Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Donnerstag, 7. Juli 2011

Das Jubiläum

10 Jahre Hanoi School of Public Health! Ein würdiger Anlass, die Feierlichkeiten wurden lange vorbereitet und sollten dann Ende April stattfinden.
Dabei ist die Schule genau genommen schon deutlich älter. Bereits 1990 wurde in Zusammenarbeit der drei akademischen Institutionen School of Health Management, Department of Hygiene and Epidemiology of Hanoi Medical University and the Center of Human Resources in Health an der School of Health Management (SHM) ein Department of Public Health durch das Gesundheitsministerium (MOH) geschaffen, 1996 wurde die SHM Mitglied der Asian Pacific Association of Public Health Colleges (APAPHC).
Das Jubliäum bezog sich auf die Anerkennung als selbstständige Universität, die ihre eigenen akademischen Studiengänge anbietet (Bachelor und Master in Public Health, Master in Hospital Management, PhD-Programme in Public Health). Die Geschichte als Universität ist also 10 Jahre alt.
Der erste Kontakt mit den Vorbereitungen für mich war die Ankündigung, unsere Abteilung solle für das HSPH-Video gefilmt werden. Dank Vorwarnung war ich etwas formeller gekleidet als sonst, dann wurde eine wunderbare Abteilungssitzung auf Englisch abgehalten. Was davon dann in den Film gekommen ist, weiss ich nicht. Ich habe ihn nicht nicht zu sehen bekommen
Gefeiert wurde mehrfach.
Zur Einstimmung gab es einen “Sports Day”, bei dem verschiedene Mannschaften gebildet wurden um gegeneinander in den Disziplinen Tauziehen und Volleyball anzutreten. Eine Riesengaudi. Die lieben Kolleginnen und Kollegen kamen tatsächlich in Sportkluft.
Ich wurde der Mannschaft “Faculty” der Environmental Medicine zugeschlagen. Aufgrund von Körpergrösse und Gewicht meiner Wenigkeit wurde unsere Mannschaft natürlich favorisiert.
Wir haben auch wirklich heftig gezogen. Es zeigte sich aber, dass besonders unter den Studenten doch auch einige dabei waren, die nicht minder kräftige Figuren waren, und so wurden wir letztlich nur vierte. Der Effekt Gaudi war dadurch nicht wirklich beeinträchtigt.
Am Nachmittag des 26.04. war dann die Hanoier Oper für die Feierstunde gemietet. Nun war natürlich festliche Kleidung angesagt, und artiges Sitzen und Reden hören. 
Unser Dean berichtete davon, dass es doch eine große Neuerung für Vietnam war, das Gebiet Public Health akademisch zu etablieren – ein Prozess der noch nicht abgeschlossen ist. Viele Menschen im ländlichen Bereich verstehen noch immer nicht, dass diese Master in Public Health keine Mediziner sind.
Dies sind die Teaching Assistants, die mir in unserer Abteilung immer wieder mit Übersetzungen helfen.
Der Hauptteil der Veranstaltung war der Verleihung von Orden und Ehrenurkunden gewidmet. Der Dean und die Schule wurden mit Verdienstorden ausgezeichnet – die Schule bekam ihren Orden an die Fahne geheftet. Auch unsere Abteilung für Hospital Management bekam eine Urkunde, ebenso ihr Leiter, mein Chef Prof. Phan Van Tuong. Ich bin zwar auf der Website als Mitglied verzeichnet (http://www.hsph.edu.vn/en/staff_HM_HospitalManagement), aber für eine Ehrenurkunde hat es nicht gereicht. ;-(( Einige Vertreter internationaler Organisationen (WHO, CDC Atlanta u.a.) überbrachten Grussadressen, dann waren wir alle, einschließlich der Studenten, zum Buffet-Abendessen in den Räumen der Oper eingeladen.
Natürlich wurde auch im staatlichen Fernsehen berichtet. Hier gibt es einen Ausschnitt aus der Sendung .... Man kann sehen, wie der Orden an die Fahne geheftet wird, man sieht unseren Dean (mit der sparsamen Frisur) und die Vice-Dean Prof. Ha in Aktion. Un dman kann sich mal das Erlebnis gönnen, etwas Vietnamesisch zu hören. Kommt ja nicht oft vor in Deutschen Fernsehen...
Die nachfolgenden Tage gehörten dann einem wissenschaftlichen Symposium, bei dem die “echten” Public Health Abteilungen, wie Epidemiologie, Environmental Medicine, Rehabilitation aber auch meine Kollegen ihre Forschungsprojekte vorstellten. Einige bekannten Namen aus USA standen auch auf der Vortragsliste. Und der Dean erklärte, dass dies der Auftakt sei zu der nun ausgerufenen “Dekade der Forschung”: Nachdem man die ersten 10 Jahre dem Aufbau des Ausbildungsbetriebs gewidmet habe, solle es jetzt darum gehen, die Hochschule auch als Forschungsinstitution zu etablieren.
Ich habe da so meine Fragezeichen: Wie will man hochkarätige Forscher ins Land holen wenn die Gehälter so lächerlich sind? Wie will man die Isolation überwinden, die aus dem Primat des Vietnamesischen folgt?
Aber ich bin schon mitten drin im Prozess der Entwicklung einer Forschungsstrategie und erlebe manche Kollegen in ganz neuem Kompetenz-Licht.

