Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Dienstag, 31. August 2010

Ahnenopfer für Onkel Ho

Heute berichtet Vietnam News darüber, wie Premierminister Nguyen Tan Dung im Hồ Chí Minh Haus einige Weihrauchstäbchen am Opferschrein für den berühmten Revolutionsführer opfert.
Uns Westlern kommt es merkwürdig vor, wenn der bekannte und beliebte Kommunist Ho Chi Minh als Bác Ho quasi wie ein Heiliger verehrt wird. Die frühere Studentengeneration, die stundenlange Strassendemonstrationen in Deutschland mit "Ho!Ho!Ho Chi Minh!" bestreiten konnte, würde unweigerlich Magengrimmen bekommen, wenn Sie den Kopf ihres damaligen Idols als ebenbürtigen Nachbarn einer Buddha-Figur im Tempel sehen würde.

Da ist er, der hl. Bac Ho
 Aber für das moderne Vietnam gehört das zum völlig normalen Leben. Anlässlich des 65. Jahrestages der sog. Augustrevolution und des 41. der Veröffentlichung von Ho Chi Minhs Vermächtnis geht eben eine ganze Regierungsdelegation, mit dem PM an der Spitze, zum restaurierten Haus neben dem Mausoleum und drückt den Respekt und die Dankbarkeit des Vietnamesischen Volkes für die Beiträge des verstorbenen Präsidenten zu Befreiung und Aufbau der Nation aus. Er wird als Mann der Kultur und als Held gepriesen, der Vietnam in den Augen der Welt zum Leuchten brachte. (Wir Studenten sahen das damals dieses Leuchten sehr gut.)
Gleichzeitig zeigt der Vorgang, wie das grundsätzlich kommunistische Land voll in der alten religiösen Tradition steht. Geschichtlich hatten Konfuzianismus, Daoismus und der Buddhismus beträchtlichen Einfluss. Alle drei Lehren fanden in Giao Chi, wie die Chinesen damals die südlichste Provinz ihres Reiches nannten, im 1. Jahrhundert nach Christi Eingang und alle drei kamen aus China (bzw. der Buddhismus nahm den Weg über China). Konfuzianismus und Daoismus wurden im Rahmen einer angestrebten Assimilierungspolitik von chinesischen Gouverneuren, Präfekten und Mandarinen eifrig verbreitet, sollten sie doch helfen, Vietnam zum  festen Bestandteil des "Reiches der Mitte" zu machen. Für die weit überwiegende Landbevölkerung war dies aber kaum relevant. Ihre religiösen Vorstellungen wurden durch Animismus und Ahnenkult geprägt, wie man in unendlich vielen Geschichten, die etwa bei den Bergvölkern überliefert werden, immer wieder erlebt. Dort wimmelt es von guten und bösen Geistern, dort ist es entscheidend, die Ahnen freundlich zu stimmen, um selber in Frieden zu leben.
Diese Tradition lebt und ist allgegenwärtig. Jedes Haus hat seinen Hausaltar, jede Familie stellt dort regelmäßig Opfergaben auf, der älteste Sohn ist von besonderer Bedeutung fuer eine Familie, weil eigentlich nur er die Ahnenriten richtig vollziehen kann. 
Dies ist z.B. der Altar in meiner Mopedwerkstatt
An besonderen Festtagen wird auch in den Tempeln geopfert, nicht so sehr dem Buddha oder so, sondern mehr den eigenen Ahnen. Eine ganze Industrie lebt davon, dass sie Opfergaben produziert: Papiergeld, Papierhäuser, Papierpferde - alles eben, was die Ahnen in ihrem fortgesetzten Leben brauchen können (man lässt es ihnen zukommen, indem man es verbrennt.) Auch Nahrungsmittel werden geopfert: Man stellt das Essen oder die Früchte auf den Altar und zündet die Weihrauchstäbchen an. Und wenn sie abgebrannt sind, dann haben die Ahnen ihr Mahl beendet und laden die diesseitige Familie ein, nun ihrerseits die Reste zu genießen. So muss das köstliche Essen nicht umkommen. (Ob das in dem hier berichteten Fall auch so war, ist nicht mitgeteilt worden.)
In dieser Tradition, die durch die alten Staatsreligionen ebenso unbeeindruckt geblieben ist wie durch den Kommunismus, steht also der Besuch des PM am Hausaltar von Bác Ho, um dort Räucherstäbchen zu entzünden und Obst zu opfern, wie man auf dem Foto sieht.
Bei aller Modernität: Dieses Land ist seine Tradition. (Nur dieses Land?)

