Der Rand der Strasse kommt irgendwie unausweichlich näher, Gewichtsverlagerung geht nicht, schon sind wir mit beiden Rädern auf dem Schotter und bei dem Versuch, dagegen zu lenken bricht das Hinterrad aus – krachend und schleifend rutschen wir seitlich auf der Teerstrasse entlang. Als wir zum Stillstand kommen, richte ich mich auf, mache ich den Motor aus und betrachte den Schaden. Mein Bein hat Einiges an Haut eingebüsst beim Schliddern auf der Strasse, Elena hat zum Glück nur kleinere Schürfwunden, der Roller sieht OK aus und ist schnell wieder aufgestellt. Ärgerlich so was, ob es uns den weiteren Urlaub vermasselt? Dabei hatte ich doch nur kurz einen der vielen schönen Eindrücke aufnehmen wollen und kurz den Blick von der Strasse genommen! (Was aber schon seit Hans-guck-in-die Luft keine empfohlene Vorgehensweise ist…)
Bald hält ein netter Balinese, fragt ob er helfen kann, besteht darauf, mich zur nächsten Apotheke zu bringen wo ich mit chinesischen Superjod und Verbandsmaterial ausgestattet werde. Auf dem Weg erzählt er, dass er Bildhauer ist und schon viel in der Welt herumgekommen ist mit seinen Arbeiten. Ich bin nicht geistesgegenwärtig genug, zu fragen ob wir ihn in seinem Atelier besuchen können, Als er weiter gefahren ist, verarztet Elena mich erst mal, dann fahren auch wir weiter.
Der Urlaub hatte wirklich schön angefangen: GTZ-Workshop in Kuta in einem schicken Hotel mit großem Pool und 100 Meter vom berühmten Strand (an dem wir auch ein Mal baden), der abendliche Ausflug zum Uluwatu Tempel, malerisch auf dem Felsen hoch über dem Meer, zwar ohne Sonnenuntergang aber mit vielen Affen:
Dann das romantische Abendessen zu zweit bei Kerzen – und Mondschein direkt auf dem Strand von Jimbaran, das festliche Konferenzabendessen mit Tanzvorführungen in der großen Anlage des Garuda Visnu Parks, der nette Fahrer Myrta, der immer gerne auf unsere Versuche einging, den Preis etwas runter zu handeln (anscheinend haben wir es nicht geschafft, unter die Schmerzgrenze zu kommen), alles versprach einen traumhaften Kurzurlaub! ( Wie immer, gibt es zu diesem Bericht auch viele Fotos. Ihr findet sie hier.)
Dann das romantische Abendessen zu zweit bei Kerzen – und Mondschein direkt auf dem Strand von Jimbaran, das festliche Konferenzabendessen mit Tanzvorführungen in der großen Anlage des Garuda Visnu Parks, der nette Fahrer Myrta, der immer gerne auf unsere Versuche einging, den Preis etwas runter zu handeln (anscheinend haben wir es nicht geschafft, unter die Schmerzgrenze zu kommen), alles versprach einen traumhaften Kurzurlaub! ( Wie immer, gibt es zu diesem Bericht auch viele Fotos. Ihr findet sie hier.)Kuta hatten wir nach Ende der Konferenz schnell verlassen – ein kurzer Stadtrundgang konnte uns nicht zum Bleiben überreden. So brachte uns Myrta zunächst nach Ubud, nicht ohne unterwegs die einschlägigen Stopps bei der Batikfabrik und bei den Silberschmieden zu einzulegen. Angeblich bekamen wir nur durch ihn Rabatt auf die ansonsten festen Schmuckpreise. Aber es gab wirklich auch schöne Sachen dabei….
