Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Sonntag, 16. August 2009

Ausflug nach Co Loa

Gestern stand unser erster Ausflug aufs Land auf dem Programm. Nach ausführlichen Studien von Reiseführern, Landkarte und Internet hatte Elena den Ort Co Loa ausgesucht, eine der frühen Statten Vietnams, etwa 30 km östlich, jenseits des Roten Flusses. Wir wollten mal raus aus der Stadt um auch etwas Landschaft zu sehen.

Trotz des Wochenendes ist nicht nur in der Stadt heftigster Verkehr – aber den kennen wir ja inzwischen. Es geht erst mal quer durch die Stadt, dann durch die Altstadt am Hoan Kiem See, dann auf der Brücke über den Roten Fluß. In der Mitte stoppen wir kurz, um Fotos zu machen. Die Brücke vibriert heftig unter den vielen Fahrzeugen. Drüber der jenseitige Teil von Hanoi ist erst mal sehr modern, teilweise fast chic, dann wird die Strasse kleiner und der Standard der unendlichen kleinen Geschäfte, Läden und Werkstätten auch. Wir sehen viele Möbelgeschäfte. Als wir endlich nach fast einer Stunde die Stadt hinter uns lassen, atmen wir auf: Weite grüne Flächen mit Reisfeldern, einfach etwas frische Luft.

Co Loa war zur Bronzezeit die Hauptstadt des Königreichs Au Lac. König An Duong Vuong (257 -208 vor C.) hatte dort die berühmte Muschelstadt errichtet, eine Zitadelle umgeben von spiralförmigen Mauern und Kanälen von etwa 5 km². Die Geschichte von seinem Ende ist traurig: Wie so viele vietnamesische Herrscher vor und nach ihm hatte er gegen die übermächtigen Chinesen zu kämpfen. Als er nicht mehr weiter wusste, flehte er an einem See um den Beistand der heiligen goldenen Schildkröte. Sie erhörte ihn, indem sie ihm eine magische Armbrust schenkte, magisch, weil sie eine ihrer Krallen als Abzug hinein zauberte. Die Waffe half, der chinesische General wurde besiegt. Als Besiegter erbat er sich die Hand der Königstochter für seinen Sohn – und erhielt sie. (Ritterlicher Umgang mit Unterlegenen, ganz ohne Genfer Konvention…) Doch damit begann das Unheil seinen Lauf zu nehmen: Die Tochter des Königs erzählte heimlich ihrem Gatten von der der magischen Armbrust, und er stahl heimlich den besonderen Abzug, die Schildkrötenkralle. Dann ließ er seinem Vater die Nachricht zukommen, dass ein erneuter Angriff erfolgversprechend sei. Und so geschah es, ohne die magische Kraft der Armbrust konnte sich König An Duong Vuong nicht mehr behaupten. Er lief mit seiner Tochter zum Teich der Schildkröte und bat erneut um Hilfe. Sie erschien und sprach: „Dein Feind steht hinter Dir.“ Der König zog sein Schwert, drehte sich um und enthauptete mit einem Schlag – seine die hinter ihm stehende Tochter. Als er dieses Ausmaß seines Unglücks verstand, konnte auch er nicht mehr leben, und stürzte sich in den Teich. Der General kam in die Zitadelle, wohin sein Sohn den Leichnam seiner toten Ehefrau gebracht hatte und sah, dass er den Kampf gewonnen, die Schwiegertochter aber verloren hatte. Doch bleib sachlich: Er sagte sich los von seinem Heimatland China und übernahm die Herrschaft des gewonnen Landes als König des von ihm so genannten Nam Viet.

Heute kann man an der Stelle der alten Zitadelle eine dem König gewidmete Tempelanlage Den An Duong besichtigen, einschließlich eines kleinen runden Teichs, in dem angeblich die Schildkröte lebte. Die Nachbildung in goldenem Plastik, mit der Armbrust, ist jederzeit käuflich zu erwerben. Der Tempel hat einen Innenhof und drei Altarräume hintereinander, in einem eine Gebetsmühle, in einem die prächtigen Königskleider, im hintersten eine Statue des unglückseligen Königs. Touristen gibt es kaum, einige wenige opfern Räucherstäbchen oder werfen Geld in die riesigen Kisten, die vor jedem Altar stehen. Umgeben ist der Tempel von einer kleinen Anlage, mit etwas Phantasie kann man darin noch Reste der alten Zitadellenmauern erkennen.

Ebenfalls zum Dorf Co Loa gehört die Anlage des Dorftempels Dinh Ngu mit einem über 50 Meter breiten Dorfgemeinschaftshaus, in dem auch an einem Altar die Goldene Schildkröte verehrt wird. Sonst ist es mehr ein Museum. Daneben, hinter einem 1000-jährigen Banyanbaum, steht noch der kleine dreiräumige Tempel der Königstochter Ni Chau, auch hier große Kisten für Geldspenden – wenn man 10.000 Dong und mehr spendet, dann darf man sich auch in ein Spenderbuch eintragen.

Während der gesamten Zeit unseres Besuchens in Dinh Ngu übt eine Gruppe nicht mehr ganz junger Damen auf dem großen Platz davor zu ziemlich moderner Musik aus CD-Player in langer Reihe stehend verschiedene Tänze. Uns ist unklar, ob es einfach nur die lokale Variante von Aerobic sein soll oder die Vorbereitung für das nächste Dorffest. Jedenfalls sieht es manchmal sehr malerisch aus, wenn sie zu den Klängen eines Lobliedes auf Vietnam und unter der Nationalfahne mit ihren roten Fächern tanzen. Eine ältere Dame führt als Vortänzerin mit klarer Stimme das Kommando.

Unweit des Dorftempels, an der Strasse mit den weidenden Kühen, finden wir noch einen Teich, auch mit einem kleinen roten Tempel und eine Statue des Königs An Duong mit seiner Armbrust. Auch etwas außerhalb des Dorfes mit weidendem Vieh und Reisfeldern, vermag man sich noch die Reste der alten Wallanlagen mit ihren 10 Meter hohen Mauern und den Kanälen dazwischen vorzustellen.

Der Rückweg geht, wie immer, schneller als der Hinweg, bald sind wir wieder am Hoan Kiem, speisen am See sitzend noch einige der köstlichen vietnamesischen Frühlingsröllchen und kommen in der Dämmerung nach Hause – kurz bevor mal wieder ein Gewitter losbricht, das uns erst mal für einige Stunden Stromausfall und damit den Ausfall der Klimaanlagen beschert.

Einige Fotos sind, wie immer, hier hinterlegt.

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