Montag, 30. August 2010

Schaffe, schaffe, Häusle baue ...

Vietnam baut.
Laut einer Wirtschaftsstatistik, die ich im Blatt des Goethe Instituts gefunden habe, sind Industrie- und Bauwirtschaft mit über 24 % am Wirtschaftswachstum beteiligt, bei einem Bruttoinlandsprodukt, das in den ersten 8 Monaten dieses Jahres wieder um 6,2% gegenüber 2009 gestiegen ist (Link)
Die erlebte Wirklichkeit bestätigt dies. Wenn ich am Morgen zu Arbeit fahre, dann komme ich alleine in unseren kleinen Gassen im Blumenviertel an vier Baustellen vorbei, wo alte Häuser abgerissen, neue gebaut werden. Der Platz ist natürlich knapp, und so ist manche Baustelle nur gefühlte 3 Meter breit.
Interessant ist es, die Bauweise der Fundamente zu beobachten. Erst wird eine Baugrube ausgehoben (dazu kann der Presslufthammer gerne auch mal 24/7 laufen) und unter Wasser gesetzt. Dann werden hunderte von grünen Bambusstäben in diesen weichen Untergrund geklopft, darauf kommt dann das Betonfundament, ganz normal mit Eisenarmierungen.
Diese Baustellen sind dann wirklich im Dauerbetrieb. Ich habe noch keine Tages-oder Nachtzeit erlebt, zu der da nicht gearbeitet worden wäre. Deshalb geht es ziemlich schnell mit dem Hochziehen eines Rohbaues.
Man beachte den "Wohncontainer" in Hintergrund, wo die Arbeiter schlafen.
Die Helden dieses Baubooms sind für mich aber die Transportarbeiter. Auf alten, klapprigen Transporträdern, direkten Abkömmlingen der legendären  „Iron Horses“, mit denen ganze Kanonen über den Ho Chi Minh Pfad transportiert wurden, wird erst säckeweise der Bauschutt aus dem Viertel heraus transportiert, dann kommen Sand, Kies, Zement, Ziegel und Baustahl auf dem gleichen Wege wieder rein. 

Es gibt eigentlich keine Tageszeit, zu der man diese tapferen Transportunternehmer nicht unterwegs antrifft. Auch nachts um 1.00 begegnen sie einem ohne Licht in den engen Gassen, oder beim Beladen ihrer Gefährte, wenn der Mini-LKW irgendwo auf einem Platz oder mitten auf der Strasse einen Haufen Baumaterial abgeladen hat. 
(Neulich bin ich volle Kanne in so einen Sandhaufen rein gerauscht, abends um 21.00 mitten auf der Doi Can - eine unserer großen Verbindungsstrassen hier. Der Haufen war so intelligent im Schatten eines Baumes angelegt, dass die spärliche Straßenbeleuchtung ihn eher unsichtbar machte. Aber frischer Sand garantiert nicht nur in der Leichtathletik eine weiche Landung…)
Vor wenigen Tagen war direkt bei uns gegenüber Betonnieren angesagt. Die Baustelle liegt am Ende eine Seitengasse, die mit einer Breite von etwa 1,30 von unserer Nebengasse abgeht. Am Ende stand wohl die Mischmaschine, die ich nur hören, aber nicht sehen konnte.
Aber sichtbar waren die Haufen an Sand, Kies usw. die fast jegliches Durchkommen in unserer Gasse blockierten. 
In einem echten Gewusel brachte ein Trupp von etwa 10 Männern und Frauen erst mit dem Iron Horse die gefüllten flachen Körbe bis zum Eingang der Gasse, dort wurde dann jeder Korb auf dem Kopf nach hinten getragen, und in den Mischer gekippt. 
Da der ununterbrochen gefüttert werden wollte, war natürlich in der vorgelagerten Logistikkette Stress im Quadrat.
Ja, und einer war dabei, der stand eigentlich nur rum, und kommandierte. Fürs Foto musste ich warten, bis er sich sein Hierarchiemerkmal aufgesetzt hatte. 
Der Chef eben, der, der den Hut auf hat.

