Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Freitag, 21. Dezember 2012

Happy Christmas - Frohe Weihnachten - Giáng sinh vui vẻ

Die Vorweihnachtszeit war in diesem Jahr von Konzerten mit dem Hanoi International Choir geprägt, so soll das Blog-Jahr schliessen mit einem kleinen Weihnachtskonzert. Hier sind alle unsere 6 Beiträge zum Weihnachtskonzert des Goethe Instituts.

Nun Komm der Heiden Heiland (Bach) -> http://www.youtube.com/watch?v=Yv0xMqWicaA
Nun Komm der Heiden Heiland (Telemann) -> http://www.youtube.com/watch?v=mqWSJ5m0p4s
Ave Verum -> http://www.youtube.com/watch?v=teOECHSXGJA
Macht hoch die Tür -> http://www.youtube.com/watch?v=TdT-GNRLcME
Oh Du Fröhliche -> http://www.youtube.com/watch?v=O__nsFCYAmY
Stille Nacht -> http://www.youtube.com/watch?v=AIm1UsCJar8

Ein weiteres YouTube Video mit Ausschnitten der beiden Weihnachtskonzerte ist jetzt auch noch Online -> http://www.youtube.com/watch?v=uR8CiaCCX2E
Daraus dieses Bild, das uns auf der Bühne in Hai Phong zeigt:
Ein ziemlich kleiner Chor war das .....

Und damit ein herzliches "Frohe Weihnachten!" 

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Freude! aus dem Schimmeltempel

In den letzten Wochen sind wir ja fast nur noch in Sachen Chor unterwegs. Schon parallel zu den Proben für die Weihnachtskonzerte hatten wir begonnen, den 4. Satz aus Beethovens 9. Symphonie "An die Freude" zu proben. Gleich im Anschluss an den Ausflug nach Hai Phong wurde es Ernst, und gestern Abend war Aufführung. Unser Auftritt auf YouTube ist, dank Kameraführung von Günter, hier zu sehen: http://www.youtube.com/watch?v=_Pq28Hi-pYE

Dieses Konzert stand wieder unter der Gesamtleitung von Honna, dem japanischen Dirigenten des VNSO (Vietnam National Symphony Orchestra). Dieses hat ein eigenes Probengebäude mit großem Saal, notwendig wenn man drei Chöre zusammen führt wie bei diesem Konzert. Den Saal kennen wir schon von früheren Proben, beobachten sozusagen den Verfall. Jedes Mal wenn wir dort sind, sind die Schimmelflecken an den Wänden grösser geworden, weshalb das Etablissement den Namen Schimmelpalast redlich verdient hat.
Nun ist Schimmel in Hanoi ja allgegenwärtig, auch bei uns daheim haben wir damit zu kämpfen. Aber wir kämpfen wenigstens. Im Schimmelpalast geht man eher humorvoll mit der Sache um.
Zudem ist der Schimmel natürlich für keinen Vietnamesen ein Grund, die ganze Pracht nicht mehr zu nutzen. Das bisschen Schimmel in der Luft ist ja sicher auch im Vergleich zu der Nikotinvergiftung, der sie sich doch noch immer sehr gerne aussetzen (Rauchen ist sehr verbreitet hier, jede Probenpause hüllt das große Treppenhaus in dichten Qualm) für die Lungen fast noch Erholung. Nur wir Langnasen haben dort manchmal schon Atemprobleme.
Auch hier grüßt natürlich der berühmte Dirigent und Musiker Bac Ho von der Wand
Dort also wurde geprobt. Unser Chor, der Japanerchor, der Chor des Opernensembles, dazu die Solisten von der Oper, es war (manchmal, wenn alle da waren) eine stattliche Anzahl. Dirigent Honna dirigierte wie immer eher orchesterbezogen, hat aber im Laufe der Konzerte doch gelernt, dass es manchmal sinnvoll ist, dem Chor mit so vielen Laien die Einsätze zu signalisieren. In den Unterbrechungen war Graham zur Stelle, um uns zusatzliche Tips zu geben. Vor allem die Aussprache der komplizierten deutschen Texte macht vielen Vietnamesen zu schaffen. Versucht mal diesen Text zu lesen, und statt "r" ein weiches "dz" zu sprechen, wie es für Vietnamesen normal ist!
Ja – wer auch nur eine Seele
     Sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer’s nie gekonnt, der stehle
     Weinend sich aus diesem Bund!
Oder auch das "D" am Anfang von "Diesen Kuss", das hierzulande auch wie "Dz" klingt. Ebenso wurde das klassische Chorproblem geübt: Ein "t" am Ende sei doch bitte wie aus einem Munde auszusprechen, klar, deutlich ein "T" und bitte nicht 5o "ttttttt"...!
Schwierig wurde es auch für uns Deutsche, als die Forderung aufgestellt wurde, "e" wie in "wer" oder "stehle" sei doch bitte nach Englischer Art als "i" auszusprechen. Ich konnte mich dem nicht anschließen.
Wie dem auch sei, nach nur zwei Proben, von denen für eine hier ein kleiner Ausschnitt gezeigt wird, ging es dann gleich zur großen Oper.
Eine Generalprobe war am Nachmittag und Abends die oben verlinkte Aufführung. Auch hier gab es wieder das altbekannte Problem: Zu den Proben, sogar zur Generalprobe, sind immer deutlich weniger Sänger präsent als dann zur Aufführung. Jedes Mal wird dann auf der Bühne der Platz knapp und diesmal hatten nicht mal die kleinen Plastikhockerchen, die man uns genehmigt hatte, genügend Stellfläche. Aber der Körperkontakt zum Nachbarn stärkt auf jeden Fall das Gruppenerlebnis. Heute Abend, zur zweiten Aufführung, sind es sicher schon wieder weniger Mitwirkende.
Ach ja, apropos "Freude": Der japanische Chor heißt tatsächlich "Hanoi Freude Choir"! Die mussten doch einfach mitsingen!

