Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Hilfe, ich werde vergiftet!

Per Handy kam der Anruf meiner lieben Frau. Wieder mal wurde, völlig ohne Vorwarnung, unser Grundstück vergiftet. „Ich bin völlig in weißen Wolken“ klagte sie.
Sie hatte sicher den Lärm der Höllenmaschine schon vorher gehört aber nicht richtig interpretiert. Dann kamen plötzlich zwei Männer vom Grundstück unseres Hausherrn um die Ecke und hüllten alles in weiße Wolken.
Man beachte, wie gut der Arbeitsschutz bei diesen Arbeitern beachtet wird: Etwas Abstand!
Seid wenigen Tagen haben wir schönes Herbstwetter. Die Sonne scheint, die Luft ist relativ trocken, es ist nicht mehr heiß - einfach schön. Natürlich standen bei uns in allen Stockwerken die Fenster und die Balkontüren offen, auf der Dachterrasse hing die Wäsche zum Trocknen. Alle Luken dicht machen ("dicht" ist bei uns eh relativ) und die Wäsche retten war also ausgeschlossen. Nach dem Schließen der Türen und Fenster hat sie lieber zum Fotoapparat gegriffen und das ganze dokumentiert.
“Dann wisst Ihr wenigstens, woran ich gestorben bin“ war ihre Erklärung, Flucht nach Draußen war ja nicht möglich. Der Vermieter schaute hinterher mal vorbei und meinte, es hätte in der letzten Zeit zu viele Moskitos gegeben, da habe man mal wieder was tun müssen.
Nun kennen wir diese Wolken schon aus Singapur, wo wir mal Zeugen wurden, wie ein ganzer Park eingenebelt wurde. Bei uns haben wir es erst ein Mal erlebt, sonst waren wir wohl zum Glück nicht daheim. (Er behauptete, das 3 Mal pro Jahr zu veranstalten.)
Natürlich ist ein gewisses Mass von „Pest Control“ auch wichtig und richtig in diesem Land. Es gibt, überwiegend im Süden, noch Malaria und es gibt eine besondere Enzephalitis, die von Mücken übertragen wird. Vor allem aber ist das Denguefieber im ganzen Land verbreitet, siehe der Internationale Dengue-Atlas:
Ein aktueller Zeitungsbericht mahnt:
„HA NOI (VNS)– October remains a high time for dengue fever. This past month, 8,500 people contracted the disease and there were five fatalities. There have been 60,000 dengue cases so far in 2012 and total fatalities stood at 47, according to the Ministry of Health. According to Deputy head of General Department of Preventive Medicine Tran Thanh Duong, the disease outbreak was recorded in southern provinces where many lakes and ponds are concentrated and there is high rainfall, creating breeding grounds for the mosquitos which carry the disease. Dong Nai, the neighbouring province to HCM City, reported 5,800 cases in the past two weeks, of which 60 per cent were children. Meanwhile Khanh Hoa Province has seen about 80 new cases each week, bringing the total number of patients in the province to 2,700. Ninh Hoa township and Nha Trang City account for half of these cases. -- VNS“
Wer aufmerksam liest stellt aber jedenfalls für Hanoi keine besondere Gefährdung fest. Allerdings ist ja gleich hinter dem Grundstück unseres Vermieters dieser grauenhaft stinkige Bach. Was da alles heranwächst, will man wirklich nicht wissen.

Passenderweise kam heute eine Email vom GIZ Landesbüro, in der vor einer besonders giftigen Art fliegender Insekten berichtet wird, den sog. Rove Beetles.
Es gibt sie in Hanoi auch als fliegende Variante, und die UNIS-Schule hat beschlossen, wegen des übermäßigen Befalls auf dem Grundstück den dortigen Schwimmbadbetrieb einzuschränken. Versuche von „cautious pest control“ hätten den Tierchen nichts anhaben können.
Nichts anhaben kann man mit derartigen Vergiftungsaktionen sicher auch den Termiten, die wir ja immer weiter im Haus haben. Zuletzt haben Sie Elenas Schreibtisch halb aufgefressen, von einigen der Dokumente darin gibt es nur noch Bruchstücke. Aber die Termiten leben ja bekanntlich unterirdisch (oder bei uns vielleicht unter den Fußbodenbrettern), da kommt dieses Giftgas wohl kaum richtig ran.
Wohingegen das Auftreten von Geckos bei uns sehr stark schwankt. In der letzten Zeit gab es ziemlich viele. Ob es da einen Zusammenhang gibt?
Nun, wie dem auch sei - bei uns war es sicher keine „cautious pest control“ sondern es sah ziemlich nach der chemischen Keule aus. Elena hat jedenfalls prompt Kopfschmerzen bekommen.
Aber als wir dann einige Stunden später - der Gestank war verflogen - an unserem Gartentisch beim Mittagessen sassen, konnten wir trotz der Begasungsaktion die schönsten Libellen beobachten, wie sie über unserem Pool ihre Kreise drehten.
Ihr Futter allerdings war wohl deutlich weniger geworden. Auf dem Wasser schwamm eine Schicht toter Kleinstinsekten, wie zum Beispiel Mücken. Die waren wohl doch nicht resistent gewesen.
Und wenn wir uns am Abend raus setzen, brauchen wir vielleicht in den nächsten Tagen die glimmenden Weihrauchspiralen nicht, die wir sonst immer unterm Tisch haben, um die Moskitos zu vertreiben.
 Ziemlich erfolgreich übrigens.

