Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Mittwoch, 29. Juli 2009

Arbeit

In den letzten Tagen kann ich mich, da ich keine Aktivitäten hinsichtlich Haus mehr habe, etwas mehr um die Arbeit kümmern.

Es ist weiterhin nur begrenzt klar, welche Aufgaben ich im Einzelnen haben soll. Zwar habe ich auf seine Bitte hin Dr. Tuong ein Papier mit möglichen Plänen und Aktivitäten gegeben, aber es kommt kein Feedback. Zumindest im Moment hat man nicht den Eindruck, dass der Unterricht für die 25 Studenten, die in diesem Jahr für Hospital Management eingeschrieben sind, irgendjemandem hier viel Kopfzerbrechen macht. Es geht in den Gesprächen eigentlich nur um Forschung und um Gutachten oder Stellungnamen, die für das Ministerium erstellt werden müssen. Aber bis Anfang September ist ja auch noch Zeit…

So wurde ich auch als erstes gebeten, mich zum System der Qualitätszertifizierung in UK schlau zu machen. Es solle dort so etwas wie ein Rating mit bis zu drei Sternen geben. Nun, ich habe etwas gesurft und herausgebracht: Die drei Sterne gibt es schon lange nicht mehr. Aber was es gibt, das ist inzwischen ein sehr ausgefeiltes alljährliches Berichtswesen zu etwa 24 Kriterien (mit einer guten Zahl Unterpunkten). Diese Berichte werden zunächst als Selbstbewertung erstellt (wobei 4 Notenstufen vergeben werden können, von vollständig erfüllt bis kaum erfüllt). Stichprobenartig wird dann auch noch durch Visiten überprüft, ob die Selbstbewertung einigermaßen zutreffend war.

Kaum hatte ich den Bericht dazu vorgelegt, kam die gleiche Bitte für Frankreich. Ich habe schnell festgestellt: Dort gibt es seit 1999 eine Akkreditierung/Zertifizierung von Krankenhäusern, den entsprechenden Katalog 2009 der Kriterien mit 81 Punkten gibt es aber nur auf Französisch. Was liegt näher, als daß ich davon jetzt eine Inhaltsangabe mache?

Dann berichtete er heute, der Dekan habe ihn auf eine Möglichkeit aufmerksam gemacht, aus Italien ziemlich viel Fördermittel für das Thema Qualitätsmanagement und Zertifizierung zu bekommen. Er habe ganz schnell eine Interessensbekundung abgegeben. Wahrscheinlich werde ich mir also als nächstes den entsprechenden Katalog auf Italienisch anschauen.

Dass diese Reihenfolge auch der Reihenfolge meiner Sprachkenntnisse entlang abwärts entspricht, habe ich ihm schon gesagt. Aber besonders gestört hat ihn das nicht. Ich kann halt diese Sprachen immer noch besser als die Anderen hier.

Es ist wohl einfach so, dass es für die Abteilung im Moment das wichtigste Thema ist, einen Vorschlag zu erarbeiten, wie man in Vietnam die Krankenhäuser anhand eines möglichst modernen Kriterienkatalogs hinsichtlich Qualität und Leistungsfähigkeit bewerten kann. Um eine echte medizinische Qualitätssicherung nach Art der BQS-Berichte in Deutschland wird es dabei kaum gehen. Auch den umfangreichen und arbeitsintensiven deutschen KTQ-Prozess würde ich hoffen, verhindern zu können. Aber grundsätzlich ist ein solches Assessment-Instrument schon sinnvoll. Meine Aufgabe in diesem Kontext wird es wohl sein, internationale Vergleichsmodelle zu sammeln, auszuwerten und auf ihre Relevanz für Vietnam hin auszuwerten. Daraus soll dann ein neuer Katalog für Vietnam entstehen, und der wird dann sicher in ausgewählten Krankenhäusern erprobt werden. Zum Thema „Forschung“ wird das wohl auch das sein, was ich mir für die 2 Jahre ans Bein binden werde. Und ich muss mir vornehmen, dazu beizutragen, dass das Ganze doch noch einen gewissen Praxisbezug hat, vom Umfang und von den Inhalten her. Wahrscheinlich ist auch ein Thema wie „Patientenrechte“ in VN weniger bedeutsam für die Beurteilung eine Krankenhauses als die Existenz eines guten Hygienemanagements oder Zugänglichkeit der Versorgung (die z.B. in England ein ganz großes Thema ist.).

