Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Samstag, 25. Mai 2013

Myanmar - Tausend Tempel in Bagan

 - In diesem Beitrag verzichte ich darauf, die Fotos passend zum Text einzubauen. Sie sind einfach so eingestreut. Und wenn man mit Doppelklick auf ein Bild geht, kann man es noch größer sehen...-
In aller Frühe, um die Kühle des Morgens zu nutzen, stand unsere Kutsche vor dem Hotel. Diese Kutschen sind mit einer Liegematratze ausgestattet, es fährt sich sehr angenehm.

Der Tagesplan sah vor, dass wir uns langsam in Richtung der Stadt Bagan schaukeln lassen (unser Hotel war in New Bagan), dort einige große Anlagen sehen und den Rückweg durch das Hinterland nehmen.

Die ersten Tempelanlagen lagen direkt neben der Strasse, als letzte Station wurde natürlich ein guter Platz für Sonnenuntergangsfotos versprochen.

Über Kultur von Bagan zitiere ich der Einfachheit halber aus Wikipedia:
“Das Königreich, dessen Herrschaftszentrum Bagan für ca. 430 Jahre war, bildete das erste vereinte Reich im heutigen Birma. Die frühe Geschichte Bagans ist in Einzelheiten umstritten.
Bagan wurde durch seine ausgesprochen günstige Lage am Irrawaddy, an dem sich Handelswege aus China und Indien trafen, schon Mitte des 9. Jahrhunderts zum zentralen Ort Oberbirmas, wenn auch vor dem 11. Jahrhundert Thronstreitigkeiten und Dynastiewechsel noch viele Phasen der Instabilität hervorriefen.

Die Stadt wurde 849 vom König mit einer Mauer umgeben. Schon zu dieser Zeit begannen sich der aus Indien kommende Tantrismus oder Vajrayana-Buddhismus und der einheimische Schlangenkult zu mischen. In der Nähe der ehemaligen Stadtmauer wurden zwei geschlossene Siedlungen indisch-bengalischer Einwanderer aus dem 9./10. Jh. ausgegraben. ” Das zu der Zeit bedeutende Reich beherrschte weite Teile der umliegenden Länder, bis es sich mit den in China herrschenden Mongolen nicht vertrug. Daraufhin nahm der Mongolenfürsten Kublai Khan 1287 die Stadt ein, zerstörte was der König nicht schon zerstört hatte.

Die Herrlichkeit war vorbei, die Tempelanlagen wurden über Jahrhunderte fast vergessen, blieben aber dank der trockenen Luft relativ gut erhalten. Zur Kolonialzeit taten sich dann Hobbyarcheologen aus Europa als Grabräuber hervor. Sie “entdeckten” Bagan neu, und bauten gleich mal tonnenweise steinerne Reliefs und Verzierungen ab. Das Diebensgut, das Fritz von Noetling Ende des 19. Jahrhunderts hier mitgenommen hat, fand dann teilweise seinen Weg bis in das Berliner Museum für Indische Kunst.
Mitte der 70er Jahre hat dann ein Erdbeben den Bauten schlimme Schäden zugefügt, die teilweise noch immer nicht behoben sind. Schließlich gibt es auf der Fläche von etwa 36 km² über 3000 wichtigere Denkmäler, die kleinen und ganz kaputten nicht mit gerechnet.

Interessant an der Geschichte dieses Reiches fanden wir noch, dass es zwar die nördlich benachbarten Mon unterwarf, jedoch deren Oberschicht in Bagan ansiedelte, deren Sprache, Religion, Schrift und Kultur weitgehend übernahm.

Dadurch wurde der Buddhismus Staatsreligion, der Hinduismus abgelöst. Gleichzeitig gibt aus Bagan noch ein Wortspiel: Bagan wurde auch Pagan geschrieben, die heute herrschende Schicht der Bama leitet sich von diesem Bagan Volk ab. Auf Englisch gibt auch das Wort “Pagan”, es bedeutet “heidnisch”. So also haben die Englönder diese Kultur eingeordnet? Nein, bei uns kommt das Wort aus den lateinischen paganus, was Bauer oder Landbewohner bedeutet. Mit den Königen von Pagan hat das alles nichts zu tun.

In den Tempeln sieht man deshalb überwiegend buddhistische Kunstwerke, Anklänge an den Hinduismus sind eher verborgen und fallen nicht ins Auge.

Auf dem Weg in Richtung Old Bagan erzählte unser Kutscher, das er eigentlich von dort stamme. Die Regierung habe aber in den 90er Jahren beschlossen, dass niemand mehr in der “archäologischen Stätte” Bagan wohnen dürfe, alle Bewohner wurden umgesiedelt.

Es entstand offiziell New Bagan, inoffiziell eine große Zelt (oder Slum) Stadt außerhalb der alten Stadtmauer. Letztere haben wir am nächsten Tag mit dem Radl durchquert.

Ebenfalls unterwegs in Richtung der alten Hauptstadt wurde in Myinkaba Station gemacht. Hier war erst mal ein hinduistisch anmutender Tempel zu besichtigen. Er geht wohl zurück auf den gefangen genommenen Mon König Manuha, der hier 1067 auf engstem Raum drei riesige Buddhastatuen (bis 14 Meter hoch) eingemauert hat, um sein eigenes Schicksal als Gefangener zu symbolisieren. (Vielleicht hatte er als Kriegsgefangener einfach nicht genug Geld, eine grössere Anlage zu errichten.)
Die Geschichte des Ortes wirft ein Bild auf das Familienleben der Könige von Bagan. Auch hier wieder ein Zitat: “The name Myinkaba itself is connected with the first historical king, Anawrahta (AD1044-1077) who defeated and killed his half- brother King Sokkate in single combat on horseback near the bank of the Myinkaba stream which still flows through the village sharing the same name. The name Myinkaba means " Brought on the horse's saddle " ( Myin=horse, ka=saddle and ba or pa=brought). Legends says that King Sokkate provoked Anawrahta who mustered his army and marched against Sokkate. They met near Myinkaba stream; Sokkate's lance struck the pommel of Anawrahta's saddle, but Anawrahta's lance pierced Sokkate through and through . Sokkate fell into the stream and died , his body was lost and only his horse's saddle was recovered at the place now known as Myinkaba.”

