Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Montag, 31. August 2009

Der Ausflug zur Ha Long Bay

Es ist sicher das berühmteste, was Vietnam an Attraktionen zu bieten hat, das Weltkulturerbe Ha Long Bay. Die einzigartige Meereslandschaft ist entstanden, als ein ausgedehntes Flusstal, in dem der prähistorische Fluss bizarre Felskegel und Höhlen aus dem ehemaligen Flusstal herausgearbeitet hatte, überflutet wurde. Es entstand eine Meeresbucht mit einer Ausdehnung von 60 mal 200 km, mit über 2000 kleineren und größeren Inseln. Etwas weiter landeinwärts wird deshalb das Gebiet, u.a. mit der berühmten Perfume Pagoda, auch die „trockene Ha Long Bucht“ genannt: Die Landschaft ist ähnlich, nur eben nicht überflutet. Die Ha Long Bay aber ist ein Teil des sog. Golfs von Tonking im Chinesischen Meer, Ha Long City und vor allem die große Hafenstadt Hai Phong liegen an der Bucht. Das Gebiet ist die Heimat von einigen tausend Fischerfamilien, die in sog. schwimmenden Dörfern in des Buchten der ausgedehnten Inselwelt leben – der klassische Fischfang hat wohl vielfach der Fisch –und Krabbenzucht im industriellen Maßstab Platz machen müssen.

Die 2-3 Tage Touren in die Ha Long Bay werden einem in der Altstadt von Hanoi von hunderten von Reisebüros angeboten. Wir hatten gehört, dass die tatsächliche Qualität sehr unterschiedlich sein soll. Mit Eigeninitiative, (selbst mit Motorrad hin, selbst Hotel und Boot buchen), soll es praktisch unmöglich sein. So entschlossen wir uns, dem Rat eines CIM-Kollegen zu folgen und über das sog. Kangaroo Café, eine schon seit vielen Jahren von einem Australier betriebene Institution, zu buchen. Kleine Gruppen auf einem eigenen kleinen und schönen Schiff, mit einem Programm von Rundfahrt, Kajak-Entdeckungen, Badeaufenthalten und Höhlenbesichtigung wurde versprochen. Unser deutscher Besucher Carsten, wie wir eher skeptisch was organisierte Reisegruppen betrifft, fügte sich mit uns in die angebliche Unmöglichkeit, alles selbst in die Hand zu nehmen, die 2-Tage-Tour mit einer Übernachtung auf dem Schiff wurde gebucht, am Samstag früh um 8.00 sollte es per Bus losgehen.

Wir trafen uns schon zum Frühstück im Café mit einigen Mitreisenden. Die Reisegruppen-phobie schmolz dahin, als wir feststellten, dass wir nur insgesamt 8 zahlende Gäste sein würden, zuzüglich der Führer Cuong. Würden wir wirklich zu neunt das Schiff mit 14 Plätzen für uns haben? Es sollte so sein!

Die Anreise im Kleinbus dauerte, unterbrochen von einem WC&Einkaufsstop in einer riesigen, angeblich von Behinderten belieferten Einkaufsanlage mit Bildern, Schmuck, Seidenartikeln, Töpfereiwaren und und und, etwas mehr als 4 Stunden. Bei der Ankunft behinderte eines der netten vietnamesischen Gewitter etwas die Einschiffung, doch mit dem letzten Tröpfeln ging es los. Unser Schiff, eine hübsche kleine „Dschunke“ aus dem hier üblichen rötlichen Holz, stand uns zur Verfügung. Die eher unspektakuläre erste Strecke vom Hafen zur Inselwelt wurde für ein ausführliches und köstliches Mittagessen, zum Kennenlernen der Mitreisenden (eine Dreiergruppe aus UK und ein Ehepaaar aus Malaysia) und zum Bezug der Kabinen genutzt. Elenas und meine Kabine, mit echtem Doppelbett und eigenem kleinem Bathroom sowie einer ausnahmsweise gut regulierbaren Klimaanlage, verfügte neben dem Fenster über den Zugang zu einem eigenen kleine „Balkon“ über dem Heck des Schiffes, praktisch vom Bett aus konnte man die wunderbare Landschaft (oder Meerschaft) draußen vorüberziehen sehen.