Zu den anderen Oberthemen meines Auftrags – Curriculum und Unterricht – gibt es derzeit einfach noch keine Aussagen. Mal sehen.

Das Wetter ist derzeit etwas weniger freundlich, es regnet ziemlich viel. Deshalb macht auch das Rollerfahren nicht mehr so viel Spaß. Da muss man durch, und kalt wird es trotzdem nicht. Aber ich spare mir das mittägliche nach Hause fahren.

Sonntag, 26. Juli 2009

Ausflug nach Hoan Kiem

Hoam Kiem - der älteste und berühmteste Statdteil - ist für mich interessant geworden, weil man dort Dong in Dollars umtauschen kann (beim Juwelier, nicht bei der Bank, der Kurs ist halt schlechter). Etwas Sightseeing war natürlich ausßerdem drin.

Außerdem habe ich mir einen Yamaha Roller gemietet, um auch mal selber den Verkehr auszutesten. Heute ist ja Sonntag, da ist nicht so viel los. Aber den Roller behalte ich für diese Woche! Nix mehr Xe Om!

Es war eigentlich ziemlich relaxed, herumzufahren. Und ich bin sogar fast auf Anhieb nach Hause gekommen, mit kleinem Umweg am Ho Tchi Minh Mausoleum vorbei.

Ein paar Fotos dokumentieren das Ganze.

Samstag, 25. Juli 2009

Die ersten Tage

Nach über 18 Stunden Reise (noch mal mache ich das nicht, dass ich mit Malaysia Airlines über Kuala Lumpur fliege, mit 4 Stunden Aufenthalt) lande ich auf dem Flughafen von Hanoi. Gepäck bleibt ohne Kontrolle, Passkontrolle ist problemlos. Am Ausgang blicke ich mich suchend um nach dem angekündigten Abholer von der HSPH. Niemand da? Endlich kommt er von einem anderen Eingang, und bei strömendem Regen fahren wir im klimatisierten Dienstwagen in Richtung Hanoi. Die drei Schritte zum Auto machen schon klar: Hier ist es heiß und schwül! Mr. Duc, der mich abgeholt hat, ist wohl aus der Verwaltung der HSPH und fragt, ob ich auch französisch spreche. Eigentlich ist er nicht so alt, dass er die Franzosen noch erlebt haben kann, aber ich versuche, ihm den Gefallen zu tun.

Unterwegs die ersten Eindrücke bestätigen die Bilder, die man im Kopf hat über den Verkehr, bis hin zu den 8 armen Ferkeln, die als handliche Päckchen verschnürt hinten auf einem Moped transportiert werden. Meine Begleiter helfen mir gleich, eine SIM-Karte zu kaufen, damit ich in Vietnam ordnungsgemäß erreichbar bin, die nötigen Dong hatte ich mir schon am Flughafen besorgt. Der Fahrer ist gut informiert und bringt mich direkt zu Gottfrieds Haus – ein CIM-Kollege, der mir während seines Deutschlandurlaubs sein Haus zur Verfügung gestellt hat. Seine Haushälterin, Frau Lan, begrüßt an der Tür. Sie hat wunderschöne Blumensträuße aufgestellt und einen köstlichen Obstsalat zur Begrüßung gemacht. Dann geht sie mit mir einkaufen. Anschließend falle ich ins Bett, weil ich morgen gleich mal zum GTZ-Büro und zur HSPH will: Um 15.00 (am Freitag!) werde ich dort erwartet, hat Monsieur Duc gesagt.


