Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Sonntag, 27. November 2011

Drama Ablatio Retinae - zweiter Akt


Da passiert wieder etwas im Auge!
Dies Gefühl stellt sich gute 3 Wochen nach der ersten Operation ein. Ein Anruf bei „meinem“ Doktor (natürlich ist wieder Wochenende), am Montag früh soll ich kommen.
Es folgt wieder die bekannte Prozedur. Das Ultraschallbild zeigt eine kleine Ablatio, im Augenwinkelm sehe ich sie auch schon deutlich. Aber der Doktor will erst mal die Iris weit bekommen um sich die Sache zu besehen. Und mein Auge reagiert nicht auf seine Atropin Tropfen, die Iris bleibt eng. Nach einigen Stunden wird zu heftigeren Mitteln gegriffen, eine Spritze soll wirken. Mir wird ein Bett auf der Station gegeben, in 2 Stunden (nach dem Mittagessen) wird dann wird wieder geschaut.
Am Nachmittag, als endlich der Blick in mein (inzwischen stark gerötetes) Auge möglich ist, wird erklärt: “Ja eine kleine Ablatio, nicht gefährlich, morgen operieren wir“. Ich reagiere entsetzt. Das ist doch ein Notfall! Muss sofort operiert werden! Es sollte doch auch heute operiert werden! „Ganz klar, aber jetzt ist Nachmittag,und nachmittags können wir nicht mehr administrativ aufnehmen, und ohne Aufnahme darf ich nicht operieren. Strenge Anweisung vom Chef! Kommen Sie morgen früh, dann fangen wir gleich an“.
Die Gemütsruhe, in der wir nach Hause fahren, tendiert gegen Null. Die Laune wird noch gesteigert durch den Taxifahrer, der mit meinem Handy davon fährt, als wir merken, dass es mir bei ihm aus der Tasche gefallen ist.
Keiner der guten Tage in Hanoi.

Sonntag, 20. November 2011

Drama Ablatio Retinae - erster Akt


Der kleine schwarze Fleck im Augenwinkel wurde langsam grösser – Netzhautablösung war die Diagnose, die mir im Vietnamesisch-Russischen Augenkrankenhaus schnell bestätigt wurde. “Das bedeutet sofortige Operation, klare Notfallindikation” bestätigte der Oberarzt der Erlanger Augenklinik, den ich anrief. Ebenso klar aber erteilte er ein Flugverbot “wenn Ihnen Ihr Augenlicht etwas wert ist”.
So wurde ein Hilferuf an die Leitung meiner Hochschule gestartet, und binnen weniger Stunden hatte ich den Leitenden Arzt für Retinaoperationen des “Central Eze Institute” am Handy. Er kam grade aus HCMC zurück, es war Freitag Abend. “Ja, klar, sowas muss sofort operiert werden. Ja, wir im Zentralen Augenkrankenhaus machen das sehr gerne, als Einzige in Nordvietnam, kommen Sie am Montag um 8.00”. So also die vietnamesische Interpretation von Notfall. Alle seine Ärzte seien noch bei einem Kongress in HCMC, und überhaupt, OP am Wochenende, das sei ja nun wirklich nicht drin. Ich solle halt ruhig liegen, dann werde es schon nicht schlimmer werden. 
Ich lag wie ein Stein.
Am Montag dann die übliche Routine, Atropin zur Irisweitung, Untersuchungen, Ultraschall, allgemeiner Status, meist im Eilverfahren an den vielen wartenden Vietnamesen vorbei. Gegen Mittag bekam ich mein Bett in einem Vierbettzimmer, zunächst alleine, dann wurde noch ein Bett belegt: Eine ältere vietnamesische Dame, die Tochter legte sich dann gleich zur Siesta mit in ihr Bett. Die Hochschule hatte Ngoc geschickt, eine unserer Lehrassistentinnen, sie sollte uns bei allen Formalitäten helfen, ging auch mit Elena zur Kantine zum Essen holen. Vorher hatte sie meine Urinprobe im offenen Reagenzglas ins Labor bringen dürfen. Dafür braucht man eben einfach Angehörige. Ob sie auch die üblichen "Umschläge" an Arzt und Schwestern verteilte, kann ich nicht sagen.
Auch ich sollte laut Operateur kräftig essen, “damit ich Kraft habe für die Operation”, die werde ja nur unter lokaler Betäubung durchgeführt.
Dann begleiteten mich meine beiden Angehörigen Elena und Ngoc zum OP-Trakt, mit mir etwa 15 vietnamesische Patienten/innen, meist mit schwarzem Punkt auf der Stirn über dem zur OP vorgesehenen Auge. Umkleiden in den blauen Einwegkittel über meine Strassenkleidung, Haube auf den Kopf, viel zu kleine Plastiklatschen störten nicht, für die fünf Schritte. Der Operateur begrüsste mich in “meinem OP-Saal” per Handschlag über den Tisch hinweg. “Make yourself comfortable...”
Die OP soll nun nicht im Detail beschrieben werden, obwohl ich sie, nur lokal betäubt, wirklich hautnah miterleben durfte. Ich erlebte auch, dass mein Operateur immer weider per Handy angerufen wurde und längere Gespräche führte. Den dabei ungenutzten Trokar in meinem Auge konnte ich derweil intensiv bertrachten. Ob dadurch die OP-Dauer, auf 45 Minuten angesetzt, auf mehr als das doppelte ausgedehnt wurde? Natürlich war ich gereizt ob dieses Verhaltens, natürlich habe ich mich nicht beschwert (irgendwie fühlt man sich etwas am kürzeren Ende des Hebels, wenn man so auf dem Tisch liegt...)
Wie auch immer: Die OP verlief ohne Probleme, es schloss sich eine relativ schmerzhafte Nacht an (die Lampen hatten durch die lange OP-Dauer der Hornhaut wohl einen “Sonnenbrand” verpasst), am Nachmittag kam dann unser “Vice-Dean” und teilte uns mit: ”I have just phoned the doctor, you are going home now.” Meine Meinung dazu war nicht wirklich gefragt. Er brachte noch Rezepte für eine umfassende lokale und systemische Antibiotika-Behandlung, und keine halbe Stunde später waren wir wieder daheim. Der Dienstwagen der Hochschule hatte uns fast bis zu Haustür gebracht.