Meine Cousine, die seit Jahren in Myanmar lebt, hatte ja gemeint, Mandalay müsste gar nicht unbedingt auf unsere Reiseroute - nun, wir hatten uns trotzdem einen vollen Tag dafür reserviert. Wir begannen früh und wanderten los. Taxis sind in Mandalay selten und teuer, zudem lernt man eine neue Stadt doch noch immer am besten kennen, wenn man einfach etwas geht.
Zunächst umrundeten wir die Nordfassade der Zitadelle, des Forts, also des Geländes des früheren Königspalastes. Umgeben von einem breiten Wassergraben und scheinbar undurchdringlichen Mauern macht es verständlich, warum die Bewohner der Stadt es ihrem König Thibaw Min nicht verzeihen wollten, dass er dieses so unbezwingbare Bauwerk kampflos den Engländern überliess.
Tatsächlich hatten natürlich die Briten schon vorher ihre militärische Überlegenheit bewiesen, 1885 war die Zeit der Burgen schließlich eindeutig schon vorbei. Auch heute noch ist das Fort weitgehend verbotene Stadt und großer Militärstützpunkt. Wir haben es deshalb nur von außen betrachtet.
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| Am Kanal entlang geht die breite Anlage. Kostenlose Einrichtungen zur Körperertüchtigung wurden gerne genutzt. |
Ein weiterer berühmter Anlaufpunkt ist der Mandalay Hill, direkt im Norden des Forts. Natürlich wieder ohne Schuhe macht man sich an den Aufstieg. Zum Glück ist die Treppe überdacht, so wurde es nicht zu heiss, und man konnte den sich langsam ausbreitenden Blick über die Stadt genießen.
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| Im Dunst erahnt man die beiden Tempelanlagen unten, rechts die Ostseite des Forts mit dem Wassergraben |
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Trotzdem haben wir uns den Weg bis ganz nach oben gespart. Es wurde uns klar, dass die Sicht mit zunehmender Höhe eher weniger würde, weil der Dunst immer mehr zunahm.
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| Mandalay, die grüne Stadt |
Wir liessen es also mit der Dreiviertelstrecke bewenden und machten da oben nur noch ein paar Fotos.
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| Auch andere Wanderer hatten schon genug |
In diesem kleinen Tempel gibt es natürlich etwas zu kaufen, Sprite, Räucherstäbchen, was man halt so braucht. Die Verkäuferin lebt offensichtlich dort oben, mit ihrer Familie. So deuteten wir jedenfalls diesen Teil der Einrichtung auf der Tempelterasse.
Am Fusse des Berges rufen zwei der berühmten Tempelanlagen zum Besuch, die Kuthodaw Pagode mit ihren 729 kleinen Stupas und die Sandamuni Pagode. Wir erwiesen der Kuthodaw unsere Referenz, ein wirklich beeindruckender und stimmungsvoller Komplex.
Um seine Frömmigkeit und sein Macht zu demonstrieren, ließ König Mindon 1871-1872 hier das 5. Buddhistische Konzil abhalten, bei dem alle zu der Zeit wichtigen Lehrer des Buddhismus sich versammelten, um den Kanon der echten Buddhistischen Schriften verbindlich festzulegen. Diese wurden dann in 729 Steintafeln gemeisselt, die in den 729 Stupas stehen.
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| Gern wird die Kuthodaw deshalb als “das größte Buch der Welt” bezeichnet. Die Seiten sind aber nur einseitig "bedruckt". |
Eine Vorstellung von der Bedeutung Mindons vermittelt die Anlage jedenfalls ganz klar.
Bei zunehmender Wärme wanderten wir dann weiter zum Shwenandaw Kyaung, einem wunderbaren Teakholz Gebäude aus dem Palastbereich König Mindons, der es als Wohngemach genutzt haben soll.
Sein Sohn ließ es abbauen, und ausserhalb der Zitadelle wieder aufbauen. So überstand es die Zeit der britischen Besatzung und die Feuer, die durch Bombenangriffe der Japaner 1945 verursacht wurden und eigentlich den gesamten Bereich innerhalb der Zitadelle zerstörten.
Shwenandaw Kyaung bietet somit die seltene Gelegenheit, eine Vorstellung von der Pracht zu bekommen, die im 19. Jahrhundert am Königshof entfaltet werden konnte.
Damals waren die kunstvollen Schnitzereien natürlich alle vergoldet, jetzt wirken sie besonders durch die Kunst der Holzarbeiten.