Montag, 17. Dezember 2012

HIC on Tour

“Auch in diesem Jahr gastierte der Hanoi International Choir unter der Leitung seines weithin geschätzten Dirigenten Graham Sutclliffe, gemeinsam mit einem kleinen vietnamesischen Kammer-Ensemble gestellt vor allem aus  Musikern des Vietnam National Opera and Ballet Orchesters wieder im Innenhof des Goethe Instituts in Hanoi.”

Soweit der Nachrichtentext. Die Ankündigung kann man hier nachlesen.

Wir waren in diesem Jahr leider nur mit 4 Weihnachtsliedern beteiligt, und zwei kleinen Kantaten (Nun Komm der Heiden Heiland, von Telemann und von Bach). Ein großer Teil des Programms wurde vom Kammerorchester bestritten, vor allem mit Werken von Teleman. Bei den Weihnachtsliedern war das Publikum zum Mitsingen aufgefordert: Christmas Sing-along sozusagen.
Der Chor war allerdings auch relativ klein. Nach dem Mozart hatten sich doch einige Mitglieder ausgeklinkt, manche Expats waren wohl auch schon im Vorweihnachtsstress, weil sie dann bald nach Europa fahren wollten.
Wir haben aber dank Günters Kameraführung doch einige Aufnahmen, die hier in aller Bescheidenheit (da im offenen Innenhof viele Nebengeräusche und schlechte Akustik) präsentiert werden: “Macht Hoch die Tür” und “Nun Komm der Heiden Heiland (Telemann)”

In diesem Jahr hatte das Goethe Institut beschlossen, uns auch “On Tour” zu schicken, in die etwa 100 km entfernte Hafenstadt Hai Phong, wo es wohl eine sehr aktive Deutschland-affine Gemeinschaft gibt.
So wurde die ganze Mannschaft am 8. 12. in zwei Bussen nach Hai Phong verfrachtet.
Foto ist eine Raubkopie aus dem Internet!

Das wirklich sehr hübsche kleine Opernhaus ist eine Hinterlassenschaft der Franzosen und wurde wohl vor kurzem sehr schön renoviert. Außen begrüßt einen “Bac Ho”, der berühmte Opernfanatiker (in unserem Probengebäüde grüßt er als Dirigent von einem Bild)
Aber drinnen erfreut einen dann wirklich gepflegter französischer Jugendstil.
Auch dies Foto ist "geklaut" David Hao Cousin hat es auf Facebook gepostet
Erst mal wurde natürlich das Haus beschnuppert.


Und es ist doch wirklich sehenswert, oder?