Samstag, 21. August 2010

Döner beim Goethe

Kürzlich hatte unser Goethe-Institut zu einem Kammermusikabend geladen. (http://hanoigrapevine.com/2010/08/chamber-concert-at-goethe-institut/)

Ein klassisches Trio mit Klavier, Violine und Cello brachte Werke von Beethoven, Brahms, Bruch und Piazolla zu Gehör. Der kleine Saal des GI war gut gefüllt, hinter der 100 Sitzplätzen standen noch etwa 20 weitere Musikliebhaber. Nur sehr wenige Ausländer waren in dem heimischen Publikum auszumachen. Es ist eben noch Heimaturlaubszeit.

Die amerikanische Pianistin Anne Chamberlain und die beiden vietnamesischen Streicherinnen Nguyen My Huong und Nguyen Hong Anh gestalteten einen wunderschönen Abend. Unbeirrt durch Beifall zwischen den Beethovensätzen unterhielten sich die drei Instrumente auf das Schönste, wechselten sich ab in Leitmotiv und Begleitung, gaben jedem Part seinen individuellen Charakter. Mich hat am meisten der Bruch gefangen genommen: Adagio after Hebrew Melodies for Violloncello and Piano war einfach traumhaft schön.

Der Hallo-Effekt ergab sich nach dem Konzert, als wir wieder auf die Strasse kamen: Das „Kaffee Goethe“ hatte da einen Döner-Stand aufgebaut, ein armer Vietnamese schnitzte brav die Fleischstückchen vom Spieß, bei 30 Grad Abendtemperatur kein beneidenswerter Job. Obwohl wir, nach der Klimaanlagenunterkühlung im Saal froh waren, uns wieder etwas aufzuwärmen.

Die Döners erfreuten sich bei Konzertbesuchern und Passanten größter Beliebtheit, und auch wir konnten nicht widerstehen.

Nun, der Geschmack war nicht ganz so, wie in Kreuzberg, aber, um unseren Chorleiter hier nochmals zu zitieren: We´re getting there…

Dienstag, 17. August 2010

und jetzt singen wir also Mahler 8

Obwohl: Singen?  So kann man das eigentlich nicht nennen, was sich da derzeit jeden Montag Abend im Gebäude des VNOB an der Nui Truc abspielt.

Unser geduldiger Chorleiter Graham versucht zu beschwichtigen: „We are getting there“ ist seine Lieblingsklausel, wenn wir wieder einmal eine Stunde lang 5 Seiten geübt haben und das Ergebnis etwa dem entspricht, was unser Kater Bao-Tsi bei seinen nächtlichen Eskapaden von sich gibt. Oder „It`s very high“. Das bedeutet: Diese Passage ist an der Obergrenze der eigentlich über Euch angesiedelten Tonlage (also wenn wir Bässe das singen sollen, was sonst die Tenöre kaum schaffen. Gekniffen sind dabei die Soprane, oberhalb deren Tonlage es eigentlich nur noch die Töne gibt, mit denen man Fensterscheiben zum Platzen bringen kann). Natürlich schaffen wir diese hohen Töne nicht, aber „We`re getting there“. Dann kommt als Ermunterung noch: „It`s very difficult!“. Damit will er so ungefähr sagen: Die folgende Ansammlung von Noten erhebt nicht den Anspruch, das Ergebnis eines Schaffensprozesses zu sein, bei dem ein Komponist versucht hat, für das Ohr angenehme, schöne oder auch ausdrucksvolle Harmonien aufzuschreiben. Nein, es soll einfach genau so grauenhaft klingen, wie es aussieht. Oder was soll man sagen, wenn einer fünf Kreuze und drei B benötigt um seine dis-harmonischen Gelüste auszutoben?
Auf das Bild klicken, dann wird die Schönheit besser erkennbar
Nein, ich bin kein Bewunderer Mahlers geworden. Zumindest diese sog. Symphonie der Tausend erlebe ich (auch wenn ich mir eine gute Aufführung auf CD anhöre) bestenfalls als Experiment: „Wie schief, wie dissonant, wie abstoßend hässlich kann ich ein Musikstück machen, und trotzdem durch Lautstärke und Masse (an Menschen und Tönen) erreichen, dass die Leute glauben, es sei Musik?“ So ähnlich muss er sich das insgeheim gedacht haben, als er diese chaotischen Noten aufgeschrieben hat. Wenn man zwei Chöre einsetzt, deren 4 Stimmlagen noch in bis zu 3 Stimmen aufteilt (dazu einen Knabenchor, die üblichen Solisten und ein Großorchester), dann kann man zwanglos jede Note der Tonleiter zu jedem beliebigen Zeitpunkt einsetzen – durch die Halbtöne hat er aber sein Spektrum noch deutlich erweitert, und es ist eigentlich völlig egal, was man singt: Man findet kaum einen Ton, der nicht irgendwo in irgendeiner Stimme gerade an dieser Stelle auch passt. Manchmal (und zwar jeden Montag mindestens ein Mal) denke ich mir, wir sollten einfach 50 Kater einfangen, ihnen jeweils in unterschiedlicher Weise die Schwänze umdrehen, und die Aufführung wäre werkgetreu gerettet.

