
Trotzdem beweisen diese Fotos, dass Vietnam in dieser Hinsicht doch ziemlich chinesisch ist.
Und während weltweit Studien laufen, in denen die gesundheitsschädlichen Wirkungen dieses Nervenstimulanzmittels nachgewiesen werden (es wird ausser vielen Allergien unter anderem für Depressionen, Autismen und Fettsucht verantwortlich gemacht) gibt es hierzulande eher Untersuchungen über die gesundheitsfördernde Wirkung.

Da kann man Metro schon als ziemlich gut bestückte Apotheke ansehen.

Wenn böse Zungen behaupten, die Schmackhaftigkeit der beliebten vietnamesischen und chinesischen Küche sei vor allem auf Glutamat zurück zu führen – zumindest das Angebot (zu dem es aber meist die entsprechende Nachfrage gibt) scheint dem Recht zu geben. Es gibt Vietnamesen, die ihre Einkaufswagen einfach füllen mit diesen verlockenden Plastiksäcken. Das man nicht im Privathaushalt verbrauchen, nur in der eigenen Kneipe ...

Montag, 7. März 2011

Patientenexplosion

In einem Artikel der Vietnam News vom 1. März wird berichtet, dass sich in HCMC die Zahl der stationären Patienten im Laufe eines Jahres mehr als verdoppelt habe. Deshalb wolle man 4 neue Krankenhäuser am Stadtrand bauen. Trotzdem sei nicht vergesehen, die Zahl der Betten zu erhöhen, die derzeit bei 42 pro 10.000 Kopf der Bevölkerung liege. Die Zahl der Ärze soll allerdings erhöht werden, von 12 auf 13 pro 10.000.
Mit diesen Zahlen kann sich Vietnam eigentlich international gut sehen lassen: Bei den Ärzten liegt es etwa gleichauf mit Algerien (12) oder Bolivien (12), etwas hinter China (15). Deutschland ist mit 35 Ärzten pro 10.000 sicher kein Maßstab. Noch besser sieht die Zahl der Betten aus: Auch hier ist Deutschland (83) sicher kein Maßstab, aber Vietnam hat mehr Betten pro Kopf als etwa Dänemark (35) oder USA (31) und spielt etwa in der gleichen Liga wie Norwegen (39), Griechenland (48) oder Italien (39).
Aber woher die Steigerungsraten bei der Nachfrage? Auch die Zahl der Untersuchungen ist in einem Jahr um 115% gestiegen!
Aus meiner Sicht zeigen sich hier die falschen Anreize des Finanzierungssytems: Vor einigen Jahren wurde ein sog. "Fee for Service" System für die meisten Untersuchungen (etwa CT, MR, Ultraschall, Labor) eingeführt und die Kliniken wurden ermutigt, wirtschaftlich autonom zu werden. Ist es da verwunderlich, wenn man durch Steigerung des Umsatzes versucht, diese Autonomie zu verwirklichen? In einer Stadt wie HCMC, wo es viele zahlungskräftige Gutverdiener gibt, liegt das doch auf der Hand. Auf dem Land, in den sog. "remote areas", ist es weniger leicht, aber diese Zahlen betreffen ja auch nur das Stadtgebiet von HCMC.
Bei den stationären Patienten sehe ich drei Gründe. Einmal ist es auch hier noch immer so, dass ein großer Teil der Krankenhauseinnahmen über die staatlichen Budgets hereinkommt, die sich v.a. an den Patientenzahlen orientieren. Dann kommt dazu, dass die guten Refinanzierungsmöglichkeiten bei der Geräteausstattung (siehe oben) die städtischen Kliniken auch viel attraktiver machen als das durchschnittliche Distriktkrankenhaus. Die Triage funktioniert nicht, alle Patienten, auch die mit wenig gravierenden Erkrankungen, streben in die zentralen Krankenhäuser. 
Und drittens wird leider oft stationär behandelt, was man auch ambulant machen könnte oder vermasselt hat. Ein Beispiel: Ich habe hier in Hanoi eine Hautärztin konsultiert und sie meinte, sie wollte mir da was aus dem Rücken schneiden. "OK", sagte ich, "dann machen Sie mal". Oh nein! So einfach gehe das nicht, war die Antwort. Dafür müsse ich eine Woche bis 10 Tage in ihre Klinik kommen. Nach der Operation müsse man ja eine gute Antibiotikatherapie machen. Bekannt ist, dass in vielen Kliniken die OP-Hygiene schlecht ist. Durch anschließende Antibiotika.Abdeckung wird das dann "repariert". (Ich habe es lieber in München ambulant machen lassen.)
Ein weiteres Beispiel, das mir ein Arzt erzählt hat: Ein Bekannter muss ins Krankenhaus. Lungenentzündung. Nach drei Wochen wir er geheilt entlassen. Und eine Woche später wird er mit einer schlimmen Hepatitis wieder eingeliefert, einer Infektion die er sich im Krankenhaus zugezogen hat. So kann man sich auch viele Patienten schaffen.
Ja, es gibt viel zu tun - packen wir es an!