Investitionen, Ruinen und fehlende Gullydeckel

Am Wochenende waren wir mal wieder unterwegs nach Westen Ziel war der Dong Mo Stausee, nicht weit vom Ba Vi Gebirge und Nationalpark. Der Google Planer weist dafür eine Strecke von etwa 75 km (einfach) aus, die wir durch einige Umwege noch etwas vermehrt haben.

Das Ziel war eigentlich, einfach mal aus der Stadt raus zu kommen, vielleicht etwas spazieren zu gehen. Unsere Freunde, auf deren Blog ich zu diesem Ausflug erst mal verweise, waren früher schon mal dort gewesen.
Die Landschaft war, wie wir sie kennen, aber hier doch eher unspektakulär.
Interessant war, die völlige Hilflosigkeit zu erleben, wenn man Vietnamesen nach dem Weg fragt. Sprechen, Aufschreiben, auf dem Smartphone die Karte zeigen - egal: Das Ergebnis ist immer nur ein verlegenes Lachen, ein fröhliches „No!“ was einem fast triumphierend entgegnet wird.
Dass auch mein Smartphone diese Wege im Hinterland von Hanoi nicht so ganz perfekt anzeigen wollte, sei ihm mal verziehen. Google Maps kann ja nun nicht überall sein. Letztlich haben wir mit seiner Hilfe trotzdem unser Ziel gefunden, einen Campingplatz auf der Halbinsel hinter dem Ethno-Village.
Unser Irrweg hatte uns schon durch eine Planruine geführt. Außer den gut erhaltenen Schildern, die einen wunderbaren Resort mit Villen, Dörfern und Restaurants auf mehreren Inseln ankündigten (Thousand Islands sollte das Ding wohl genannt werden) gab es rein gar nichts außer einem ziemlich ärmlichen Vietnamesischen Dorf.
Wer hat da wohl Investorengelder versenkt? Zumindest eine Supervilla an der Straße zeugte davon, dass es einen Nutznießer wohl gegeben hat.
Auch die Sache mit dem Ethno-Dorf ist für unsere Begriffe merkwürdig. Erst mal ist die Anfahrt über die Flächen des ehemaligen Flughafens. Es ist also wohl ein Projekt zur Umnutzung des aufgelassenen Flughafen. Was dann folgt ist aber eine wirklich riesige Freilichtmuseumsanlage, an der eifrig weiter gebaut wird.
Da viele der Häuser oder Dörfer nicht fertig sind, ist vielleicht verständlich, dass es noch keine Werbung gibt. Es gibt ja auch noch niemanden, der Eintritt kassiert. Trotzdem fragt man sich, was da für ein Konzept zu Grunde liegt. Ein Freilichtmuseum zum Geld verdienen? Oder einfach nur so? Laut Zeitung steckt das Bildungsministerium dahinter, es liegt also der Gedanke nahe, dass auch hier Gelder  ausländischer Herkunft verbaut werden. Hoffentlich sind es keine Entwicklungshilfemittel!
Beim Herum fahren in dem Gelände kam mir unwillkürlich der Begriff vom Potemkinschen Dorf in den Sinn - während ich höllisch aufpassen musste, in keines der Gully-Löcher zu fahren, deren Deckel war hier flächendeckend geklaut worden.
Es wird also wohl auch nichts werden mit meinem Vorschlag, das nächste Mal die Roller Blades mit zu nehmen, die in Vietnam überhaupt noch nicht zum Einsatz gekommen sind.
Ach ja, Picknick gab es dann auch:
Anschließend zogen sich die Ongs zur Siesta zurück:
Aber bald begann es zu regnen. Aus dem Spaziergang ist also nichts geworden. Wieder mal.

Freitag, 26. Oktober 2012

Hindernis

Auf dem Weg nach Hause, zum Mittagessen, kommt direkt vor mir dieser Bambustransporter zum stehen. Voraus geht nicht, weil Gasse einfach nicht so breit ist (wer schon bei uns war, kennt die Stelle, es sind ca 125 cm Gassenbreite). Wenden wird auch schwierig werden.

Aber ich bin grade noch vorbei gekommen.
Der Bambus ist für eine Baustelle. Daraus werden hier die Fundamente für 4-stöckige Häuser gemacht.


