Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Samstag, 7. November 2009

Rollergeschichten

Nun haben wir seit einer Woche einen eigenen Roller!

Seit August fuhren wir mit einem gemieteten Yamaha Roller durch die Gegend – zwischendrin zum Ausprobieren auch mal einen von SYM. Der Preis war OK ($ 40/ Monat), es gab aber immer einige Punkte, mit denen wir unzufrieden waren: Mal waren die Räder zu klein, immer war der „Kofferraum zu klein (unsere großen deutschen Helme passten einfach nicht rein, unsere Obsteinkäufe auch nicht) und es war schwierig für uns als Europäer, auf den Dingern zu sitzen, ohne mit den Knien am Lenker anzustoßen oder hinten eingeschlafene Beine zu bekommen.

So hatte ich schon lange nach einem eigenen Roller Ausschau gehalten, der wenigstens einige dieser Nachteile nicht haben sollte. Aber aufgrund der physikalischen Gegebenheiten („Wo ein Körper ist, kann kein Zweiter sein") gibt es entweder große Räder oder großen Kofferraum. Eigentlich logisch. Einen hohen und schicken Roller sah ich immer wieder (Honda SH), aber der ist hier sündhaft teuer, weil er importiert wird, und über 100% Zoll drauf liegen; er kostet mehr als in Europa. Aber ein anderer Honda-Roller fiel mir auf, mit dem Namen „@", der nicht so oft anzutreffen ist aber interessant aussieht. Es gibt ihn aber nur noch gebraucht, und vor dem Gebrauchtkauf wird allgemein abgeraten, weil oft die guten Originalteile durch billige Chinateile ersetzt werden. Aber schließlich schaltete ich eine Suchanzeige im „The New Hanoian" und siehe da, es meldete sich ein Benjamin und hatte einen zu verkaufen.

Letzten Sonntag fuhren wir hin – es war ganz in der Nähe – und besahen das Teil. Groß, großer Kofferraum, nicht ganz kleine Räder, 2 Jahre alt, angeblich 14.000 km, und für 1000.-$. Da „Benjamin" ein Holländer war, der hier als Lehrer arbeitet und der den Roller verkaufen wollte, weil er seiner vietnamesischen Freundin einfach zu groß war (sie kam mit den Füßen nicht zum Boden), waren wir uns nach einer kurzen Probefahrt schnell einig, und der Kauf war perfekt. (Dass er 150 cc hat, was ich mit meinem Führerschein gar nicht mehr fahren darf, wurde großzügig übersehen.) Dienstag brachte ich den Mietroller zurück, und am Donnerstag fuhr ich nach dem Büro in die „Rollerzubehörstrasse" und ließ mir einen Topcase hinten drauf bauen. Nicht sehr professionell, weil er nicht ganz zu dem Rollermodell passte, aber groß, schick und von Honda.

So stand er also total schick vor unserem Haus

Gestern, Freitag fuhren wir damit ganz stolz bei der Bank vor, wo meine CIM-Kollegin Vera arbeitet, in deren Büro wir immer unseren Vietnamesisch Sprachunterricht haben. Danach war er total zugeparkt, und als der Wächter ihn für mich holen wollte, passierte es: Er kräftiger Griff an den Gepäckträger um den Roller im die Ecke zu hieven, es machte krax und der Träger war abgebrochen. Allseits lange Gesichter und verlegenes Lächeln. Aber es war nun halt so: Von den drei Schrauben, die den Träger halten, war eine ganz herausgebrochen, die Halterung der zweiten zeigte bedenkliche Risse.

Ich erinnerte mich, wo ich mal einen Honda Reparaturbetrieb gesehen hatte und wir machten uns auf den Weg, quer durch die Stadt. Aber die freundlichen Reparaturjungs lehnten ab. Sie hätten das Ersatzteil nicht, könnten es auch nicht bekommen. Außerdem machten sie mich darauf aufmerksam, dass auch die Seitenverkleidung ziemlich wackelig und unbefestigt wirkte. Aber das sei alles kein Problem, bedeuteten sie uns, wir sollten einfach in die Hang Trè fahren, Nummer 50. Dort wären wir richtig. Weil ich etwas hilflos fragte, wo die den sei, sprang gleich noch einer auf sein Moped und zeigte uns den Weg, nur einige hundert Meter.

