Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Freitag, 26. April 2013

Environment? That's a resource, isn't it?

In einer kürzlich auf XINHUA veröffentlichten Meldung wird berichtet, dass Vietnam aufgrund einer übermässigen Bewirtschaftung seiner grossen Wasserflächen massive Umweltprobleme hat.
Link
Vietnam hat dank der vielen grossen Flüsse (Auslönder kennen nur den Mekong und den Red River, es gibt noch mehr als 10 weitere) insgesamt eine Binnen-Wasseroberflüche von 10.000 km². Das entspricht 2% der Wasseroberflächen des Planeten.
Diese Flächen werden überall genutzt. Nach den Vorstellungen der Umweltschutzwissenschaftler sollte man allerdings nicht mehr als 30% "bewirtschaften" - kein ganz kleiner Anteil wie ich finde.
Vietnam übertrifft diese Grenzwerte weit: In vielen Teilen sind es 50%, in der Provinz Ninh Thuan sollen es 80% sein, die als landwirtschaftliche Resource dienen.("Landwirtschaft"?)
Wenn dann noch dazu kommt, dass die meisten Städte (nicht Dörfer, von denen spricht ja niemand) keine Kanalisation, jedenfalls aber aber keine Abwasseraufbereitungsanlagen kennen. dann kann man sich vorstellen, wie angenehm man in den Flüssen schwimmt.
Was heisst Flussbewirtschaftung in Vietnam? Zum Beispiel die Produktion von Pangasius und Tulapia in schwimmenden Käfigen - Ihr findet diese Fische dann als Filets in der Kühlbox bei Aldi, Lidl und Co. wieder. Das YouTube-Video zeigt, wie sowas aussieht:

Was das Video nicht zeigt, sind die Mißstände (obwohl die Besatzdichte schon ziemlich hoch aussieht). So gibt es immer wieder Berichte von massenhaftem Fischsterben, weil die Dichte in den Käfigen zu hoch war. (Es gibt natürlich staatliche Regeln, aber in Vietnam haben Regeln oft bekanntlich maximal die Bedeutung von unverbindlichen Empfehlungen). 
Oder es wird dem Futter Hormon beigefügt, damit es nur noch "Männchen" gibt, weil die etwas größer und schwerer werden, ausserdem sollen sich die Fische ja nicht unkontrolliert vermehren, sie sollen wachsen. In dieser "Zuchtanweisung" für Tulapia wird so der Verbleib im "Geschlechtsumwandungsteich" für 25-30 Tage vorgeschlagen, dann sind 98% der Fische männlich (oder sowas ähnliches). Wenn das professionell gemacht wird, ist es schon schlimm genug, wenn es von einfachen Fischfarmern auf vietnamesischen Flüssen gemacht wird, dann will man lieber nichts genaues mehr wissen.
Nun kennen wir ähnliche Berichte auch aus Deutschland. Ich habe mal von einem deutschen Hühnerfarmer gehört, der begann, eine weibliche Geschlechtsumwandlung an sich selbst zu beobachten. Die Erklärung: Er spritzte seine Hühner mit Hormonen und er pflegte später, die Hälse zu verspeisen, die er nicht vermarkten konnte - dorthin aber hatte er die Spritzen gesetzt. "Seitdem singt er im Knabenchor!"
Schlimm wird es, wenn in einem Land die Umwelt derart massiv mit solchen Methoden ausgebeutet wird. Die Indianer haben das Sprichwort, dass wir die Erde von useren Kindern geliehen haben.
Das waren aber wohl keine Vietnamesen.

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