Donnerstag, 25. Oktober 2012

Independence – Freedom – Happiness


These are the motto words for the „Socialist Republic of Vietnam“. No official document is allowed to be made out without this in the upper, righthand corner of the first page.
Today, let us talk about happiness. And let us do that in English, because – surprisingly – it is not easy to find a German equivalent. Google tells us: Glück (luck ?), Fröhlichkeit (joyfulness ?), Vergnüglichkeit (fun ?). Possibly Glückseligkeit gets near, but that is a state of mind which often seems associated with some form of intoxication. While certain forms of intoxication are not completely unknown in this country, I am sure, this was not what Ho Tchi Minh and his friends had in mind when they decided that Vietnam should the country of happiness.
There are other countries of happiness on the world. Bhutan, for example, has adopted happiness as one of it's state principles. A special Happiness Commission oversees all governent and legislation activities and will not allow any laws to pass that threaten to reduce or slow down the process of happiness for everyone. To my knowledge there is no such commission in Vietnam.
In spite of this, Vietnam ranks in SECOND place on the Happy Planet Index, which is set up by the „new economics foundation“. The idea is: Standard economic approaches measure the development of nations by looking at their GNP (Gross Domestic Product) or by relating that to the population GNP per Capita.  On this GNP/Capita Index Vietnam figures somewhere around 143 to 149 th place (of nearly 200), depending on the index used. These GNP-focused indexes do not really tell us how a country is doing in terms providing happiness and well-being for its citizens.
What's the problem? One could be the distribution of wealth. A country can be very wealthy in terms of GNP, but that wealth can be concentrated in the hands of a very small group of very rich people. So while the average may look high, there will still be very many very poor (and potentially unhappy) people in this country. Is this the situation in Vietnam? Anybody who lives in Vietnam will say that there is such a great disparity between rich and poor in this country, however the official statistics do not support this strongly. As pointed out by the UN on „International Poverty Eradication Day (Oct17th), Vietnam has made „significant achievements in the area of poverty reduction (MDG 1). In 20 years time,Viet Nam very successfully reduced poverty from a rate of 58.1 to an estimated rate of 14.5 percent.“
But still, 14.5% is a lot of people and these people cannot really have contributed to Vietnam's number 2 position on the happiness index. And it is true: If we look more closely, this index tries to consider 3 aspects: Life expectancy, Well-being and Ecologic Footprint; Vietnam scores highly on Life expectancy and Ecology, while it is only mediocre in terms of well-being. Germany, which I was comparing above, scores highly on Life Expectancy and Well-being but gets downgraded heavily by its Ecologic Footprint. This latter factor is defined according to WWF as a measure of resource consumption. "It is a per capita measure of the amount of land required to sustain a country’s consumption patterns, measured in terms of global hectares (g ha) which represent a hectare of land with average productive biocapacity." So, in simple words: High levels of consumption (like in highly developed countries) will lead to low grades on the Happy Planet Index.
If not before, at this point I would tend to question this methodology: Happiness is, in my view, a very subjective concept. Of course it is not related to money alone, aspects like health, education or good governance will be no less important. The reduction to those 3 aspects looks a bit skewed. If we look at the set of indicators which is being used in Bhutan, these make more sense to me.
And, by the way, as early as 1729 the King of Bhutan said „If the government cannot create happiness for its people, there is no purpose for the government to exist“. That is why Bhutan can be seen as the forerunner of happiness-oriented government, that is why they could be considered professionals on happiness. However, on the Happy Planet Index, they are not listed at all, so we cannot compare them to Vietnam.
The information about Bhutan is taken from another World Happiness Report,  which is being researched and prepared by John Helliwell, Richard Layard and Jeffrey Sachs of Columbia University. This report presents and compares data from different surveys, the most widespread one being Gallup World Polls, which are presented by the Cantril Ladder Table.
It shows Denmark in pole position, followed by Finland and Norway. Our champion from the Happy Planet Contest, Costa Rica, follows in position 12, way before many EU countries, Germany on 30 only. But Vietnam? We finally find it on the second page, in position 65. Bhutan, again, is not listed. Do they put more emphasis on per suing happiness than on marketing it?
All this tells us what we knew already: Different statistical methods can provide dramatically different results. And this is true especially when you try to measure something as multi-facetted and subjective as Happiness.
But it can also tell us that the pursuit of happiness for the population should be high on the political agenda, with a constitutional imperative like in Bhutan or Vietnam, or without it. GNP is not the only issue. 
Because, as the Bible says: „Man shall not live and be upheld and sustained by bread alone“ (Matthew 4.4)

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Nachtrag Hanoi International Choir

Inzwischen habe ich festgestellt, dass es eine sehr ansprechende Video-Zusammenstellung über unsere Carmina Burana Aufführung Anfang Juni gibt. Es werden Ausschnitte von den Proben und von der Aufführung gezeigt und man kann erleben, wie diese Musik einen mitreißt. Wenn ich das Video sehe, kommen die Melodien sofort wieder in den Sinn.
Und es fällt mir eine nette Gelegenheit ganz am Anfang unserer Zeit hier in Hanoi ein. Damals stand schon mal die Carmina auf dem Programm und wir waren grade auf unserem Roller unterwegs zur Aufführung. An der roten Ampel (an der ich damals noch stehen blieb) tauchte plötzlich mein Kollege Gottfried auf seiner Maschine auf, auch er im schwarzen Zwirn, noch dazu mit weißen Handschuhen (die er hier immer trug beim Moped fahren).
Ein kurzer Blick - "Oh Fortuna" dröhnten die beiden deutschen Bässe an der Hanoier Strassenkreuzung! Wir waren definitiv lauter UND wohlklingender als die bei Grün anfahrende Moped-Armada!
Hier also die zweite Aufführung: http://www.youtube.com/watch?v=rv49Y8J4-eY

