Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Hilfe, ich werde vergiftet!

Per Handy kam der Anruf meiner lieben Frau. Wieder mal wurde, völlig ohne Vorwarnung, unser Grundstück vergiftet. „Ich bin völlig in weißen Wolken“ klagte sie.
Sie hatte sicher den Lärm der Höllenmaschine schon vorher gehört aber nicht richtig interpretiert. Dann kamen plötzlich zwei Männer vom Grundstück unseres Hausherrn um die Ecke und hüllten alles in weiße Wolken.
Man beachte, wie gut der Arbeitsschutz bei diesen Arbeitern beachtet wird: Etwas Abstand!
Seid wenigen Tagen haben wir schönes Herbstwetter. Die Sonne scheint, die Luft ist relativ trocken, es ist nicht mehr heiß - einfach schön. Natürlich standen bei uns in allen Stockwerken die Fenster und die Balkontüren offen, auf der Dachterrasse hing die Wäsche zum Trocknen. Alle Luken dicht machen ("dicht" ist bei uns eh relativ) und die Wäsche retten war also ausgeschlossen. Nach dem Schließen der Türen und Fenster hat sie lieber zum Fotoapparat gegriffen und das ganze dokumentiert.
“Dann wisst Ihr wenigstens, woran ich gestorben bin“ war ihre Erklärung, Flucht nach Draußen war ja nicht möglich. Der Vermieter schaute hinterher mal vorbei und meinte, es hätte in der letzten Zeit zu viele Moskitos gegeben, da habe man mal wieder was tun müssen.
Nun kennen wir diese Wolken schon aus Singapur, wo wir mal Zeugen wurden, wie ein ganzer Park eingenebelt wurde. Bei uns haben wir es erst ein Mal erlebt, sonst waren wir wohl zum Glück nicht daheim. (Er behauptete, das 3 Mal pro Jahr zu veranstalten.)
Natürlich ist ein gewisses Mass von „Pest Control“ auch wichtig und richtig in diesem Land. Es gibt, überwiegend im Süden, noch Malaria und es gibt eine besondere Enzephalitis, die von Mücken übertragen wird. Vor allem aber ist das Denguefieber im ganzen Land verbreitet, siehe der Internationale Dengue-Atlas:
Ein aktueller Zeitungsbericht mahnt:
„HA NOI (VNS)– October remains a high time for dengue fever. This past month, 8,500 people contracted the disease and there were five fatalities. There have been 60,000 dengue cases so far in 2012 and total fatalities stood at 47, according to the Ministry of Health. According to Deputy head of General Department of Preventive Medicine Tran Thanh Duong, the disease outbreak was recorded in southern provinces where many lakes and ponds are concentrated and there is high rainfall, creating breeding grounds for the mosquitos which carry the disease. Dong Nai, the neighbouring province to HCM City, reported 5,800 cases in the past two weeks, of which 60 per cent were children. Meanwhile Khanh Hoa Province has seen about 80 new cases each week, bringing the total number of patients in the province to 2,700. Ninh Hoa township and Nha Trang City account for half of these cases. -- VNS“
Wer aufmerksam liest stellt aber jedenfalls für Hanoi keine besondere Gefährdung fest. Allerdings ist ja gleich hinter dem Grundstück unseres Vermieters dieser grauenhaft stinkige Bach. Was da alles heranwächst, will man wirklich nicht wissen.

Passenderweise kam heute eine Email vom GIZ Landesbüro, in der vor einer besonders giftigen Art fliegender Insekten berichtet wird, den sog. Rove Beetles.
Es gibt sie in Hanoi auch als fliegende Variante, und die UNIS-Schule hat beschlossen, wegen des übermäßigen Befalls auf dem Grundstück den dortigen Schwimmbadbetrieb einzuschränken. Versuche von „cautious pest control“ hätten den Tierchen nichts anhaben können.
Nichts anhaben kann man mit derartigen Vergiftungsaktionen sicher auch den Termiten, die wir ja immer weiter im Haus haben. Zuletzt haben Sie Elenas Schreibtisch halb aufgefressen, von einigen der Dokumente darin gibt es nur noch Bruchstücke. Aber die Termiten leben ja bekanntlich unterirdisch (oder bei uns vielleicht unter den Fußbodenbrettern), da kommt dieses Giftgas wohl kaum richtig ran.
Wohingegen das Auftreten von Geckos bei uns sehr stark schwankt. In der letzten Zeit gab es ziemlich viele. Ob es da einen Zusammenhang gibt?
Nun, wie dem auch sei - bei uns war es sicher keine „cautious pest control“ sondern es sah ziemlich nach der chemischen Keule aus. Elena hat jedenfalls prompt Kopfschmerzen bekommen.
Aber als wir dann einige Stunden später - der Gestank war verflogen - an unserem Gartentisch beim Mittagessen sassen, konnten wir trotz der Begasungsaktion die schönsten Libellen beobachten, wie sie über unserem Pool ihre Kreise drehten.
Ihr Futter allerdings war wohl deutlich weniger geworden. Auf dem Wasser schwamm eine Schicht toter Kleinstinsekten, wie zum Beispiel Mücken. Die waren wohl doch nicht resistent gewesen.
Und wenn wir uns am Abend raus setzen, brauchen wir vielleicht in den nächsten Tagen die glimmenden Weihrauchspiralen nicht, die wir sonst immer unterm Tisch haben, um die Moskitos zu vertreiben.
 Ziemlich erfolgreich übrigens.

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