Warum tut man sich so was an? Nun erst mal: Irgendwelche japanischen Sponsoren haben dem japanischen Chorleiter eines anderen Chores Geld versprochen, und dieser hat, um auf die Tausend Stimmen zu kommen, alle Chöre in Hanoi gebeten, mit zu machen. (Graham alleine übt inzwischen schon mit 4 Chören.) Dann ist es sicher so, dass es für einen Chorleiter eine Herausforderung ist, seinen Chor zu dieser Vergewaltigung der Stimmbänder und des eigenen Gehörs zu motivieren. Oder „die Schwierigkeit zu meistern“, wie man das wohl umschreiben würde. Und schließlich ist es wohl die Faszination der Zahlen: Zur 1000-Jahr-Feier der Stadt Hanoi die „Symphonie der Tausend“ aufführen, das ist doch was, oder?

Was aber noch nicht erklärt, warum wir uns das jeden Montag Abend antun? Richtig. Das weiß ich eigentlich selber nicht. Pflichtbewusstsein? Masochismus? Die Faszination des Grauens? Die Feigheit, zuzugeben, dass man dies nicht als Musik empfindet (und sich so als Kulturbanause zu outen)? Wahrscheinlich eine Komposition aller dieser Motive.

Wobei ich die Feigheit hiermit überwunden habe.

Donnerstag, 12. August 2010

Kleine Hindernisse

Wir wohnen ja an einer unnummerierten Seitengasse der Gasse 63 der Seitenstrasse 173 der Strasse Hoang Hoa Tham. Mein Weg zur Arbeit am morgen führt also zwangsläufig durch die berühmten vietnamesisch-engen Gassen. Das hatte ich schon im Video gezeigt.
Unsere Gasse 63 war bis Weihnachten durch einen Strommast versperrt, der zumindest für Autos die Durchfahrt unmöglich machte. Dieser Mast wurde dann entfernt, mit tagelangen Stromausfällen. Nun können die Autos und die kleinen Minitrucks durch - jedenfalls theoretisch.
Was nicht gelöst wurde, ist das Problem der Durchfahrtshöhe, und dies führte heute Morgen zu einer gewissen Behinderung.
Die allgegenwärtigen Stromkabel (die nur an den Hauptstrassen jetzt unter die Erde verbannt werden) hängen in den Seitenstrassen oft so tief, dass wir uns beim Rollerfahren bücken müssen, um nicht mit dem Helm hängen zu bleiben.
Hier hatte der Umzugslaster nun ein kleines Problem, was aber mittels der Bambusstange schnell keines mehr war.
Immer wieder liegen auch abgerissene Leitungen am Boden, aber diesmal ist alles gut gegangen.

