Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Donnerstag, 17. Februar 2011

Bauen

Die Beiträge in diesem Blog lassen sicherlich erkennen, dass Bauen ein Thema ist, was mich interessiert.
Heute nutzte ich in der Mittagspause die neue Fußgängerbrücke über die Giang Vo, was mir eine neue Perspektive auf die Kunst des Schalungsbaus bescherte, die hierzulande gepflegt wird. 
Ich war schon vorbei gegangen, da viel es mir auf: Man läuft inzwischen an vielen kleinen Fotomotiven vorbei, einfach weil man sie schon so oft gesehen hat. Also sollt Ihr diesmal den Anblick teilen, den ich hatte:
Hier entsteht, darf ich vorstellen, ein neues Geschäftshaus. Hier der Blick ins I.OG, ich vermute, da kommen sicher noch mindestens drei Stockwerke drüber.
Ob das Haus, dem bei uns gegenüber die Schalung zusammen brach, auch so prófessionell errichtet worden war? (Inzwischen wurde es doch mal wieder um zwei Stockwerke weitergebaut.)

Mittwoch, 2. Februar 2011

Banh Chung

Jetzt bin ich natürlich noch einen Bericht schuldig, was es denn nun mit dem Reiskuchen auf sich hatte, den ich geschenkt bekommen habe.
Nun, er heißt Banh Chung, ist quadratisch und grün.
Er geht der Sage nach zurück auf König Hung Vuong VI, der seinen 22 (!) Söhnen versprach: "Wer mir das beste Gericht zur Feier des Neujahrsfestes präsentiert, den mache ich zu meinem Nachfolger!" (Merkwürdiges Auswahlkriterium eigentlich ...). Nun, sein 16. Sohn, Lang Lieu, hatte einen Traum: Eine Fee erschien ihm und instruierte ihn, aus Klebreis Quadrate, mit einer Füllung aus Schweinefleisch und Mungbohnenmehl zu formen, diese mit Bananenblättern zu umwickeln und einen Tag und eine Nacht zu kochen. Er tat, wie ihm geheißen, der König, sein Vater, war begeistert von den Kuchen und von der himlischen Herkunft des Rezepts und machte ihn zum König. 
Die Materialien symbolisieren jetzt die Erde, das Rezept den Himmel und der Kuchen gehört zu den Pflichtangeboten an Tet, sowohl für die Ahnen als auch für die Gäste. Er sieht wirklich quadratisch und grün aus, ist mit Bambusstreifen gebunden und so lag er nun auf meinem Tisch. Man kann ihn auch kalt essen, ich habe ihn 20 Minuten im Dampf erwärmt.
Im Inneren ist in der Tat eine Schicht Füllung undefinierbarer Inhaltsstoffe, das Ganze schmeckt relativ fad. 
Aber mit einer kleinen Soße aus Soya, Chili und Essig wird es durchaus genießbar. Und sicher eine gute Grundlage für viele Runden Schnaps und "Chuc Muc Nam Moi!". Letzteres erspare ich mir, alleine an meinem Küchentisch. Und so habe ich nur den halben Kuchen geschafft.
Ich habe ja nun kein Königreich zu verschenken. Aber ich muss gestehen: Ob ich es für diesen Kuchen getan hätte, da bin ich mir nicht so sicher.

Sylvesterspaziergang

Als ich heute morgen aufwachte, hörte ich Stimmen im Garten. Es war unser Vermieter mit seinem Sohn und einem Gast. Sei saßen an unserem Gartentisch, rauchten und tranken. Man war sehr vewundert, dass ich nicht, wie eigentlich alle Ausländer, die Stadt velassen hatte. Natürlich wurde ich sofort dazu gebeten, eine neue Flasche Wein wurde geöffnet, damit wir das gebührend ins neue Jahr hineinfeiern. Sie war schnell leer. Ich bekam noch einen der tradutionellen Kuchen geschenkt, fest in Bananenblätter eingewickelt, dann trollten sie sich. "Today is our most sacred day" meinten sie, und gingen weiter feiern.
Ich beschloss, einen Spaziergang bis zu meiner Schule zu machen - das Wetter ist zum ersten mal seit einem Monat wieder schön und ich wollte doch mal sehen, was so los ist. Ob die Stadt wirklich so ausgestorben ist?
Sie ist es. Zunächst mal konnte man schon noch die letzten Einkäufe machen, an unserer Doi Can. Sei es Obst an der Chua-Mauer,
sei es Gemüse, das allerdings nicht mehr so ganz frisch anmutete (man beachte die Müllfrau links, die schon bereit ist, alles weg zu bringen....)
Die Gassen sind geschmückt, wie immer mit den unvermeidlichen Nationalfahnen, die sich mit ihrem Rot natürlich immer gut machen.
Auch Luftballons werden mit Vorliebe in Rot verkauft, Rot ist die Glücksfarbe, die natürlich heute besonders wichtig ist.
Aber es gibt auch noch die letzten Tetbäumchen, etwas blass und unreif sehen die Bittermandarinen aus.
Die Strassen waren tatsächlich in einer Weise leer und fast ausgestorben, dass man fast Zweifel bekam, ob man in Hanoi ist.
Dies ist die große Kreuzung bei meiner Hochschule - so leer hab ich die noch nie gesehen.
Zur Vorbereitung auf das neue Jahr gehört anscheinend, dass man mit einem sauberen Moto hineinfährt. Die Waschsalons hatten Hochbetrieb und man mußte aufpassen, dass man nicht auch eine Dusche abbekam.
Aber ebenso gehört es dazu, dass man seiner Frau einen schönen Blumenstrauss mitbringt.
Und der Tand, die vielen großen und kleinen Glücksgeschenke! Die müssen auch unbedingt sein und die wurden natürlich auch noch verkauft.
Auch meine Cat Linh Strasse, sonst immer verstopft von nicht endenden Schlangen von Autos, um die noch viel mehr Motos herumkurven, war nicht wieder zu erkennen. Und die Läden, meist Sanitärgegenstände, waren alle geschlossen.
Aber für die armen Frauen, die heute noch arbeiten mußten und jetzt erst unterwegs zu ihren Familien waren, gab es doch noch was: Frische rote Reiskuchen, extra für sie zubereitet.
Nun hatte ich ja meinen Kuchen schon zu Hause, mußte also nichts mehr kaufen. Ich wanderte wieder heim, vorbei an dem Tor zu dem Garten, der schräg gegenüber unserer Gasse liegt. Hier ist es sowieso ruhig, mitten in der Stadt.
Aber die Touristen, wohl junge Australier, die ich unterwegs traf, die waren etwas konsterniert. Sie hätten jetzt 5 Tage für Hanoi, was sie denn da anschauen könnten. "Nichts." mußte ich ihnen sagen. "Ihr könnt um den See laufen oder durch die leeren Strassen. Aber Mausoleum oder Museen - das könnt ihr vergessen. Es ist eben Tet."