Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Dienstag, 31. Januar 2012

Everything back to normal

Kaum 5 Tage ist das Drachenjahr alt, und schon ist alles vorbei.
In der Hochschule wird wieder normal gearbeitet, nachdem die versiegelten Türen wieder geöffnet sind.
Ja, in der Tat. Über die Feiertage war die Hochschule nicht nur abgeschlossen sondern sogar versiegelt. Arbeiten war verboten, durch die offiziellen Stempel auf den Papierstreifen, mit denen die Tür und dazu noch extra das Schloss verklebt wurden, war das klar dokumentiert. (Am Eingang ist dann auch noch ein verschlossenes Stahlgitter, zu dem man allerdings beim Guard den Schlüssel abholen kann.)

Und das Blumenmeer? Es ist tatsächlich verschwunden! Öde und leer schaut einen der Vorplatz an, seiner ganzen Blütenpracht beraubt:

Dabei kann ich nicht beurteilen, ob alle die Orchideen und Weihnachtssterne wirklich verkauft wurden, oder ob sie nur wieder in die Gewächshäuser zurück gebracht wurden. Jedenfalls sind sie weg.
Schlechte Karten also mit der Hoffnung, für uns ein günstiges Schnäppchen zu erwerben.

(Ganz ist der Alltag noch nicht eingekehrt: Man beachte die leere Strasse im Hintergrund. So sieht die Giang Vo mitten am Tage nur selten aus!)

Samstag, 28. Januar 2012

Silvester ohne Knaller

Wir waren also zuhause geblieben. 
Am 24. Januar begann das Jahr des  Wasserdrachens - Tet heißt das chinesisch-vietnamesische Neujahr.  Unter den Expats in Hanoi erzählt man sich, es gäbe nichts dümmeres, als "über Tet" in der Stadt zu bleiben; es sei alles geschlossen, die Läden, die Friseure, die Kneipen. Wenn man im vorhergehenden Einkaufschaos es nicht geschafft habe, sich durchzusetzen, müsse man einfach verhungern. Und außerdem sei es kalt.
Nun, wir sind geblieben und nicht verhungert. Wir waren 4 Tage vor Tet beim Metro und waren erstaunt, wie wenige Kunden dort unterwegs waren. Fast weniger als zu den ganz normalen Zeiten! Und die Regale waren nicht leer gekauft, wir konnten uns mit allem eindecken, was wir wollten. Dann hatte ich von meinem Dean in der Hochschule noch zwei Neujahrskuchen, Banh Chung, bekommen. In grüne Bananenblätter gewickelte Klebreispakete mit einer Füllung aus fettem Schweinefleisch und Bohnenmasse, die man mindestens 5 Stunden kochen muss. 


Einer entpuppte sich aber als ganz was anderes: Zwar auch in Blätter gewickelt, aber darin war eine überdimensionale Wurst aus weißer Fleichmasse, sehr ähnlich mit dem deutschen "Kalbskäs" und auch ebenso zuzubereiten. Dafür schenkte uns unser Vermieter noch zwei frisch gekochte weitere Banh Chung. 

Damit alleine kann man schon fast eine Woche überleben - solange der Wodka reicht, den man braucht, weil das Ganze doch richtig fett ist.
Ich mache mir eine Soya-Chilli Sauce dazu, und etwas Kim Chi (der Chili-Chinakohl aus Korea) ist auch sehr gut als Beilage.
 

Aber das mit der Kälte stimmte. Es war schon fast warm geworden am 22. Januar, aber rechtzeitig zu Tet kam die Kälte wieder. Zwar nicht schlimm für die Europäer, denen 12° anscheinend fast noch sommerlich anmutet, jedenfalls den Touristen, die unverdroßen in kurzen Hosen durch die Stadt laufen. Aber unser Haus kann man effektiv nicht heizen, drin wie draußen 12°, oder auch 14°, ist deshalb alles andere als gemütlich.
Besonders ungemütlich war dann unser Silvesterspaziergang an den Westlake. Ich hatte nachgelesen, dass es einige offizielle Feuerwerke geben solle um Mitternacht (private seien verboten!), das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Wir waren zu Fuß durch die engen Gassen gewandert, auf denen man von uns aus direkt nach Norden zur Uferstrasse kommt. Unterwegs dröhnte aus einigen offenen Türen laute Musik, drin sah man die eine oder andere Familienrunde beim Schnaps trinken. "Chuc Muc Nam Moi!" wurde ausgetauscht.
Am See begrüßte uns ein kräftiger Wind, der übers Wasser kam und einem die Luftfeuchtigkeit so richtig in die Knochen pustete. Obwohl wir nicht in kurzen Hosen waren, sondern in langer Lederhose, Wollpullover und Anorak mit Kapuze. Wir waren auch nicht die Einzigen, die hier das neue Jahr begrüßen wollten. Die Strassencafes waren voll besetzt, an der Promenade unter den Palmen stand ein Moped/Roller neben dem anderen, jeweils mit einem jungen Pärchen besetzt, das durch enge Umarmung versuchte, der Kälte zu trotzen. Auch einige Autos standen da, deren Besitzer wollten wohl aus dem windgeschützten Inneren heraus das Feuerwerk sehen.
Aber welches Feuerwerk?
Ja, die Null Uhr wurde schon durch einen lauten Kanonenschlag in der Ferne markiert. Ja, es wurden auch für 15 Minuten da drüben auf dem anderen Ufer Raketen in den Himmel gejagt. Weit weg war das, und auch sonst nicht wirklich beeindruckend. Sollen die Chinesen nicht das Feuerwerken erfunden haben? An unserem (eigentlich stadtseitigen) Ufer aber tat sich nichts und gemeinsam mit den Vietnamesen machten wir uns bald auf den Heimweg. Keine Knaller, kein Sekt, keine Umarmungen. Ein alter Mann bestand darauf, mir per Handschlag Chuc Muc Nam moi zu wünschen.
Auch auf dem Heimweg war alles friedlich. Das einzige was darauf hinwies, dass doch ein besonderer Tag war, waren die Opfertische mit allen möglichen Speisen und Geschenken, die zu dieser nachtschlafenden Zeit in unserer (etwas wohlhabenderen) Umgebung vor den Häusern standen. 


