Seit August fuhren wir mit einem gemieteten Yamaha Roller durch die Gegend – zwischendrin zum Ausprobieren auch mal einen von SYM. Der Preis war OK ($ 40/ Monat), es gab aber immer einige Punkte, mit denen wir unzufrieden waren: Mal waren die Räder zu klein, immer war der „Kofferraum zu klein (unsere großen deutschen Helme passten einfach nicht rein, unsere Obsteinkäufe auch nicht) und es war schwierig für uns als Europäer, auf den Dingern zu sitzen, ohne mit den Knien am Lenker anzustoßen oder hinten eingeschlafene Beine zu bekommen.
Gestern, Freitag fuhren wir damit ganz stolz bei der Bank vor, wo meine CIM-Kollegin Vera arbeitet, in deren Büro wir immer unseren Vietnamesisch Sprachunterricht haben. Danach war er total zugeparkt, und als der Wächter ihn für mich holen wollte, passierte es: Er kräftiger Griff an den Gepäckträger um den Roller im die Ecke zu hieven, es machte krax und der Träger war abgebrochen. Allseits lange Gesichter und verlegenes Lächeln. Aber es war nun halt so: Von den drei Schrauben, die den Träger halten, war eine ganz herausgebrochen, die Halterung der zweiten zeigte bedenkliche Risse.
Ich erinnerte mich, wo ich mal einen Honda Reparaturbetrieb gesehen hatte und wir machten uns auf den Weg, quer durch die Stadt. Aber die freundlichen Reparaturjungs lehnten ab. Sie hätten das Ersatzteil nicht, könnten es auch nicht bekommen. Außerdem machten sie mich darauf aufmerksam, dass auch die Seitenverkleidung ziemlich wackelig und unbefestigt wirkte. Aber das sei alles kein Problem, bedeuteten sie uns, wir sollten einfach in die Hang Trè fahren, Nummer 50. Dort wären wir richtig. Weil ich etwas hilflos fragte, wo die den sei, sprang gleich noch einer auf sein Moped und zeigte uns den Weg, nur einige hundert Meter.
Aber wenn wir ohne ihn hin gefahren wären, wir hätten nicht verstanden, was wir dort sollten. Die beiden „Jungs" am Straßenrand hätten wir glatt übersehen. Sie betrieben dort, schlicht auf dem Bürgersteig, eine Plastik-Karrosserie Reparaturwerkstatt. Werkstattinventar: Ein kleiner Holzkohleofen, einige Metallstücke die als „Lötkolben" Verwendung fanden, einige Messer und ein Kästchen mit Schrauben und Schraubenschlüsseln. Dazu zwei der hier üblichen niedrigen Plastikhockerchen, damit es sich die Kunden während der Wartezeit mit 15cm Sitzhöhe gemütlich machen können. Kaum saßen wir, waren schon unsere kaputten Plastikteile abgebaut (auch der Gepäckträger ist aus Plastik, habe ich gelernt), und die Reparatur begann. Mit verschiedenen heißen Eisen, kleinen Plastikstückchen zum Schmelzen waren die beiden zugange (Elena meinte es waren Vater und Sohn), einige Handy-Fotos zeigen die Atmosphäre dabei: http://picasaweb.google.de/Jowi.krause/Rollergeschichten?authkey=Gv1sRgCMfZhozjvZn0LA&feat=directlink
Tja, und heute wollte Elena mal ausprobieren, ob sie auch Roller fahren kann. Wir fuhren raus nach „Ciputra International City", einer Retortenwohnstadt für Reiche (Langnasen ebenso wie Vietnamesen) wo wir von einem Besuch dort wussten, dass es große lange Straßen und wenig Verkehr gibt. Und, gesagt getan: Eine Runde fuhr ich hinten drauf mit, dann begann Elena alleine ihre Runden zu drehen (siehe Fotos). Später fuhren wir dann noch an eine andere Ecke, dort wurde noch Achter-Fahren geübt. Alles lief bestens, bis auf einen kleinen Ausrutscher auf einer sandigen Stelle; die Hautabschürfungen ließen wir uns dann bei einer Bekannten (Ukrainerin aus Österreich) verarzten (dabei entstand auch das Foto aus dem 5. Stock über Ciputra). Dann ging es, Elena noch immer am Steuer, wieder zurück in die Stadt. Erst als der Verkehr ganz nervig wurde, haben wir dann gewechselt!
Und nach dem Auskundschaften eines weiteren Supermarkts waren wir gerade noch rechtzeitig zu Hause um im letzten Tageslicht einige Runden zu Schwimmen.
(Ciputra ist übrigens nicht nur für Reiche, die Wohnungen dort kosten auch nicht mehr als unser Haus hier. Aber dafür ist es „steril", quasi gar nicht Vietnam. Aber das ist für nicht Wenige durchaus attraktiv: Weniger Ungeziefer, saubere Straßen und Kinderspielplätze, und man kann den Hund spazieren führen. Trotzdem: Mir könnte man gar nicht genug zuzahlen, damit ich dort wohnen würde. Elena aber hört sehr aufmerksam, dass es angeblich dort keine Kakerlaken und keine Geckos gibt.)
Hallo, die Plastikteile- Reparaturwerkstätte ist ein Knüller! Das ist doch sehr praktisch, dass Euer Problem so rasch gelöst werden konnte. In Deutschland hättest Du ein neues Teil gebraucht, und das Ganze nicht billig.
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