Viele
Gegenden Vietnams sind geprägt von den malerischen
Kalk/Karst-Gebirgsformationen, die man von Bildern der Ha Long Bucht
kennt. Das grösste derartige Karstgebirge befindet sich in
Mittelvietnam, unweit Dong Hoi, auf der Grenze zwischen Vietnam und
Laos.
Dort
liegt der Phong Nha Ke Bang Nationalpark, mit der derzeit grössten
Höhle der Welt, Son Doong. Eigentlich hatten wir mit unseren
Freunden nach einer Tour dorthin gesucht, aber die Höhle ist nicht
für Tourismus freigegeben. Stattdessen wurde uns das Tu Lan Gebiet
vorgeschlagen, etwa 50 km entfernt und bisher kaum touristisch
erschlossen. Das klang doch gut! Die Tour wird nur von „Oxalis“
angeboten, laut GIZ Kollegen die erfahrensten Tour Guides vor Ort. So
hatten wir bei Oxalis gebucht.
Das
Programm war uns vorab geschickt worden, es klang genau so, wie wir
das wollten:
Day
1: Dong Hoi - Phong Nha –Tan Hoa – Rat cave – Gibbon cave -
Laken valley – Hung Ton valley
- 7:30 Car and guide pick up at Dong Hoi and bring to Phong Nha
- 8:30 Arrive Phong Nha, deliver trekking equipment, explain trekking rules and conservation rules
- Start at 9:00 a.m in Phong Nha, van brings to Tan Hoa village the trek start point.
- 10:30 a.m arrive Tan Hoa village
- Start trekking to the jungle, cross river to visit Rat cave
- 11:00 a.m Explore Rat cave and trek to the Laken valley
- 12:00 a.m arrive LaKen valley, relax, swim and lunch in the Laken river
- 13:00 p.m Trek up the mountain to explore Gibbon cave
- 15:30 p.m Trek to Hung Ton valley
- 17:00 p.m Arrive Hung Ton valley
- 17: 00 – 18:00 p.m Prepare campsite and overnight in Hung Ton valley
Die
Wirklichkeit:
Der
Nachtzug aus Hanoi hatte Verspätung, und so war es nach 8.00, als
Elena und ich in Dong Hoi ankamen. Unsere Freunde hatten dort im
Hotel ünernachtet und warteten schon lange. Der Transfer nach Phomg
Nha ging dafür schneller, und wir wurden mit Schuhen, Handschuhen,
Helmen und Stöcken ausgestattet. „Warum nur?“, fragten wir uns.
Die Weiterfahrt nach Tan Hoa war dann mit kleinen Hindernissen
verbunden. Die Strasse war wegen Bauarbeiten für unseren Bus nicht
passierbar. So begannen wir erst nach 12.00 mit unserer Wanderung.
Jenseits der Ebene, mit den einzeln zum Weiden angebundenen Kühen,
winkten die Berge, in denen wir Höhlen erkunden wollten.
Unsere
Gruppe bestand aus 10 Wanderern: Wir fünf Touristen (Christiane,
Ralf, Franzi, Elena und ich) sowie 5 Guides und Träger. Einer von
ihnen hatte wohl die Pfade und Höhlen „entdeckt“, als er früher
jagend und nach wertvollen Bäumen suchend die Gegend durchstreifte.
Nach
der Durchquerung des Flusses (dazu hatte man uns die Schuhe ans Herz
gelegt, mit Löchern, aus denen das Wasser wieder rauslaufen konnte)
ging es durch die Rattenhöhle durch den Berg hindurch.
Offensichtlich war dies eine Verkehrsader, auf der man sich hier von
Tal zu Tal bewegte. Es war trotzdem schon ein erstes Klettern, mit
Stirnlampenbeleuchtung, und es kam durchaus ein gewisses
Entdeckergefühl auf.
In
der Höhle und beim Austritt ging es mit etwas Klettern weiter, so
war es schon mittlerer Nachmittag, als wir den Platz am Laken River
erreichten. Elena und mir reichte es mit dem Wandern, wir blieben mit
Franzi bei der Lagergruppe, Christiane und Ralf wanderten mit den
Führern weiter zu den anderen vorgesehenen Höhlen.
So
konnten wir beobachten, wie unser Nachtlager entstand: Mangels Bäumen
wurden mehr oder weniger vertrauenerweckende Stöcke mittels Lianen
verzurrt und die Hängematten dazwischen gehängt.
Meine ersten
Probeliegeversuche zeigten deutlichen Nachrütbedarf an weiteren
Stricken und Lianen
An
der Feuerstelle köchelte inzwischen das Abendessen.
Mittels einer
kleinen Filterpumpe wurde Trinkwasser aus dem Fluss geholt,
Wasserbüffel zogen frisch geschlagene Balken durch den Fluss und am
Lager vorbei.