Gerne wurde auch die angemessene Menge Opfergeld in kleinen Feuerchen verbrannt. Oder sonst eine kleine symbolische Gabe.
Und in "unserer" Chua, dem "Den Dong Nuoc" war Hochbetrieb. Gut gekleidete Herrschaften wanderten geruhsam von Altar zu Altar, opferten und beteten, ein großer Papierhase wurde erst aufgebaut, dann aber doch schnell verbrannt.
Insgesamt war es eine friedliche, fröhliche und familiäre Atmosphäre, die den Einstieg ins Drachenjahr prägte.i
Das deutsche Silvester, mit Krach, Gestank und lauten Menschen, es war plötzlich ganz weit weg. 
Wir fanden es fast schöner so.

Freitag, 20. Januar 2012

Viet Nam! Viet Nam! Oke! Oke! Haha...

Eine neue Abzockmasche oder doch ehrlich? Wir wissen es nicht.
Heute Morgen klingelt es laut und ungeduldig, eine ältere Vietnamesin in normaler Strassenkleidung steht vor dem Tor. Als ich öffne, strahlt sie mich an, läßt einen Redeschwall auf Vietnamesisch los und zückt einen offiziell aussehenden Quittungsblock. Handschriftlich wird irgend was mit "Phong" rein geschrieben, darunter 02/2012 - 02/2013. Und als Betrag 600.000 VND. Als ich zu verstehen gebe, dass ich das nicht einsehe und es mir unverständlich ist, wofür wir so viel bezahlen sollen, meint sie "Oke Oke" und strahlt wieder. Dann folgen einige vage Handbewegungen in Richtung Haus, Himmel, Strasse und Garten. Ich erkläre nochmals, dass das doch viel Geld ist. "Oke, Oke" meint sie und "mot nam" (also für ein Jahr soll ich zahlen. Das ist ja nun fast schon wieder billig...)
Ich traue dem Frieden trotzdem nicht. Es ist zwar durchaus üblich, dass bestimmte Beträge von solchen Geldeintreibern am Tor eingesammelt werden: Telefon, TiVi, Internet, auch mal die Strassenreinigung. Aber das sind meist kleinere Beträge, die Sammler kennt man und sie kommen am Abend, weil sie dann erwarten können das jemand da ist. Dieser Besuch passt da nicht ins Bild. Wir haben auch noch nie so etwas bezahlt.
Während sie immer weiter ihr "Oke, Oke" ruft, lacht und auch mal erklärend "Viet Nam, Viet Nam" sagt, rufe ich unseren Vermieter an. Aber dieser hat keine Zeit, ich soll doch zu seiner Frau gehen.
Nun sehe ich: Es ist ein ganzer Trupp von mindestens 5 Frauen, die in unserer Gasse ausgeschwärmt sind. Auch bei unserem Vermieter läutet es am Tor, auch dort höre ich Stimmen. Ich gehe zur Gartentür unseres Vermieters und erkläre der Englisch sprechenden Tochter, die alleine daheim ist, die Sachlage. Ob sie versteht, um was es geht? Man hat ihr etwas von Schädlingsbekämpfung erzählt, meint sie. Aber sie will mal vorsichtshalber die Mutter anrufen. Das Ganze kommt ihr auch "spanisch" (oder eben vietnamesisch?) vor.
Meine Oke-Dame ist mir in den Garten gefolgt, hat es sich erst mal an unserem Gartentisch gemütlich gemacht. "Oke Oke! Viet Nam Viet Nam!" verkündet sie weiter strahlend und mit lautem Gelächter.
Als die Nachbarstochter mir sagt, dass ihre Mutter das ganze für Betrug hält, und dass sie ebenso wie wir nicht zahlen sollen. drücke ich der OKe-Dame ihre Quittung wieder in die Hand und begleite sie freundlich zum Tor. Es wird ihr klar, dass wir nicht zahlen werden, aber das tut ihrer guten Laune keinnerlei Abbruch. Mit einem fröhlichen "Viet nam Oke" verschwindet sie mit dem ganzen Trupp wieder aus unserer Gasse.
Ich erinnere mich an den Blog unseres Freundes, wo vor einigen Wochen berichtet wurde, wie man bei ihm zur fiktiven Schädlingsbekämpfung versucht hat, ins Haus einzudringen um zu klauen. (http://abenteuervietnam-glohse.blogspot.com/2011/12/verhinderte-bescherung.html). Und ich denke mir, dass Vietnam vielleicht doch nicht mehr so Oke ist. Es gibt zwar noch immer wenig Kriminalität, aber diese Abzockversuche ("Ich sammle für ...."), die nehmen zu. Weil es halt doch viele Leute gibt (Ausländer und Vietnamesen), für die so ein Betrag von 600.000 VND nicht wirklich viel bedeutet.
Aber wir gehören nicht zu diesen Leuten.

