Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Freitag, 22. Januar 2010

Die Expats ...

… also die vielen Ausländer, die hier ihr Wesen treiben - wie leben sie so?

Es lässt sich sicher nicht verallgemeinern, aber nach unserem Eindruck sind wir selber, wie viele andere, nicht wirklich in diesem Land angekommen. Wir lernen es kennen, genießen auch die Schönheiten und das Interessante, Exotische, aber wir sind und bleiben Fremdlinge.

Das mag anders sein für die nicht Wenigen, die alleine hierher kommen und dann eine/n vietnamesische/n Partner/in finden. Dadurch kommt man dann sicher über den engeren Kontakt zur Familie auch in die verschiedenen vietnamesischen Gruppen und Freundeskreise. Wenn man dann auch noch die Sprache lernt, wird es noch besser.

Bei den meisten anderen aber, die mit Familie ankommen, die Sprache nicht erlernen (aus Mangel an Zeit, Lust oder Geld), sie bleiben doch eher außen vor. Natürlich hat man Kontakt mit Kollegen, es ergeben sich Bekanntschaften, man wird mal zu einer Hochzeit eingeladen – wie wir am vergangenen Wochenende -  und man geht in den gleichen Läden und auf den gleichen Märkten einkaufen (sofern man nicht eine Maid hat, die das erledigt). Alles dies ist aber von einem echten Einleben unter den Vietnamesen weit entfernt. Und man erlebt es doch eher, dass man als Ausländer eine Attraktion ist (waren wir bei der Hochzeit auf dem Lande sicher) als das man einfach als Normalfall eingestuft wird (was man ja vielleicht auch gar nicht will).

Unsere Hochzeitseinladung war übrigens nicht ganz so, wie wir es erwartet hatten. Wir waren zu 10.00 vormittags eingeladen, hatten uns schick gemacht und sind dann, über die große Tanh Long Brücke raus ins Dorf gefahren. 

Das Hochzeitshaus war auch leicht zu finden, weil die halbe Strasse mit Zelten zugestellt war. Es gab sich dann, dass dies nur die Party der Braut war (die bei uns Assistentin ist) während der Bräutigam mit seiner Familie in seinem Haus feierte. Trotzdem war es das halbe Dorf und wir als Attraktion mittendrin, was da saß und die köstlichsten Gerichte mit viel Schnaps genießen durfte. 

Wann denn das Brautpaar zusammenkomme, fragten wir. Nun, es hieß etwa um 14.00 werde der Bräutigam kommen um seine Frau heim zu holen, dann werde es auch noch eine gewisse Zeremonie geben. Aber nach etwa einer Stunde war die Party vorbei, alle standen auf und wurden vom Brautvater (einem Arzt am Distriktkrankenhaus) höflichst verabschiedet. Wir hatten gar keine Chance, bis 14.00 zu bleiben und sind dann einfach wieder nach Hause gefahren.

Zum Attraktionswert der Ausländer trägt sicher bei, dass viele Expats auch in bestimmten Stadtteilen ihre Häuser suchen, oft natürlich zu Preisen, die auch nur sie bezahlen können. Der Statdteil Tay Ho, teilweise auf einer Halbinsel im Westlake, ist so eine Gegend, wo man dann manchmal mehr „Langnasen" als andere auf modernen westlichen Fahrrädern beim „biking" antreffen kann. Die Häuser und Wohnungen sind modern, schön, groß und hell, viele „Apartment Residences" oder „Suites" haben sich dort angesiedelt. Ein weiterer Expat.Schwerpunkt ist sicherlich „Ciputra", die noch weiter im Norden gelegene „International City" mit großen Apartment Hochhäusern und langen Reihen von Town Houses an ruhigen, sauberen und hübsch begrünten Strassen und Anlagen. Dort halten Zäune, Mauern und Wächter den vietnamesischen Durchgangsverkehr fern, man wird durch Stolperschwellen zum Langsamfahren gezwungen und die Expats (sowie nicht wenige reiche Vietnamesen) können mit ihren Kindern und Hunden in der Abenddämmerung flanieren gehen. Vietnam, mit seinem Lärm, Gestank und lebhaften Treiben bleibt einfach außen vor.