Freitag, 1. Juli 2011

Ausflug ins Land der Dao

Unsere Besucher aus Deutschland (Mischa und Tine) wollten auch etwas mehr sehen als “nur Hanoi”. Erster Gedanke: Dann fahren wir nach Norden, Richtung Grenze zu China, dort soll es besonders schön sein. Aber es stellte sich heraus, dass man dafür eigentlich mindestens 5 Tage braucht, die wir nicht hatten. So wurde beschlossen, an den ausgedehnten Stausee “Thac Ba” nordöstlich von Yen Bai zu fahren, etwa 4 Stunden mit dem Auto von Hanoi nach West-Nord-West. (Merkwürdigerweise ist er bei Google Maps nicht zu sehen, nur in der Satelitensicht).
Dort haben wohl vor einigen Jahren Franzosen einen sog. Eco-Resort aufgebaut, eine Art Landhotel. Die Website hat uns sofort angesprochen: http://www.lavievulinh.com/ , was für ein Blick auf dem Bild! Die Reservierung erfolgte in einem chaotischen Mini-Büro in der Altstadt von Hanoi, aber letztlich ohne Probleme.
Schon die Fahrt war ein Erlebnis. Durch kleinere und größere vietnamesische Dörfer, vorbei an grünen, mit Teebäumchen überzogenen Hügeln, an Flüßen entlang. Für uns war es das erste Mal, dass wir Tee wachsen sahen. Dann hieß es, schon sehr in der Wildnis, aussteigen aus dem angenehm klimatisierten Auto. Ein Junge mit Geländemotorrad kam angeknattert und griff sich unsere Rucksäcke, wir wurden zu einem Boot geführt.

Nach kurzer Fahrt bogen wir um eine Landzunge, “La Vie Vu Linh” lag vor uns, eine recht romantische und urige Angelegenheit.
Wir waren früh losgekommen, es war also grade Mittag, und wir wurden gleich zum Essen gerufen. Der Speiseraum, offen im Obergeschoss gelegen, war direkt vor unserem Zimmer. Essen und Getränke wurden auf dem mit Grasmatten belegten Boden serviert, mit oder ohne Kissen kauernd durften wir speisen. Die Chefin, in Tracht der dortigen Volksgruppe Dao, gesellte sich zwanglos dazu und nötigte uns, die teilweise unbekannten Speisen zu versuchen. Es schmeckte meist sehr gut.
Dies ist allerdings das Abendessen, mit viel Schnaps!
Schon der erste Spaziergang zeigte nicht nur die schöne Landschaft, sondern den regen Verkehr auf dem Wasser.
Dabei sahen wir zum ersten Mal die hier typische Art des Ruderns: Gemütlich angelehnt, sitzt der Ruderer hinten im schlanken Boot und rudert mit den Füssen! Da hat man sogar die Hände frei, um bei Bedarf einen Regenschirm zu halten, oder mit dem Handy SMS zu verschicken! Sieht es nicht wahnsinnig relaxed aus?
Zu unternehmen gab es nicht viel. Baden im See (Badewannenwarm), ein Ausflug auf dem See in die übernächste Bucht, und Spaziergänge durch das Dorf Vu Linh. 
Unter diesem Vietnamesenhut steckt Mischa, gerudert von unserer "Guide"
Bei der Fahrt über den See und dem anschließenden Spaziergang durch das Dorf erfuhren wir: Der See ist ein Stausee, die Umstellung auf Fischerei als Lebensgrundlage ist relativ neu. In den Dörfern überwiegt weiter der Anbau von Reis. Aber erst mal gab es einen schönen Blick vom Aussichtshügel:
Die Spaziergänge durch unser Dorf (beim zweiten Gang haben Elena und ich uns glatt verlaufen, so ausgedehnt, verschlungen und verschlafen lagen die Bauernsiedlungen in den Tälern verteilt) zeigten wunderschön liebliche Täler, 

die typischen Häuser, bei denen man auf Stelzen im Obergeschoss wohnt, und bei denen oft kaum Wände da sind - bei der Wärme wohl unnötig.
Und immer wieder Reis- oder Gemüsefelder...
Die Menschen leben offensichtlich recht harmonisch in dieser Landschaft. Immer wieder sahen wir vor allem die Väter mit den Kleinen auf dem Arm unterwegs.

Soweit wir das verstanden haben (Englisch war eher unverständlich beim jungen Personal dort), ist das Resort inzwischen nicht mehr unter französischem Management sondern es wird quasi als Kooperative von der Dorfbevölkerung betrieben. Die Chefin, die uns am ersten Tag begrüßte, ist auch die Chefin des Dorfes (Bürgermeisterin wäre wohl etwas unpräzise, da es mehr um eine Stammesfunktion zu gehen scheint.) So war auch der Service im Resort nicht ganz den Preisen entsprechend (Zimmerreinigung etc. nur auf Anforderung).
Um so herzlicher war aber die Atmosphere, vor allem das gemeinsame Abendessen mit allen Gästen und Mitarbeitern auf den Grasmatten, mit viel Schnaps der unterschiedlichsten Art, der natürlich immer “Tram Phan Tram” getrunken werden musste, also 100 von 100, oder “auf ex”.

Die Ausblicke über den See, zu jeder Tageszeit, waren immer wieder traumhaft.
Der Fahrer, der uns gebracht hatte, machte auch die 2 Tage dort Urlaub, um uns dann wieder zurück zu bringen. Zwischendrin wieder nach Hanoi zurück zu fahren, hätte sich wohl nicht gelohnt
Das erklärt vielleicht auch die etwas gehobene Preisklasse.