Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Donnerstag, 7. Januar 2010

Eine Woche Paradies...

… so könnte man unseren Jahreswechselurlaub auf der vietnamesischen Insel Phu Quoc kurz umschreiben!
Laut Wikipedia ist Phú Quốc „die größte Insel Vietnams und liegt im Golf von Thailand (Golf von Siam). Phú Quốc hat eine Fläche von 568 km² und ca. 70.000 Einwohner. Die Hauptstadt der Insel ist der an der Westküste gelegene Ort Dương Đông (gesprochen Zuong Dong). Im Vergleich zu anderen vietnamesischen Inseln hat Phu Quoc eine sehr gute Infrastruktur, denn neben dem Flughafen Cảng Hàng Không Phú Quốc gibt es mehrere Häfen, einige asphaltierte Straßen aber auch nichtasphaltierte breite Staubpisten, Banken, ein Krankenhaus, eine Post- und Polizeistation und einen kleinen sehenswerten Markt." Wir hatten uns relativ spät überlegt, dass wir Silvester nicht in Hanoi verbringen wollten sondern noch etwas Urlaub machen, und per Internet und Reisebüro versucht, nach Con Dao oder Phu Quoc zu kommen. Con Dao war schon unmöglich, weil die Flüge Monate vorher ausgebucht sind, und auch für Phu Quoc meldete das Reisebüro, alle Unterkünfte seien belegt. Aber Eigeninitiative ist doch besser, und bald hatten wir eine Buchungsbestätigung des etwas abseits gelegenen „Mai Phuong Resort", sowie auch die Bestätigung der Flüge, mit Umsteigen in HCMC, von Vietnam Airlines. Mai Phuong versprach sogar, uns am Flughafen abzuholen.



So klingelte am 27. 12. um 5.00 morgens der Wecker, und wir machten uns per Taxi auf den Weg zum Flughafen, kamen auch plangemäß kurz nach 13.00 Uhr in Zuong Dong an. Bis wir unseren Rucksack ausgecheckt hatten, war das Abholtaxi schon wieder auf und davon, aber einige Handy-Telefonate holten es zurück und gemeinsam mit einem jüngeren Paar aus der Schweiz/aus Finnland waren wir unterwegs auf der staubigen Piste in Richtung Norden. Von der Landkarte wussten wir: An der „Long Beach" südlich von Zuong Dong sind die meisten Hotels und sog. „Resorts" (so nennen sie hier alles, was aus Unterkünfte in kleinen Häuschen, verteilt im Gelände, anbietet) aufgereiht, wir aber mussten an die Nord-Westküste, an die Vung Tau Bucht. Es waren schließlich fast 40 Kilometer, mit einigen Umwegen, bis der Fahrer von einem abenteuerlichen kleinen Weg in ein Grundstück mit mehreren Häusern und dem Meer dahinter einbog. Eine freundlich lächelnde vietnamesisch aussehende junge Frau begrüßte uns in bestem East-Coast Amerikanisch und teilte uns als erstes mit, hier sei NICHT Mai Phuong, aber Mai Phuong sei ihr Verwandter, dort sei ausgebucht und sie habe ihren nagelneuen „Bamboo Resort" vorzeitig eröffnet um die Gäste aufzunehmen, denen er trotz Überbuchung Zusagen gegeben habe. Sie habe zwei Bungalows frei, davon eins an der Beachfront, und wenn wir beiden neu angekommenen Paare das wollten, dann sollten wir das bitte unter uns ausmachen. Na ja, „ein schöner Anfang" dachten wir uns und begannen eine längere Diskussion, die schließlich dazu führte, dass wir für eine Nacht in die zweite Reihe zogen, mit der festen Zusage, dann nach vorne umziehen zu können. (So geschah es dann auch, und trotz mehrfacher Ankündigungen, dass wir nochmals umziehen müssten bleiben wir dann bis zum Schluss in unserem „Bungalow Number One".) Das andere Paar wollte nur 4 Tage bleiben, dann haben wir sie noch eine Nacht in unser Haus in Hanoi eingeladen, wo sie in unserer Abwesenheit unser Katerchen getröstet haben.
Auch sonst ergab sich in der Folge so einiges an Improvisation beim Service. Da wirklich erst gerade eröffnet, war für alle Beteiligten der Lernprozess noch nicht abgeschlossen, und so ging mal das Brot aus, mal musste man an die Zimmerreinigung erinnern, oder es wurde ein anderes Essen geliefert, als bestellt (oder eine Bestellung vergessen). Aber man versuchte, alles durch Freundlichkeit wett zu machen, und die Lage des Resorts, die Qualität der Zimmer und die Freude am Urlaub überstrahlte bald diese kleinen Schwierigkeiten.