Aber auch wer so wie wir mitten drin in der Stadt in einem alten Stadtviertel lebt, ist nicht viel mehr integriert. Auch bei uns bleibt dieses Vietnam im Grunde draußen vor dem Tor und der hohen Mauer. Es meldet sich hin und wieder, etwa wenn jemand klingelt um für „Tivi" (Richtig: TV) oder „điện thoại" (Telefon) die Gebühren in Bar am Tor zu kassieren, oder wenn der Moto-Fahrer einem die unvermeidlichen zwei 19 Liter Plastikflaschen mit LaVie Trinkwasser bringt. Und wenn man auf dem Heimweg mal wieder die niedrig hängenden Stromkabel mit der Hand hochheben muss um durchzukommen, anschließend wieder ein neues Loch in der Strasse entdeckt wo eine der Betonplatten durchgebrochen ist, die den Abwasserkanal (aber  ich glaube, nur für Regenwasser) abdecken soll, dann hat man schon das Gefühl, in Vietnam zu sein.
Die Expat Community hat sich natürlich auch ihre eigenen Strukturen geschaffen. Es gibt mehrere Internetplattformen wie www.thenewhanoian.com , wo man Informationen aller Art und Kleinanzeigen austauschen kann, es gibt die diversen Stammtische, wie für uns den EZ-Stammtisch, der monatlich von der EZ-Verantwortlichen der Botschaft veranstaltet wird, oder den Goethe-Lunch, bei dem man sich im Garten des Restaurants im Goethe Institut trifft, oder die „Girls Night" im Ukrainischen Restaurant Budmo, wo sich auch viele Deutsche treffen, die Männer gerne zum Skat spielen. Andere Nationen haben sicher ähnliches, und es gibt ja auch noch den International Womens'  Club, bei dem auch schon mal eine Deutsche die Präsidentin war. Oder es fallen mir noch die Japaner ein, die in den sog. „Sedona Suites" konzentriert sind und dort eine weithin bekannten Weihnachtmarkt organisieren. 


Dort gab es dann natürlich auch selbstgebastelten deutschen Weihnachtsschmuck zu kaufen, selbst gebrautes deutsches Weihnachtsbier zu trinken, und die Vietnamesen waren eindeutig in der Minderheit.


Zum Goethe Lunch gehört auch ein Email-Verteiler, über den eine Landsmännin, Alexandra, immer wieder Neuigkeiten weitergibt. Zum Beispiel, dass mal wieder jemand seinen Haushalt auflöst und  günstig Möbel oder Hausrat abgibt. So haben wir auch schon einiges für unser Haus erobert. Den letzten Beutezug zeigt dieses Bild:

Eigentlich war ich nur Nach Tay Ho gefahren um das Regal zu bezahlen. Aber dann hat es mich doch gereizt, es mal den Vietnamesen nach zu tun und das Ding gleich mit dem Roller mit zu nehmen. Also: Regal auf den Auspuff gestellt, ein Paar Strippen ausgebeten und bald war ich unterwegs, durch die halbe Stadt bei inzwischen hereingebrochene Nacht. Natürlich habe ich meine Reisegeschwindigkeit etwas reduziert und drarauf geachtet, dass ich die Verkehrsschilder weiträumig umfahre. Auf dem Weg sind zwei große Kreuzungen, an denen sich jeden Abend etwa 10 Polizisten aufbauen, um Verkehrskontrollen zu machen. An beiden Posten bin ich ganz unbehelligt vorbei gefahren, wobei alle Blicke wie beim Tennisspiel meinem Roller folgten. In unserer kleinen Seitengasse wurde es dann richtig eng, weil dort natürlich andere auch noch parken, und weil die Stromleitungen (nein, es sind nicht die Telefonleitungen) der ganzen Gasse seit der letzten Reparatur etwas tief hängen. Aber das ist, wie oben ausgeführt, in Hanoi normal (manchmal liegen sie auch auf der Straße.)

So viel heute mal zum Leben als Ausländer ….

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