In Ubud hatten wir kein festes Hotel vorbestellt. Es war ja keine Saison mehr. Aber alle, die ich aus dem „Lonely Planet“ raussuchte, waren bei Myrtas Telefonanrufen schon ausgebucht. Schließlich gab doch eines, das schön klang: Auf verschlungenen Pfaden durch die Reisfelder mühsam gefunden, wunderschöne Lage, netter Pool – aber ziemlich teuer für die Abgelegenheit und die offenen Badezimmer sind für Elena ungewohnt, weil ihr doch die Geckos unheimlich sind. So landeten wir schließlich im Tjampuhan, aus der früheren 30er Jahre Villa des Malers Walter Spies entstanden, viele kleine grasgedeckte Häuschen am Steilhang mit Pool in einer traumhaft schönen Anlage. Unten unter den dschungelartigen Bäumen rauscht ein kleiner Fluss in der Schlucht .Zum Abendessen gingen wir in ein schickes Restaurant in Richtung Stadt. Das Essen war köstlich, aber die riesigen Geckos an der Wand waren nicht alle aus Ton…
Ubud zeigte sich als das charmante Tourismuszentrum, das allseits angekündigt worden war. Im Königspalast filmten wir eine kleine Gruppe Jungs, die unter Aufsicht ihres Lehrers Tänze aufführten, mit ernsten Gesichtern, rollenden Augen und den verzwicktesten Hand- und Fingerbewegungen (hier ist der Film). Wir besuchten den Monkeyforest mit seinen Scharen frecher Makaken und den drei Tempelanlagen in einer urwaldartigen Umgebung. Wir speisten direkt am großen, mit Lotusblüten übersäten See beim Wassertempel, wir sahen Abends einen Ketchak -Tanz beim Schein eines lodernden Feuers und wir streiften durch die unendlichen Läden mit Schmuck, Batikstoffen und Sarongs in Baumwolle und Seide. Die vielen Galerien haben wir ausgelassen, obwohl die Stadt gerade auch dafür berühmt ist, seit der kluge König in den 30er Jahren des 20. Jhdt. begonnen hat, internationale und nationale Künstler dorthin zu holen und es damit wirklich geschafft hat, dem kleinen Städtchen weitab von den Stränden ein ganz besonderes und bei Touristen aller Art beliebtes Flair zu geben.
Von Ubud aus machten wir dann auch den Rollerausflug, der uns zunächst nach Gunung Kawi führte, eine wunderschöne Fahrt durch die tropische Landschaft und verschlafene Dörfer, dann die Begräbnisanlage, riesige Grabdenkmäler für eine Königsfamilie aus dem 11. Jhdt., in die Wände eines tief eingeschnittenen Flusstales gehauen, dazu ein großer Tempel, und rundherum die berühmten Reisterrassen. Schon ziemlich märchenhaft. Und mit den Sarongs (die man wegen des Tempels anziehen muß) auch ziemlich warm.
Ja, und dann passierte bei der Weiterfahrt der blöde Unfall. Doch wir beschlossen, ihn so gut es ging zu ignorieren. Die Binden sahen zwar ziemlich bald ziemlich schrecklich aus, aber wir setzten die geplante Fahrt auf den Kraterrand des Gunung Batur fort. Ein wirklich einmaliger Blick empfängt einen dort, mit dem riesigen Krater, dem türkisen See und dem neuen Vulkankegel der vor etwa 20 Jahren entstanden ist und noch immer aus nackter Lava besteht. Die Fahrt in den Krater hinunter wollten wir unserem Roller nicht antun, weil er den extrem steilen Strassen nicht gewachsen gewesen wäre, und so fuhren wir nur den Kraterrand entlang, bis wir in die Wolken kamen und uns kalt wurde.
Auf dem Rückweg kamen wir dann noch durch mehrere Dörfer, in denen die für diesen Tag anscheinend typischen Prozessionen stattfanden:
Alle Männer, manchmal auch die Frauen, schritten in langer Kolonne hinter der Musikkapelle her, das eine oder andere wilde Maskentier umringend.
Am Straßenrand hatten die Frauen kleine Tische mit Opfergaben aufgebaut, die dann wieder eingeräumt wurden wenn die Prozession vorbei war. Sonst liegen ja buchstäblich überall diese kleinen Opferkörbchen herum, selten werden sie angezündet, meist von Fußgängern zertreten oder sie kommen unter irgendwelche Räder – ein merkwürdiger Brauch.