Montag, 22. Oktober 2012

Mozart Night in Hanoi

Wir haben es wieder geschafft!
Ein weiteres Kapitel in unserer "erfolgreichen Karriere" auf der Bühne der alt-ehrwürdigen Hanoier Oper ist gestern geschrieben worden. Zwei Abende "Mozart Night" unter der Leitung von Honna Tetsuji, mit der Jupiter Symphonie (daran waren wir nicht beteiligt) und er Krönungsmesse.
Wieder hatten Honna und Graham einen grossen Chor zusammen getrommelt (aus 4 Chören), die Graham geprobt hatte. Wieder gab es in der letzten Woche vor dem Konzert etwas Druck, weil wir eigentlich das Gefühl hatten, noch nicht wirklich aufführungsreif zu sein. Und wieder haben die beiden Leiter es geschafft, eine tolle Aufführung auf die Bretter zu stellen. Natürlich war nicht alles perfekt. Es ist halt doch anspruchsvoll, ein vietnamesisches Orchester, vier Solisten (3 Vietnamesen, 1 Japaner) und einen zusammengewürfelten Chor von Laien zu einer 100% abgestimmten Weltklasse-Leistung zu koordinieren. Aber für uns Choristen war bei der bierfröhlichen Nachbesprechung auf der Dachterrasse eines netten Lokals in der Nähe der Oper ausserhalb jeglichen Zweifels: Wir, der Chor, haben wieder eine starke Leistung auf  die Beine gestellt und es hat unendlich viel Spass gemacht.
Es gibt Videos auf YouTube, die einen kleinen Eindruck vermitteln (drei davon von Günter und Vera - Xin Cam On!), Wenn es noch mehr gibt, werde ich sie hier nachtragen.

Sofort beginnen die Proben für das Weihnachtskonzert. Es wird am 7. und 8, Dezember stattfinden, im Goethe-Institut und in der Oper von Hai Phong
Es gibt deutsche Weihnachtslieder und wahrscheinlich eine Bach-Kantate. Heute Abend wissen wir mehr.

Freitag, 19. Oktober 2012

Der Tiger lahmt

Bis vor wenigen Monaten galt Vietnam als einer der "Tigerstaaten", Staaten in Asien, die mit beeindruckender Entwicklung der Wirtschaft und der Lebensbedingungen ihrer Völker unterwegs waren um den alten Westen das Fürchten zu lehren. War dies in Vietnam ein Strohfeuer, das vor allem durch niedrige Löhne und die Orientierung westlicher Produzenten an Kostenreduzierung und "shareholder value" genährt wurde?
Seit 2010 das jährliche Pro-Kopf Einkommen auf 1156 USD gestiegen, das Land den Kreis der Low-Income Entwicklungsländer hinter sich gelassen hatte, seit die alljährlichen Wachstumsraten kontinuierlich über 7% lagen, seit Internationale Investoren das Land entdeckt hatten und hier bis zu 72 Milliarden Dollar pro Jahr investierten (2008) galt das Land als Paradebeispiel für ein Wirtschaftswunder unter kommunistischer Führung.
Der Nimbus wankt.
2011 waren die internationalen Investitionen auf 14,7 Milliarden geschrumpft, riesige Staatskonzerne meldeten massive Liquiditätsprobleme oder Zahlungsunfähigkeit (z.B. der Schiffsbaukonzern Vinashin im Dezember 2010). Die Inflation betrug seit 2010 deutlich über 10%, für 2011 lag sie laut Index Mundi bei 18.6% , wurde allerdings im September 2012 wieder auf 6,84% herunter gebracht (Jahreswert 9,96%).