Aber wenn wir ohne ihn hin gefahren wären, wir hätten nicht verstanden, was wir dort sollten. Die beiden „Jungs" am Straßenrand hätten wir glatt übersehen. Sie betrieben dort, schlicht auf dem Bürgersteig, eine Plastik-Karrosserie Reparaturwerkstatt. Werkstattinventar: Ein kleiner Holzkohleofen, einige Metallstücke die als „Lötkolben" Verwendung fanden, einige Messer und ein Kästchen mit Schrauben und Schraubenschlüsseln. Dazu zwei der hier üblichen niedrigen Plastikhockerchen, damit es sich die Kunden während der Wartezeit mit 15cm Sitzhöhe gemütlich machen können. Kaum saßen wir, waren schon unsere kaputten Plastikteile abgebaut (auch der Gepäckträger ist aus Plastik, habe ich gelernt), und die Reparatur begann. Mit verschiedenen heißen Eisen, kleinen Plastikstückchen zum Schmelzen waren die beiden zugange (Elena meinte es waren Vater und Sohn), einige Handy-Fotos zeigen die Atmosphäre dabei: http://picasaweb.google.de/Jowi.krause/Rollergeschichten?authkey=Gv1sRgCMfZhozjvZn0LA&feat=directlink. Gleich nebenan war übrigens eine Lackiererei, dort hätte man auch größere Unfallschäden wieder ausbessern lassen können. Aber das brauchten wir zum Glück nicht: Zwei Halterungen des Gepäckträgers und drei Halterungen der Seitenverkleidung konnten unsichtbar „geschweißt" werden, und nach einer halben Stunde konnten wir unter Zahlung von 100.000 Dong (4,00.€ ) weiter fahren, die nächsten Kunden warteten schon. Und wahrscheinlich sind die geflickten Stellen haltbarer als das Original.

Tja, und heute wollte Elena mal ausprobieren, ob sie auch Roller fahren kann. Wir fuhren raus nach „Ciputra International City", einer Retortenwohnstadt für Reiche (Langnasen ebenso wie Vietnamesen) wo wir von einem Besuch dort wussten, dass es große lange Straßen und wenig Verkehr gibt. Und, gesagt getan: Eine Runde fuhr ich hinten drauf mit, dann begann Elena alleine ihre Runden zu drehen (siehe Fotos). Später fuhren wir dann noch an eine andere Ecke, dort wurde noch Achter-Fahren geübt. Alles lief bestens, bis auf einen kleinen Ausrutscher auf einer sandigen Stelle; die Hautabschürfungen ließen wir uns dann bei einer Bekannten (Ukrainerin aus Österreich) verarzten (dabei entstand auch das Foto aus dem 5. Stock über Ciputra). Dann ging es, Elena noch immer am Steuer, wieder zurück in die Stadt. Erst als der Verkehr ganz nervig wurde, haben wir dann gewechselt!

Und nach dem Auskundschaften eines weiteren Supermarkts waren wir gerade noch rechtzeitig zu Hause um im letzten Tageslicht einige Runden zu Schwimmen.

(Ciputra ist übrigens nicht nur für Reiche, die Wohnungen dort kosten auch nicht mehr als unser Haus hier. Aber dafür ist es „steril", quasi gar nicht Vietnam. Aber das ist für nicht Wenige durchaus attraktiv: Weniger Ungeziefer, saubere Straßen und Kinderspielplätze, und man kann den Hund spazieren führen. Trotzdem: Mir könnte man gar nicht genug zuzahlen, damit ich dort wohnen würde. Elena aber hört sehr aufmerksam, dass es angeblich dort keine Kakerlaken und keine Geckos gibt.)

1 Kommentar:

  1. Hallo, die Plastikteile- Reparaturwerkstätte ist ein Knüller! Das ist doch sehr praktisch, dass Euer Problem so rasch gelöst werden konnte. In Deutschland hättest Du ein neues Teil gebraucht, und das Ganze nicht billig.

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