In der übernächsten Woche ist TET, das Jahr der Katze beginnt. Natürlich ist die Hochschule für die kommenden Wochen geschlossen. Meine Abteilung hat angekündigt, erst am 7. Februar die Arbeit wieder aufzunehmen.
Es hat anscheinend Tradition bei uns, dass der Dean (mit Dekan nur unzureichend übersetzt, er ist halt einfach der Chef des Ganzen) am Vorabend der Tet-Ferien das gesamte Personal zu einem Gelage einlädt. In diesem Jahr war ich dabei.
Das mit dem Gelage ist wörtlich zu nehmen: Der gesamte Saal der Kantine wird leer geräumt und alles mit Grasmatten ausgelegt. Dann kommen Unmengen von 6 verschiedenen Gerichten auf die Matten, pro Person eine Flasche Wodka (Smirnoff war angesagt!) dazu Brot, Wasser, Cola und Mandarinen.
Nun lagert man sich auf dem Fußboden und beginnt zu futtern und zu trinken. Alle sitzen am Boden, auch die VIPs, Abteilungsleiter aus dem Ministerium in Schlips und Anzug o.ä..
Die genaue Zusammensetzung der Speisen wollte man mir nicht verraten. Da der Dean aus der Gebirgsregion kommt, war es wohl meist Bergziege, gekocht, gebraten, als sehr suspekt aussehende rote Sülze, verschiedene Innereien ... Man würzt kräftig, ißt frische Kräuter dazu und desinfiziert mit Wodka. Ich habe es bestens vertragen, will aber bis heute nicht wirklich wissen, was ich da gegessen habe.
Fast am wichtigsten ist dann, dass man mit seinem Schnapsglas von Sitzrunde zu Sitzrunde wandert und allen zuprostet. Natürlich wird man immer wieder aufgefordert, "bottom-up" zu trinken, also auf ex. Bei den kleinen Gläschen kein Problem, aber immer wieder Grund zum Beifall und für einen kräftigen Händedruck.
An der Stirnseite des Saales war noch ein großer Tonkrug mit Likör aus Hoa Binh aufgestellt. Der wird traditionell in der Gruppe getrunken, durch die dünnen Bambusstäbe, die man als Strohhalme hineingestellt hat. Es war dem Dean wichtig, sowohl hier mit jeder Gruppe als auch mit den Schäpschen gut dabei zu sein. "I can drink with everyone here, but I never get drunk!" erklärte er mir.
(Hier ist er etwas unzufrieden, der zweite von rechts in der hellen Jacke.)
Wie in Vietnam üblich, dauerte die ganze Veranstaltung keine 2 Stunden, dann lief alles auseinander. Die wiederholten Einladungen ins Karaoke habe ich ausgeschlagen.
Als ich den Heimweg antrat, tauchte aus dem Nichts ein netter junger Mann auf um mich nach Hause zu bringen, falls es mir nicht gut gehen sollte. Aber ich habe ihn beruhigt, und bin fröhlich auf mein Fahrrad gestiegen...







