In einem Artikel der Vietnam News vom 1. März wird berichtet, dass sich in HCMC die Zahl der stationären Patienten im Laufe eines Jahres mehr als verdoppelt habe. Deshalb wolle man 4 neue Krankenhäuser am Stadtrand bauen. Trotzdem sei nicht vergesehen, die Zahl der Betten zu erhöhen, die derzeit bei 42 pro 10.000 Kopf der Bevölkerung liege. Die Zahl der Ärze soll allerdings erhöht werden, von 12 auf 13 pro 10.000.
Mit diesen Zahlen kann sich Vietnam eigentlich international gut sehen lassen: Bei den Ärzten liegt es etwa gleichauf mit Algerien (12) oder Bolivien (12), etwas hinter China (15). Deutschland ist mit 35 Ärzten pro 10.000 sicher kein Maßstab. Noch besser sieht die Zahl der Betten aus: Auch hier ist Deutschland (83) sicher kein Maßstab, aber Vietnam hat mehr Betten pro Kopf als etwa Dänemark (35) oder USA (31) und spielt etwa in der gleichen Liga wie Norwegen (39), Griechenland (48) oder Italien (39).
Aber woher die Steigerungsraten bei der Nachfrage? Auch die Zahl der Untersuchungen ist in einem Jahr um 115% gestiegen!
Aus meiner Sicht zeigen sich hier die falschen Anreize des Finanzierungssytems: Vor einigen Jahren wurde ein sog. "Fee for Service" System für die meisten Untersuchungen (etwa CT, MR, Ultraschall, Labor) eingeführt und die Kliniken wurden ermutigt, wirtschaftlich autonom zu werden. Ist es da verwunderlich, wenn man durch Steigerung des Umsatzes versucht, diese Autonomie zu verwirklichen? In einer Stadt wie HCMC, wo es viele zahlungskräftige Gutverdiener gibt, liegt das doch auf der Hand. Auf dem Land, in den sog. "remote areas", ist es weniger leicht, aber diese Zahlen betreffen ja auch nur das Stadtgebiet von HCMC.
Bei den stationären Patienten sehe ich drei Gründe. Einmal ist es auch hier noch immer so, dass ein großer Teil der Krankenhauseinnahmen über die staatlichen Budgets hereinkommt, die sich v.a. an den Patientenzahlen orientieren. Dann kommt dazu, dass die guten Refinanzierungsmöglichkeiten bei der Geräteausstattung (siehe oben) die städtischen Kliniken auch viel attraktiver machen als das durchschnittliche Distriktkrankenhaus. Die Triage funktioniert nicht, alle Patienten, auch die mit wenig gravierenden Erkrankungen, streben in die zentralen Krankenhäuser.
Und drittens wird leider oft stationär behandelt, was man auch ambulant machen könnte oder vermasselt hat. Ein Beispiel: Ich habe hier in Hanoi eine Hautärztin konsultiert und sie meinte, sie wollte mir da was aus dem Rücken schneiden. "OK", sagte ich, "dann machen Sie mal". Oh nein! So einfach gehe das nicht, war die Antwort. Dafür müsse ich eine Woche bis 10 Tage in ihre Klinik kommen. Nach der Operation müsse man ja eine gute Antibiotikatherapie machen. Bekannt ist, dass in vielen Kliniken die OP-Hygiene schlecht ist. Durch anschließende Antibiotika.Abdeckung wird das dann "repariert". (Ich habe es lieber in München ambulant machen lassen.)
Ein weiteres Beispiel, das mir ein Arzt erzählt hat: Ein Bekannter muss ins Krankenhaus. Lungenentzündung. Nach drei Wochen wir er geheilt entlassen. Und eine Woche später wird er mit einer schlimmen Hepatitis wieder eingeliefert, einer Infektion die er sich im Krankenhaus zugezogen hat. So kann man sich auch viele Patienten schaffen.
Ja, es gibt viel zu tun - packen wir es an!
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