Mittwoch, 11. August 2010

Etwas Kultur mal wieder

... haben wir uns gedacht. Unser Chorleiter Graham hatte am Montag darauf hingewiesen, dass Orchester und Solisten der Oper (und anderer Opern) zum Abschluss eines Gesangsseminars mit zwei Lehrern aus Europa ein kleines Konzert gäben: Auszüge aus der Hochzeit des Figaro, konzertant aber mit Kostümen.
Nun, dachten wir, warum nicht. Aber wir dachten es ziemlich spät, nachmittags um vier. Tickets sollte man bei einem Online-Ticketanbieter bestellen, hatte er gesagt. Dieser war auch schnell gefunden, das Konzert angeklickt, Preisklasse ausgewählt, Adresse eingegeben - und Klick, abgeschickt. Angeblich sollten die Tickets nach Hause gebracht werden, wenn man mindestens 2 Stunden vor Beginn der Vorstellung bestellte.
Aber was nicht kam, waren natürlich die Tickets. Um 6.00 fingen wir an, nervös zu werden. Sollte man sich nun in Schale werfen oder nicht? Die Telefonnummern auf der Website des Ticketdienstes: Fehlanzeige, "diese Nummer existiert nicht". Doch die Mobilnummer existiert im dritten Anlauf: Wo denn unsere Tickets bleiben frage ich. "Oh, I'm so sorry, we did not check our email today." Toller Service! Aber kein Problem, meint der nette Mann, die Tickets würden an der Kasse für uns hinterlegt. Nun denn, Vietnamesische Organisation halt.
Schnell in die schicken Klamotten (bei noch immer 30 Grad braucht man nicht so viel) und Hop auf den Roller.
Als wir im dicksten Verkehr sind, klingelt das Handy: Der Ticketmensch. Wo wir den bleiben? Mittlerweile waren es noch 20 Minuten bis zum Beginn.
Wir haben es noch rechtzeitig geschafft, und einen sehr netten Abend in der ehrwürdigen Oper verbracht (sie wird 2012 ihren hundertsten Geburtstag feiern). 

Unsere vietnamesischen "Kolleginnen und Kollegen" von den gemeinsamen Aufführungen hatten wirklich sehr tüchtig die italienischen Texte gelernt, kamen (meist) gut mit dem von Graham angeschlagenen hohen Tempo zurecht. Und gute Stimmen haben sie sowieso. Also ein lohnender Abend!

Aber was war das, als wir raus kamen? Es regnete!
Als gute Hanoier konnte uns das natürlich nicht verdrießen.

Regenmantel über den feinen Zwirn, und ab gings, durch die abendliche Stadt.
Nichts besonders also, einfach mal ein Abend in unserem Leben in Hanoi.

Jetzt sind wir beide an den Nadeln ...

Schon vor Monaten hatte man uns erzählt: Es gibt da in der Ngo Nui Truc eine vietnamesische Ärztin, die westliche Medizin, Physiotherapie und traditionelle Medizin verbindet und sehr gut sein soll.
Wegen Elenas Migräne hatten wir sie dann vor einigen Wochen aufgesucht. Mit unseren Berichten und einer kurzen Analyse des Pulsschlags an beiden Handgelenken gleichzeitig - da besteht aber ein starkes Ungleichgewicht des "Chi" und auch der Hormone! - wurde der Sachverhalt geklärt. Eine auf längere Dauer angelegte Therapie begann (die Migräne hat ja auch jahrelang Zeit gehabt, sich festzusetzen), mit Akupunktur, Akupressur und "Healthy Brain Pills", einer Sammlung von 12 therapeutischen Kräutern in kleinen Pillen. Zwei bis drei Mal pro Woche bringe ich Elena dort hin, es liegt praktischerweise gleich neben meiner Hochschule.
Frau Dr. Huong ist eine sehr nette und gebildete Frau, nicht mehr ganz jung, die in England und Frankreich Medizin studiert hat, dazu traditionelle chinesische und vietnamesische Medizin und Akupunktur. Sie betreibt eine große Praxis in Ihrem Privathaus, mit etwa 10 Liegen in drei Räumen, auf denen akupunktiert, reflexmassiert und physiotherpiert wird.

