Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Samstag, 22. Januar 2011

Auf gehts ins Jahr der Katze

In der übernächsten Woche ist TET, das Jahr der Katze beginnt. Natürlich ist die Hochschule für die kommenden Wochen geschlossen. Meine Abteilung hat angekündigt, erst am 7. Februar die Arbeit wieder aufzunehmen.
Es hat anscheinend Tradition bei uns, dass der Dean (mit Dekan nur unzureichend übersetzt, er ist halt einfach der Chef des Ganzen) am Vorabend der Tet-Ferien das gesamte Personal zu einem Gelage einlädt. In diesem Jahr war ich dabei.
Das mit dem Gelage ist wörtlich zu nehmen: Der gesamte Saal der Kantine wird leer geräumt und alles mit Grasmatten ausgelegt. Dann kommen Unmengen von 6 verschiedenen Gerichten auf die Matten, pro Person eine Flasche Wodka (Smirnoff war angesagt!) dazu Brot, Wasser, Cola und Mandarinen.
Nun lagert man sich auf dem Fußboden und beginnt zu futtern und zu trinken. Alle sitzen am Boden, auch die VIPs, Abteilungsleiter aus dem Ministerium in Schlips und Anzug o.ä..
Die genaue Zusammensetzung der Speisen wollte man mir nicht verraten. Da der Dean aus der Gebirgsregion kommt, war es wohl meist Bergziege, gekocht, gebraten, als sehr suspekt aussehende rote Sülze, verschiedene Innereien ... Man würzt kräftig, ißt frische Kräuter dazu und desinfiziert mit Wodka. Ich habe es bestens vertragen, will aber bis heute nicht wirklich wissen, was ich da gegessen habe.
Fast am wichtigsten ist dann, dass man mit seinem Schnapsglas von Sitzrunde zu Sitzrunde wandert und allen zuprostet. Natürlich wird man immer wieder aufgefordert, "bottom-up" zu trinken, also auf ex. Bei den kleinen Gläschen kein Problem, aber immer wieder Grund zum Beifall und für einen kräftigen Händedruck.
An der Stirnseite des Saales war noch ein großer Tonkrug mit Likör aus Hoa Binh aufgestellt. Der wird traditionell in der Gruppe getrunken, durch die dünnen Bambusstäbe, die man als Strohhalme hineingestellt hat. Es war dem Dean wichtig, sowohl hier mit jeder Gruppe als auch mit den Schäpschen gut dabei zu sein. "I can drink with everyone here, but I never get drunk!" erklärte er mir.
(Hier ist er etwas unzufrieden, der zweite von rechts in der hellen Jacke.)
Wie in Vietnam üblich, dauerte die ganze Veranstaltung keine 2 Stunden, dann lief alles auseinander. Die wiederholten Einladungen ins Karaoke habe ich ausgeschlagen.
Als ich den Heimweg antrat, tauchte aus dem Nichts ein netter junger Mann auf um mich nach Hause zu bringen, falls es mir nicht gut gehen sollte. Aber ich habe ihn beruhigt, und bin fröhlich auf mein Fahrrad gestiegen...

Dienstag, 18. Januar 2011

Die Ritter von der Cat Linh

Eben ging ich an der Cat Linh Strasse entlang, unterwegs zum nächsten kleinen Supermarket. Wie oft bin ich da schon gegangen und gefahren? Es ist ja gleich bei meiner Hochschule um die Ecke.
Aber zum ersten Mal ist mir dieses merkwürdig gestaltete "Schaufenster" im ersten Stock eines Sanitärladens aufgefallen. Wahrscheinlich war im Sommer das Laub der Bäume davor.
Was, fragt man sich, hat diese europäischen Ritter bewegt, ausgerechnet hier ihr mittelalterliches Wohnzimmer einzurichten?
Die Welt, besonders die Vietnamesische, ist voller Geheimnisse...

Mittwoch, 12. Januar 2011

Schildkrötenalarm

Nein! Es geht nicht um die vielen kleinen Schildkröten, die einem in den Restaurants zum Essen angeboten werden. In Plastikeimern schwimmen sie, meist neben der Eingangstür, man kann sich eine aussuchen und als Spezialität serviert bekommen.
Vielmehr geht es um DIE Schildkröte: Die angeblich hunderte von Jahren alte Weichpanzerriesenschildkröte (Rafetus swinhoei), die in dem idyllischen Hoan Kiem Lake inmitten der Altstadt Hanois zu Hause ist. 
Sie ist legendär, weil sie vor vielen hundert Jahren einem vietnamesischen König ein Schwert als Leihgabe überreichte, damit er die Chinesen besiegen konnte. Nach dem Erfolg dachte sich der König, er könnte das Wunderschwert auch behalten, doch die Schildkröte holte es sich bei einem Bootsausflug des Königs zurück. Seitdem heißt der See Hoam Kiem - die Rückkehr des Schwerts.
Nun, man mag es glauben oder nicht, es gibt sie noch immer, diese Schildkröte, wie dieses Foto aus dem Jahr 2005 beweist. Sie gehört nach Aussage der Zoologen zu den letzten 5-8 Exemplaren, die es weltweit noch gibt.
Alarm ist nun laut Pressemeldungen angesagt, weil eine Invasion von kleinen Rotohrschildkröten droht, ihr den Lebensraum streitig zu machen.
Diese kleinen Schädlinge stammen wohl aus USA und breiten sich in Vietnam aus wie die Heuschrecken. Sie fressen Fleisch, Planzen, Aas, kurz alles was der Lebensraum anbietet. Und da dieser innerstädtische Lebensraum ohnehin eher ungesund ist, machen sie damit der heiligen Schildkröte ganz unheilige Probleme.
Die Stadt hat nun versprochen, "nach Tet" etwas zu tun (ab jetzt wird alles, was es zu tun gibt, erst "nach Tet" getan). Man will Fallen aufstellen um die Schädlinge zu fangen (und zu essen?), die Bevölkerung ist aufgerufen, sich an den Fangbemühungne zu beteiligen. Das werden sich die Anwohner nicht zweimal sagen lassen, Essen fangen ist immer gut in Vietnam.

Besorgniserregend ist aber, dass man bei der alten Schildkröte bereits vielfache Verletzungen beobachtet haben will. Vergebliche Bemühungen um den Fang eines großen Bratens? So wird jetzt geplant, auch die alte Dame zu fangen und professionell gemeinsam mit einer Artgenossin in einem anderen der Hanoier Seen wieder aufzupäppeln.
Wie schon in unserem Bericht über die frühere Königsstadt Co Loa erwähnt, spielen wundertätige Riesenschildkröten eine wichtige Rolle in der vietnamesischen Mythologie. Was sagt es uns, wenn diese wichtigste Vertreterin ihrer Art nun von kleinen amerikanischen Wanderschädlingen bedroht wird?