Unten ist allerdings auch das Wirtschaftswachstum, es wurde für das erste Halbjahr noch mit 4,38% notiert . Das wäre zwar in Europa noch immer ein Traum, aber für Vietnam hatte etwa PricewaterhouseCoopers im Jahre 2008 noch vorhergesagt, die Wachstumsraten würden auf real über 10% steigen, das Land werde in 2025 die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft weltweit werden und bis 2050 ein Volumen von 70% des Vereinigten Königreiches erreichen. Da ist das jetzt etwas enttäuschend.
Stattdessen lese ich in den Berichten des Gesundheitsministeriums, dass man sich wohl von der Vorstellung verabschieden muss, alle "Millenium Development Goals" zu erreichen. Im Bereich Gesundheit geht es nicht richtig weiter.
Stattdessen liest man Berichte von Festnahmen hochrangiger Wirtschaftsbosse wie Nguyen Du Kien, dem Gründer und CEO der Asia Commercial Joint Stock Bank oder der Führungsfiguren der Vinashin, die dem Vernehmen nach dort für Verluste von 4,5 Milliarden Dollar verantwortlich sein sollen. Es gab Berichte von Protesten gegen ungerechtfertigte Landnahmen und Massenentlassungen durch vietnamesische Wirtschaftsunternehmen. Auch die Meldung, die vor einigen Tagen die Runde machte, passte ins Bild: Der Chef der Partei in Hanoi hatte seine Mitglieder per Dekret aufgefordert, bei der Veranstaltung von Hochzeiten mehr Augenmaß walten zu lassen. Es sei nicht akzptabel, wenn Parteimitglieder dazu ganze Fünf-Sterne-Hotels oder Ressorts anmieteten. Die neue Richtschnur: Es sollen pro Familie (also von Seiten des Bräutigams und von Seiten der Braut) jeweils nicht mehr als 300, insgesamt also 600, Gäste eingeladen werden.
Anmerkung dazu: In Vietnam ist die Partei keine Massenpartei sondern einer Elite vorbehalten. Bei einer Gesamtbevölkerung von 86 Millionen gibt es nur 3,8 Millionen Parteimitglieder.
Aber natürlich passiert in diesem Land nichts ohne eine Beteiligung der Politik. Die allmächtige Kommunistische Partei hat alle Fäden fest in der Hand. Es konnte also nicht ausbleiben, dass die stockende Entwicklung, verbunden mit steigender Unzufriedenheit in der Bevölkerung, sich in die verschwiegenen Zirkel der Partei auswirkten. Schon vor Monaten erzählte unser gut vernetzter Vermieter, in der Partei fänden heftige Kämpfe auf den obersten Ebenen statt. Internet-Blogs, die offensichtlich von Insidern gefüttert wurden, berichteten von intensiven Verflechtungen zwischen Premier Ngyuen Tan Dung und den verhafteten Wirtschaftsführern (zu denen er als ehemaliger Banker natürlich engste Kontakte hatte). Sie ließen ahnen, welche Kämpfe da hinter den Kulissen geführt wurden und manche internationalen Fachleute wagten schon die Prophezeiung, Dung könnte abgesetzt werden.
So schlimm ist es nicht gekommen. Nach 14-tägigen Sitzungen von Zentralkomitee (175 Mitglieder) und Politbüro (14) trat Parteichef Nguyen Phu Trong vor die Presse und erklärte: Die Mitglieder des Politbüros haben die verschiedenen Fehler, die auch von einzelnen Personen gemacht wurden, ehrlich zugegeben und bedauert. Sie haben sich selbst kritisiert und es wurde darauf verzichtet, gegen alle oder einzelne Personen Disziplinarmaßnahmen zu ergreifen. "Wir haben uns selbst vergeben" wurde die Überschrift dazu formuliert. Wobei es wohl kaum der mitmenschliche Wunsch nach Vergebung war, der hier die Nachsicht förderte. Auch der Gedanke, dass in einem derart vernetzten System Korruption kaum noch an einzelnen Personen festgemacht werden kann, dürfte nicht ausschlaggebend gewesen sein. Eher wahrscheinlich: Das gesamte politische Establishment, die gesamte politische Kultur, ist extrem interessiert an Ruhe und Kontinuität. Hierarchien dürfen nicht in Frage gestellt werden, dass ist allgemeines Kulturgut und vor Unruhe in jeder Form hat man Angst.
Gerade in einer Zeit, in der die wirtschaftliche Entwicklung auf der Kippe steht, in der das Land auf massive Investitionsgelder von außen angewiesen ist schon um den maroden Bankensektor wieder auf die Füße zu bekommen (man spricht auch in Vietnam von der Notwendigkeit einer "Bad Bank" in der die Unmengen von notleidenden Krediten gebündelt werden sollen, bis zu 20% aller ausgegebenen Kredite sollen das sein), in dieser Zeit muss man das Vertrauen des Auslands nicht durch politische Erdbeben weiter erschüttern.
Interessant ob die Rechnung aufgeht. Das Vertrauen der Investoren ist ja mindestens ebenso erschüttert durch die Erkenntnis, dass große Teile der investierten Summen in privaten Taschen landen, dass Investitionsentscheidungen auch weiterhin vollständig intransparent getroffen werden, dass es keine wirklich zuverlässigen Rechtsgrundlagen für Investitionen und keine Rechtssicherheit für Investoren gibt.
Dass man sich jetzt entschieden hat, das Problem wieder vietnamesisch zu lösen indem man einige Bosse an den Pranger stellt, im übrigen aber sich gegenseitig vergibt, kann eigentlich nicht als vertrauensbildende Maßnahme eingestuft werden.
Der begnadigte Premier ist wohl sozusagen auf Bewährung. Nun wird er zeigen müssen, ob er wirkliche Reformen durchsetzen kann.