Es folgte das kleine Einsingen, dann gingen wir erst mal Essen, das GI hatte uns ja schließlich pro Nase 120.000 Dong dafür spendiert. Dann kurzes Konzentrieren hinter der Bühne:
Hier wieder Dank an David Hao
Das Konzert gaben wir dann vor gut gefülltem Hause. Von “Sing-along” hat man aber nicht viel gehört, obwohl auch viele Kinder im Publikum waren.
Das prangte hinter uns auf der Bühne .. (Thanks David Hao)

Nach dem Konzert sprach uns ein sehr stolzer älterer Vietnamese auf Deutsch an, wie uns denn das Opernhausgefallen habe. Es sei über 100 Jahre alt.
Wir konnten wahrheitsgemäß bestätigen, Ja, das Haus sei schön unad auch das Konzert habe uns viel Spaß gemacht.
“Dann kommen Sie doch bitte wieder!”

Sonntag, 16. Dezember 2012

Transportkünstler

Das Internet ist ja voll von Bildern mit absurden Transporten, die man in Südostasien und China beobachtet hat. Vietnam ist sicher gut vertreten. 5 bis 6 Menschen, 3-5 lebende oder gerade geschlachtete Schweine, Kühlschränke oder riesige Plakatwände, alles begegnet einem auf Moped oder Fahrrad und man  lächelt oder lacht kopfschüttelnd.

Gestern haben wir auf dem abendlichen Heimweg aber ein weiteres Bild nicht lassen können.

Dieser gute Mann war auf der Seepromenade zu besten Verkehrszeit unterwegs und provozierte einen Stau nach dem anderen. Warum nicht wenigstens das Moped schob und das Radl hinten drauf gebunden hatte?

Jedenfalls war es auch das erste Mal, dass jemand sauer reagierte, als ich ihn fotografiert habe. Er schimpfte sogar wie ein Rohrspatz, aber er konnte ja nicht auf mich losgehen. Die Hände waren ihm sozusagen gebunden.


Mittwoch, 12. Dezember 2012

Noch eine Hochzeit - und was für eine!

Schon vor Monaten wurde sie angekündigt, die Hochzeit  des Jahres in der So 66, Hoang Hoa Tham 173-63. Dung, Sohn unseres Vermieters (27) werde dem Rat der Wahrsager folgend am 28.11. heiraten. Dann wurde es vor einigen Wochen ernst:
Als erstes wurde angekündigt, dass einige Malerarbeiten nötig seien, an unserem Haus außen, sowie am Eingangstor. Ob denn auch bei uns gefeiert würde, war unsere Frage. Aber nein doch! Das große Fest sei im “Vietnamesisch-Russischen Kulturpalast” mit über 1000 Gästen, wurde uns bedeutet.
Trotzdem wurde aller Schimmel an der Fassade mit einer Schicht Farbe zugedeckt, sogar die Dachziegel, die in nicht geringer Zahl von den herab fallenden Kokosnüssen zertrümmert worden waren, wurden ersetzt. Und ja, doch, eine kleine Zeremonie sei auch hier gelpant, in seinem Haus, nicht bei uns im Garten.
Wenige Tage später wachten wir morgens früh von lauten Stimmen im Garten auf. Einige Herren in schwarzen Anzügen und dazu passende Damen in Ao Dais standen neben dem Pool und rauchten. Bis wir uns die Augen gerieben hatten, waren sie aber schon weg. Dafür wurde kurz darauf unten vor unserem Wohnzimmerfenster eine mobile Küche eingerichtet. Später fand von hier aus drüben in Tuans Haus eine Bewirtung statt, dann war der Spuk wieder weg.


Aus dem offiziellen Hochzeitsvideo, das wir inzwischen unser eigen nennen dürfen, wissen wir: Es war der offizielle bei der Familie der Braut, mit gemeinsamem Teetrinken, gegenseitiger Vorstellung.
Dies Bild ist vom zweiten Besuch, daher das Datum

Auch die Übergabe grosser Mengen von Opfergaben für die Ahnen der Braut gehörte dazu sowie deren gemeinsamer Anbetung.
Auch beim zweiten Besuch, da die Braut schon im Brautkleid ist.

Seitdem behauptete Tuan, die beiden seien schon nicht mehr Brautleute, sondern eigentlich schon Mann und Frau.

