Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
_________________________________

Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Donnerstag, 29. März 2012

Sicher modisch


Seit Dezember 2007 ist das Tragen eines Helms für Motorradfahrer innerorts in Vietnam vorgeschrieben. Eine kurze empirische Studie mittels Handykamera heute Vormittag hat gezeigt, dass dieser Verpflichtung inzwischen doch recht weitgehend Folge geleistet wird.
 Weiterführende Beobachtungen ergeben aber, dass diese Plastikschüsseln, die da getragen werden, nur in den seltensten Fällen wirkliche Helme sind. Es sind halt Kopfbedeckungen, die den Träger davor schützen sollen, an jeder Ecke Strafe zahlen zu müssen.
Dies wurde auch wiederholt in der Presse angeprangert und die Behörden wurden aufgefordert, gegen die Produzenten dieser massenhaft angebotenen Billigware vorzugehen. Wenn man so ein Teil für 50.000 VND (also weniger als 2 Euro) kaufen kann, dann kann es ja nicht mehr sein als eine Plastikschüssel für die Küche.
Es ist erstaunlich, dass trotzdem berichtet wird, die Zahl der tödlichen Motorradunfälle sei rückläufig (2011 etwa minus 1,2% gegenüber 2010) http://www.thanhniennews.com/2010/pages/20111129-vietnam-vows-to-put-traffic-in-strict-order-from-next-year.aspx. Eine Erklärung aus der persönlichen Beobachtung: Es werden immer mehr Fahrzeuge, vor allem die Autos nehmen zu. Das führt zu ständig verstopften Strassen und damit zu generell sehr niedrigen Fahrgeschwindigkeiten. Wenn ich auf den Tacho schaue, bin ich immer wieder erstaunt, wie langsam ich unterwegs bin, kaum mal mehr als 25 km/h. Das ermöglicht Ausweichmanöver und wenn es wirklich mal zum Sturz kommt, dann steht man praktisch schon. Weshalb wir im Sommer auch Fahrradhelme tragen, aus Deutschland, bei denen wir davon ausgehen dass sie für Mountainbiker gemacht wurden und deutlich höhere Sturzgeschwindigkeiten aushalten.

Wenn es nun also hierzulande doch weitgehend üblich geworden ist, Helme zu tragen, dann hat sich dabei ein erstaunliches Modebewußtsein entwickelt. Die jungen Damen haben wohl oft mehrere Helme im Regal, da sie gerne farblich passend zum Kleid getragen werden. Die jungen Männer bevorzugen Modelle, die möglichst klein sind und kaum als Helm erkennbar. Basecaps aus Plaste sozusagen. Hin und wieder sieht man den alten Krieger, der einfach mit seinem Militärhelm unterwegs ist.
Zwei vietnamesische Designfaktoren sind besonders auffällig.
Erstens der Ohr-Ausschnitt, unbedingt erforderlich um ungehindert mit dem Handy telefonieren zu können (wie bereits ausgeführt, ist eine viertel Stunde ohne zwei Telefonate für den Vietnamesen, gleich welchen Geschlechts, offensichtlich eine verlorene Viertelstunde des Lebens). Ich habs allerdings auch schon erlebt, dass das Handy einfach in den Helm eingeklemmt wurde, innen zwischen Helm und Ohr. Direkte Freisprecheinrichtung gewissermasen. Dabei wäre ein Ausschnitt im Helm nicht hilfreich.
Zweitens, und fast ebenso wichtig, ist der Pferdeschwanz-Ausschnitt. Bekanntlich haben Vietnamesinnen oft lange Haare, die ebenso oft im Pferdeschwanz getragen werden. Aber was macht man mit dem tollen Schmuck, wenn man mal wieder Helm tragen muss? Das ist die Lösung!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hallo! Über Kommentare und Ergänzungen freue ich mich - behalte mir aber auch die Löschung vor.