20.06.2009: Nach intensiver Recherche, Angebotseinholung und Vergleich wird ein Auftrag an eine Speditionsfirma vergeben. Sitz der Firma ist Costa Rica, Zweigstelle in Darmstadt. Der Umzug eines 20-Fuss Standard Containers, mit Selbstbeladung in Stendal, Schiffstransport nach Hai Phong, Transport nach Hanoi und Selbstausladung vor unserer Haustür soll etwa 2000.-€ kosten. Kaum ist der Auftrag bestätigt, teil die Firma mit, dass sie den Transport zum Haus in Hanoi nicht durchführen kann: Nur eine komplette Umzugsentladung mit Auspacken und Möbel aufstellen, was aber über 800.-€ mehr kosten soll. Ich als Jurist stelle fest, dass es nicht wirklich einen Auftrag gegeben hat, also „Dissens" besteht, und teile dies dem Spediteur mit. (Es ergibt sich ein längerer Email-Austausch über die Forderung von Stornozahlungen.)
Am 24.06.2009 wird einer anderen Firma der Auftrag erteilt, mit einem deutlich günstigeren Auftragsvolumen.
26.06.2009: Für 14.00 Uhr ist der LKW mit dem Container angesagt. Wir packen wie die Weltmeister, einschließlich Einwickeln aller Kisten usw. in Strechfolie, weil angeblich alle Container unterwegs mit Gift begast werden. Dank tatkräftiger Hilfe durch zwei Freunde schaffen wir es tatsächlich, 56 Umzugskisten, die gesamte Kücheneinrichtung mit E-Geräten, drei Sofas, das Wasserbettgestell, Schränken, 2 Fahrräder usw, usw. innerhalb drei Stunden zu verstauen. Der Container ist zu etwa 70% gefüllt, wird versiegelt und verschlossen, eine detaillierte Packliste als Exceltabelle muss nachgereicht werden (mit Inhaltsangabe zu allen Kisten, Deutsch und Englisch).
Etwa am 03.07.2009 geht der Container von Hamburg aus auf die Seereise. Papierkrieg mit der Spedition zur Packliste und zur sog. „Bill of Lading" erfolgt per Email. Wir sind ja inzwischen ohne Wohnsitz.
22.07.2009: Mit der Ankunft beim neuen Arbeitgeber beginne ich damit, auf die Ausstellung der nötigen Dokumente für die Zollfreigabe unserer Sachen zu drängen. Da ich stattliche Angestellter bin, muss meine Hochschule über ihr zuständiges Sachministerium (bei mir MOH) beim Ministry of Planning and Investment (MPI) eine sog. GA-Declaration beantragen, eine Bestätigung dass ich hier arbeite und als staatlich angestellter internationaler Experte mit mehrjährigem Aufenthaltsrecht berechtigt bin, meinen Hausstand zollfrei einzuführen. Die eigene Personalabteilung will das erst nicht einsehen, mehrfache Rücksprachen mit dem GTZ-Büro klären die Notwendigkeit und die bürokratischen Wege.
08.08.2009: Der Subunternehmer der Deutschen Transportfirma teilt aus HCMC mit, dass „gestern" der Container in Hai Phong angelandet sei und bittet um Übersendung der Papiere, insbes. der GA-Declaration. Diese ist aber nicht in Sicht: Der zuständige Sachbearbeiter bei MPI sei auf Dienstreise. Ich mache Rabatz, weil jeder Tag Containernutzung jetzt Geld kostet (allerdings nicht über 100.-US$ pro Tag wie in Deutschland angekündigt, sondern nur 13.- US$.) Im übrigen vereinbare ich mit der Firma in HCMC, dass uns die Sachen für 300.-US$ zusätzlich bis ins Haus gebracht werden, weil der Container überhaupt nicht in die Nähe unseres Hauses gebracht werden kann. Dieser Auftrag beinhaltet die Umladung in Klein-LKWs (mit denen man wenigstens in die Nähe des Hauses fahren kann), am Schluss bleibt nur Tragen, weil die Gasse teilweise kaum breiter als 2 Meter ist. Eine weitere „Prüfgebühr" vom Kulturministerium kommt dazu, weil wir CD, DVDs und Computer im Gepäck haben – 75.- US$
12.08.2009: Der Vermieter übergibt uns die Schlüssel des neuen Hauses, wir haben aber noch immer das Dokument nicht. Ein Mitarbeiter der Hochschule bietet an, mit einem „kleinen Umschlag" das MPI zu besuchen, dann werde sich schon jemand finden, der unterschreibt und ihm eine beglaubigte Kopie der Erklärung mitgibt. (Das Original kommt dann später mal auf dem ordentlichen Instanzenweg.) Ich stelle die notwendigen VND bereit.
