Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Sonntag, 16. September 2012

Die Tu Lan Höhlentour, oder Jungle Mountaineering, „Requires a high level of fitness and experience“

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Viele Gegenden Vietnams sind geprägt von den malerischen Kalk/Karst-Gebirgsformationen, die man von Bildern der Ha Long Bucht kennt. Das grösste derartige Karstgebirge befindet sich in Mittelvietnam, unweit Dong Hoi, auf der Grenze zwischen Vietnam und Laos.
Dort liegt der Phong Nha Ke Bang Nationalpark, mit der derzeit grössten Höhle der Welt, Son Doong. Eigentlich hatten wir mit unseren Freunden nach einer Tour dorthin gesucht, aber die Höhle ist nicht für Tourismus freigegeben. Stattdessen wurde uns das Tu Lan Gebiet vorgeschlagen, etwa 50 km entfernt und bisher kaum touristisch erschlossen. Das klang doch gut! Die Tour wird nur von „Oxalis“ angeboten, laut GIZ Kollegen die erfahrensten Tour Guides vor Ort. So hatten wir bei Oxalis gebucht.

Das Programm war uns vorab geschickt worden, es klang genau so, wie wir das wollten:

Day 1: Dong Hoi - Phong Nha –Tan Hoa – Rat cave – Gibbon cave - Laken valley – Hung Ton valley

  • 7:30 Car and guide pick up at Dong Hoi and bring to Phong Nha
  • 8:30 Arrive Phong Nha, deliver trekking equipment, explain trekking rules and conservation rules
  • Start at 9:00 a.m in Phong Nha, van brings to Tan Hoa village the trek start point.
  • 10:30 a.m arrive Tan Hoa village
  • Start trekking to the jungle, cross river to visit Rat cave
  • 11:00 a.m Explore Rat cave and trek to the Laken valley
  • 12:00 a.m arrive LaKen valley, relax, swim and lunch in the Laken river
  • 13:00 p.m Trek up the mountain to explore Gibbon cave
  • 15:30 p.m Trek to Hung Ton valley
  • 17:00 p.m Arrive Hung Ton valley
  • 17: 00 – 18:00 p.m Prepare campsite and overnight in Hung Ton valley

Die Wirklichkeit:

Der Nachtzug aus Hanoi hatte Verspätung, und so war es nach 8.00, als Elena und ich in Dong Hoi ankamen. Unsere Freunde hatten dort im Hotel ünernachtet und warteten schon lange. Der Transfer nach Phomg Nha ging dafür schneller, und wir wurden mit Schuhen, Handschuhen, Helmen und Stöcken ausgestattet. „Warum nur?“, fragten wir uns. Die Weiterfahrt nach Tan Hoa war dann mit kleinen Hindernissen verbunden. Die Strasse war wegen Bauarbeiten für unseren Bus nicht passierbar. So begannen wir erst nach 12.00 mit unserer Wanderung. Jenseits der Ebene, mit den einzeln zum Weiden angebundenen Kühen, winkten die Berge, in denen wir Höhlen erkunden wollten.
Unsere Gruppe bestand aus 10 Wanderern: Wir fünf Touristen (Christiane, Ralf, Franzi, Elena und ich) sowie 5 Guides und Träger. Einer von ihnen hatte wohl die Pfade und Höhlen „entdeckt“, als er früher jagend und nach wertvollen Bäumen suchend die Gegend durchstreifte. 
Nach der Durchquerung des Flusses (dazu hatte man uns die Schuhe ans Herz gelegt, mit Löchern, aus denen das Wasser wieder rauslaufen konnte) ging es durch die Rattenhöhle durch den Berg hindurch. Offensichtlich war dies eine Verkehrsader, auf der man sich hier von Tal zu Tal bewegte. Es war trotzdem schon ein erstes Klettern, mit Stirnlampenbeleuchtung, und es kam durchaus ein gewisses Entdeckergefühl auf. 
In der Höhle und beim Austritt ging es mit etwas Klettern weiter, so war es schon mittlerer Nachmittag, als wir den Platz am Laken River erreichten. Elena und mir reichte es mit dem Wandern, wir blieben mit Franzi bei der Lagergruppe, Christiane und Ralf wanderten mit den Führern weiter zu den anderen vorgesehenen Höhlen.
So konnten wir beobachten, wie unser Nachtlager entstand: Mangels Bäumen wurden mehr oder weniger vertrauenerweckende Stöcke mittels Lianen verzurrt und die Hängematten dazwischen gehängt. 
Meine ersten Probeliegeversuche zeigten deutlichen Nachrütbedarf an weiteren Stricken und Lianen
An der Feuerstelle köchelte inzwischen das Abendessen.
Mittels einer kleinen Filterpumpe wurde Trinkwasser aus dem Fluss geholt, 
Wasserbüffel zogen frisch geschlagene Balken durch den Fluss und am Lager vorbei.

