Ein Ausflug zum Nationalpark Tam Dao ist nicht komplett, ohne das „Bear
Rescue Center“ am Fusse der Berge zu besichtigen. Wir statteten den
Bären auf dem Rückweg unseren Besuch ab.
Das Zentrum wird von der Animals Asia Foundation betrieben und hat es sich zur Aufgabe
gemacht, die Moon-Bears und die Sun-Bears zu retten, die in weiten
Teilen Asiens indigen sind und in einer perversen Art von
Landwirtschaft auf „Bear Farms“ gehalten werden, um von Ihnen
Gallensaft zu gewinnen. Dieser Stoff wird zu hohen Preisen gehandelt
und in der Herstellung traditioneller Medikamente verwendet.
Man
geht davon aus, das in Vietnam und in China etwa 13.000 Moon-Bären
teilweise Jahrzehnte lang auf solchen Bärenfarmen gehalten werden, obwohl es z.B. in Vietnam seit
1992 das sog. Ministerial Decree 18 gibt, wonach es illegal ist,
Asiatische Schwarzbären, Moon-Bears sowie die deutlich kleineren
Sun-Bears in der Wildnis zu fangen, sie auszubeuten oder in
irgendeiner Weise zu verwenden.
| Ein Moon-Bear. Gewicht bis 200kg, Höhe stehend bis 200 cm |
Laut
Wikipedia hat der Asiatische Schwarzbär „ein weites Verbreitungsgebiet
über Süd- und
Ostasien. Im
Westen reicht sein Verbreitungsgebiet bis Afghanistan und den
südwestlichen Iran, er bewohnt auch die Himalaya-Region und große
Teile Südostasiens, große Teile Chinas einschließlich
vorgelagerter Inseln Hainan und Taiwan, den äußersten Südosten
Sibiriens, Korea und Japan mit Ausnahme der Insel Hokkaidō. Sein
Lebensraum sind vorwiegend Wälder, sowohl gemäßigte Laubwälder
als auch tropische Regenwälder. Im Sommer leben sie in Höhenlagen
von bis zu 3600 Meter, im Winter wandern sie in tiefergelegene
Gebiete.“ Er ist im Anhang I des Washingtoner Artenschutzabkommens
verzeichnet. Es gibt keine verlässlichen Schätzungen über die
Verbreitung in der freien Natur, aber laut National Geographic sind
die Sun-Bears auf Platz 2, die Asian Black Bears (vor allem Moon
Bears) auf Platz 2 und drei der Liste der besonders von Aussterben
bedrohten Bärenarten.
Es
ist aber wohl weniger die Arterhaltung, die Aktivisten wie Jill
Robinson motiviert, Zentren wie jenes in Tam Dao zu gründen und mit
den Regierungen in Vietnam, China und Korea Verträge zu verhandeln,
damit das Bear-Farming nicht nur verboten sondern auch aktiv bekämpft
wird. Es sind die Grausamkeiten der Haltungsbedingungen, die Quälerei
die mit der laufenen Gallensaftextraktion verbunden ist, die
schlimmen Schädigungen der Tiere durch die Wilderei mit Fangeisen,
die den Bären Tatzen und ganze Arme zerquetschen können. Angesichts
the hohen Preise des Produkts dürfte es ein Kampf gegen Windmühlen
bleiben: Laut Schwarzmarktliste hatten 2009 zwei Pfund Gallenflüssigkeit einen Wert von über
400.000 USD.
| Dies ist nun ein Sun Bear, die Zeichnung an der Brust ist gelb, das Tier ist weniger als halb so gross. |
Für
das Zentrum in Tam Dao hat Animals Asia im Jahre 2005 mit der
Regierung vereinbart, dass eine neue Heimat für 200 Bären gebaut
und betrieben werden soll. Bis dato wurden knapp über 100 Bären
„befreit“ (was immer das bedeutet, vermutlich doch oft durch die
Polizei konfisziert) und nach Tam Dao verbracht. Mit der notwendigen
Quarantäne-Einheit und mehreren Tierhäusern, jeweils mit grossen
Aussengehegen und viel Spielzeug, macht das Zentrum einen gut
geführten Eindruck. Viele Tiere sind gesundheitlich schwer
geschädigt, alle haben viele Jahre der Haltung in engsten Käfigen
hinter sich und so bedürfen sie einer hoch qualifizierten
Pflegehaltung. Nach dem was wir sehen konnten, ist dies gegeben.
Trotzdem
bleiben Fragen. Die Tiere sind im Durchschnitt etwa 7-12 Jahre alt,
haben also bei normaler Lebenserwartung noch etwa 10 bis 20 Jahre vor
sich. Sie sind aufgrund der Vorschädigungen nicht dazu geeignet,
wieder ausgewildert zu werden, sollen und müssen also im Zentrum
verbleiben. Dort geht es ihnen sicher gut, und es ist für die Tiere
ein Segen.
Aber: Laut dem veröffentlichten Jahresbericht der Stiftung kostete das
Bärenprogramm in Vietnam im Jahre 1,11 Millionen USD. Bei 100 Bären
sind das etwa 11.110 USD pro Bär und Jahr. In diesen Kosten sind
aber natürlich auch die Öffentlichkeitsarbeit, das Fundraising (das
alleine 26% der Gesamtausgaben der Stiftung ausmacht) usw. enthalten,
es sind nicht nur die Pensionskosten der Bären. Trotzdem: Laut
Angaben des CIA Factbook
betrug das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der Humanbevölkerung in
Vietnam für 2011 etwa 3300.- USD.
Da
möchte man als Vietnamese doch lieber ein Moon-Bear sein?
Aber nur im Bear Rescue Center Tam Dao!
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