Heute berichtet Vietnam News darüber, wie Premierminister Nguyen Tan Dung im Hồ Chí Minh Haus einige Weihrauchstäbchen am Opferschrein für den berühmten Revolutionsführer opfert.
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| Da ist er, der hl. Bac Ho |
Gleichzeitig zeigt der Vorgang, wie das grundsätzlich kommunistische Land voll in der alten religiösen Tradition steht. Geschichtlich hatten Konfuzianismus, Daoismus und der Buddhismus beträchtlichen Einfluss. Alle drei Lehren fanden in Giao Chi, wie die Chinesen damals die südlichste Provinz ihres Reiches nannten, im 1. Jahrhundert nach Christi Eingang und alle drei kamen aus China (bzw. der Buddhismus nahm den Weg über China). Konfuzianismus und Daoismus wurden im Rahmen einer angestrebten Assimilierungspolitik von chinesischen Gouverneuren, Präfekten und Mandarinen eifrig verbreitet, sollten sie doch helfen, Vietnam zum festen Bestandteil des "Reiches der Mitte" zu machen. Für die weit überwiegende Landbevölkerung war dies aber kaum relevant. Ihre religiösen Vorstellungen wurden durch Animismus und Ahnenkult geprägt, wie man in unendlich vielen Geschichten, die etwa bei den Bergvölkern überliefert werden, immer wieder erlebt. Dort wimmelt es von guten und bösen Geistern, dort ist es entscheidend, die Ahnen freundlich zu stimmen, um selber in Frieden zu leben.
Diese Tradition lebt und ist allgegenwärtig. Jedes Haus hat seinen Hausaltar, jede Familie stellt dort regelmäßig Opfergaben auf, der älteste Sohn ist von besonderer Bedeutung fuer eine Familie, weil eigentlich nur er die Ahnenriten richtig vollziehen kann.
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| Dies ist z.B. der Altar in meiner Mopedwerkstatt |
An besonderen Festtagen wird auch in den Tempeln geopfert, nicht so sehr dem Buddha oder so, sondern mehr den eigenen Ahnen. Eine ganze Industrie lebt davon, dass sie Opfergaben produziert: Papiergeld, Papierhäuser, Papierpferde - alles eben, was die Ahnen in ihrem fortgesetzten Leben brauchen können (man lässt es ihnen zukommen, indem man es verbrennt.) Auch Nahrungsmittel werden geopfert: Man stellt das Essen oder die Früchte auf den Altar und zündet die Weihrauchstäbchen an. Und wenn sie abgebrannt sind, dann haben die Ahnen ihr Mahl beendet und laden die diesseitige Familie ein, nun ihrerseits die Reste zu genießen. So muss das köstliche Essen nicht umkommen. (Ob das in dem hier berichteten Fall auch so war, ist nicht mitgeteilt worden.)
In dieser Tradition, die durch die alten Staatsreligionen ebenso unbeeindruckt geblieben ist wie durch den Kommunismus, steht also der Besuch des PM am Hausaltar von Bác Ho, um dort Räucherstäbchen zu entzünden und Obst zu opfern, wie man auf dem Foto sieht.
Bei aller Modernität: Dieses Land ist seine Tradition. (Nur dieses Land?)



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