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Mit dem Bike in Mai Chau

Eines der Ziele, die wir noch auf der Liste hatten, war Mai Châu, im Südwesten von Hanoi gelegen. Das Tal hinter den Bergen ist berühmt für seine schöne Landschaft, für die Dörfer der dort heimischen Minoritäten der Weißen und der Schwarzen Thai, für Relaxen und Vietnam genießen.
Es gibt dort nur ein richtiges Hotel, dafür um so mehr Homestays, Unterkünfte die von den Bauern in den Dörfern angeboten werden. Als Expat fährt man standesgemäß mit Auto und Fahrer dort hin, lässt es sich gut gehen und kommt dann nach 1-3 Tagen wieder zurück nach Hanoi. Die Entfernung wird mit etwa 160 km einfach angegeben, wofür man in Vietnam per Auto etwa 3 Stunden veranschlagt.
Wir haben beschlossen, mit unseren Besuchern aus Deutschland, Margit und Thomas, es etwas anders zu machen: Wir wollten mit den Mopeds fahren, nicht nur auf der Hauptstraße bleiben, aber uns dafür den Luxus des richtigen Hotels leisten. „Nach 160 km Moped werden wir den Luxus sicher genießen“ war unsere Überlegung. Sie war richtig.

Wie auf der Karte zu sehen, sind wir erst mal an der Autobahn entlang nach Westen gebrettert. „Whow! 90 kmh machen die Maschinchen ja ohne Probleme!“
Aber die Freude wärte nicht lange. Es kam der erste Regenguss. Mit dem flatternden Regencape, mit Wasser auf der Brille wird man sofort deutlich langsamer. An der großen Nationalstrasse entlang, mit hupenden Bussen und LKWs die einem gern mal den Platz auf der Strasse streitig machen (und dabei halt deutlich im Vorteil sind), fährt es sich nicht so angenehm. Nach Durchquerung einer riesigen tiefen Pfütze mitten auf der Nationalstraße 6 war man zudem von unten nasser als von oben.


Wir hatten Glück: Der Regen hörte auf, als wir in Bai Lang die Nebenstraße zum Abbiegen gefunden hatten. Ab jetzt wurde es landschaftlich schön und trocken war es auch. Die Hosen trockneten im Fahrtwind, es war ja zum Glück nicht kalt.




Die Straße, bestens ausgebaut und fast menschenleer


Sie schlängelt sich am Fluss entlang, durch malerische kleine Dörfer wo wir als Ausländer noch auffallen.



Das „Hello!“ der Schulkinder klingt uns nach, immer wieder bietet die Landschaft die Schönheit Vietnams und die Landwirtschaft pittoreske Anblicke. Die kleinen Bananen von der Frau an der Straße sind ja sowas von gut!



Als wir dann bei Cun wieder auf die Nationalstraße kamen, war die Ruhe vorbei, aber so schlimm wie auf der QL 6 nach Hoa Binh war es nicht. Oder lag es an der Mittagszeit?
Dafür setzte wieder der Regen ein, und bei der Überquerung des Nhuoi Passes, mit immerhin 700 Metern, kamen wir in die Wolken. Kalt wurde es auch, obwohl man ja nur noch „nach Gehör fahren“ konnte, bei einer Sicht von etwa 2 Metern. Aber auch diese Strecke wurde überwunden, und nach etwa 5 Stunden standen wir vor unserem Hotel. Die warme Dusche war wirklich willkommen, die wunden Gesäße freuten sich über die Erholung.



Am Nachmittag ging es dann aber trotzdem wieder aufs Moped, um das weitläufige Tal zu erkunden. Die Berge verschwanden im Nebel, die diesige Sicht machte die Ausblicke fast noch romantischer.


Shopping bei den Stilt-Houses war angesagt. Die Schals und Tischdecken werden hier wirklich selbst gewebt. Jedenfalls manche.


Dazu gab es einige etwas kleinere Feldwege.


Und immer wieder die wunderbare Landschaft. Es hatte sich gelohnt, hierher zu kommen.


Das vielgepriesene Hotel zeigte sich durchwachsen. Sicher, es ist ein richtiges Hotel, mit netten Zimmern, anständigen Badezimmern, einem Pool und einem Restaurant. Aber unsere Zimmer waren klein, mit Balkon auf die Hauptstraße hinter dem Haus, der Pool war trüb und das Essen war auch nicht aufregend. Die Preise, die hierfür verlangt werden, sind nur durch die Monopolstellung gerechtfertigt. Am Abend gab es noch eine nette Vorführung der lokalen Tänze, am Morgen begrüßte uns der Blick auf den Lotusteich zum Frühstück; auch dies war schön, bestätigte, dass wir es richtig gemacht hatten.



Auch der Vormittag war dann wieder den Spazierfahrten im Tal gewidmet



Weitere Schals wurden erstanden, die Blicke genossen


und kurz nach 12.00 ging es wieder los in Richtung Hanoi.


Unterwegs war der Pass diesmal nicht in den Wolken, so konnte man einige Aussichten geniessen.


Oder auch Stilleben am Rande sehen.






Vieh hüten ist das. Direkt an der QL 6
Doch etwa 50 km vor Hoa Binh kam der Regen wieder, wir entschieden uns, auf der Nationalstraße zu bleiben.