Gestern sah ich einen vietnamesischen Patienten, der einige große Röntgenbilder mitgebracht hatte, aber man trifft auch viele Ausländer, mit denen sie fleißend Englisch und Französisch parliert.
Neulich hatte ich ihr dann auch von meinem Glaukom im linken Auge erzählt, mit einem Sehnerv der nach Auskunft der deutschen Augenärzte zu etwa 90% abgestorben ist. Ich meine aber, dass die Sehkraft wechselt: Manchmal ist der blinde Fleck (die gesamte Mitte des Gesichtsfeldes) kleiner, manchmal größer. Frau Dr. Huong war sofort fast begeistert. Natürlich könne man da mit Akupunktur etwas machen. Die richtigen Stellen an Kopf, Händen und Füßen zählte sie sofort auf.
Und so lag ich denn gestern selber auf der Liege. Je 4 Nadeln schon in jedem Fuss und Schienbein, 2 in der linken Hand, vier ums Auge herum, eine im Nacken und eine oben auf dem Schädel. Das muss lustig aussehen! Die Applikation war nicht ganz unmerklich, vor allem hatte ich sofort das Gefühl, dass um die Einstichstelle herum ein taubes Druckgefühl entstand. Aber keine direkten Schmerzen.
Und dann? War es Einbildung? In meinem Auge fing es an, zu drücken und zu pulsieren. Jedenfalls deutlliche Empfindungen, die ich im anderen Auge nicht hatte. Ob das was zu sagen hat? Eigentlich soll ja gerade kein Augeninnendruck entstehen!
Nun will ich nicht behaupten, dass mein blinder Fleck sofort kleiner geworden ist (obwohl ich mir das schon eingebilde.)
Jedenfalls habe ich jetzt bei Frau Dr. Huong ein kleines Metallkästchen mit meinem Namen drauf und meinen persönlichen Nadeln drin. Und die nächsten 3 Sessions sind schon gebucht.

Montag, 2. August 2010

Aus Entwicklungshilfe ist EZ geworden - Zusammenarbeit

Die GTZ hatte zum “Bi-Annual Workshop geladen. In 5 Provinzen, an 15 Krankenhäusern arbeitet die GDC (German Development Cooperation) am Thema „Verbesserung der Gesundheitsversorgung“. Von überall waren Teilnehmer eingeladen. Als CIMler im Bereich Gesundheit gehöre ich auch zur GDC, war also auch geladen. Durch einen kleine PPT Präsentation sollte ich das Thema „Quality Management“ in die Diskussion einführen, Anregungen zur Gruppenarbeit geben.
Die Tagung ist interessant, macht aber auch nachdenklich.
Bei der Einführung und beim Abschluss wird natürlich von den Vertretern der vietnamesischen Gesundheitsbürokratie (Zentrales Gesundheitsministerium, Distriks-Ministerium, People´s Committee) ausführlich und breit gedankt für die Deutsche Hilfe, die in Form von „FC“ (Financial Cooperation, sprich Fördermittel der KfW) und „TC“ (Technical Cooperation, sprich Einsatz von deutschem und Vietnamesischen Fachpersonal) geleistet wird.
Von den GTZ-Koordinatoren weiß und erlebe ich aber, dass dies nur die eine Seite der Medaille ist. Der offizielle Programmdirektor ist natürlich Vietnamese, ein Unterabteilungsleiter aus dem Gesundheitsministerium. Und dieser hat durchaus seine eigenen Vorstellungen, wie diese deutsche Hilfe zu leisten ist. Das Programm der Tagung war in einem langen Diskussionsprozess so zu gestalten, dass aus einer Veranstaltung zur Verkündung von Gesetzen und Weisungen ein Workshop wurde, bei dem eine eigene Moderatorin die Diskussion leitet und die Gruppenarbeit gestaltet. Dass sie (eine GTZ-Vietnamesin) dabei einem der Vertreter des Ministeriums zwecks Einhaltung der abgestimmten Tagesordnung das Wort abschneidet, erregt aber doch allgemeinen Unwillen. Als er am 2. Tag, dabei sein kann, greift der Programmdirektor gleich mal ein in den Ablauf, reißt die Diskussionsleitung an sich. Inhaltlich wird es nicht wesentlich anders dadurch, aber er möchte eben gerne das Heft in der Hand haben.
Von den Teilnehmern aus den Krankenhäusern bekommt die KfW Consulting, die u.a.. das allgemeine Medizingerätemodernisierungsprogramm zu managen hat, auch etwas ihr Fett weg. Warum dauert das eigentlich so lange? Die Geräte waren doch schon für dieses Jahr versprochen! Dass es um die bürokratischen Schwierigkeiten geht, eine internationale Ausschreibung unter angemessener Beteiligung der vietnamesischen Zentral- und Lokalbürokratie vorzubereiten (dafür müssen natürlich alle Ausschreibungstexte ins Vietnamesische übersetzt werden) das wird zur Kenntnis genommen. Daran hätte man eben schon früher denken müssen. Es gibt auch wieder Fotos, und zwar hier: http://picasaweb.google.com/Jowi.krause/GTZWorkshop?authkey=Gv1sRgCM7D756gwZqp0QE&feat=directlink
Ich bin ja Neuling in der EZ, deshalb fällt mir das wahrscheinlich noch mehr auf als den alten Hasen: Es geht wirklich nicht mehr um "Hilfe". Es geht darum, dass man als Partner in der EZ auf Augenhöhe auftritt und wahrgenommen wird.
Aber natürlich ist es auch keine EH mehr, keine „Hilfe“ für die man Dankbarkeit erwarten könnte. Es geht um Zusammenarbeit, aus der beide Seiten ihre Vorteile erwarten. Nur dann kommen nachhaltige Veränderungen und Verbesserungen zustande. Zudem macht ja das deutsche Ministerium unter Minister Niebel immer deutlicher, dass EZ neben der Armutsbekämpfung auch als eine Art internationale Wirtschaftspolitik zu verstehen ist. 
Sie bringt übrigens tatsächlich Vorteile. Für jeden eingesetzten Euro kommen 1,80 Euro zurück.(Bericht vom 04.06.2010)