Bisher habe ich immer versucht, mich in eine neue Stadt einzufühlen, indem ich erst mal die Wege zu Fuß mache. So will ich es auch am nächsten Morgen halten, ich mache mich, ganz langsam (um nicht zu sehr zu schwitzen) auf den Weg. Standhaft lehne ich alle Mitfahrangebote der Xe Om ab (Fahrzeug mit Umarmung, Moped-Taxi) und bin nach 10 Minuten durch und durch nass. Die Temperatur und vor allem die Luftfeuchtigkeit rufen einfach den Effekt Dampfbad hervor. Erste Fotos mache ich trotz grauem Himmel. Die Stadt ist sauber, der Verkehr „sehr lebendig“, die Bürgersteige oft von Händlern und abgestellten Motorrädern etc. vollgestellt. Erstaunlich sind die Mengen an elektrischen (oder Telefon?)-Leitungen, die entlang den Strassen herumhängen – oft so tief, dass ich mich bücken muß. Als es dann noch anfängt, zu regnen, gebe ich auf und nehme ein Taxi. Ich wäre sonst auch zu spät gekommen, weil die Wege doch weiter sind, als ich dachte. Bei der GTZ werde ich sehr nett begrüßt und mit Infos versorgt, bei der HSPH erwartet mich das fast vollständige Department unter Führung von Prof. Thuong, es geht aber nur ums Begrüßen. Eine Kollegin zeigt mir noch eine Website, auf der man massenhaft Mietangebote finden kann, weil ich die Haussuche als mein wichtigstes Projekt vorgestellt habe. Leider sind die Anzeigen auf Vietnamesisch und meist für Wohnungen. „Warum willst Du den unbedingt ein Haus?“ werde ich gefragt, „Wohnungen sind doch viel praktischer!“


Noch am Nachmittag habe ich mit verschiedenen Maklern per Email und SMS Kontakt aufgenommen, und am nächsten Tag um 9.00 beginnt die Suche mit dem ersten Treffen. Die kleine Maklerin Hoa nimmt mich ganz mutig hinten auf ihren Motorroller und ab geht es.


An den kommenden 3-4 Tagen mache ich dann kaum etwas anderes, als mit dem einen oder anderen Makler Häuser zu besichtigen. Schnell stellt sich heraus: Es gibt die sog. „Houses“ – Stadthäuser die alle fast ähnlich strukturiert sind: Ganz schmal, relativ tief und hoch, im EG meist Küche, Essen, Wohnen und Mopedgarage kombiniert in einem mehr oder weniger offenen Raum, dann in den oberen 2-3 Stockwerken die (Schlaf)zimmer, oft jeweils mit eigenem Bad, ganz oben manchmal ein Hobbyraum, meist ein Wäscheraum und oft eine offene Terrasse. Wenn zu dieser Grundausstattung noch etwas Grundstück kommt („Garten“ mit 20m²) dann wird es schon etwas teurer. Die Angabe ist normalerweise in m² Grundfläche mal Anzahl der Stockwerke. Daraus kann man sich die Wohnfläche errechnen, die dann meist erstaunlich groß ist. Dann gibt es noch, deutlich seltener und deutlich teurer, die sog. „Villas“. Das sind dann alleinstehende Häuser (oft trotzdem mit etwa 1 Meter Abstand zu den Nachbarhäusern) mit etwas Garten.

Die Makler versuchen mich auch immer wieder zu Besuchen von Häusern am sog. West Lake zu überreden, wohl weil dort das Angebot größer ist als in der Stadt und weil dort viele Ausländer leben. Aber wir haben uns in den Kopf gesetzt, in der Nähe meines Büros wohnen zu wollen, das heißt es kommen nur zwei Stadtteile in Frage: Ba Dinh (wo auch Gottfrieds Haus ist), oder Dong Da. Der letztere ist bei den Angeboten wenig vertreten, so konzentriert sich die Suche immer mehr auf den Bereich um die Doi Can Street und die Hoang Hoa Tham Street (kann man bei GoogleMaps nachschauen).