Mittwoch, 11. Januar 2012

Valentines + Muttertag + Frauentag + Namenstag = TET


Bekanntlich beginnt am 23. Januar, dem diesjährigen Tet Nguyen Dan, das neue Jahr. Nach dem chinesischen (und vietnamesischen) Horoskop ist 2012 das Jahr des Wasser-Drachen. „In Asien gilt der Drache als großer Glücksbringer! Im vergangenen Jahr des Hasen haben wir viel darüber gelernt, wie wichtig es ist, in kritischen Zeiten füreinander da zu sein. Jetzt herrscht wieder Aufbruchsstimmung. Es erwarten uns aufregende Zeiten, und wir sind aufgefordert, die Ärmel hochzukrempeln und ehrgeizige Projekte in Angriff zu nehmen. Der Durchbruch, von dem wir träumen, ist jetzt möglich! Klappern gehört zum Geschäft, besonders in diesem Jahr: Wer in großen Maßstäben denkt und sich gern präsentiert, hat nun Rückenwind.“ So habe ich es auf der Seite http://www.chinesisches-horoskop.de/jahreshoroskop/ gelesen.
Tatsächlich bricht in Hanoi das Vor-Tet-Chaos aus. Beim Einkaufen im Metro steht man wieder stundenlang an der Kasse, die Läden sind voller Geschenkpaketberge. Kleine Geschenke erhalten wohl nirgends so sehr die Freundschaft wie in Vietnam, und der wichtigste Tag für diese Geschenke ist halt einfach TET. So ist auch unser Schulhof ist zum Blumenmarkt mutiert.
Auf dem Gelände der HSPH kann man immer wunderschöne und teure Topfblumen und Pflanzen kaufen. Er ist an zwei Gärtnereien verpachtet, die ganzjährig kleine, mittlere und große Blumen, Bonsais und sonstige Gartenpflanzen anbieten. Seit etwa einer Woche aber ist auch hier Vor-Tet. Das bedeutet eine Vervielfachung des Angebots, speziell aufgestellte Zelte, zusätzliche Verkäufer und natürlich noch höhere Preise. Es wird schon bei der Ankunft klar, dass hier das grosse Blumengeschäft geplant ist.
Tet ist in diesem Jahr sehr früh. So feiern unsere altbekannten Weihnachtssterne ihr Comeback als Tet-Blumen. Klar, rot ist ja die Glücksfarbe.
Aber es gibt natürlich auch edleres, wie diese riesigen Orchidee-Gestecke. Wenn ich das richtig verstehe, dann ist dies eigentlich nicht die richtige Art, Orchideen zu züchten. Sie sind einfach nur so rein gestellt. Aber wie hieß es im Horoskop? „Wer in großen Maßstäben denkt und sich gern präsentiert, hat nun Rückenwind“. Na bitte!
Aber ob diese 3 Wochen vot Tet wirklich ausreichen, um diese Massen von Blumen zu verkaufen_
Man wird sehen. Vielleicht gibt es ja dann hinterher was für Schnäppchenjäger.
 (Man beachte die Kleidung der Kunden und Verkäufer: Es kalt zur Zeit. In der Schule läuft eine Kleidersammlung für die frierenden Kinder in den Bergdörfern. Jeder Mitarbeiter möchte doch bitte 1-2 Tagesverdienste spenden.  Eines der Blumengestecke hier kostet Monatsverdienste!)

Montag, 9. Januar 2012

Nur ein kleines Zitat

Mark Twain zugeschrieben::

"Es gibt nur einen Grund, warum Gott den Menschen schuf : Er war vom Affen enttäuscht.
Danach gab er auf, zu experimentieren ..."

Es gibt keinen bestimmten Grund, warum mir dieser Spruch grade in Vietnam so gut gefällt