Der Bamboo Resort hat 7 Häuschen mit jeweils zwei Einheiten in seinem Strandgelände verteilt, die meisten liegen wirklich wenige Meter vom eigenen Strand. Nachts rauscht das Meer fast so laut, dass es einen beim Schlafen stört. (Die Fotos zu diesem Bericht sind wie immer gesondert bei Picasa abgelegt, hier ist der Link.)  Die Zimmer sind einfach aber hübsch, jedes hat seine eigene kleine Terrasse mit angelegtem Gärtchen, drüber rauschen Palmen und Nadelbäume. Die Klos sind, wie üblich, unter freiem Himmel, aber jeweils als eigenes großes Badezimmer, bei uns sogar mit Badewanne. Warmes Wasser war fast immer vorhanden, Strom vom eigenen Generator gab es nur von 17.30 bis 23.00, aber auf Nachfrage wurde eine gute Taschenlampe zur Verfügung gestellt. Das Essen im eigenen Restaurant war gut, bei sehr beschränkter Speisekarte, das Frühstück (Banana Pancake aus Reismehl, Omlette mit Tomate oder Rührei) weniger ergiebig als anderswo. Aber damit ist eigentlich auch die Liste der möglichen Kritikpunkte schon erschöpft.
Sowohl vor unserer Tür als auch in einigen hundert Metern rechts oder links lagen die schönsten Strände, die man sich wünschen konnte. Während man den hauseigenen kleinen Strand eventuell noch mit den anderen Gästen teilen musste, hatte man die anderen, mit 6-8 Kilometer Länge, fast für sich alleine. Nur mit sehr guten Augen konnte man in der Entfernung die nächsten Touristen entdecken, oder es kam mal ein Fischer vorbei, der im Flachen Wasser Krabben ausbuddelte. (Ein Mal belästigte uns einer, nachdem er gesehen hatte wie wir uns nackt gesonnt hatten, und ein Mal war eine kleine Gruppe Kinder frech und bewarf uns mit den Krabben, die ihr Vater grade gesammelt hatte.)



Die Strände waren eigentlich sauber (nur oben lag so einiges Schwemmgut, aber weit von der Wasserlinie) und gingen weit hinein flach ins Meer. Das Wasser war klar und Elena konnte im Gehen Muscheln suchen (die dann aber meist von Einsiedlerkrebsen bewohnt waren). Es war an der Luft (über 30°) und im Wasser (über 25°) wunderbar warm und man konnte stundenlang im Wasser plätschern, schwimmen oder am Strand spazieren gehen.  Am Ufer gab es immer wieder Bäume, in deren Schatten man, die Füße fast noch im Wasser, Schutz vor den Sonnenstrahlen suchen konnte, Faulenzen, Lesen, sich massieren oder mit dem feinen Sand abreiben.



In der Mitte des nördlichen Strandes, mit Blick zur Küste von Kambodscha, lud eine Strandkneipe zum Verweilen ein: Einige kleine Pavillons unter Palmblattdächern, mit Hängematten zum Relaxen, und die köstlichsten aller frischen Fischgerichte aus einer Küche, die man natürlich lieber nicht näher untersuchen wollte. Die Getränke waren kalt, aber es gab keinen Strom (das Handy des Besitzers wurde an der Batterie des Mopeds aufgeladen.) Und mit dem Sonnenuntergang, den man hier besonders schön erleben konnte, war dann auch der Tag zu Ende.