Als man danach wieder an Deck erschien, nahm einen die Inselwelt gefangen. Die Fotoapparate klickten sich heiß, einfach nur da sitzend und staunend wurden wir dann alle immer stiller: Vor lauter Staunen, sich durch Gesten auf den nächsten atemberaubenden Blick aufmerksam machen und einfach nur schauen, schauen, schauen verschlug es einem die Sprache. Sogar der permanent Witze sprudelnde Dave flüsterte nur noch andachtsvoll. So etwas hatten wir alle noch nie erlebt, wir waren überwältigt.

Durch immer neue Buchten, mit immer neuem Blicken in andere Buchten und Fjorde, ging es langsam dahin, an schwimmenden Dörfern vorbei, bis wir an einer schwimmenden Anlegestelle festmachten, um den Kajak-Ausflug zu machen. Paddeln über die Bucht, durch einen niedrigen Höhlendurchschlupf in einen stillen Bergsee - nun, still wurde er erst, als wir abgewartet hatten bis alle die Touristen (denn natürlich waren noch mehr und größere Schiffe unterwegs und hatten Kajak-Paddler los geschickt) wieder unter dem Berg durch verschwunden waren.

Nach der Rückgabe der Kajaks (und dem Klarmachen des Festmach-Taus, was sich unter Wasser verfangen hatte, ohne die Gemütsruhe der Mannschaft wirklich aus dem Gleichgewicht zu bringen) ging es in die Nachbarbucht, um richtig an Land anzulegen. Ein kleiner Sandstrand (ohne Menschen!!) lud zum Baden ein, der Inselberg sollte die Gelegenheit für die Sonnenuntergangsbilder liefern. Das Baden war vor allem warm und salzig. So ein warmes Wasser habe ich noch nie in einem Meer erlebt. Und hier war es leider nicht ganz perfekt sauber. Dafür gab es Sandboden, und Elena fühlte sich sicher. Dann entdeckte sie einen Einsiedlerkrebs in einer schönen Muschel und versuchte ihn zur friedlichen Aufgabe seines Hauses zu überreden. Aber er weigerte sich stand- und wehrhaft, und wir ersparten ihm dann doch den Weg in den Kochtopf. Die Blicke vom Berg in die Abenddämmerung waren ein weiteres besonderes Erlebnis.

Zum Abendessen und Schlafen schipperte unsere „Hoa Binh 22“ wieder in eine große Bucht, wo inmitten einer ganzen Armada ähnlicher Schiffe Anker geworfen wurde. Besorgte Blicke gingen zu den Nachbarn, aber sie waren weit genug weg. Ein köstliches Dinner wurde serviert, anschließend verweigerten wir uns den Tanz und Karaoke-Aufforderungen unseres Cuong, lagen noch einige Zeit an Deck, um unter Mond- und Sternenhimmel um die Eindrücke des Tages Revue passieren zu lassen, und verschwanden früh in der Koje. Der Sonnenaufgang war für 5.30 angekündigt, und wir wollten ihn erleben!

Die Blicke und Bilder, die sich den schlaftrunkenen Augen am nächsten Morgen boten, waren das Aufstehen wert. Der Himmel war bewölkt, ein Gewitter im Anzug, aber auch die unsichtbare Sonne zauberte einzigartige Farbenspiele an den Himmel, die sich im stillen Wasser der Buchten spiegelten. Vereinzelte Fischer waren mit ihren kleinen Booten unterwegs, langsam wurde es heller. Die Fotoapparate klickten um die Wette und unvergessliche Bilder gruben sich ins Gedächtnis.