13.08.2009: Ich habe die erwartete Erklärung, bzw. die Kopie mit Originalunterschrift, in Händen, scanne sie und schicke sie per Email an den Spediteur in HCMC. Rückmeldung, dass unser Container schon auf dem Zollhof in Hanoi steht. Es meldet sich Mr. Duc als Agent des Spediteurs in Hanoi, dieser holt sich am 14.08.09 die Dokumente und Unterschriften (incl. einer VN-Übersetzung unserer Packliste, die er erstellt hat. Trotzdem: Die Zollaktion kann erst in der neuen Woche passieren, angeblich ist auch der Frachtbrief im Original noch nicht da.
18.08.2009: Ich besuche mit Mr. Duc zusammen unseren Container auf dem Zollhof und bin bei der Öffnung von Schloss und Siegel dabei. Es scheint im Container alles perfekt in Ordnung zu sein. Kein Bruch, Scherben o.ä. zu erkennen. Die Zöllner, deren Wohlgesonnenheit man sich wohl auch durch eine kleine Spende gesichert hat (die ich aber nicht zusätzlich bezahlen muss!) werfen keinen Blick in den Container oder gar in die Kartons. Die Freigabe erfolgt nach ausführlichem Aktenstudium (Abends ruft mich Mr. Duc an und fragt, was denn nun eigentlich ein sog. „Herrendiener" sei. Und wieviele CDs wir denn hätten? 100 oder 2000?)
19.08.2009: Wir treffen uns um 09.30 Uhr mit Mr. Duc an unserem Haus – die LKWs sollen gleich da sein, angeblich sind sie schon unterwegs. Um kurz vor 12.00 schließlich wird per Handy mitgeteilt, dass die Zollfreigabe tatsächlich erfolgt ist, nach einigen Umwegen treffen die LKWs ein und entladen ihren Inhalt auf dem kleinen Platz vor der Pagode; etwa 100 Meter Fußweg von unserem Haus müssen mit Sackkarren, einem kleinen Ziehwagen und Transport auf dem Moped (z.B. unser Fernsehapparat, damit er nicht beschädigt wird) überwunden werden. Zwei freiberufliche Xe-Om Fahrer wurden als Träger angeheuert und bringen die Sachen nach Anweisung in die verschiedenen Räume im EG. So war es vereinbart. Auf dem Platz vor der Pagode wird es unübersichtlich, weil gleichzeitig für eine ebenfalls hier befindliche Baustelle Baumaterialien angeliefert werden, etwa ein großer Haufen Kies, der dann auch per Handkarren weiter verbracht wird. Trotzdem: Nach etwa 4 Stunden sind keine Sachen von uns mehr auf dem Platz, alles bei uns im Haus. Gegen ein Trinkgeld tragen uns die beiden sogar noch einige schwere Teile (Sofa, Badezimmerschrank mit Glastüren) nach oben ins 1. OG. Nachdem sie weg sind, packe ich den Flaschenzug aus, und wir mit Elena transportieren damit das riesige Bettgestell über den Balkon ins Schlafzimmer. Die Träger und Mr. Duc sahen sich dazu kräftemäßig nicht mehr in der Lage. (Die Fotos von dieser Aktion gibt es wie immer bei Picasa, hier.)
Am Abend fahren Elena und ich dann zu Gottfrieds Haus um dort unsere Sachen zu holen. Es sind auch noch mehrere Koffer und Taschen, die Elena mit dem Taxi zu unserem Pagodenplatz bringt. Auch nachts werden hier Steine, Zementsäcke, Sand und Kies verladen. Wir bringen zwischen den Handkarren auch unser Gepäck nach Hause. Das Bad im Pool ist ein kaum noch zu überbietender Genuss an diesem Abend.
24.08.2009: Ich treffe mich mit Mr. Duc in meinem Büro und zahle meine Zusatzrechnung, etwa 8 Mio VND in bar.
Fazit: Transportzeit: 26.06. bis 19.08.2008, Kosten etwa 2700.-Euro, etwa 500 Emails und SMS, keine Verluste.
Hallo, Du hast gute Nerven bewiesen, und alles wunderbar rasch gemeistert- Glückwunsch!
AntwortenLöschenEure Sachen sind wirklich schnell aus dem Zoll gekommen, direkt reibungslos! Würde mich interessieren, wie es anderen EXpats ergangen ist.
Viel Spass beim Auspacken und einrichten!
Ju