Am Straßenrand hatten die Frauen kleine Tische mit Opfergaben aufgebaut, die dann wieder eingeräumt wurden wenn die Prozession vorbei war. Sonst liegen ja buchstäblich überall diese kleinen Opferkörbchen herum, selten werden sie angezündet, meist von Fußgängern zertreten oder sie kommen unter irgendwelche Räder – ein merkwürdiger Brauch. Von Myrta, der darauf bestand, gerufen zu werden, ließen wir uns dann nach Padangbai bringen, unterwegs bestanden wir auf dem Umweg über Sidemen. Hier war nun die richtige Reisterrassengegend, einmalige Bilder mit dem Gunung Agung (ein 3000 Meter Vulkan der noch rauchend aktiv ist) im Hintergrund. Eine Weberei, die in einem wunderschönen Haus wunderschöne Arbeiten herstellte und auch verkaufte, riss nicht nur uns sondern sogar Myrta zum Einkaufen hin.

Padangbai, an der Südküste, stellte sich als Enttäuschung heraus. Die eigentlich traumhafte Bucht war ziemlich verdreckt, der Ort einfach total verschlafen. So wurde wieder ein Roller gemietet und eine weitere Tagesrundreise gemacht. Zunächst auf den Gunung Agung soweit es ging, das Staunen der Lokalbevölkerung zeigte uns, dass wir nicht auf den üblichen Touristenwegen waren. Dann in Richtung Amlapura, eine Gegend der ganz berühmten Reisterrassen und der Wasserschlösser wie Tirta Gangga, die ein etwas verschrobener König dort in den 40er Jahren des letzten Jhdt. erbauen ließ. Nach dem Ausbruch des Gunung Agung 1968 musste das alles wieder aufgebaut werden. Und obwohl gar nicht so alt:. Wieder nahm uns diese Märchenatmosphäre gefangen. (Sie ging allerdings bei Heimfahrt durch die Dunkelheit auf unbekannten Strassen etwas verloren.)

Am folgenden Tag wurde dann ein kleines typisches Fischerboot (mit zwei Ausliegern) gechartert und wir ließen uns hinüber auf die kleine Insel Nusa Lembongan bringen – der Geheimtipp von Niki. Schon die Mushroom Bay, an der wir unser Domizil fanden (mit einem Restaurant auf dem Fels direkt über dem Meer) ist derart südseeromantisch, dass es uns den Atem fast verschlug. Nur die Dream Bay, am nächsten Tag über einen kleine Fußmarsch zu erreichen, kann das noch überbieten, mit dem weißen Strand, den sanften Wellen, dem klaren Wasser zum Schnorcheln und den Liegen im Schatten der Palmen.
Doch, es gibt so was wirklich! Ebenso auch das Abendessen bei Mondschein und Kerzen am Strand!
Doch, es gibt so was wirklich! Ebenso auch das Abendessen bei Mondschein und Kerzen am Strand!Am nächsten Morgen hieß es im 5.00 aufstehen. Für 6.00 hatten wir uns wieder ein Fischerboot bestellt, das uns eilig nach Sanur auf der Hauptinsel zurück brachte. Taxi zum Flughafen, Verspätung des Fliegers, Umsteigen in Singapur, abends sind wir wieder in unseren Haus in Hanoi. Und planen, nun doch morgen mein Bein mal dem Arzt vorzustellen.
Aber derart viele derart schöne Eindrücke in so kurzer Zeit, das einmalig! Und es bleibt die Erinnerung an die friedfertige Musik, die vielen erstaunlich freundlichen und entspannten Menschen, an die Frauen die im graziösen Gang mit ihren Körben auf dem Kopf und den schönen Sarongs um die Hüften auf den schmalen Wegen zwischen den Reisterrassen entlang schreiten. Es klingt kitschig, aber es ist real: Bali!
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