Dann kam das Gewitter, und bot die willkommene Gelegenheit, noch etwas Schlaf nachzuholen, bis um 7.30 zum Frühstück gerufen wurde. Kurz danach erreichten wir die Insel mit der Sung Sot Höhle (Höhle der Überraschungen, weil sich drei Kammern hintereinander auf tun, eine größer und schöner als die vorher). Merkwürdig ist, dass es nicht mal in der Höhle, mitten im Berg, kühler ist. Das kannten wir von unseren Höhlen anders. Natürlich gab es hier mehrere Besuchergruppen, die auch meist schneller unterwegs waren. Uns ließ unser Führer Zeit, die Atmosphäre der Höhle auf uns wirken zu lassen.

Als wir wieder an Bord waren, wurde schnellstens eine ruhige Stelle etwas abseits angesteuert, und wieder Anker geworfen. Badezeit! Eine Leiter ins Wasser erleichterte das fröhliche Hin-und-Her zwischen Sprüngen von allen Ebenen des Schiffes und ruhigem Schwimmen oder auf dem Rücken treiben lassen im salzigen und warmen Wasser (was sich durch das Gewitter doch etwas abgekühlt hatte. Elena hielt sie Kapriolen im Foto fest. Da in der Bucht kaum mehr als 10 Meter Wassertiefe erreicht werden soll, ist es eben warm – an dieser Stelle aber war es tadellos sauber und ein echtes Vergnügen.

Doch dann hieß es „Alle Mann an Bord“ und ohne Hektik glitt das Schiff zurück in Richtung Ha Long City. Es blieb bewölkt, sodass wir ohne Angast vor der Sonne auf Deck sitzen und nochmals die wunderbare Inselwelt an uns vorbei ziehen lassen. konnten.

Ein weiteres gutes Essen in Hotel in der Stadt, eine etwas schnellere Busfahrt, wieder der Besuch eines „Einkaufscenters“ für „Behindertenprodukte“ (in einem Raum wurde sogar trotz des Sonntags Unterricht gehalten, und ganze Heerscharen junger Frauen saßen an den Nähmaschinen), alles dies war wie gehabt, gegen 16.30 standen wir wieder vor dem Kangaroo Café, eine wunderbare Erfahrung reicher. Die Tour ist jedenfalls unbedingt weiter zu empfehlen!

Natürlich gibt es auch wieder Fotos bei Picasa. Das ist der Link.:

Montag, 24. August 2009

Tagebuch eines Haushaltsumzugs Stendal-Hanoi

20.06.2009: Nach intensiver Recherche, Angebotseinholung und Vergleich wird ein Auftrag an eine Speditionsfirma vergeben. Sitz der Firma ist Costa Rica, Zweigstelle in Darmstadt. Der Umzug eines 20-Fuss Standard Containers, mit Selbstbeladung in Stendal, Schiffstransport nach Hai Phong, Transport nach Hanoi und Selbstausladung vor unserer Haustür soll etwa 2000.-€ kosten. Kaum ist der Auftrag bestätigt, teil die Firma mit, dass sie den Transport zum Haus in Hanoi nicht durchführen kann: Nur eine komplette Umzugsentladung mit Auspacken und Möbel aufstellen, was aber über 800.-€ mehr kosten soll. Ich als Jurist stelle fest, dass es nicht wirklich einen Auftrag gegeben hat, also „Dissens" besteht, und teile dies dem Spediteur mit. (Es ergibt sich ein längerer Email-Austausch über die Forderung von Stornozahlungen.)

Am 24.06.2009 wird einer anderen Firma der Auftrag erteilt, mit einem deutlich günstigeren Auftragsvolumen.

26.06.2009: Für 14.00 Uhr ist der LKW mit dem Container angesagt. Wir packen wie die Weltmeister, einschließlich Einwickeln aller Kisten usw. in Strechfolie, weil angeblich alle Container unterwegs mit Gift begast werden. Dank tatkräftiger Hilfe durch zwei Freunde schaffen wir es tatsächlich, 56 Umzugskisten, die gesamte Kücheneinrichtung mit E-Geräten, drei Sofas, das Wasserbettgestell, Schränken, 2 Fahrräder usw, usw. innerhalb drei Stunden zu verstauen. Der Container ist zu etwa 70% gefüllt, wird versiegelt und verschlossen, eine detaillierte Packliste als Exceltabelle muss nachgereicht werden (mit Inhaltsangabe zu allen Kisten, Deutsch und Englisch).

