Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Dienstag, 31. August 2010

Ahnenopfer für Onkel Ho

Heute berichtet Vietnam News darüber, wie Premierminister Nguyen Tan Dung im Hồ Chí Minh Haus einige Weihrauchstäbchen am Opferschrein für den berühmten Revolutionsführer opfert.
Uns Westlern kommt es merkwürdig vor, wenn der bekannte und beliebte Kommunist Ho Chi Minh als Bác Ho quasi wie ein Heiliger verehrt wird. Die frühere Studentengeneration, die stundenlange Strassendemonstrationen in Deutschland mit "Ho!Ho!Ho Chi Minh!" bestreiten konnte, würde unweigerlich Magengrimmen bekommen, wenn Sie den Kopf ihres damaligen Idols als ebenbürtigen Nachbarn einer Buddha-Figur im Tempel sehen würde.

Da ist er, der hl. Bac Ho
 Aber für das moderne Vietnam gehört das zum völlig normalen Leben. Anlässlich des 65. Jahrestages der sog. Augustrevolution und des 41. der Veröffentlichung von Ho Chi Minhs Vermächtnis geht eben eine ganze Regierungsdelegation, mit dem PM an der Spitze, zum restaurierten Haus neben dem Mausoleum und drückt den Respekt und die Dankbarkeit des Vietnamesischen Volkes für die Beiträge des verstorbenen Präsidenten zu Befreiung und Aufbau der Nation aus. Er wird als Mann der Kultur und als Held gepriesen, der Vietnam in den Augen der Welt zum Leuchten brachte. (Wir Studenten sahen das damals dieses Leuchten sehr gut.)
Gleichzeitig zeigt der Vorgang, wie das grundsätzlich kommunistische Land voll in der alten religiösen Tradition steht. Geschichtlich hatten Konfuzianismus, Daoismus und der Buddhismus beträchtlichen Einfluss. Alle drei Lehren fanden in Giao Chi, wie die Chinesen damals die südlichste Provinz ihres Reiches nannten, im 1. Jahrhundert nach Christi Eingang und alle drei kamen aus China (bzw. der Buddhismus nahm den Weg über China). Konfuzianismus und Daoismus wurden im Rahmen einer angestrebten Assimilierungspolitik von chinesischen Gouverneuren, Präfekten und Mandarinen eifrig verbreitet, sollten sie doch helfen, Vietnam zum  festen Bestandteil des "Reiches der Mitte" zu machen. Für die weit überwiegende Landbevölkerung war dies aber kaum relevant. Ihre religiösen Vorstellungen wurden durch Animismus und Ahnenkult geprägt, wie man in unendlich vielen Geschichten, die etwa bei den Bergvölkern überliefert werden, immer wieder erlebt. Dort wimmelt es von guten und bösen Geistern, dort ist es entscheidend, die Ahnen freundlich zu stimmen, um selber in Frieden zu leben.
Diese Tradition lebt und ist allgegenwärtig. Jedes Haus hat seinen Hausaltar, jede Familie stellt dort regelmäßig Opfergaben auf, der älteste Sohn ist von besonderer Bedeutung fuer eine Familie, weil eigentlich nur er die Ahnenriten richtig vollziehen kann. 
Dies ist z.B. der Altar in meiner Mopedwerkstatt
An besonderen Festtagen wird auch in den Tempeln geopfert, nicht so sehr dem Buddha oder so, sondern mehr den eigenen Ahnen. Eine ganze Industrie lebt davon, dass sie Opfergaben produziert: Papiergeld, Papierhäuser, Papierpferde - alles eben, was die Ahnen in ihrem fortgesetzten Leben brauchen können (man lässt es ihnen zukommen, indem man es verbrennt.) Auch Nahrungsmittel werden geopfert: Man stellt das Essen oder die Früchte auf den Altar und zündet die Weihrauchstäbchen an. Und wenn sie abgebrannt sind, dann haben die Ahnen ihr Mahl beendet und laden die diesseitige Familie ein, nun ihrerseits die Reste zu genießen. So muss das köstliche Essen nicht umkommen. (Ob das in dem hier berichteten Fall auch so war, ist nicht mitgeteilt worden.)
In dieser Tradition, die durch die alten Staatsreligionen ebenso unbeeindruckt geblieben ist wie durch den Kommunismus, steht also der Besuch des PM am Hausaltar von Bác Ho, um dort Räucherstäbchen zu entzünden und Obst zu opfern, wie man auf dem Foto sieht.
Bei aller Modernität: Dieses Land ist seine Tradition. (Nur dieses Land?)

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