Es gehört zur Kultur Südostasiens, dass es vor allem Pagoden und Tempelbezirke sind, die (gepflegt oder als Ruine) erhalten sind. Dies liegt daran, dass es ausschliesslich den Sakralbauten vorbehalten war, in Stein ausgeführt zu werden, während weltliche Bauten, und seien es auch die schönsten Paläste der größten Herscher gewesen, nur in Holz ausgeführt wurden.
Hinzu kam, dass es jedem Herrscher Ehre und Pflicht war, möglichst grosse und prächtige Tempel zu bauen und auch zu hinterlasssen, dass deren Erben sich auch wegen der religiösen Bedeutung gehindert sahen, diese Erinnerungesmahle an ihre Vorgänger zu vernichten (was man bei einem Palast schon mal tun konnte. )
Auch bei Kriegen wurden die Tempel geschont, während die höfische, meist auch militärische Infrastruktur angegriffen und vernichtet wurde.
Dies haben wir schon in Angkor so gelernt, es zieht sich eigentlich durch alle Länder und Kulturen Südostasiens - und es hat uns eben auch die Einzigartigkeit des Shwenandaw Kyaung beschert.
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| Hat da jemand behauptet, die Engel seien eine Erfindung der jüdiscch-christlichen Tradition? |
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| Auch dies will ich Euch nicht vorenthalten. Die "Toilet" des Museumsgebäudes ist offensichtlich ein Sand-Plumpsklo. |
Als wir wieder an der Straße weiter wanderten, und eigentlich grade nach einer Kneipe Ausschau hielten, lud uns einer der Linienpickups, das ortsübliche Nahverkehrsmittel, zur Mitfahrt ein. Meine Frage, ob wir mit ihm nach Amarapura fahren könnten, wurde ohne zögern mit Ja beantwortet, allerdings mit dem Nachsatz, ein Mal müssten wir doch umsteigen. Nun, wir waren genug gelaufen und klemmten uns auf die Ladefläche. Beim Umsteigen in der Innenstadt kam noch ein vielleicht japanisches Mutter-Tochter Paar dazu, dann ging es hinaus nach Süden. In dem mal volleren, mal leereren Fahrzeug konnte wir die Lokalbevölkerung ganz hautnah erleben, immer schön gebückt sitzend um den Kopf nicht zu sehr verbeult zu bekommen.

Dann hieß es plötzlich aussteigen, eine vage Handbewegung bedeutete, wir sollten uns links halten. Und wir fanden schließlich auch den Weg in Richtung der berühmten Brücke, durch den Markt, dann hinten durch die Lücke im Zaun, über das Bahngleis, noch mal ein Kilometer, und wir landeten wieder im Umfeld ungezählter Touristengefährte.
Es war schneller gegangen als gedacht, der Sonnenuntergang, wegen dem man zum Fotografieren herkommt, ließ noch auf sich warten und wir konnten erst mal bei Tageslicht über die etwa 1200 Meter lange Teakholzbrücke U-Bein laufen. Hier waren wir alles andere als alleine, viele Ausländer, noch mehr Inländer und auch viele Mönche flanierten und posierten.
Wir sind dann auf der halben Strecke runter von der Brücke in die Felder, haben dort fotografiert und auf den Sonnenuntergang gewartet.
Die Fotos, na ja - seht selbst.
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| U-Bein führt über den Ausläufer eines Sees, der - wie kann es in Mzanmar anders sein, umgeben ist von Pagodas. Für die Touristen hat man Boote eingeführt, die irgendwie an Venedig erinnern. |
Mit der tiefer stehenden Sonne kommen immer mehr Touristen, die sich meist auf die Boote verteilen, um DAS Sonnenuntergangsfoto von U-Bein zu machen.
Sie sammeln sich und drängeln sich
und drängeln sich immer mehr.
Ich war aber mit unserem Standort auch ganz zufrieden.
Amarapura war Königsstadt bevor König Midon den Hof nach Mandalay verlegte. Aber das oben gesagte trifft auch hier zu. Den Palast gibt es nicht mehr. Und auf die Besichtigung weiterer Pagodas hatten wir irgendwie keine Lust.
So wurde der Heimweg wieder per Pickup bewältigt, in der Stadt gab es ein chinesisch-burmesisches Abendessen, dann wanderten wir durch die dunkle Stadt zum Hotel.
So viel gelaufen wie an diesem Tag sind wir schon lange nicht mehr.
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| Dabei fahren viele ja auch Radl |