Etwa am 03.07.2009 geht der Container von Hamburg aus auf die Seereise. Papierkrieg mit der Spedition zur Packliste und zur sog. „Bill of Lading" erfolgt per Email. Wir sind ja inzwischen ohne Wohnsitz.

22.07.2009: Mit der Ankunft beim neuen Arbeitgeber beginne ich damit, auf die Ausstellung der nötigen Dokumente für die Zollfreigabe unserer Sachen zu drängen. Da ich stattliche Angestellter bin, muss meine Hochschule über ihr zuständiges Sachministerium (bei mir MOH) beim Ministry of Planning and Investment (MPI) eine sog. GA-Declaration beantragen, eine Bestätigung dass ich hier arbeite und als staatlich angestellter internationaler Experte mit mehrjährigem Aufenthaltsrecht berechtigt bin, meinen Hausstand zollfrei einzuführen. Die eigene Personalabteilung will das erst nicht einsehen, mehrfache Rücksprachen mit dem GTZ-Büro klären die Notwendigkeit und die bürokratischen Wege.

08.08.2009: Der Subunternehmer der Deutschen Transportfirma teilt aus HCMC mit, dass „gestern" der Container in Hai Phong angelandet sei und bittet um Übersendung der Papiere, insbes. der GA-Declaration. Diese ist aber nicht in Sicht: Der zuständige Sachbearbeiter bei MPI sei auf Dienstreise. Ich mache Rabatz, weil jeder Tag Containernutzung jetzt Geld kostet (allerdings nicht über 100.-US$ pro Tag wie in Deutschland angekündigt, sondern nur 13.- US$.) Im übrigen vereinbare ich mit der Firma in HCMC, dass uns die Sachen für 300.-US$ zusätzlich bis ins Haus gebracht werden, weil der Container überhaupt nicht in die Nähe unseres Hauses gebracht werden kann. Dieser Auftrag beinhaltet die Umladung in Klein-LKWs (mit denen man wenigstens in die Nähe des Hauses fahren kann), am Schluss bleibt nur Tragen, weil die Gasse teilweise kaum breiter als 2 Meter ist. Eine weitere „Prüfgebühr" vom Kulturministerium kommt dazu, weil wir CD, DVDs und Computer im Gepäck haben – 75.- US$

12.08.2009: Der Vermieter übergibt uns die Schlüssel des neuen Hauses, wir haben aber noch immer das Dokument nicht. Ein Mitarbeiter der Hochschule bietet an, mit einem „kleinen Umschlag" das MPI zu besuchen, dann werde sich schon jemand finden, der unterschreibt und ihm eine beglaubigte Kopie der Erklärung mitgibt. (Das Original kommt dann später mal auf dem ordentlichen Instanzenweg.) Ich stelle die notwendigen VND bereit.

13.08.2009: Ich habe die erwartete Erklärung, bzw. die Kopie mit Originalunterschrift, in Händen, scanne sie und schicke sie per Email an den Spediteur in HCMC. Rückmeldung, dass unser Container schon auf dem Zollhof in Hanoi steht. Es meldet sich Mr. Duc als Agent des Spediteurs in Hanoi, dieser holt sich am 14.08.09 die Dokumente und Unterschriften (incl. einer VN-Übersetzung unserer Packliste, die er erstellt hat. Trotzdem: Die Zollaktion kann erst in der neuen Woche passieren, angeblich ist auch der Frachtbrief im Original noch nicht da.