Ein ausgedehntes Bad im Fluss weckte die Lebensgeister wieder. Und als dann in der Abenddämmerung unsere Expeditionsgruppe müde durch Fluss geplatscht kam, waren wir froh, dass wir uns die anstrengende Tour erspart hatten.Es war wieder heftig und teils auf allen Vieren Bergauf und Bergab gegangen.
Bald gab es ein köstliches Abendessen, in gemütlicher Runde wurde die erste Flasche Reiswein geleert, mit der so erworbenen Bettschwere suchten wir die Schlafsäcke auf. Doch schon vor dem Einschlafen brach die erste Stütze, Franzi (wahrlich nicht unsere Schwerst! Krachte auf die Erde und musste umziehen. Danach schlief es sich erstaunlich gut in diesen Dingern. Mit Moskitonetz und Regenschutz waren wir gut behütet. Sogar beim Umdrehen ist keiner aus dem Sack gefallen.
Gefallen ist allerdings die halbe Konstruktion, als Christiane am Morgen heraus kletterte. Wieder landete die arme Franzi am Boden. Aber bald gab es Kaffee, die Umgebung tauchte aus dem Morgennebel auf.

Eine wunderschöne Morgenstimmung, ein gutes Frühstück, bald wurde die Laune besser. Und wir hatten kein Problem mit dem Plan, den gestern nicht gegangenen Weg zuätzlich zu dem heute Geplanten in Angriff zu nehmen. 

„Ein wunderbarer Campsite an einem einsamen Bergsee erwartet uns“ wurden wir ermuntert.

Das Prgramm also:
  • 1.5 Hours to Trek to Hung Ton valley (von Gestern)
Hung Ton valley – Hung Ton cave – Kim cave – Tu Lan valley
  • 1 Hr Trek uphill to Tu Lan valley
  • 11:30 a.m Arrive at Campsite – at Ken waterfall, set up Camp
  • 12:00 – 13:00 p.m Picnic Lunch, relax and swim at Ken waterfall
  • 14:00-17:00 p.m Explore Hang Kim cave and Tu Lan dry cave
  • 17:00-18:00 p.m dinner at the basecamp at Ken waterfall
  • 18:30 p.m overnight at Campsite

Die Wirklichkeit:
Beladen mit unseren Rucksäcken und behindert von dem untauglichen Schuhwerk (nur ich hatte meine Bergstiefel behalten, zum Glück!) ging es nicht weniger als 3 Berge hinauf und wieder hinunter! 
Manchmal enge Serpentinen, oft und über längere Strecken eher die Direttissima, ohne Weg oder Steg, über Felsen, lehmige Abschnitte, unter umgefallenen Bäumen durch. Dschungel eben. Für mich jedenfalls gefühlt die halbe Strecke auf Knien und allen Vieren.
Aber unser Team gab sich viel Mühe. Zeigte, wohin man Hände und Füsse setzen sollte, sicherte an der sogenannten Leiter mit dem Seil, nahm uns dann auch noch teilweise die Rucksäcke ab. 

