Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Mittwoch, 11. Juli 2012

Bärendienste?


Ein Ausflug zum Nationalpark Tam Dao ist nicht komplett, ohne das „Bear Rescue Center“ am Fusse der Berge zu besichtigen. Wir statteten den Bären auf dem Rückweg unseren Besuch ab. 
Das Zentrum wird von der Animals Asia Foundation betrieben und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Moon-Bears und die Sun-Bears zu retten, die in weiten Teilen Asiens indigen sind und in einer perversen Art von Landwirtschaft auf „Bear Farms“ gehalten werden, um von Ihnen Gallensaft zu gewinnen. Dieser Stoff wird zu hohen Preisen gehandelt und in der Herstellung traditioneller Medikamente verwendet. 
Man geht davon aus, das in Vietnam und in China etwa 13.000 Moon-Bären teilweise Jahrzehnte lang auf solchen Bärenfarmen gehalten werden, obwohl es z.B. in Vietnam seit 1992 das sog. Ministerial Decree 18 gibt, wonach es illegal ist, Asiatische Schwarzbären, Moon-Bears sowie die deutlich kleineren Sun-Bears in der Wildnis zu fangen, sie auszubeuten oder in irgendeiner Weise zu verwenden.
Ein Moon-Bear. Gewicht bis 200kg, Höhe stehend bis 200 cm
Laut Wikipedia hat der Asiatische Schwarzbär „ein weites Verbreitungsgebiet über Süd- und Ostasien. Im Westen reicht sein Verbreitungsgebiet bis Afghanistan und den südwestlichen Iran, er bewohnt auch die Himalaya-Region und große Teile Südostasiens, große Teile Chinas einschließlich vorgelagerter Inseln Hainan und Taiwan, den äußersten Südosten Sibiriens, Korea und Japan mit Ausnahme der Insel Hokkaidō. Sein Lebensraum sind vorwiegend Wälder, sowohl gemäßigte Laubwälder als auch tropische Regenwälder. Im Sommer leben sie in Höhenlagen von bis zu 3600 Meter, im Winter wandern sie in tiefergelegene Gebiete.“ Er ist im Anhang I des Washingtoner Artenschutzabkommens verzeichnet. Es gibt keine verlässlichen Schätzungen über die Verbreitung in der freien Natur, aber laut National Geographic sind die Sun-Bears auf Platz 2, die Asian Black Bears (vor allem Moon Bears) auf Platz 2 und drei der Liste der besonders von Aussterben bedrohten Bärenarten. 
Es ist aber wohl weniger die Arterhaltung, die Aktivisten wie Jill Robinson motiviert, Zentren wie jenes in Tam Dao zu gründen und mit den Regierungen in Vietnam, China und Korea Verträge zu verhandeln, damit das Bear-Farming nicht nur verboten sondern auch aktiv bekämpft wird. Es sind die Grausamkeiten der Haltungsbedingungen, die Quälerei die mit der laufenen Gallensaftextraktion verbunden ist, die schlimmen Schädigungen der Tiere durch die Wilderei mit Fangeisen, die den Bären Tatzen und ganze Arme zerquetschen können. Angesichts the hohen Preise des Produkts dürfte es ein Kampf gegen Windmühlen bleiben: Laut Schwarzmarktliste hatten 2009 zwei Pfund Gallenflüssigkeit einen Wert von über 400.000 USD.
Dies ist nun ein Sun Bear, die Zeichnung an der Brust ist gelb, das Tier ist weniger als halb so gross.
Für das Zentrum in Tam Dao hat Animals Asia im Jahre 2005 mit der Regierung vereinbart, dass eine neue Heimat für 200 Bären gebaut und betrieben werden soll. Bis dato wurden knapp über 100 Bären „befreit“ (was immer das bedeutet, vermutlich doch oft durch die Polizei konfisziert) und nach Tam Dao verbracht. Mit der notwendigen Quarantäne-Einheit und mehreren Tierhäusern, jeweils mit grossen Aussengehegen und viel Spielzeug, macht das Zentrum einen gut geführten Eindruck. Viele Tiere sind gesundheitlich schwer geschädigt, alle haben viele Jahre der Haltung in engsten Käfigen hinter sich und so bedürfen sie einer hoch qualifizierten Pflegehaltung. Nach dem was wir sehen konnten, ist dies gegeben.
Trotzdem bleiben Fragen. Die Tiere sind im Durchschnitt etwa 7-12 Jahre alt, haben also bei normaler Lebenserwartung noch etwa 10 bis 20 Jahre vor sich. Sie sind aufgrund der Vorschädigungen nicht dazu geeignet, wieder ausgewildert zu werden, sollen und müssen also im Zentrum verbleiben. Dort geht es ihnen sicher gut, und es ist für die Tiere ein Segen. 
Aber: Laut dem veröffentlichten Jahresbericht der Stiftung kostete das Bärenprogramm in Vietnam im Jahre 1,11 Millionen USD. Bei 100 Bären sind das etwa 11.110 USD pro Bär und Jahr. In diesen Kosten sind aber natürlich auch die Öffentlichkeitsarbeit, das Fundraising (das alleine 26% der Gesamtausgaben der Stiftung ausmacht) usw. enthalten, es sind nicht nur die Pensionskosten der Bären. Trotzdem: Laut Angaben des CIA Factbook  betrug das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der Humanbevölkerung in Vietnam für 2011 etwa 3300.- USD.
Da möchte man als Vietnamese doch lieber ein Moon-Bear sein?
Aber nur im Bear Rescue Center Tam Dao!

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