18.08.2009: Ich besuche mit Mr. Duc zusammen unseren Container auf dem Zollhof und bin bei der Öffnung von Schloss und Siegel dabei. Es scheint im Container alles perfekt in Ordnung zu sein. Kein Bruch, Scherben o.ä. zu erkennen. Die Zöllner, deren Wohlgesonnenheit man sich wohl auch durch eine kleine Spende gesichert hat (die ich aber nicht zusätzlich bezahlen muss!) werfen keinen Blick in den Container oder gar in die Kartons. Die Freigabe erfolgt nach ausführlichem Aktenstudium (Abends ruft mich Mr. Duc an und fragt, was denn nun eigentlich ein sog. „Herrendiener" sei. Und wieviele CDs wir denn hätten? 100 oder 2000?)

19.08.2009: Wir treffen uns um 09.30 Uhr mit Mr. Duc an unserem Haus – die LKWs sollen gleich da sein, angeblich sind sie schon unterwegs. Um kurz vor 12.00 schließlich wird per Handy mitgeteilt, dass die Zollfreigabe tatsächlich erfolgt ist, nach einigen Umwegen treffen die LKWs ein und entladen ihren Inhalt auf dem kleinen Platz vor der Pagode; etwa 100 Meter Fußweg von unserem Haus müssen mit Sackkarren, einem kleinen Ziehwagen und Transport auf dem Moped (z.B. unser Fernsehapparat, damit er nicht beschädigt wird) überwunden werden. Zwei freiberufliche Xe-Om Fahrer wurden als Träger angeheuert und bringen die Sachen nach Anweisung in die verschiedenen Räume im EG. So war es vereinbart. Auf dem Platz vor der Pagode wird es unübersichtlich, weil gleichzeitig für eine ebenfalls hier befindliche Baustelle Baumaterialien angeliefert werden, etwa ein großer Haufen Kies, der dann auch per Handkarren weiter verbracht wird. Trotzdem: Nach etwa 4 Stunden sind keine Sachen von uns mehr auf dem Platz, alles bei uns im Haus. Gegen ein Trinkgeld tragen uns die beiden sogar noch einige schwere Teile (Sofa, Badezimmerschrank mit Glastüren) nach oben ins 1. OG. Nachdem sie weg sind, packe ich den Flaschenzug aus, und wir mit Elena transportieren damit das riesige Bettgestell über den Balkon ins Schlafzimmer. Die Träger und Mr. Duc sahen sich dazu kräftemäßig nicht mehr in der Lage. (Die Fotos von dieser Aktion gibt es wie immer bei Picasa, hier.)

Am Abend fahren Elena und ich dann zu Gottfrieds Haus um dort unsere Sachen zu holen. Es sind auch noch mehrere Koffer und Taschen, die Elena mit dem Taxi zu unserem Pagodenplatz bringt. Auch nachts werden hier Steine, Zementsäcke, Sand und Kies verladen. Wir bringen zwischen den Handkarren auch unser Gepäck nach Hause. Das Bad im Pool ist ein kaum noch zu überbietender Genuss an diesem Abend.

24.08.2009: Ich treffe mich mit Mr. Duc in meinem Büro und zahle meine Zusatzrechnung, etwa 8 Mio VND in bar.

Fazit: Transportzeit: 26.06. bis 19.08.2008, Kosten etwa 2700.-Euro, etwa 500 Emails und SMS, keine Verluste.

Sonntag, 16. August 2009

Ausflug nach Co Loa

Gestern stand unser erster Ausflug aufs Land auf dem Programm. Nach ausführlichen Studien von Reiseführern, Landkarte und Internet hatte Elena den Ort Co Loa ausgesucht, eine der frühen Statten Vietnams, etwa 30 km östlich, jenseits des Roten Flusses. Wir wollten mal raus aus der Stadt um auch etwas Landschaft zu sehen.