Immer wenn man fragte, dann waren es nur noch ein paar Meter bis nach Oben, ein fröhliches Lied zur Aufmunterung, oder das Angebot, ein paar Fotos zu machen, so gaben sie sich alle Mühe, uns bei Laune zu halten. Gut war, dass wir uns meistens im Schatten der Büume bewegten, also wenigstens nicht direkt unter brennender Sonne.
Trotzdem war es für uns beide eine Quälerei und eigentlich zu anstrengend. Mit vielen Pausen zum Trinken (wie viele Liter Wasser wirr da, bei etwa 32 Grad, umgesetzt haben, will ich gar nicht wissen) haben wir es letztlich bis etwa 14.00 geschafft – und waren geschafft. Restlos, wie wir dachten.\
Selten habe ich ein Bad so genossen wie dieses Eintauchen in den kleinen Bergsee mit seinem grünen, kühlen Wasser. Drüben kam der kleine Fluss aus der Höhle, plätscherte über die Felsen. Welche Wohltat, sich hier die Schultern massieren zu lassen!
Dann teilte sich wieder Gruppe und Team. Christiane und Ralf wanderten mit den Führern weiter, die Höhlen zu erforschen, wir blieben mit Franzi beim entstehenden Lager. Diesmal gab es für die Hängematten eine stabilere Konstruktion, eine Plane wurde als Dach drüber gespannt. Darunter sollten wir wie die Heringe neben einander hängen. 
Nach einiger Zeit lauste mich natürlich der Affe. Sollte ich denn heute gar keine Höhle sehen? Ich packte den Fotoapparat in eine Plastiktüte und schwamm über den See, die Hand über dem Wasser. Da drüben winkte doch die Höhle, in die man nur mit Boot hinein konnte, wie die Guides gesagt hatten. Ich war noch nicht ganz drüben, als es zu regnen begann. Ich klettere über die Felsen, suchte Schutz im Höhleneingang. 
Ein veritables Gewitter brach los, die Steine wurden nass und glitschig. So blieb ich erst mal dort, fotografierte. Aber bald kamen zwei von unserem Begleitteam, warten doch sehr wenig erfreut über meinen Ausbruch und wollten sicherstellen, dass ich nicht auch noch in der Höhle weiter schwimme. 
Gemeinsam ging es durch den Regen zurück. Beim Lager waren auch die Wanderer wieder eingetroffen.
Bei strömendem Regen wurde weiter an der Feuerstelle gekocht, Wir warteten derweil unter unseren Hängematten, unter dem Planendach. Dann wurden die Matten zur Seite geräumt, es gab wieder ein tolles Essen, eine Flasche Reiswein, und bald trommelte uns der Regen auf dem Planendach in den Schlaf. Müde waren wir wahrlich!
Der Dritte Tag begann mit Sonnenschein. Frühstücken, Packen, in die völlig durchnässten Klamotten steigen. Das kannten wir schon. Auch bei Ralf zeigten sich die ersten Kollateralschäden:
Für den entzündeten Grosszeh wurde schlicht der Schuh aufgeschnitten. Elena und mir wurde Mut gemacht: Es gehe nur einen Berg hinauf, dann mehr oder weniger eben, und später werde uns ein Auto abholen.

Die offizielle Beschreibung:
  • 08:00 a.m – Breakfast
  • 09:00 a.m Trek back through the jungle to visit Song Oxalis cave
  • 11:00 a.m Arrive Song Oxalis cave
  • 11:00 – 12:00 a.m Explore Song Oxalis cave cave
  • 12:00 a.m Trek back to Tan Hoa village
  • 13:30 p.m Arrive Tan Hoa village and have lunch at the local restaurant in Tan Hoa village
  • 14:30 p.m Come back Phong Nha
  • 16:00 p.m Arive Phong Nha, return trekking equipments and car transfers back to hotel in Dong Hoi

Die Realität sah wieder etwas anders aus. Der „Treck back“ war schlicht und einfach der Weg zurück, den wir gestern gegangen waren. Drei Berge rauf und drei Berge runter. Eine Oxalishöhle haben wir nicht gesehen, hätten sie auch vor Erschöpfung nicht sehen können. Schnell hatte sich die Gruppe getrennt, die Sportler liefen vorneweg, wir mit Elena schleppten uns langsam, mit vielen Pausen und liebevoll ermuntert von unserer Führerin, („Gleich sind wir Oben! Gleich haben wir es geschafft“. - Danach dauerte es nochmals eine Stunde), durch den Dschungel. Der letzte Anstieg war dann anders, eine lange Bretterbahn (im beginnenden Regen fast nicht rutschig ;-) ),
Dann nochmals ein wirklich heftiger Abstieg durch Felsen und Lehm und durch den Fluss. Ich war nicht mehr in der Lage, dazu meine Stiefel auszuziehen (die mir vorher wirklich gute Dienste geleistet hatten! Ich denke ich war einzige, der einigermassen fest auf den Füssen stehen konnte).
Die letzten sechshundert Meter über die sonnendurchglühte Ebene wollten nicht enden, aber dann war da tatächlich ein Minitruck, der uns in das nächste Dorf zuckelte. Eine kräftige Brtühe und viele Biere frischten den Elektrolythaushalt wieder auf und wir hatten es geschafft! 

„Überlebt“ war für uns die richtige Beschreibung unseres Zustands, aber die Guides erzählten uns ungerührt, sie hätten neulich eine 71-jährige Australierin diese Tour geführt, völlig ohne Probleme.
Ja, man sollte wohl deutlich fitter sein als wir, wenn man sich zu einer Bergtour im Dschungel anmeldet.
An Dzung Le von den Oxalis Tours habe ich hinterher geschrieben: „If you look at the US trek grade scale for example ( http://rockyfeet.com/TrekGradeScale.aspx ), the tour we took would be grade 4, in parts grade 5. If we had known that, we would have thought again about booking it.“
Zur Stufe Vier wird dort gesagt: „Requires a high level of fitness and experience“.
Aber es war ein einmaliges, wunderbares Erlebnis, auf das ich keinesfalls verzichten wollte.

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