Bekanntlich haben die USA in ihrem Krieg gegen den ach so schrecklichen Kommunismus in Nordvietnam (tatsächlich wollte Ho Chi Minh vor allem Wiedervereinigung seines Landes und hat dazu die Kröte Kommunismus geschluckt, sonst wollte ihm ja keiner helfen) im grossen Stil Agent Orange eingesetzt – ein Umweltgift, mit dem man den Urwald entlauben wollte um die nordvietnamesischen Soldaten bei ihren Transporten nach Süden besser bombardieren zu können. Dabei hat man bewusst in Kauf genommen, dass dieses Mittel vor allem aus dem bekanntermassen hochgiftigen Dioxin bestand (Seveso war 1976!). Man hat in Kauf genommen, das damit auf Jahrtzehnte das Land und das Grundwasser verseucht wurde, dass tausende von unschuldigen Zivilisten vergiftet wurden.
Diese
Vergiftung dauert auch heute noch, mehr als 30 Jahre später, an.
Noch immer findet man viele Menschen, in deren Blut Dioxin
zirkuliert – mit schlimmsten Folgen, etwa behinderten Kindern. Siehe etwa http://www.thanhniennews.com/index/pages/20120824-all-blood-samples-near-da-nang-airport-contain-dioxin.aspx
Sicher
waren wir damals naiv, als wir in Studententagen gegen den
Vietnamkrieg auf die Strasse gingen – der heute so verehrte Ho Chi
Minh war alles andere als ein Heiliger. Aber klar ist auch: Was die
Amerikaner hier mit Dioxin veranstaltet haben, war nicht weniger unheilig, es waren Kriegsverbrechen.
Um
so erstaunlicher, dass sie zwar bei ihren eigenen Kriegsveteranen die
schlimmen Gesundheitsschäden, die diese davon getragen haben als sie
mit dem Gift hantierten, als Kriegsfolgen anerkennen und ihnen
Entschädigungen zahlen. Für Vietnamesen gilt diese Logik aber
nicht. Hier behauptet man noch immer, es sei nicht nachzuweisen, dass
die vielen Tausend Menschen, die immer über vergleichbare Leiden
berichten und immer weiter behinderte Kinder bekommen, durch Dioxin
vergiftet seien.
In
der Presse wird jetzt berichtet, dass man bei Da Nang mit Hilfe von
35 Millionen USDollar versucht, das verseuchte Erdreich zu reinigen. Siehe etwa hier. Da Nang ist besonders hart betroffen, weil dort der Militärflugplatz
war, auf dem die Giftbomber beladen wurden. Dabei hat man wohl
ziemlich herumgeplätschert mit der Brühe, und die Erde um den
Flugplatz, mit den dort befindlichen Teichen, hat besonders viel
Dioxin abbekommen.
Aber
bedeutet das ein Umdenken auf Seiten der USA? Wohl kaum! Der
Zusammenhang zwischen Agent Orange und Krankheiten wird weiter
geleugnet. Es geht nur darum, an der Küste des Südchinesischen
Meeres (in Vietnam Ostmeer genannt, weil man die Ansprüche der
Chinesen auf dieses Meer - und die Ölvorräte etwa bei den
Parcel Inseln - nicht anerkennen will) besser militärisch Fuss zu
fassen. Dafür kann man schon mal so ein paar Baggerstunden Giftabbau
finanzieren.
Warum
machen die Vietnamesen da mit? Nun erst mal ist es natürlich
angenehm, die Amerikaner als Gegengewicht zu den im Grunde verhassten
Chinesen in der Region und im Lande zu haben. Da drückt man doch
gern ein Auge zu und vergisst die Vergangenheit.
Dazu
kommt wohl auch: Die Küste zwischen Da Nang und Hoi An war schon zu
Zeiten der Amerikaner berühmt und beliebt. Heute ist sie der
kommende Schwerpunkt der gehobenen Tourismus-Industrie. Schicke
Riesenhotels, Nobel-Resorts, Golfplätze und Bungalowsiedlungen
säumen den berühmten Strand. Die Preise sind exorbitant und nur von
reichen Vietnamesen zu bezahlen. Diese reichen Vietnamesen haben aber
sicher kein Interesse daran, auf dioxinverseuchtem Boden Golf zu
spielen oder Fisch aus dioxinhaltigen Teichen serviert zu bekommen.
Da musste also eine Lösung her, die den Investoren den Verkauf ihrer
Immobilien erleichtert. „Vielen Dank, liebe Amis, dass Ihr etwas
für die Wertsicherung meiner Investition tut, die ich aus meinem
vielen Schwarzgeld getätigt habe!“ So mag manch einer der hohen
Regierungsbeamten denken, die dort ihre Sommervillen haben.
Ich
habe mir das alles nicht ausgedacht. So gibt es etwa 2 Artikel des
Kanadiers Dr. Wayne Dwernychuk
, der als Experte zum Thema Agent
Orange weltweit bekannt ist. Ich habe sie mal auf Dropbox hinterlegt:
Nur
die Gedanken zur Investitionssicherung sind auf meinem Mist
gewachsen. Ich lebe halt schon mehr als 3 Jahre hier.
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