Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Dienstag, 23. August 2011

Alte Dame gerettet!

Es geht ihr wieder gut – den Sachsen sei Dank!

Es war bereits von ihr die Rede, der legendären Hoan Kiem Schildkröte, um deren Lebensraum im Herzen der Altstadt von Hanoi es immer schlechter bestellt war, der es auch gesundheitlich immer schlechter ging. Das zum Abwasser verkommene Gewässer und die dort eingewanderten amerikanischen Schildkröten hatten ihr das Leben schwer gemacht, sie war an mehreren Stellen verwundet und geschwächt.

Bei einem Empfang in der Deutschen Botschaft am 28. März (ich war dabei!) wurde dann die Rettung verkündet: Der sächsische Ministerpräsident Tillich schloss mit der vietnamesischen Regierung einen weiteren Vertrag ab, dass im seit 2005 laufenden BMBF Projekt unter Leitung von Prof. Werner von der TU Dresden eine umfassende Wassersanierung des Hoam Kiem zur Rettung der Schildkröte durchgeführt werden sollte. Die TU Dresden und die Presse in Sachsen berichteten begeistert.

Weltweit wurde dann berichtet, als man versuchte die Schildkröte zu fangen und als es am 5. April schließlich gelang. 
Das etwa 160 cm lange Tier (früher war von über 2 Metern berichtet worden) wurde auf eine kleine künstliche Insel mitten im See verbracht, wo sie in einem kleinen Becken in sauberem Wasser gehalten, untersucht, behandelt und gepflegt wurde (the turtle clinic!). Als man sie von diversen Pilzerkrankungen befreit hatte, war das natürlich wieder eine Meldung wert. In einer Chronik des "Asian Turtle Program" kann man alles genau nachlesen, dabei lernt man auch, dass es sich tatsächlich um eine bisher nicht bekannte Unterart handelt, von der es weltweit wirklich nur 4 Exemplare gibt und dass es eine Schildkrötendame ist.

Im Juli war es dann so weit. Prof. Werner hatte soweit erfolgreich gearbeitet, dass die Experten der Meinung waren, die “Cụ Rùa” dürfe wieder frei gelassen werden. Ihre Wunden waren geheilt, giftiger Schlamm und aller mögliche Unrat aus dem See entfernt worden. Meldungen gingen in alle Welt.

Während der gesamten Aktion aber hielten sich die Gerüchte, dass dies ja nur die kleinere von zwei Exemplaren sei. Die große und alte wirkliche “Cụ Rùa vom Hồ Gươm” habe sich der Gefangennahme ebenso wie der Behandlung entzogen.

Prof. Werner hat sie wohl bei der "sanften Schlammabsaugung" nicht gesehen. Aber genützt wird sie ihr trotzdem haben, wenn es sie wirklich gibt, die “Große Alte”.

Montag, 8. August 2011

Schaumparty am Pool - oder hemmungsloser Gruppensex

Von den Fröschen in unserem Garten war ja bereits die Rede. Jede Nacht veranstalten sie einen Krach, dass man an Schlafen kaum denken kann. Manche Gäste vermuten, Hunde würden da so merkwürdige Bell-Geräusche machen.
Am nächsten Morgen sieht man dann wieder diese merkwürdigen Schaumbälle im Laub hängen, in bis zu 5 Metern Höhe und ganz am Ende der Palmwedel unserer den Pool umrahmenden Palmen.
Neulich wurde uns beim abendlichen Schwimmen dann wieder die Herstellung eines solchen Balles vorgeführt. Nicht auf die Palme waren sie geklettert, sondern das Geländer der Pooltreppe war die ausgewählte Stelle. "Sie"? Zwei große Frauen und ein kleiner Mann:
Das arme kleine Männchen soll gleich noch die Eier von 2 Frauen befruchten!
Ich habe mich inzwischen etwas gebildet über diese Amphibien, von denen es in Vietnam viele verschiedene Arten geben soll. Neulich hat man eine neue Art im Urwald entdeckt, die kann fliegen und schon die Kaulquappen haben Vampirzähne! Andere tun sich tatsächlich für diese Befruchtungsaktion zu größeren Gruppen zusammen...
Wenn also diese Flugfroschfrau ihr Eiergelege oben in der Palme abgelegt hat, dann macht sie einfach den Abflug, statt mühselig wieder runter zu klettern. Ausgeprägte Schwimmhäute zwischen den Zehen helfen beim Segelfug. Und was wird mit dem Männchen? Huckepackflug?
Die ganze Gattung nennt sich offensichtlich Rhacophoridae, auf Deutsch werden sie Ruderfrösche genannt, Englisch tree frogs. Mehr Infos gibts praktischerweise bei Wikipedia: http://en.wikipedia.org/wiki/Rhacophoridae. Hier lernt man auch, was die Gelege in den Bäumen für einen Sinn haben: Die Eier werden dort oben von der warmen Tropenluft ausgebrütet, dann lassen sich die jungen Kaulquappen vom nächsten Regenguss in das hoffentlich unten bereitstehende Gewässer schwemmen.
Hallo?! Dieses Gewässer ist unser Pool!
Und in der Tat, es gibt schon immer wieder ganz winzige kleine schwarze Kaulquappen, die wir dann ganz böse mit dem Sieb ins Gras befördern.
Unsere Gartenspezies ist leider deutlich weniger spektakulär als die vielen bunten Arten, die es da so gibt. Und sie gehören wohl auch nicht zu den Vampirfröschen.
Dieser zeigt, wie er einfach an der Wand hochgehen kann ...

Erstaunlich ist vor allem, dass sie hier mitten in der Stadt überleben. Wo es hier fast an jeder Ecke Froschschenkel im Restaurant gibt.

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