Trotz des Wochenendes ist nicht nur in der Stadt heftigster Verkehr – aber den kennen wir ja inzwischen. Es geht erst mal quer durch die Stadt, dann durch die Altstadt am Hoan Kiem See, dann auf der Brücke über den Roten Fluß. In der Mitte stoppen wir kurz, um Fotos zu machen. Die Brücke vibriert heftig unter den vielen Fahrzeugen. Drüber der jenseitige Teil von Hanoi ist erst mal sehr modern, teilweise fast chic, dann wird die Strasse kleiner und der Standard der unendlichen kleinen Geschäfte, Läden und Werkstätten auch. Wir sehen viele Möbelgeschäfte. Als wir endlich nach fast einer Stunde die Stadt hinter uns lassen, atmen wir auf: Weite grüne Flächen mit Reisfeldern, einfach etwas frische Luft.

Co Loa war zur Bronzezeit die Hauptstadt des Königreichs Au Lac. König An Duong Vuong (257 -208 vor C.) hatte dort die berühmte Muschelstadt errichtet, eine Zitadelle umgeben von spiralförmigen Mauern und Kanälen von etwa 5 km². Die Geschichte von seinem Ende ist traurig: Wie so viele vietnamesische Herrscher vor und nach ihm hatte er gegen die übermächtigen Chinesen zu kämpfen. Als er nicht mehr weiter wusste, flehte er an einem See um den Beistand der heiligen goldenen Schildkröte. Sie erhörte ihn, indem sie ihm eine magische Armbrust schenkte, magisch, weil sie eine ihrer Krallen als Abzug hinein zauberte. Die Waffe half, der chinesische General wurde besiegt. Als Besiegter erbat er sich die Hand der Königstochter für seinen Sohn – und erhielt sie. (Ritterlicher Umgang mit Unterlegenen, ganz ohne Genfer Konvention…) Doch damit begann das Unheil seinen Lauf zu nehmen: Die Tochter des Königs erzählte heimlich ihrem Gatten von der der magischen Armbrust, und er stahl heimlich den besonderen Abzug, die Schildkrötenkralle. Dann ließ er seinem Vater die Nachricht zukommen, dass ein erneuter Angriff erfolgversprechend sei. Und so geschah es, ohne die magische Kraft der Armbrust konnte sich König An Duong Vuong nicht mehr behaupten. Er lief mit seiner Tochter zum Teich der Schildkröte und bat erneut um Hilfe. Sie erschien und sprach: „Dein Feind steht hinter Dir.“ Der König zog sein Schwert, drehte sich um und enthauptete mit einem Schlag – seine die hinter ihm stehende Tochter. Als er dieses Ausmaß seines Unglücks verstand, konnte auch er nicht mehr leben, und stürzte sich in den Teich. Der General kam in die Zitadelle, wohin sein Sohn den Leichnam seiner toten Ehefrau gebracht hatte und sah, dass er den Kampf gewonnen, die Schwiegertochter aber verloren hatte. Doch bleib sachlich: Er sagte sich los von seinem Heimatland China und übernahm die Herrschaft des gewonnen Landes als König des von ihm so genannten Nam Viet.

Heute kann man an der Stelle der alten Zitadelle eine dem König gewidmete Tempelanlage Den An Duong besichtigen, einschließlich eines kleinen runden Teichs, in dem angeblich die Schildkröte lebte. Die Nachbildung in goldenem Plastik, mit der Armbrust, ist jederzeit käuflich zu erwerben. Der Tempel hat einen Innenhof und drei Altarräume hintereinander, in einem eine Gebetsmühle, in einem die prächtigen Königskleider, im hintersten eine Statue des unglückseligen Königs. Touristen gibt es kaum, einige wenige opfern Räucherstäbchen oder werfen Geld in die riesigen Kisten, die vor jedem Altar stehen. Umgeben ist der Tempel von einer kleinen Anlage, mit etwas Phantasie kann man darin noch Reste der alten Zitadellenmauern erkennen.

Ebenfalls zum Dorf Co Loa gehört die Anlage des Dorftempels Dinh Ngu mit einem über 50 Meter breiten Dorfgemeinschaftshaus, in dem auch an einem Altar die Goldene Schildkröte verehrt wird. Sonst ist es mehr ein Museum. Daneben, hinter einem 1000-jährigen Banyanbaum, steht noch der kleine dreiräumige Tempel der Königstochter Ni Chau, auch hier große Kisten für Geldspenden – wenn man 10.000 Dong und mehr spendet, dann darf man sich auch in ein Spenderbuch eintragen.