Wir bretterten durch bis Hanoi, von kleinen Stopps zum Einkaufen von Früchten abgesehen. Als wir nach genau 4 Stunden in Hanoi ankamen, waren wir wieder ziemlich nass und die warme Dusche in der Hoang Hoa Tham 173-63-66 war höchst willkommen.


Fazit: Ein wunderschöner Ausflug, sogar mit dem Regen. Aber wenn man es nochmal macht, dann bitte ohne Wolkenbruch.

Montag, 15. Oktober 2012

Von Bildern, Revoutionärinnen und den MAUS

Gestern waren wir im Frauenmuseum. Eigentlich wollten wir eine Kunstausstellung mit Werken von vietnamesischen Künstlerinnen sehen. Diese Ausstellung war aber schon in Auflösung – es war schließlich schon die Mittagszeit des letzten Tages.
So sind wir weiter gewandert und haben die Standardausstellung betrachtet, mit vielen Trachten der vielen nationalen Minderheiten und der Darstellung der wichtigen Rolle der Frau in deren Kultur. Viel Raum wird selbstverständlich den Müttern der Revolution und der Nation gewidmet: Der ungezählten Frauen, die seit der frühen Geschichte (Sieg der „Zwei Schwestern Trung“ gegen die Chinesen) und vor allem in den beiden Befreiungskriegen gegen die Franzosen und die Amerikaner sowohl an der Heimatfront als auch im Feld und in Feldlazaretten ihren Beitrag geleistet haben, wird hier in Bild, Video und Text gedacht. Schon hier kommt der Spruch in den Sinn, den ich in einem Artikel gefunden habe: „To describe the Vietnamese society, researchers have jokingly put it as a common truth that there is none man in Vietnam who did not excessively respect his wife” . Ein Volk der Pantoffelhelden?
Die Überraschung des Tages aber war die Sonderausstellung über „Mother Deities“, Muttergottheiten. Dort begegnete man MAUS, auf Vietnamesisch Mẫu, oder auch Mothers of All Universe. Dargestellt wird vor allem das Brauchtum Hau Dong, von dem bereits früher unter der Überschrift „Travestie im Tempel" berichtet wurde. Auf Texttafeln werden heutige moderne Menschen zitiert, die dem Muttergottheitskult huldigen:
Wenn ich meine Sorgen der Muttergottheit zu Füssen gelegt habe, fühle ich mich befreit und ruhig.
Auf einer anderen Tafel wird darauf hingewiesen, dass die Muttergottheit eigentlich die höchste aller Gottheiten ist.
Auf vielen weiteren Bildern und Tafeln wird berichtet, wie die medialen Darsteller zu Inkarnationen der unterschiedlichen Prinzen und Prinzessinnen dieser MAU werden, welche Rolle sie in diesem Pantheon spielen und welche Zwecke damit verfolgt werden, dass die eine oder andere Inkarnation für die Tempelzeremonie in Auftrag gegeben wird.

Die Frage, wie das Ganze zum Buddhismus passt, in dessen Tempeln diese Zeremonien ja stattfinden, bleibt aber offen. Wenn man ihr per Google ( http://www.asiaticsociety.org.bd/journals/Golden_jubilee_vol/articles/Isabell_Final.htm) nachgeht, stellt man fest: Ja, es gibt auch im Buddismus eine Muttergottheit. Sie wird Hariti genannt und ist entstanden, als Buddha eine Dämonengöttin (yaksi), die sich auf den Raub und Verzehr von Kindern spezialisiert hat, zum rechten Glauben bekehrte.

Mit der in Vietnam verbreiteten Variante des Muttergottheits-Kultes hat diese Geschichten trotzdem wohl nur am Rande zu tun. Wie Doan Thi Doan Trinh , der Vice-Direktor des UNESCO Informationszentrums in einem interessanten Artikel ausführt, drückt die besondere Variante des Đạo Mẫu ein Grundelement vietnamesischer Religiosität aus. Religion in Vietnam war und ist bis heute überwiegend in der schamanischen Naturreligion der Waldbewohner und später Bauern im frühen Vietnam begründet. Die Mutter als der Ursprung allen Lebens prägt deshalb ebenso wie der Ahnenkult bis heute die vietnamesische Religiosität. Trinh weist darauf hin, das alle Religionen, die im Laufe der späteren Jahrhunderte von aussen ins Land getragen wurden, durch die Chinesen oder vom indischen Subkontinent, immer von “Oben”, von der regierenden Schicht, der Normalbevölkerung übergestülpt wurden. Und er meint, dass dies genau in dem Maß erfolgreich war, in dem eine Religion in der Lage war, die ureigenen Glaubensvorstellungen der einfachen Bevölkerung zu integrieren. Der Buddhismus hatte damit keine Probleme, es gab ja die Hariti bereits, sie war als wichtige Gottheit anerkannt und konnte Mutter-Buddha vietnamisiert werden, sie wurde Mutter Quan Am oder Quan Thế Âm Bồ Tát . Auch das katholische Christentum hatte, dank der Marienfigur, keine wirklichen Akzeptanzprobleme. Konfuzianismus aber oder Daoismus, die solche Mutterfiguren nicht kannten, konnten zwar die männlichen Eliten beeinflussen, ihre Akzeptanz im Volk dagegen blieb gering.
Die Sonderausstellung, die wir gesehen haben, wurde im Januar eröffnet, als 300 Delegierte aus aller Welt in Nam Dinh zusammen gekommen waren, um sich über Hintergründe und Bedeutung des Muttergottheits-Kultes auszutauschen. Berichte gibt es online, auch im Internetradio kann man die Musik hören, und ein Medium über seine Erfahrungen sprechen: http://english.vovnews.vn/Media/Play.aspx?itemid=1637 
Es ist sehr schwer, sich von der Bedeutung der Religionen in dem grundsätzlich ja weiterhin kommunistisch-atheistischen Land Vietnam ein korrektes Bild zu machen. Die Schätzungen für die Zugehörigkeit zum Buddhismus etwa schwanken zwischen 20% und 80% der Bevölkerung. Richtiger wäre es wohl, nach der Verbreitung eines Pantheistischen Glaubens zu fragen. Da dürfte es kaum einen Vietnamesen geben, der nicht zugibt, in einem Tempel oder in allen verfügbaren Tempeln durch entsprechende Opfergaben um göttlichen Beistand zu bitten, wenn wichtige Dinge entschieden werden müssen oder nicht so laufen wie sie sollen.