Ein ausgedehntes Bad im Fluss weckte die Lebensgeister
wieder. Und als dann in der Abenddämmerung unsere Expeditionsgruppe
müde durch Fluss geplatscht kam, waren wir froh, dass wir uns die
anstrengende Tour erspart hatten.Es war wieder heftig und teils auf
allen Vieren Bergauf und Bergab gegangen.
Bald
gab es ein köstliches Abendessen, in gemütlicher Runde wurde die
erste Flasche Reiswein geleert, mit der so erworbenen Bettschwere
suchten wir die Schlafsäcke auf. Doch schon vor dem Einschlafen
brach die erste Stütze, Franzi (wahrlich nicht unsere Schwerst!
Krachte auf die Erde und musste umziehen. Danach schlief es sich
erstaunlich gut in diesen Dingern. Mit Moskitonetz und Regenschutz
waren wir gut behütet. Sogar beim Umdrehen ist keiner aus dem Sack
gefallen.
Gefallen
ist allerdings die halbe Konstruktion, als Christiane am Morgen
heraus kletterte. Wieder landete die arme Franzi am Boden. Aber bald
gab es Kaffee, die Umgebung tauchte aus dem Morgennebel auf.
Eine
wunderschöne Morgenstimmung, ein gutes Frühstück, bald wurde die
Laune besser. Und wir hatten kein Problem mit dem Plan, den gestern
nicht gegangenen Weg zuätzlich zu dem heute Geplanten in Angriff zu
nehmen.
„Ein wunderbarer Campsite an einem einsamen Bergsee
erwartet uns“ wurden wir ermuntert.
Das
Prgramm also:
- 1.5 Hours to Trek to Hung Ton valley (von Gestern)
Hung
Ton valley – Hung Ton cave – Kim cave – Tu Lan valley
- 1 Hr Trek uphill to Tu Lan valley
- 11:30 a.m Arrive at Campsite – at Ken waterfall, set up Camp
- 12:00 – 13:00 p.m Picnic Lunch, relax and swim at Ken waterfall
- 14:00-17:00 p.m Explore Hang Kim cave and Tu Lan dry cave
- 17:00-18:00 p.m dinner at the basecamp at Ken waterfall
- 18:30 p.m overnight at Campsite
Die
Wirklichkeit:
Beladen
mit unseren Rucksäcken und behindert von dem untauglichen Schuhwerk
(nur ich hatte meine Bergstiefel behalten, zum Glück!) ging es nicht
weniger als 3 Berge hinauf und wieder hinunter!
Manchmal enge
Serpentinen, oft und über längere Strecken eher die Direttissima,
ohne Weg oder Steg, über Felsen, lehmige Abschnitte, unter
umgefallenen Bäumen durch. Dschungel eben. Für mich jedenfalls
gefühlt die halbe Strecke auf Knien und allen Vieren.
Aber
unser Team gab sich viel Mühe. Zeigte, wohin man Hände und Füsse
setzen sollte, sicherte an der sogenannten Leiter mit dem Seil, nahm
uns dann auch noch teilweise die Rucksäcke ab.
Immer wenn man
fragte, dann waren es nur noch ein paar Meter bis nach Oben, ein
fröhliches Lied zur Aufmunterung, oder das Angebot, ein paar Fotos
zu machen, so gaben sie sich alle Mühe, uns bei Laune zu halten. Gut
war, dass wir uns meistens im Schatten der Büume bewegten, also
wenigstens nicht direkt unter brennender Sonne.
Trotzdem
war es für uns beide eine Quälerei und eigentlich zu anstrengend.
Mit vielen Pausen zum Trinken (wie viele Liter Wasser wirr da, bei
etwa 32 Grad, umgesetzt haben, will ich gar nicht wissen) haben wir
es letztlich bis etwa 14.00 geschafft – und waren geschafft.
Restlos, wie wir dachten.\
Selten
habe ich ein Bad so genossen wie dieses Eintauchen in den kleinen
Bergsee mit seinem grünen, kühlen Wasser. Drüben kam der kleine
Fluss aus der Höhle, plätscherte über die Felsen. Welche Wohltat,
sich hier die Schultern massieren zu lassen!
Dann
teilte sich wieder Gruppe und Team. Christiane und Ralf wanderten mit
den Führern weiter, die Höhlen zu erforschen, wir blieben mit
Franzi beim entstehenden Lager. Diesmal gab es für die Hängematten
eine stabilere Konstruktion, eine Plane wurde als Dach drüber
gespannt. Darunter sollten wir wie die Heringe neben einander hängen.