Man wird ja nicht immer abgezockt!

OK. Das Internet ist voller Geschichten und Beschwerden von Leuten, denen man in Vietnam auf mehr oder weniger legitime Weise Geld aus der Tasche gezogen hat. Echter Taschendiebstahl ist zwar eher selten, aber dafür dieses ewige Übervorteilen: Auf dem Markt, beim Taxifahren, in der Kneipe usw.
Auch wir könnten da natürlich etwas beitragen. Die Taxifahrt, die laut Taxometer 260.000 Dong kosten sollte statt der für diese Strecke üblichen 60.000. Oder die Nudelsuppe Phö, die plötzlich 300.000 ausmachte und nicht die etwa 20.000, die man sonst bezahlt. Man ist selbst schuld, wenn man das dann bezahlt.
Heute war es mal anders: Wie alle drei Monate fuhr ich zur Bank, um die Dollars för die Miete zu holen. Die Miete ist immer ein Quartal im Voraus, immer in bar und immer in Dollar zu bezahlen, so steht es im Mietvertrag. Die nötige Deckung auf unserem vietnamesischen Dollarkonto muss man immer durch eine rechtzeitige Überweisung aus Deutschland sicherstellen. (Mein vietnamesisches Gehalt von 200.-Dollar reicht nicht für die Miete...).
Als ich anfange, das Abhebeformular auszufüllen, beugt sich der Bankangestellte an das Fensterchen: " If you withdraw tomorrow and not today, you will not have to pay a fee. Today, the fee is 8 Dollar." Als ich frage warum, erklärt er mir, dass man keine Gebühren bezahlen muss, wenn das Geld 10 Tage auf dem Konto gelegen hat. Das wäre bei mir morgen.
Natürlich breche ich den Vorgang ab und fahre morgen wieder hin. Der Vermieter muss halt einen Tag warten. Schließlich entsprechen 8 Dollar mindestens 5 Schalen Nudelsuppe, die kann ich doch nicht verschenken!
Aber ob der gute Junge in der Bank auf diese Weise Karriere machen wird? Super Kundenorientierung (nachdem ich ein Jahr dort Kunde bin!), aber auf Kosten des Umsatzes ist das vielleicht nicht so förderlich.