Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Montag, 8. April 2013

Myanmar, "The road to Mandalay"

Der nächste Tag führte uns wieder nach Heho, wo wir Gelegenheit hatten, den ländlichen Flugbetrieb zu beobachten. Flieger landeten und starteten in kurzen Abständen, teilweise stiegen die Passagiere direkt auf dem Flugfeld um, ihre Koffer von eiligen Trägern hinterher geschleppt. Wir wollten nach Mandalay, etwa 40 Flugminuten entfernt.
Mandalay - für Burma-Kenner klingt das wie der Inbegriff von fernöstlicher Exotik. Als die Engländer im Jahre 1885 das Land ganz unterwarfen, stand es unter der Herrschaft des in Mandalay residierenden Königs Thibaw Min, von dem berichtet wird, er habe sich nie getraut, den Palast zu verlassen aus Angst vor den höfischen Intrigen. Wohl nicht ohne Grund: Er war selbst auf den Thron gekommen, indem seine Mutter, eine der Nebenfrauen des grossen Königs Mindon, alle anderen Abkömmlinge und potentiellen Thronfolger in einem grossen Morden hatte umbringen lassen. Er selbst war aber wohl nicht so tatkräftig und lieferte seine gut befestigte Palaststadt kampflos den Engländern aus - sein Volk vertrieb ihn mit seiner Frau voll Schande ins Exil.
So ist Mandalay auch ein Stückchen Kolonialgeschichte, ein Grund, hier davon zu sprechen, wie die Engländer sich im 19. Jahrhundert des Landes bemächtigt haben. Kolonisatoren sind ja in der Geschichte unterschiedlich vorgegangen. Oft war es der Umweg über die christliche Missionierung, die sie zuerst ins Land brachte, oft war es Unfrieden und Streit in der Führungselite des Landes, die der Kolonialmacht aus Europa die Möglichkeit gab, einzugreifen, nicht selten von einer der Parteien gebeten. Burma hat man sich schlicht erkämpft. Zwischen 1824 und 1885 griffen die Briten das Königreich, dessen Hauptstadt Mandalay war, in drei Kriegen von Indien aus an, um ihr indisches Kolonialreich auszuweiten und zu festigen.
König Mindon von Mandalay.
Fundstelle: http://www.geo.de/reisen/community/reisebericht/496322/3/Myanmar-Goldenes-Land-der-Pagoden

König Mindon war eigentlich ein moderner Herrscher, der eher die Kooperation und den Handel suchte, der 1873 sogar eine der ersten Gesetzgebungen zur Freiheit der Presse in Asien erlassen hatte. Aber er wollte doch sein Land gegen die Briten behaupten, und das passte der Weltmacht nicht ins Bild. Kurz nach seinem Tod besiegelte der Sieg über Thibaw Min dann das Ende der Herrschaft der Kon Baung Dynastie, bis 1948 wehte die britische Fahne in der neuen Hauptstadt Rangoon/Yangon.
Der Flug nach Mandalay dauerte nur ein gute halbe Stunde, aber bis wir schliesslich im Hotel waren, war doch schon nachmittags. Wir beschlossen keine grosse Stadtbesichtigung mehr zu versuchen, gingen stattdessen zum Fluss, um rechtzeitig beim “Sunset Point” fotografieren zu können.
Unweit des Hotels kamen wir an einem Kloster vorbei Hausaufgabenstunde.
Das Flußufer war nun nicht die Schokoladenseite der Stadt. Von drüben, dem anderen Ufer des Nebenarms auf den wir zunächst getroffen waren, grüßte ein Dorf herüber.

Die Armut war förmlich zu riechen bei diesen Hütten, die dort sicher nur stehen können solange der Irawady wenig Wasser führt.
Hier hat jemand sein Hausboot einfach aufgebockt, bis zur nächsten Regenzeit

Dies Haus ist letztlich auf den Schultern weg zu tragen
Bambusmatten wurden produziert, Müll sortiert, gekocht, gewaschen, ein ärmliches aber friedliches Leben.

Aber trotz der Armut war niemand unfreundlich, nur manchen Kinder bettelten etwas. Gegen Abend wurden allenthalben die Feuerchen entfacht, um sich etwas zum Essen zu bereiten.
Der Sonnenuntergang hat uns dann nicht enttäuscht. Auch jetzt, in der trocknenen Jahreszeit, war der Irawadi (auch Ayeyarwady oder Irrawaddy, irgendwo dazwischen muss wohl die richtige Aussprache sein) ein beeindruckendes Gewässer.
Unten am Fluss konnten wir die Frauen beobachten, die sich nach der Tagesarbeit wuschen - die Kleider gleich mit dazu.


Ungewohnt für eine Millionenstadt (Mandalay ist die 2.grösste Stadt des Landes!) war dann der Heimweg: Mit dem Sonnenuntergang wurde es auch tatsächlich dunkel!
Diese Brücke war in der Dämmerung grade nochzu erkennen

Elektischer Strom wird offensichtlich kaum zur Verfügung gestellt, deshalb gibt es keine Straßenbeleuchtung. Läden und Cafes betreiben jeweils ihren kleinen Generator, von dort fällt dann auch Licht auf die Straße, aber insgesamt ist es doch ungewohnt dunkel. Ein natürlich unbeleuchteter Fahrradrikscha brachte uns zum Restaurant, dann gingen wir zu Fuss nach Hause - im Dunkeln.
Die Stadt gilt trotzdem als Wirtschaftszentrum, wobei die Wirtschaft relativ fest in der Hand eingewanderter Chinesen sein soll. Der Farbdreiklang Grün-Rot-Weiß, Jade, Rubine und Heroin, beschreibt demnach die wichtigsten Geldquellen.
Im Schutze der Dunkelheit kann man hier sicher gut schmuggeln ...

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