Sonntag, 28.07.2013
Wir sitzen im Flieger in Richtung Moskau, Hanoi liegt fünf Stunden hinter uns, die Gedanken versuchen, sich zu sortieren. Die letzten Tage, die vier Jahre, die Zukunft?Die letzten Tage waren, nicht unerwartet, Stress pur. In meinem Leben, so habe ich ausgerechnet, bin ich jetzt 16 mal umgezogen - inklusive dieses Umzugs, in dem wir ja noch mittendrin sind. Das macht durchschnittlich alle 4 Jahre ein Mal. Jedes Mal scheint es stressiger zu werden, wohl weil ich älter werde. Diesmal fiel es mir besonders schwer. Unser gemütliches Zuhause zu zerfleddern, vom schönen Haus Abschied zu nehmen, die letzte Motorbike Fahrt hinaus nach Tay Ho, wo ein Australier meinen schönen Roller gekauft hatte (natürlich viel zu billig), die letzten Gänge durch unsere Ngach 173/63, wo aus dem Tempel Den Dong Nuoc mal wieder die Musik der Gottheitsdarsteller herüber klang, alles war schmerzlich.
Die Dame von der Umzugsfirma hatte es angekündigt: Mit 8 Mann plus Supervisor waren die Packer am Donnerstag angerückt. Ausgerüstet mit Bergen von Umzugskartons, Plastikfolie, Wellpappetafeln und Stapeln von Klebeband.
Alles, wirklich alles was wir hatten, wurde entweder in die Kisten verpackt oder mit Karton umbaut, sehr professionell. Wir hatten ausgerechnet, dass ein sog. 20 Fuß Container genau ausreichen sollte, das sind etwa 32 m³ Rauminhalt. Bis zum Schluss war es spannend, ob das klappt.
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| Jedes Stück, das heraus getragen wurde, wurde doppelt kontrolliert. Es waren letztlich 161 Stück |
Die Dame hatte auch gemeint „Our men are professionals, they will do everything. You just sit back and let them do their work..“ Das, nun ja, sah etwas anders aus. Elena hatte schon vorher begonnen, Kisten zu packen, hatte schon ganze Kleiderschränke, Kommoden und Regale geleert, weil sie verkauft wurden. Und dann galt es, alle 8 Packer irgendwie im Blick zu behalten mit den Sachen die sie packten und wie, und denen, die doch noch zum Entsorgen kamen. Bis zum Umfallen galloppierte man da durch die drei Stockwerke.
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| Am Ende waren aber auch die vietnamesischen Profis nicht mehr wirklich energiegeladen |
Dazwischen kamen die Leute, die alles holten, was wir verkauft hatten, bis hin zum Kühlschrank und zum Tiefkühlschank. Und es kamen Anrufe von Leuten, die unsere Anzeige gesehen hatten und was kaufen wollten - so kam sogar noch mein alter kaputter Roller vom Hof.
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| Für unsere alten Ledersofas gab es bei mir in der Schule gleich mehrere Interessenten |
Eine Sondergeschichte war unser Kater BaoTsi. Da wir ja noch nicht wissen, wohin wir wirklich umziehen, können wir ihn nicht mitnehmen. Wir wollten aber alles vorbereiten, um ihn im Dezember zu holen, einschliesslich der Dokumente für die Einfuhr in die EU. Das bedeutet nicht nur, dass es „gechipt“ sein muss (ein sog Transponder wird implantiert mittels dessen er eindeutig identifiziert wird) sondern es muss eine Blutprobe entnommen und gekühlt in ein von der EU zertifiziertes Labor geschickt werden (wovon es in ganz Asien keins gibt). Ein Kollege fand sich bereit, das Päckchen nach Deutschland mit zu nehmen, also wurde ein Treff mit dem Tierarst bei BaoTsis Pflegeeltern ausgemacht (ein nettes amerikanisches Studentenpärchen, das wir nach langer Suche gefunden hatten). BaoTsi war noch immer vom Umzug verstört, dann kam der Tierarzt und donnerte ihm diesen Transponder in den Nacken, da war seine Beherrschung dahin: BaoTsi, der einzige kleine Vietnamese der uns ans Herz gewachsen ist, kämpfte wie ein Tiger und legte meine rechte Hand durch Kratzer und Bisse für den weiteren Umzug lahm. Erst eine Spritze konnte ihn wieder beruhigen. Es ging mir trotz der Schmerzen an die Nieren, ihn da, am Tropf liegend, zurück zu lassen. Aber das Blut ist hoffentlich schon im Labor.
Gestern, Samstag, war es dann so weit. Das Haus leer, die Packer weg. Elena, die alles wirklich meisterlich gemanagt und beaufsichtigt, gleichyeitig selbst noch gepackt hatte, sank platt auf den nackten Holzboden zum Ausruhen und schlief sofort ein. Ich genoss mein letztes Bad im Pool (das Wasser mal wieder grün vom vielen Regen).
Der Vermieter Mr. Tuan kam und überraschte uns durch eine unkomplizierte Hausabnahme: “I trust you that everything is OK“. Beladen mit den letzten Essensvorräten und genau abgewogenem Gepäck brachte uns ein Taxi zu unseren Freunden, wo wir die Nacht verbringen durften. Es gab auch nach Tagen (ohne Herd und Kühlschrank) wieder eine richtige Mahlzeit! Dann hat Elena noch viele Stunden alles getan, um unsere Gepäckstücke aus zu tarieren: Laut Aeroflot je ein Koffer mit bis zu 23 kg, ein Stück Kabinengepäck bis 10kg, eine Laptoptasche, eine Handtasche. Das Einchecken ging dann auch ohne Probleme!
Am Morgen wurde dann im Vorbeifahren auf dem Markt auch noch der zusätzlich erlaubte Blumenstrauß erstanden, Rosa Lotusblüten, die jetzt in einer abgeschnittenen Wasserflasche neben uns stehen ,für die Tante in Moskau.
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| Noi Bai International Airport - Security Check |
Gesagt wurde bereits: Wir wissen noch nicht, wohin unsere Lebensreise weiter geht. So ist erst mal Urlaub in Russland und Deutschland angesagt. Wir freuen uns auf Kinder und inzwischen 5 Enkelinnen!
Ach ja: Auf den Kisten und Paketen stand überall: „Mr. Johann von Krause, Katmandu“. Wenn ich die dort geplante Stelle bekomme, dann war dies wohl nicht der letzte Umzug.





Nur zur Erinnerung: nach dem Einpacken kommt das Auspacken !!!!!
AntwortenLöschenWir haben es an zwei Orten geschafft und unser Haus in Dusch... wohnlich eingerichtet.
Aber : da nach dem Umzug = vor dem Umzug haben wir Unmassen an Seidenpapier und Kartons recyceld und deponiert.
Viele liebe Grüße
von Günter und Vera