Die Anbetung der Muttergottheiten in ihren 4 Inkarnationen Himmel, Erde, Wald-Berge und Wasser ist dabei universell in ganz Vietnam vertreten. In den Len Dong Zeremonien, in denen Frauen ebenso wie Männer als Medien die Inkarnationen dieser Vier Gottheiten personifizieren, werden dann die sieben Inkarnationen der heilgen Mütter “Tanh Ba”, die 5 grossen Mandarine sowie gerne auch der 10 Prinzen dargestellt, die einerseits Reinkarnationen der Mutter-Buddha sein sollen, andererseits auch die Inkarnationen wichtiger historischer Persönlichkeiten, die Kriege gewonnen oder sich sonstige Verdienste um das Vaterland erworben haben.
Womit der Bogen geschlagen wäre zu den Heldinnen der Revolution im Nachbarsaal. Ob etwa Ngô Thị Tuyển  auch mal eine Inkarnation in einer Len Dong Zeremonie bekommen wird?
In der alle Glaubensrichtungen und Ideologien mühelos integrierenden Welt der vietnamesischen Religion ist das keineswegs ausgeschlossen.

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Die alltäglichen Wunder

der Kommunikationstechnik, die wir hier eigentlich dauern vor Augen haben, sollen hier doch mal angemessen gewürdigt werden.

Wir haben Strom, die Grundlage jeglicher moderner Kommunikation, wir haben Fernsehen mittels Kabelanschluss, wir haben Telefon, wir haben 10 Mb Internet-Anschluss, mittels dessen wir nicht nur in die ganze Welt surfen können sondern Dank VOIP fast überall hin kostenlos telefonieren. Sogar Filme runterladen können wir, oder per www.cyberbass.com unsere Chor-Stimmen für das nächste Konzert üben.

Und alles das erreicht unser Haus auf diesem Wege:
Abzweig in unsere "hohle Nebengasse"

Auch hier kommt es alles vorbei - oder besser durch?
Abzweig in die Ngach 63

Herkommen tut es entweder von hier (von der Hoang Hoa Tham her).
Hoang Hoa Tham Mot Tram Bei Ba
Oder von hier, von der Doi Can Street.
Doi Can 209
Wenn es von der Doi Can kommt, dann kommt es auch noch hier vorbei

und hier durch.
Ist doch nett, wenn man den Kabelstran gleich einer weiteren Nutzung zuführen kann
Nein, ich habe nicht extra nach besonders pittoresken Verteilerstellen gesucht. Das ist alles einfach am alltäglichen Wege.

Wie auch diese Stelle, wo die Kabel wohl in den unterirdischen Kanal eingeführt werden.
Ecke Giang Vo
Wenn es dann mal regnet (was ja hin und wieder vorkommen soll hier), dann stehen die unterirdischen Kanäle natürlich unter Wasser. Die überirdischen Leitungen hängen frei und kaum gebündelt in den wie aus Eimern von Himmel stürzenden Wassermassen.

Und was soll ich sagen? Meist geht der Strom trotzdem, auch das Fernsehen fällt nur selten aus und die Internet-Geschwindigkeit bekommt nur hin und wieder eine kleine Delle.

Wenn das kein Wunder ist!

(PS; Während ich dies im Büro schreibe, hat es draussen einen lauten Knall gegeben, und der Strom war weg. Vermutlich hat sich der Trafo der Unterverteilung in einer Rauchwolke verabschiedet. Den einen oder anderen solchenTrafo haben wir auch schon lichterloh brennen sehen. Aber das ist kein Problem für uns: Wir haben Notstromversorgung und es dauert nur etwa 20 Sekunden, dann ist alles wieder da, Strom und Internet. Fernsehen gibts nich im Büro!)