Bereits das erste Haus, das ich sehen habe, war eine „Villa“ die uns gut gefallen hat (Ich mache viele Fotos, und am Abend besprechen wir dann alles genau mit Elena, die ja noch in Deutschland ist.) Alle Besichtigungen von „Houses“ können mich danach nicht mehr wirklich überzeugen: Die Nachbarn sind hautnah, die Strassen of sehr schmal. also auch von Gegenüber lebt man mit den Nachbarn in unfreiwilliger Symbiose. Aber an größere Strassen wollen wir nicht, damit der Verkehrslärm nicht zu heftig wird. So konzentriert sich die Entscheidung schließlich auf zwei „Villas“, es beginnt der Prozess des Preise Feilschens. Auch dies übernehmen übrigens die Makler, obwohl sie eigentlich vom Vermieter bezahlt werden. („It is all free for you“ wird immer wieder versichert.)

Bei diesen Fahrten, hinten auf einem Xe Om oder hinten beim Makler auf dem Motorroller, habe ich natürlich ausreichend Gelegenheit, den Verkehr zu studieren. Im Ergebnis: Ich finde es lustig, wie hier gefahren wird, obwohl oder weil die Regeln, die es sicher gibt, nur eher aus Versehen eingehalten werden (außer den roten Ampeln die doch bei der Mehrheit meist zum Stillstand führen). Aber es funktioniert, weil eigentlich ziemlich langsam, unaufgeregt und nicht aggressiv gefahren wird, und weil niemand rechthaberisch auf irgendetwas beharrt. Man muss natürlich sehr aufmerksam und sehr flexibel sein. Und man hupt die ganze Zeit kurz, einfach nur um auf sich aufmerksam zu machen (Laut Gesetz muß man aber auch vor jedem Überholvorgang durch kurzes Hupsignal um Erlaubnis bitten! Deshalb unser Wunsch, an einer möglichst kleinen Gasse zu leben.) Nun bisher erlebe ich das nur als Beifahrer, ein eigenes Zweirad ist noch im Planung. Der eigene Helm ist allerdings schon ausgiebig zum Einsatz gekommen, weil ich doch keine ganz große Lust hatte, die Leihhelme aufzusetzen, die von den Xe Om Fahrern immer angeboten werden. Und die Helmpflicht wird wirklich ernst genommen!


Bei diesen Fahrten habe ich natürlich auch die unglaublichsten Marktstrassen ebenso gesehen wie die idyllischen Alleen, die Seen und Parks. Aber ich habe mir einfach nicht die Zeit genommen, mit dem Sightseeing zu beginnen. Eigentlich will ich damit auch warten, bis wir es mit Elena gemeinsam machen können. So überwiegt in meinem Kopf vorerst das Bild der geschäftigen, überfüllten und übersprudelnden größeren und kleineren Geschäftsstraßen.


Ach ja! Seit Montag arbeite ich ja auch noch! Das heißt in Wirklichkeit seit Dienstag, weil es am Montag sinflutartige Regenfälle gab, so daß Thanh mich anrief um mir zu sagen, dass ich zu Hause bleiben solle. Es stehe "alles" (vermutlich der Parkplatz) unter Wasser. Also arbeite ich erst seit Dienstag. Hinter dem Sitzungszimmer ist ein kleiner Büroraum mit zwei Schreibtischen, einer davon wird mir zugewiesen, so wie es in den mit CIM vereinbarten Arbeitsbedingungen steht. Damit scheine ich der Einzige in der Abteilung zu sein, der einen eigenen Arbeitsplatz hat. Auch der Professor schneit nur immer mal kurz herein, setzt sich an irgendeinen PC um etwas zu schreiben und verschwindet wieder. Die meisten Kollegen haben ihre Laptops und arbeiten am Sitzungstisch, wenn sie da sind. Was nicht oft der Fall ist, weil sie alle, wegen des schlechten Gehalts, noch ein oder zwei weitere Jobs haben. So jedenfalls erklärt es mir mein Counterpart, Thanh. Und die Praktikantin My, die mir auch mit der Analys von Online-Anzeigen hilft, klärt mich über den offiziellen Tagesablauf auf: Möglichst so gegen 8.00 kommen, von 11.30 bis 14.00 Mittag machen (auch sie fährt dazu nach Hause „um sich auszuruhen“), dann wieder Arbeiten bis 17.00 oder 17.30. Dies, an fünf Tagen, ergebe ja dann so ungefähr die vereinbarten 40 Stunden …)


Es ist aber durchaus nicht so, dass es nichts zu tun gäbe. Prof. Tuan hat mir gleich drei Arbeitsaufträge gegeben, darüber hinaus kommt an einem Nachmittag die stellvertretende Gesundheitsministerin zu Besuch um sich an zu hören, was denn so geplant sei. Ich wurde vorgestellt, sonst verlief das Gespräch auf Vietnamesisch. Soweit ich verstanden habe, geht es vor allem darum, wie welches Qualitätsmanage- mentsystem in den Krankenhäusern eingeführt werden soll.