An zwei Tagen mieteten wir uns ein Moped und machten uns selber auf die staubigen Pisten. Immer wieder freundlich winkende Kinder („Hello!"), manchmal erstaunlich armselige Behausungen, Plantagen mit dem hier angebauten Pfeffer und eine immer wieder schöne Landschaft, manchmal mit schattigen Wäldern, zog vorbei, die Schlaglöcher und manchmal etwas einfachen Brücken ließen nur ein langsames Fahren zu.



Trotzdem schafften wir es auf einer Tour bis zur „Hauptstadt" Zuong Dong mit einem sehr malerischen Markt direkt am Hafen, (wo 2 Kilo getrocknete Shrimps erstanden wurden, zum so Essen oder Suppe kochen) und in das Fischerdorf Ham Ninh an der Ostküste, wo wir die Perlenläden unsicher machten. Es gibt auf der Insel größere Perlenzuchten und man kann Perlen in jeder Form erstaunlich günstig (aber bei sehr guten Qualitäten auch teurer) erstehen. Die zweite Tour führte uns um die Nordwestecke der Insel herum, mit der malerischen Bucht von Ganh Dau (Kambodscha vor der Haustür in nur 15 Kilometer Entfernung), und durch schöne Wälder bis zur Bai Thom, auch ein berühmter Strand der aber im Vergleich zu „unserer" Westküste eher wenig attraktiv war.




Silvester wurde im „Bamboo" gefeiert. Der Besitzer war gekommen (Vietnamese, früherer Rechtsanwalt in Houston, Texas, jetzt Professor in Hanoi) und organisierte ein tolles „Seated Dinner" bei dem die Küche über sich hinaus wuchs, den Sekt zum Anstoßen um Mitternacht und er versuchte unermüdlich, uns zum Singen zu bewegen. Als Student habe er in Houston eine eigene Band gehabt, und so gab er alle die altbekannten Hits der 60er und 70er zur eigenen Gitarre zum Besten - dazwischen auch das eine oder andere romantische vietnamesische Lied. Der Vollmond, die Palmen, das rauschende Meer, alles trug so zu einem einzigartigen Silvesterabend bei.





Noch ist die Insel ein Paradies, trotz der Armseligkeit, die aus den Fischerhütten schaut. (Aber auch hinter der primitivsten Hütte aus Planen und Blech puttert abends ein kleiner Generator und versorgt den Fernseher mit Strom!). Die vielen schönen Strände, die grüne Landschaft, die freundlichen Menschen, die tropische Atmosphäre alles zusammen ergibt eine traumhafte Stimmung von Urlaub, Relaxen, Gut-Gehen-Lassen. An vielen Stellen aber kündigen große Tafeln das Ende an: Investorengruppen aus der ganzen Welt scheinen sich verschworen zu haben, mit riesigen Bettenburgen ein zweites „Phuket" entstehen zu lassen. Die Strassen werden bereits ausgebaut, und wenn dann noch der Flughafen vergrößert wird – es droht schrecklich zu werden. Man hofft, dass die internationale Finanzkrise einige der Investoren in die Pleite geschickt hat, damit der Insel noch etwas Aufschub gewährt wird. Aber der Staat will diese Entwicklung: Unser Besitzer, dessen Familie das Grundstück wohl schon lange gehörte, berichtete, man habe ihn gezwungen, wenigstens in einen „Resort" zu investieren, sonst hätte man ihn enteignet, damit andere das tun könnten.
Ein Trost mag sein, dass 70% der Inselfläche zum Nationalpark erklärt worden sind. Der echte Urwald, die Bergseen und Flüsse, die wir diesmal nicht gesehen haben, sollen also nicht angetastet werden. Aber die Strände gehören leider nicht dazu.
So bleibt für uns nur die Konsequenz: Wir kommen bald wieder!


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