Das alles war also schon am 15.11, also fast zwei Wochen vor dem angekündigten Termin, dem 28. November gewesen.
Später, 5 Tage vor dem Termin, kam unser Vermieter Tuan dann freudestrhalend an: “I have your invitation to the wedding!” Und nun, unter Hinweis auf den gedruckten Einladungstext rückte er damit heraus, dass doch eine Veranstaltung bei uns im Garten geplant sei. Ob er mein innerliches Schmunzeln gespürt hat? Jedenfalls wurde JETZT ganz höflich gefragt, ob es uns recht sei, wenn eine kleine Zeremonie doch hier stattfinden würde? OB es nicht zu “inconvenient” sein würde? Eigentlich hätten wir wirklich bedauernd sagen müssen, dass wir selber gerade an diesem Vormittag zu einer Gartenparty eingeladen hätten - aber wir haben es nicht getan. Natürlich sei das OK, natürlich dankten wir herzlich für die Einladung.
Nun wurde auch erklärt: Neulich, das erste Fest, das war der Besuch bei der Brautfamilie. Aber es gehöre auch noch die Gegeneinladung für die Brautfamilie dazu, bei der die Braut zum Haus des Bräutigams gebracht werde. Und dies sollen bei uns im Garten stattfinden. Nur eine knappe Stunde, denn gehe alles weiter zum grossen Fest im “Kulturpalast”. Ob es auch wirklich nicht “inconvenient” sei für uns? Mit breitem Lächeln haben wir ihn beruhigt. Was blieb uns auch anderes übrig?
In der Früh vor dem großen Tag machte die Putzfrau den Garten etwas gründlicher sauber als sonst (da ist auch viel Platz nach oben...). Unterwegs ins Büro kam mir ein Handkarren gezogen von einem Moped, mit Zeltstangen und Planan entgegen. Als ich mittags heim kam, stand ein riesiges Zelt vor unserem Haus, das den gesamten Raum zwischen Haustreppe und Pool sowie bis direkt vor das Tor einnahm. Tische, Stühle, bis zum Abend war alles gedeckt und eingerichtet, einschließlich Geschirr und Blumenvasen. Vermieter Tuan kam strahlend an: “Очень красивая ?” wollte er bestätigt bekommen. “Da, da, Очень красивая, sehr schön!” mussten wir mehrfach bestätigen. Der einsetzende Regen konnte seiner guten Laune nicht das geringste anhaben.
Es regnete, bzw. goss die ganze Nacht, aber am Morgen gegen 9.00 wurde es doch weniger. Draußen herrschte rege Betriebsamkeit. Und als wir kurz vor 9.30, dem offiziellen Start der Veranstaltung, auf die kleine Terrasse vor unserem Eingang traten - auch dort stand ein Tisch und wartete auf Gäste - begann sich alles zu füllen.
Neugierige Blicke streiften uns, der eine oder andere Gruß wurde genickt. Es gelang gerade noch ein paar Fotos zu machen, vom Tor und von der einmarschierenden Braut.
Vorher gegangen war, wie wir auch aus dem Video wissen, die Fahrt mit dem geschmückten Auto zum Haus der Braut, nochmaliges Teetrinken und Ahnenopfer, dann wurde Braut”heimgeholt” und traf pünktlich bei uns im Garten ein.
Diese kurze Veranstaltung vor unserer Tür war schon etwas erstaunlich. Erst mal ging das Brautpaar weiter ins Haus der Familie, während wir mit den Gästen auf den (ziemlich feuchten) Stühlen sassen und grünen Tee tranken.
Nach dem Video war dort drin die offizielle Begrüssung der Schwiegermutter - und wieder etwas Ahnenkult.

Bei uns draußen und für die Gäste gab es Plätzchen und Sonnenblumenkerne. Punkt(!) Dann kamen die Hauptpersonen zurück, der ältere Herr (Onkel des Bräutigams?) hielt eine kurze Rede.
Ja, und dann wurden alle wurden eingeladen, die Wohnung des Brautpaars zu besichtigen - Tuan hatte ja vor etwa einem 3/4 Jahr sein Haus noch etwas aufgestockt. Stolz wurde uns allen das Schlafzimmer präsentiert. “Alle Möbel und auch die Bettwäsche ganz neu! Heute erst aufgezogen!”wurde uns stolz erklärt.
Aber dann ging es, knapp 45 Minuten waren vorbei (dafür war unser Haus gemalert worden!), schnellstens ab in Richtung “Kulturzentrum”. Für der Transport waren eigens Busse bereit gestellt.
Das Veranstaltungslokal entpuppte sich als ein uns durchaus bekanntes Messegebäude. Vor 3 Jahren hatten wir dort mal eine Auto -und Moto - Messe besucht. Jetzt fanden hier gleichzeitig 2 Hochzeiten statt, getrennt durch einen Vorhang, der für die installierten Lautsprecheranlagen kein echtes Hindernis darstellte.
Natürlich war der geschmückte Saal beeindruckend. Tische für 1000 Gäste, Blumen, eine Bühne mit dem kleinen Hochzeitskuchen und der obligaten Sektglaspyramide.
Die herzliche Begrüssung