Am Donnerstag Abend ist es dann so weit, ich fahre noch mal zu der Villa, die mir am besten gefallen hatte (mit schönem Garten mit eigener Kokospalme und vor allem eigenem Swimmingpool!) und mit einigen Bierchen werden die Preisverhandlungen zufriedenstellend abgeschlossen (der Markt ist im Moment sehr mieterfreundlich), ich habe mit Mr. Tuan den Mietabschluss besiegelt! Ab Anfang August steht uns das schöne Haus zur Verfügung! (Ein Problem habe ich uns damit eingehandelt: Die Gassen in der ehemaligen Flower Village Ngoc Ha sind besonders eng, für unseren Hausrat wird es also sehr schwierig werden, dort hin zu kommen. Aber das Problem verschieben wir mal auf den nächsten Monat!).


Gleich zu lösen ist nur noch eins: Ich brauche 1600.-$ als Deposit, habe aber nur 1300. Ein Versuch, bei der Zentralen Vietcom-Bank meine unendlichen Dong, die ich aus jedem Geldautomaten ziehen kann, in Dollar umzutauschen, ist gescheitert. Die nette Dame am Schalter meinte, sie dürfte das nicht, ich solle es doch auf dem Schwarzmarkt versuchen.


Es bleibt also ein Grund wieder in die Stadt zu fahren, obwohl es mal wieder richtig heiß ist: 35°, aber nur 60% Luftfeuchtigkeit.


PS: Einige weitere Bilder gibt es noch hier, vor allem die vielen schönen Häuser.


Freitag, 24. Juli 2009

Die Vorbereitung

„Die Vorbereitungsstätte für Entwicklungszusammenarbeit (V-EZ) ist das Trainingszentrum für Internationale Personalentwicklung der Inwent.“ So steht es auf der Website http://www.inwent.org/vez/index.php.de.

Gleichzeitig mit uns wurden dort bis zu über 100 Leute auf einen EZ-Einsatz in einem der vielen Entwicklungsländer vorbereitet. Vor allem waren es Ehepaare, viele auch mit (kleinen) kindern, die Sprachen lernen wollten, Interkulturelle Kommunikation, Gründzüge der Entwicklungszusammen- arbeitspolitik usw.. Die Bildungsstätte liegt wunderschön, einem großen Parkgrundstück am Rhein, im Zentrum eine schlossartige alte „Villa“.

Wir waren so gegen 02.20 angekommen, also noch etwas verschlafen, als wir am Morgen des 29.06. unseren Sprachkurs Vietnamesisch aufsuchten. Wir trafen ein weiteres Ehepaar, die schon seit einigen Wochen dort waren um sich zu bilden, und die fast gleichzeitig mit uns auch nach Hanoi gehen würden. Vera und Günther haben aber schon mehrere EZ-Einsätze in verschiedenen Ländern Osteuropas hinter sich. Günther ist wie Elena MAP (Mitausreisender Partner), Vera ist Bankerin, spezialisiert auf HRD (Human Resource Development. ( Ja auch das beginnt: Die unendliche Verwendung von Abkürzungen und Akronymen, das ist in dieser Welt so üblich, angefangen bei der „EZ“.