Zudem is Myinkaba berühmt für Werkstätten für Lackarbeiten. Auch wir genehmigten uns eine ausführliche Besichtigung und lernten, wie die verschiedenen Schalen, Becher und sonstigen Dinge entstehen, in buchstäblich monatelanger Arbeit, mit bis zu 20 Lackschichten, die geduldig aufgetragen, getrocknet, geschliffen und weider aufgetragen werden. Die Preise spiegelten den Aufwand durchaus wieder.
Das interessante an den Tempeln von Bagan sind sicher, abgesehen von der Anzahl un dem Alter, die vielen Fresken, die manchmal gut erhalten haben. Ein klassisches Architekturprinzip ist, das es im Inneren der quadratischen Grundrisse, einen oder mehrere Gänge gibt, die einen Kern umrunden. Dieser ist oft aus 4 Buddhastatuen gebildet, die Rücken an Rücken stehen oder sitzen und in vier Himmelsrichtungen schauen.

Die Gänge sind oft fensterlos, und so konnten sich dort einzigartige Fresken von großer Farbigkeit erhalten. Zum Besichtigen muss man meist die eigene Taschenlampe mitbringen. Erbaut sind die Tempel alle aus Ziegeln, meist waren sie sehr kunstvoll mit Stuck verziert, Hier hat der Zahn der Zeit - und der deutsche Tempelräuber manchmal heftig zugeschlagen.
 Ich will aber darauf verzichten, hier jeden Tempel zu beschreiben, den wir besucht haben. Es waren an diesem ersten Tag etwa 8 bis 9.


Wie versprochen beendeten wir den Tag nach einer eiligen Kletterpartie auf dem hohen Turm der Dhammayazika Pagoda, der Rundblick im Sonnenuntergangslicht war einzigartig.
Für den nächsten Tag hatten wir uns entschieden, es mit dem Fahrrad zu versuchen. Das Hotel stellte Zweiräder zur Verfügung und in der angenehmen Morgenkühle ging es in Richtung Osten.

Wir wollten eine Route nehmen, die der Kutscher verweigert hatte, weil der Weg für sein Pferdchen zu anstrengend sei.

Am Vortag auf den Geschmack gekommen, suchten wir bei den Tempeln immer wieder nach der Treppe nach oben, um von den Terrassen aus Blicke zu genießen.
Es gelang nicht immer, manchmal war die Treppe oder auch ein ein ganzer Tempel verschlossen, angeblich da es zu gefährlich sei: Die Erdbebenschäden seien noch nicht alle behoben.
Angenehm war, dass hier, etwas ab vom Touristenrummel, weniger Belästigung durch Händler aller Art war. Trotzdem haben wir es einige Male nicht geschafft, die hier üblichen Sandgemälde abzuwehren.
Die “Studenten” waren einfach zu nett als Verkäufer ihrer natürlich immer selbst gemalten Werke.

Interessant war der Besuch in einem Kloster, in dem es im Keller Gelasse gab, wohin man sich angeblich tatsächlich zur Meditation zurückziehen kann. Gesehen haben wir keinen Meditierer.
Ein anderer Tempel ist berühmt für angeblich sexuell freizügige Darstellungen auf den Fresken. Nun, da ist man heute schlimmeres gewöhnt, aber fotografieren war verboten.
Unsere Tour entwickelte sich ziemlich anstrengend. Die Wege waren mahlender Sand, die Sonne brannte, die Fahrräder einfach untauglich.
Aber wir fanden trotzdem wieder bis Bagan, erholten uns beim Essen, besichtigten noch zwei der wirklich riesigen Tempel dort.
Immer wieder gern ging man in einen der Tempel am Wege, dort gab es Schatten , und es war kühler.
Nicht immer sind die Tempel alt. Es wird immer weiter gebaut in Bagan. Das verhindert wohl auch die Anerkennung als UNESCO Weltkulturerbe - es ist halt nicht nur Erbe.

Aber wie waren wir in Kakku belehrt worden? Das sind nicht nur Denkmäler, das sind Stätter des religiösen Lebens. Und das ist ihre eigentliche Daseinsberechtigung.

Dazu wurden sie geschaffen, dazu werden sie erhalten und das ist ihre eigentliche Bedeutung für die Menschen dort.
Die Unterschiedlichkeit der Formen spiegelt so bis heute die verschiedenen Glaubensrichtungen wieder, immer wieder erkennt man den hindusitischen Einfluss doch.
Auf dem Rückweg gab es noch einen Halt bei den Lackwaren, dann war wieder eine Tempelterrasse zwecks Sonnenuntergangsfotos gesucht.
Der Blick ging diesmal mehr in Richtung Fluss.

Fazit an diesem Tag: Etwa acht Tempel, ein Kloster und ein ziemlicher Muskelkater.

Am nächsten Morgen früh sollte es weiter gehen. Wieder ein 40 Minuten Flug, hinunter an die Küste.

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