Nach
einiger Zeit lauste mich natürlich der Affe. Sollte ich denn heute
gar keine Höhle sehen? Ich packte den Fotoapparat in eine
Plastiktüte und schwamm über den See, die Hand über dem Wasser. Da
drüben winkte doch die Höhle, in die man nur mit Boot hinein
konnte, wie die Guides gesagt hatten. Ich war noch nicht ganz drüben,
als es zu regnen begann. Ich klettere über die Felsen, suchte Schutz
im Höhleneingang.
Ein veritables Gewitter brach los, die Steine
wurden nass und glitschig. So blieb ich erst mal dort, fotografierte.
Aber bald kamen zwei von unserem Begleitteam, warten doch sehr wenig
erfreut über meinen Ausbruch und wollten sicherstellen, dass ich
nicht auch noch in der Höhle weiter schwimme.
Gemeinsam ging es
durch den Regen zurück. Beim Lager waren auch die Wanderer wieder
eingetroffen.
Bei
strömendem Regen wurde weiter an der Feuerstelle gekocht, Wir
warteten derweil unter unseren Hängematten, unter dem Planendach.
Dann wurden die Matten zur Seite geräumt, es gab wieder ein tolles
Essen, eine Flasche Reiswein, und bald trommelte uns der Regen auf
dem Planendach in den Schlaf. Müde waren wir wahrlich!
Der
Dritte Tag begann mit Sonnenschein. Frühstücken, Packen, in die
völlig durchnässten Klamotten steigen. Das kannten wir schon. Auch
bei Ralf zeigten sich die ersten Kollateralschäden:
Für den
entzündeten Grosszeh wurde schlicht der Schuh aufgeschnitten. Elena
und mir wurde Mut gemacht: Es gehe nur einen Berg hinauf, dann mehr
oder weniger eben, und später werde uns ein Auto abholen.
Die
offizielle Beschreibung:
- 08:00 a.m – Breakfast
- 09:00 a.m Trek back through the jungle to visit Song Oxalis cave
- 11:00 a.m Arrive Song Oxalis cave
- 11:00 – 12:00 a.m Explore Song Oxalis cave cave
- 12:00 a.m Trek back to Tan Hoa village
- 13:30 p.m Arrive Tan Hoa village and have lunch at the local restaurant in Tan Hoa village
- 14:30 p.m Come back Phong Nha
- 16:00 p.m Arive Phong Nha, return trekking equipments and car transfers back to hotel in Dong Hoi
Die
Realität sah wieder etwas anders aus. Der „Treck
back“ war schlicht und einfach der Weg zurück, den wir gestern
gegangen waren. Drei Berge rauf und drei Berge runter. Eine
Oxalishöhle haben wir nicht gesehen, hätten sie auch vor
Erschöpfung nicht sehen können. Schnell hatte sich die Gruppe
getrennt, die Sportler liefen vorneweg, wir mit Elena schleppten uns
langsam, mit vielen Pausen und liebevoll ermuntert von unserer
Führerin, („Gleich sind wir Oben! Gleich haben wir es geschafft“.
- Danach dauerte es nochmals eine Stunde), durch den Dschungel. Der
letzte Anstieg war dann anders, eine lange Bretterbahn (im
beginnenden Regen fast nicht rutschig ;-) ),
Dann nochmals ein
wirklich heftiger Abstieg durch Felsen und Lehm und durch den Fluss.
Ich war nicht mehr in der Lage, dazu meine Stiefel auszuziehen (die
mir vorher wirklich gute Dienste geleistet hatten! Ich denke ich war
einzige, der einigermassen fest auf den Füssen stehen konnte).
Die
letzten sechshundert Meter über die sonnendurchglühte Ebene wollten
nicht enden, aber dann war da tatächlich ein Minitruck, der uns in
das nächste Dorf zuckelte. Eine kräftige Brtühe und viele Biere
frischten den Elektrolythaushalt wieder auf und wir hatten es
geschafft!
„Überlebt“ war für uns die richtige Beschreibung
unseres Zustands, aber die Guides erzählten uns ungerührt, sie
hätten neulich eine 71-jährige Australierin diese Tour geführt,
völlig ohne Probleme.
Ja,
man sollte wohl deutlich fitter sein als wir, wenn man sich zu einer
Bergtour im Dschungel anmeldet.
An
Dzung Le von den Oxalis Tours habe ich hinterher geschrieben: „If
you look at the US trek grade scale for example (
http://rockyfeet.com/TrekGradeScale.aspx
), the tour we took would be grade 4, in parts grade 5. If we had
known that, we would have thought again about booking it.“
Zur
Stufe Vier wird dort gesagt: „Requires a high level of fitness and
experience“.
Aber
es war ein einmaliges, wunderbares Erlebnis, auf das ich keinesfalls
verzichten wollte.























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