Unser Lehrer,Tuan, ist schon seit vielen Jahren in Deutschland und hat offensichtlich auch eine reiche Erfahrung darin, Anfängern wie uns in 5 Tagen die Grundzüge der vietnamesischen Sprache beizubringen. Er stellt uns die wichtigsten Vokabeln, vor allem aber die (zumindest auf diesem Niveau) sehr einfache Grammatik vor, die mit ganz schematischem Satzaufbau, ohne Fälle und ohne Zeiten auskommt. Dafür kommt es auf die Aussprache der einzelnen Vokale an, die durch diverse Zeichen über und unter den Vokalen angezeigt wird. Von bâ bis bá gibt es so mindestens 5 verschiedene Betonungen mit völlig unterschiedlichen Wortbedeutungen. Zudem lernen wir, dass die Höflichkeit eine großte Rolle spielt, weshalb man genau wissen muss, ob der Gegenüber älter oder jünger ist.

Nebenher bereitet uns Tuan vorsichtig darauf vor, dass wir in ein heißes Land kommen werden. Als es wirklich mal fast 30 Grad hat, meint er, das wäre in Hanoi doch mal ein schöner Frühlingstag. Er sollte Recht behalten!

In den Pausen organisieren wir Elenas noch fehlende Impfung, bringen unsere letzten Möbel in Mischas Wohnung in Köln und kaufen uns richtig gute Motorradhelme.

Am Wochenende gibt es für uns erst mal niemanden zu besuchen, so machen wir ein Dampferfahrt auf dem Rhein, in das ganz süße Städtchen Linz.

Und am Sonntag geht es nach Düsseldorf, wo eine Bekannte von Elena aus Wolgograd verheiratet ist. Wir bummeln einfach etwas durch die Stadt und am Rhein entlang.

Die nächste Woche steht im Zeichen der Landeskundlichen Vorbereitung: 2,5 Tage interkulturelle Kommunikation und 2,5 Tage Landeskunde Vietnam, ein Abend noch für die sog. Alltagsberatung. Alle diese Aktivitäten werden von sehr guten und kompetenten Trainern/Dozenten gestaltet und wir lernen viel Neues und Wichtiges: Über Hierarchiedenken, über Konfliktbewältigung, über Geschichte und politische Gegenwart, über Essen, Trinken, Sitten und Gebräuche. Eine prall gefüllte und interessante Woche!

Dann ergibt sich am Wochenende noch der Besuch einer Freundin aus früheren Tagen, Heddu, ein Einkaufsbummel in Bonn und noch eine Fahrt nach Düsseldorf, diesmal um Elenas Neffen Igor mit seiner Frau Katja zu treffen. Wir wandern über die „Französische Woche“ und lassen es uns beim Altbier gut gehen.

Die letzten Tage in Bad Honnef brechen an mit 2 Tagen über die Grundzüge uns Rahmenbedingungen der deutschen (und internationalen) Entwicklungspolitik. Wieder ein Parforceritt, unter Betonung der Millionen von Abkürzungen, die in diesem Fachgebiet üblich sind. Abends wird der Koffer Probe gepackt und erweis sich als fast 10 kg schwer (was bei meiner Malaysia Airline etwa 560.- € kosten würde. Schnell wird in Köln noch ein kleinerer Koffer besorgt und auch dieses Problem ist gelöst.

Damit ist aber diese Intensivzeit auch schon wieder vorbei. Am Mittwoch, 15.07. brechen wir früh auf in Richtung Flughafen Frankfurt – nicht ohne unterwegs bei einer Bank 1300 $ zu erstehen, weil man die nach unseren Informationen für den Abschluss eines Mietvertrags braucht.

Montag, 20. Juli 2009

Umzugsstress



Wahrscheinlich haben wir uns mehr Stress gemacht, als nötig gewesen wäre – hinterher ist man ja immer klüger. Jedenfalls hatten wir zunächst mit verschiedenen Kollegen in Hanoi per Email Kontakt aufgenommen und gefragt, wie sie umgezogen waren. Daraus ergab sich für uns: Wir wollen nur ganz wenig mitnehmen, maximal so viel, wie in eine sog „Überseebox“ passt (215 x 135 x 205 cm = 6-7 m³). Den Rest teilen wir auf: Ein großer Teil unserer Habe geht in unser Haus bei Ansbach, wo unsere Mieter etwas Platz für uns gelassen haben; einen weiteren Teil lagern wir in Stendal oder Umgebung ein, der Rest wird an die Kinder verteilt oder entsorgt.

