Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
_________________________________

Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Montag, 10. September 2012

Agent Orange – zum Soundsovielsten


Bekanntlich haben die USA in ihrem Krieg gegen den ach so schrecklichen Kommunismus in Nordvietnam (tatsächlich wollte Ho Chi Minh vor allem Wiedervereinigung seines Landes und hat dazu die Kröte Kommunismus geschluckt, sonst wollte ihm ja keiner helfen) im grossen Stil Agent Orange eingesetzt – ein Umweltgift, mit dem man den Urwald entlauben wollte um die nordvietnamesischen Soldaten bei ihren Transporten nach Süden besser bombardieren zu können. Dabei hat man bewusst in Kauf genommen, dass dieses Mittel vor allem aus dem bekanntermassen hochgiftigen Dioxin bestand (Seveso war 1976!). Man hat in Kauf genommen, das damit auf Jahrtzehnte das Land und das Grundwasser verseucht wurde, dass tausende von unschuldigen Zivilisten vergiftet wurden.
Diese Vergiftung dauert auch heute noch, mehr als 30 Jahre später, an. Noch immer findet man viele Menschen, in deren Blut Dioxin zirkuliert – mit schlimmsten Folgen, etwa behinderten Kindern. Siehe etwa http://www.thanhniennews.com/index/pages/20120824-all-blood-samples-near-da-nang-airport-contain-dioxin.aspx
Sicher waren wir damals naiv, als wir in Studententagen gegen den Vietnamkrieg auf die Strasse gingen – der heute so verehrte Ho Chi Minh war alles andere als ein Heiliger. Aber klar ist auch: Was die Amerikaner hier mit Dioxin veranstaltet haben, war nicht weniger unheilig, es waren Kriegsverbrechen.
Um so erstaunlicher, dass sie zwar bei ihren eigenen Kriegsveteranen die schlimmen Gesundheitsschäden, die diese davon getragen haben als sie mit dem Gift hantierten, als Kriegsfolgen anerkennen und ihnen Entschädigungen zahlen. Für Vietnamesen gilt diese Logik aber nicht. Hier behauptet man noch immer, es sei nicht nachzuweisen, dass die vielen Tausend Menschen, die immer über vergleichbare Leiden berichten und immer weiter behinderte Kinder bekommen, durch Dioxin vergiftet seien.
In der Presse wird jetzt berichtet, dass man bei Da Nang mit Hilfe von 35 Millionen USDollar versucht, das verseuchte Erdreich zu reinigen. Siehe etwa hier. Da Nang ist besonders hart betroffen, weil dort der Militärflugplatz war, auf dem die Giftbomber beladen wurden. Dabei hat man wohl ziemlich herumgeplätschert mit der Brühe, und die Erde um den Flugplatz, mit den dort befindlichen Teichen, hat besonders viel Dioxin abbekommen.
Aber bedeutet das ein Umdenken auf Seiten der USA? Wohl kaum! Der Zusammenhang zwischen Agent Orange und Krankheiten wird weiter geleugnet. Es geht nur darum, an der Küste des Südchinesischen Meeres (in Vietnam Ostmeer genannt, weil man die Ansprüche der Chinesen auf dieses Meer - und die Ölvorräte etwa bei den Parcel Inseln - nicht anerkennen will) besser militärisch Fuss zu fassen. Dafür kann man schon mal so ein paar Baggerstunden Giftabbau finanzieren.
Warum machen die Vietnamesen da mit? Nun erst mal ist es natürlich angenehm, die Amerikaner als Gegengewicht zu den im Grunde verhassten Chinesen in der Region und im Lande zu haben. Da drückt man doch gern ein Auge zu und vergisst die Vergangenheit.
Dazu kommt wohl auch: Die Küste zwischen Da Nang und Hoi An war schon zu Zeiten der Amerikaner berühmt und beliebt. Heute ist sie der kommende Schwerpunkt der gehobenen Tourismus-Industrie. Schicke Riesenhotels, Nobel-Resorts, Golfplätze und Bungalowsiedlungen säumen den berühmten Strand. Die Preise sind exorbitant und nur von reichen Vietnamesen zu bezahlen. Diese reichen Vietnamesen haben aber sicher kein Interesse daran, auf dioxinverseuchtem Boden Golf zu spielen oder Fisch aus dioxinhaltigen Teichen serviert zu bekommen. Da musste also eine Lösung her, die den Investoren den Verkauf ihrer Immobilien erleichtert. „Vielen Dank, liebe Amis, dass Ihr etwas für die Wertsicherung meiner Investition tut, die ich aus meinem vielen Schwarzgeld getätigt habe!“ So mag manch einer der hohen Regierungsbeamten denken, die dort ihre Sommervillen haben.
Ich habe mir das alles nicht ausgedacht. So gibt es etwa 2 Artikel des Kanadiers Dr. Wayne Dwernychuk , der als Experte zum Thema Agent Orange weltweit bekannt ist. Ich habe sie mal auf Dropbox hinterlegt:
Nur die Gedanken zur Investitionssicherung sind auf meinem Mist gewachsen. Ich lebe halt schon mehr als 3 Jahre hier.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hallo! Über Kommentare und Ergänzungen freue ich mich - behalte mir aber auch die Löschung vor.