Während der gesamten Zeit unseres Besuchens in Dinh Ngu übt eine Gruppe nicht mehr ganz junger Damen auf dem großen Platz davor zu ziemlich moderner Musik aus CD-Player in langer Reihe stehend verschiedene Tänze. Uns ist unklar, ob es einfach nur die lokale Variante von Aerobic sein soll oder die Vorbereitung für das nächste Dorffest. Jedenfalls sieht es manchmal sehr malerisch aus, wenn sie zu den Klängen eines Lobliedes auf Vietnam und unter der Nationalfahne mit ihren roten Fächern tanzen. Eine ältere Dame führt als Vortänzerin mit klarer Stimme das Kommando.

Unweit des Dorftempels, an der Strasse mit den weidenden Kühen, finden wir noch einen Teich, auch mit einem kleinen roten Tempel und eine Statue des Königs An Duong mit seiner Armbrust. Auch etwas außerhalb des Dorfes mit weidendem Vieh und Reisfeldern, vermag man sich noch die Reste der alten Wallanlagen mit ihren 10 Meter hohen Mauern und den Kanälen dazwischen vorzustellen.

Der Rückweg geht, wie immer, schneller als der Hinweg, bald sind wir wieder am Hoan Kiem, speisen am See sitzend noch einige der köstlichen vietnamesischen Frühlingsröllchen und kommen in der Dämmerung nach Hause – kurz bevor mal wieder ein Gewitter losbricht, das uns erst mal für einige Stunden Stromausfall und damit den Ausfall der Klimaanlagen beschert.

Einige Fotos sind, wie immer, hier hinterlegt.

Sonntag, 2. August 2009

Hausdrachen

Gestern habe ich meinen Hausdrachen hier gesehen. Er hatte sich hinter dem Badezimmerspiegel sein Beute gesucht. Ich hab ihn sehr gelobt! Weiter so!

Samstag, 1. August 2009

Kleiner Ausflug - es gibt doch schöne Ansichten

Da ich ja demnächst noch mal nach Deutschland fliege, stand am heutigen Samstag wieder „Shopping“ auf dem Programm.

Zunächst wollte ich nördlich von der Zitadelle in die Dong Dung Str, weil es dort laut Reiseführer einen besonders tollen Laden für Handwerkskunst vom Land geben sollte. Es gibt ihn wohl auch (sogar die Clintons sollen dort gewesen sein), aber auch heute war er wieder geschlossen. Dieser Stadtteil nördlich von der Zitadelle ist ein ruhiges, vornehmes Regierungs,- Botschafts- und vielleicht auch Villenviertel. Als ich schöne breite Avenue fotografieren wollte, kann gleich ein Polizist um mich zu scheuchen (im Bild ganz rechts zu sehen. Ich habe wieder einige Bilder hochgeladen.)

Die kleine Strasse gegenüber vom Zitadellentor ist eigentlich nicht auf Handwerkskunst spezialisiert sondern auf Handys. Ich glaube nicht, dass ich schon mal so viele auf einem Haufen gesehen habe.

Nach einem erfolgreichen Streifzug durch die „36 Strassen“ habe ich mir dann noch einen Spaziergang im Park hinter dem Mausoleum gegönnt. Es ist offensichtlich der Park für die Hochzeitsfotos (hier habe ich aber die Privacy der Brautpaare gewahrt). Zudem machte wohl eine hiesige Sängerin (Vietnamesische PopMusik?) dort Aufnahmen für iht nächstes Video: Sie posierte tonlos zum vorgespielten Soundtrack. Das fand ich doch ein-zwei Fotos wert.

Tja, und auf dem Rückweg fiel mir noch ein, dass ich eigentlich zum Haareschneiden muss. Aber diesen Barbier, den ich beobachtete als ich mich während eines Regengusses unterstellte, wollte ich denn doch nicht beehren.