Schon vorher hatten wir Tuan auf die in den Zeitungen veröffentlichte Regelung angesprochen, nach der gerade die Parteimitglieder aufgefordert wurde, bei ihren Hochzeiten nicht so unmäßig zu sein.
Gleich beim Eingang gab es zwei Spendenhäuser. Und wirklich, es wurde nur Geld geschenkt und hier versenkt. Kein einziger Gast kam mit Geschenk oder auch nur einem Blumenstrauß!
 “Nicht mehr als 300 Gäste pro Familie sind erlaubt” hieß es. Aber Tuan hatte nur gelacht: “Das bedeutet, dass man nicht weniger als 600 Leute einladen darf” war seine etwas freie Interpretation, als Parteimitglied.
Die Braut wurde von ihrem Bruder geführt - den Vater haben wir nur flüchtig gesehen
Als der Saal gefüllt war, gab es die Prozession der engsten Familie nach vorn zur Bühne, es folgte die Ring-Tausch-Zeremonie.

Wieder gab es eine kurze Ansprache des Bräutigamvaters, auch eine professionelle Moderatorin gab noch einige Sprüche zum Besten.

Als das Brautpaar sich der kleinen symbolischen Hochzeitstorte mit einem ziemlich heftigen Samurai-Schwert näherte, begannen die Gäste schon mal, über das Essen herzufallen, dass auf gefahren worden war.
Auf der Bühne kam noch die Sektzeremonie (vorher hatte ein Kellner die Gläser mit Co2 gefüllt, so gab es schönen farbigen Nebel).
Nicht aus der Pyramide, sondern aus anderen Gläsern wurde dann der Familie serviert und ein gemeinsames Chuc Suc Khue gerufen:

Dann begann für sie die Runde durch den Saal: An jedem Tisch wurde angestossen, bedankt und Glück gewünscht. Bei den vielen Tischen waren sie da schon eine gute Zeit unterwegs.
Wir hatten knapp Zeit, unser Essen zu genießen (es war köstlch, übrigens), dann gingen die ersten Gäste schon wieder. Die Familie war wohl gerade wieder hinten am Eingang angekommen und konnte nun alle Gäste wieder verabschieden. Die süsse kleine Hochzeitstorte stand unberührt und einsam auf der Bühne.
Als wir draussen ein Taxi schnappten, hatte die ganze Aktion gerade mal eine Stunde gedauert.
Ein letztes Mal Hochzeitsfeier war dann am Abend: Gegen 20.30 klingelte das Telefon, ob wir nicht rüber kommen wollten, etwas trinken? Die gesamte Familie war versammelt, Tuan hatte sich vorgenommen, alle halb geleerten Flaschen mit bestem russischem Wodka, die wohl vom Mittagessen gerettet worden waren, klein zu machen. Wir waren keine grosse Hilfe, aber er schwärmte wieder mal von seinen Jahren als Student in der Ukraine und in Russland, deklamierte russische Gedichte, stimmte ein russisches Lied nach den anderen an und war richtig gut drauf. Sicher ein halbes Dutzend mal mussten wir bestätigen, dass die Hochzeit toll war, die Zeremonie beeindruckend, das Essen lecker, seine Ansprache hervorragend (nu, vorgetragen, die Worte hatten wir ja leider nicht verstehen können).
Das Brautpaar hatte sich in seine neue Bettwäsche zurück gezogen, die Hausherrin hatte Tuans ältere Schwester geschickt, die ihn wohl zur Ordnung rufen sollte. Da wure de es doch Zeit, die Hochzeit für beendet zu erklären. “Cantus ex est”haben wir damals in Studententagen gesagt.

Ach ja: Die Braut machte einen wirklich netten Eindruck und sie war auch richtig hübsch. Was noch mal festzuhalten wäre...