Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Mittwoch, 21. September 2011

HIC

Nein! Nicht das lateinische "Hier" ist gemeint, auch nicht die akustische Quittung übermäßigen Alkoholgenusses. Vom Hanoi International Choir soll nochmals die Rede sein, in dem wir ja seit Herbst 2009 dabei sind.

Anlass ist die große Aufführung des Requiems von Verdi in der Hanoier Oper am 15. und 16. September 2011. 


Eigentlich hatten wir dieses Werk schon vor etwa einem Jahr unter der Leitung unseres Graham Sutcliffe aufgeführt, mit tollen Solisten aus Großbritannien (Auszug auf YouTube).  Aber der Chef des Vietnam National Symphony Orchestra, Honna Tetsuji, hatte sich wohl vorgenommen, diese Aufführung zu überbieten, und wieder waren wir, der HIC, eingeladen zur Mitwirkung. Da für Verdi ein großer Chor wichtig ist, waren insgesamt drei Chöre beteiligt: Der vielköpfige Chor der Lehrer-Musikhochschule (viele junge Leute, manchmal mit ganz tollen Stimmen) und ein kleiner japanischer Chor (der sich witzigerweise "Freude-Choir" nannte), und eben wir.

Die Vorbereitung und die Aufführung war so ein kulturell besonders farbiges Erlebnis. Graham hatte alle Chöre einstudiert, auf seine routinierte Art wenn auch ziemlich zügig weil "wir das ja schon kannten". Trotzdem merkte man, dass ihm dieses Werk, eine "Oper für die Kirche anläßlich einer Trauerfeier", viel bedeutete. Die Texte und die Gedanken, Gefühle, die der Komponist mit einem "Dies Irae" oder einem "Solvet", mit "Lacrimosa", "Agnus dei" und eben "Requiem" ausdrücken wollte sagten ihm etwas und er versuchte, uns buntem Völkchen diese gedanken nahe zu bringen damit wir ihnen den richtigen Ausdruck verleihen konnten. Für uns Internationals war dies ja auch keine wirklich fremde Gedankenwelt, kommen wir doch aus Deutschland, Holland, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Skandinavien und USA. Deutlich weiter entfernt war dies aber unseren asiatischen Mitsängern aus Vietnam und Japan. Für sie stand nach meinem gefühl einfach das Kunstwerk im Vordergrund - die zutiefst christliche Fundierung sagt ihnen halt auch nichts.

Ähnlich erlebte ich Honna in den final rehearsals und der Aufführung, ähnlich auch die Solisten - bis auf unsere norwegische Mezzosopranistin bei der man sofort spürte, dass sie wußte was sie sang. Aber es ist natürlich ein durchaus legitimes Verständnis, ein Werk der musikalischen Weltliteatur auch als solches zu verstehen, in Szene zu setzen und dar zu bieten. Durch die vorher ausgesprochene Widmung an die Opfer der Naturkatastrophe in Japan und des Terroranschlags in Oslo wurde doch versucht, die ernste Fundierung einzubringen. Über diese Aufführung gibt es ein recht schönes  Video: Hier kommen auch die beiden Dirigenten und die Solisten zur Sprache. (Das Video ist lang, aber es lohnt sich!)

Die Vietnamesische Solistin ist übrigens gleichzeitig in der Carmen-Inszenierung, an der auch der HIC beteiligt ist (wir allerdings haben uns ausgeklinkt) als die Micaela beteiligt. Auch hiervon bietet YouTube einen Ausschnitt: .

Honna ist für uns ja kein Unbekannter: Aus Anlass der Hanoi-1000-Jahre-Feier hatten wir das nicht reine Vergnügen gehabt, mit ihm Mahlers 8. Symphonie aufzuführen (ich habe darüber schon berichtet). Auch hier sei ein YouTube Ausschnitt beigefügt. War er uns damals als besonders zügiger Dirigent aufgefallen (manche meinten, ihm ginge es um neue Geschwindigkeitsrekorde) so zeigte er sich jetzt vielseitiger: Einige Passagen empfand ich fast unerträglich langsam, bei anderen dann lief er wieder zu seiner alten Hochform auf.

Noch ein paar Worte zu Graham: Wie sein öffentliches Profil ausweist, kommt er aus GB, hat dort und in München studiert (Englisch, Deutsch, Musik), in den 70er und 80er Jahren sogar in der Nähe von München als Lehrer gearbeitet bevor es ihn nach Südostasien verschlug. Seit 2000 leitet er den HIC und das VNOB (Vietnam National Opera and Ballet) und hat sich so die Möglichkeit geschaffen, den kleinen professionellen Opernchor durch den bis zu 120 Stimmen starken HIC zu erweitern. Den meist sehr wenig professionellen Mitgliedern des HIC bieten sich so die einzigartige Chancen, an großen Aufführungen teilzunehmen und in der schönen Hanoier Oper zu singen. Wir genießen es sehr.

Vor einigen Monaten waren wir so an der Inszenierung konzertanter La Traviata Teile beteiligt, auch hiervon gibt es zwei Auszüge bei YouTube: Brindisi  und Lied der Matadores.

Wer alle diese Videos genau anschaut, wird uns bei Verdi und Mahler auch entdecken (meist rechts oben im Bild). Bei Carmen sind wir nicht dabei, bei La Traviata war ich ohne meine Frau, die zu der Zeit in Russland war.

Wie geht es weiter? Nun zunächst kommt die 9. von Beethoven, dann unser Weihnachtskonzert. Und dann schaun wir mal. Honna meinte ja, er würde gerne die Carmina Burana machen. Da sind wir gerne dabei, haben wir doch auch da die wichtigsten Chöre schon in der Oper gesungen...

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