Gesagt – getan: Mehrere Fahrten in Richtung Süden wurden genutzt, um gefüllte Umzug
skisten mit unserem großen Auto nach Ansbach zu bringen, ein 7,5 Tonner wurde angemietet und eine Riesenfuhre ebenfalls dorthin gebracht – unterwegs zu Nikis und Nicolas Hochzeit. Sascha hat sich bei dieser Aktion unsterbliche Verdienste erworben, mit Wuchten von Klavier, Kaminofen und ca. 60 Umzugskisten (die wir natürlich wieder zu schwer gepackt hatten) durch die Luke auf den Dachboden. Doch dann zeigte sich: Die Einlagerung in Stendal wollte sich nicht organisieren lassen (professionelle Lager hätten einige 100.-€ im Monat gekostet), es musste umdisponiert werden. Alles mitnehmen war nun die Devise, ein sog. 20 Fuß-Container sollte angeblich für unter 1000.- Euro möglich sein und würde für unsere Sachen sicher genügen.
Nun, die über Internet eingeholten Angebote liefen letztlich eher in Richtung 2000.-€, wenn man alle drei Teile eines sog. Door-to-door Transports berücksichtigte: Abholung von Stendal (bei Ladung durch uns) und Transport zum Hafen, Schiffstransport nach Vietnam, Verbringung zum neuen Wohnort. Dabei ergaben sich zwei Problempunkte: 1. Der Schiffstransport dauert nur ca. 4 Wochen (ungeplante Aufenthalte vor Somalia nicht eingerechnet), wir würden aber zu diesem Zeitpunkt u.U. grade nicht da sein (sondern Marias, Jonnys und Saras „Traufe“ feiern), zudem bedeutete dies, dass ich alleine und sehr schnell ein Haus finden musste, in das wir im August einziehen könnten. Wir beschlossen, mit diesem Risiko zu leben, selbst wenn wir vielleicht einige wenige Tage Lagergebühren im Hafen in Vietnam zahlen müssten (der zusätzliche Containertag wird mit ca. 100.-$ berechnet!), 2. Unser Wunsch, auch in Hanoi den Container selbst zu entladen, fand in Vietnam kein Verständnis, also keine Anbieter. Dies ist aber auch gut so: Viele Häuser sind an so engen Gassen, dass man gar nicht mit dem Auto hinfahren kann, geschweige denn mit dem riesigen Container-LKW. Das Entladen wird also ein sehr mühseliger Prozess. Nun, der Container wurde bestellt (und kurzfristig noch umdisponiert, weil der günstigste Anbieter plötzlich sein Angebot um fast 900.-€ erhöhen wollte, wegen der Entladungsproblematik), er kam (unter Schwierigkeiten, weil die kleine Strasse, an der wir wohnten, ihm zu eng war) und wurde unter ganz toller Mithilfe von zwei Kollegen und Freunden beladen. Die avisierten 2 Stunden haben nicht ausgereicht, aber dafür wurde er auch fast voll, u.a. mit 56 Umzugskisten, unseren Küchenmöbeln und Geräten, 2 Fahrrädern, Sofas usw.. Die Vorgabe, alles mit Strechfolie zu umwickeln wegen der Begasung der Container im Hafen, sowie die notwendige Erstellung der detaillierten zweisprachigen Packliste für jede Kiste hat dabei viel Zeit in Anspruch genommen.

Noch während wir die Sachen für den Container vorbereiteten, hatten wir bereits einen Bekannten gefunden, der uns mit seinem Sohn das Streichen des Hauses – nach Mietvertrag notwendig – abnahm. Einen Tag nach der Abfahrt des Containers war er fertig, und uns blieben noch 24 Stunden für das Aufräumen, die Schlussreinigung und mir für das letzte Aufräumen meines Schreibtisches im Krankenhaus. So wurde es Sonntag Abend, bis wir das uns lieb gewordene Stendal, mit doch einigen Freunden und Menschen, die uns wichtig geworden waren, in Richtung Bonn-Bad Honnef verlassen konnten; am Montag früh um 8.30 sollte der Vorbereitungskurs in der V-EZ beginnen.

Einige weitere Fotos gibt es noch hier..