Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Montag, 2. August 2010

Aus Entwicklungshilfe ist EZ geworden - Zusammenarbeit

Die GTZ hatte zum “Bi-Annual Workshop geladen. In 5 Provinzen, an 15 Krankenhäusern arbeitet die GDC (German Development Cooperation) am Thema „Verbesserung der Gesundheitsversorgung“. Von überall waren Teilnehmer eingeladen. Als CIMler im Bereich Gesundheit gehöre ich auch zur GDC, war also auch geladen. Durch einen kleine PPT Präsentation sollte ich das Thema „Quality Management“ in die Diskussion einführen, Anregungen zur Gruppenarbeit geben.
Die Tagung ist interessant, macht aber auch nachdenklich.
Bei der Einführung und beim Abschluss wird natürlich von den Vertretern der vietnamesischen Gesundheitsbürokratie (Zentrales Gesundheitsministerium, Distriks-Ministerium, People´s Committee) ausführlich und breit gedankt für die Deutsche Hilfe, die in Form von „FC“ (Financial Cooperation, sprich Fördermittel der KfW) und „TC“ (Technical Cooperation, sprich Einsatz von deutschem und Vietnamesischen Fachpersonal) geleistet wird.
Von den GTZ-Koordinatoren weiß und erlebe ich aber, dass dies nur die eine Seite der Medaille ist. Der offizielle Programmdirektor ist natürlich Vietnamese, ein Unterabteilungsleiter aus dem Gesundheitsministerium. Und dieser hat durchaus seine eigenen Vorstellungen, wie diese deutsche Hilfe zu leisten ist. Das Programm der Tagung war in einem langen Diskussionsprozess so zu gestalten, dass aus einer Veranstaltung zur Verkündung von Gesetzen und Weisungen ein Workshop wurde, bei dem eine eigene Moderatorin die Diskussion leitet und die Gruppenarbeit gestaltet. Dass sie (eine GTZ-Vietnamesin) dabei einem der Vertreter des Ministeriums zwecks Einhaltung der abgestimmten Tagesordnung das Wort abschneidet, erregt aber doch allgemeinen Unwillen. Als er am 2. Tag, dabei sein kann, greift der Programmdirektor gleich mal ein in den Ablauf, reißt die Diskussionsleitung an sich. Inhaltlich wird es nicht wesentlich anders dadurch, aber er möchte eben gerne das Heft in der Hand haben.
Von den Teilnehmern aus den Krankenhäusern bekommt die KfW Consulting, die u.a.. das allgemeine Medizingerätemodernisierungsprogramm zu managen hat, auch etwas ihr Fett weg. Warum dauert das eigentlich so lange? Die Geräte waren doch schon für dieses Jahr versprochen! Dass es um die bürokratischen Schwierigkeiten geht, eine internationale Ausschreibung unter angemessener Beteiligung der vietnamesischen Zentral- und Lokalbürokratie vorzubereiten (dafür müssen natürlich alle Ausschreibungstexte ins Vietnamesische übersetzt werden) das wird zur Kenntnis genommen. Daran hätte man eben schon früher denken müssen. Es gibt auch wieder Fotos, und zwar hier: http://picasaweb.google.com/Jowi.krause/GTZWorkshop?authkey=Gv1sRgCM7D756gwZqp0QE&feat=directlink
Ich bin ja Neuling in der EZ, deshalb fällt mir das wahrscheinlich noch mehr auf als den alten Hasen: Es geht wirklich nicht mehr um "Hilfe". Es geht darum, dass man als Partner in der EZ auf Augenhöhe auftritt und wahrgenommen wird.
Aber natürlich ist es auch keine EH mehr, keine „Hilfe“ für die man Dankbarkeit erwarten könnte. Es geht um Zusammenarbeit, aus der beide Seiten ihre Vorteile erwarten. Nur dann kommen nachhaltige Veränderungen und Verbesserungen zustande. Zudem macht ja das deutsche Ministerium unter Minister Niebel immer deutlicher, dass EZ neben der Armutsbekämpfung auch als eine Art internationale Wirtschaftspolitik zu verstehen ist. 
Sie bringt übrigens tatsächlich Vorteile. Für jeden eingesetzten Euro kommen 1,80 Euro zurück.(Bericht vom 04.06.2010)

1 Kommentar:

  1. Als Lions versuchen wir seit Jahrzehnten lokal, regional und international zu helfen. Dabei haben wir viel über die schwierige Psychologie von Helfern und Bedürftigen gelernt. Helfen ohne Gegenleistung erregt Misstrauen ("Will der wirklich nichts dafür haben?"). Die eigene Erfahrung lehrt, dass kostenlose Angeboten meistens einen Haken haben. Sich helfen lassen zu müssen erzeugt das Gefühl der eigenen Unfähigkeit, zumindest aber Abhängigkeit und Unterlegenheit. Die Chinesen sind da ehrlicher. Sie sagen in Afrika gleich, dass es ihnen nicht um Menschlichkeit geht, sondern um Geschäfte auf Gegenseitigkeit. Damit kann der Betroffene viel besser umgehen als mit der Rolle des Bedürftigen.

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