Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
_________________________________

Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Mittwoch, 12. Januar 2011

Schildkrötenalarm

Nein! Es geht nicht um die vielen kleinen Schildkröten, die einem in den Restaurants zum Essen angeboten werden. In Plastikeimern schwimmen sie, meist neben der Eingangstür, man kann sich eine aussuchen und als Spezialität serviert bekommen.
Vielmehr geht es um DIE Schildkröte: Die angeblich hunderte von Jahren alte Weichpanzerriesenschildkröte (Rafetus swinhoei), die in dem idyllischen Hoan Kiem Lake inmitten der Altstadt Hanois zu Hause ist. 
Sie ist legendär, weil sie vor vielen hundert Jahren einem vietnamesischen König ein Schwert als Leihgabe überreichte, damit er die Chinesen besiegen konnte. Nach dem Erfolg dachte sich der König, er könnte das Wunderschwert auch behalten, doch die Schildkröte holte es sich bei einem Bootsausflug des Königs zurück. Seitdem heißt der See Hoam Kiem - die Rückkehr des Schwerts.
Nun, man mag es glauben oder nicht, es gibt sie noch immer, diese Schildkröte, wie dieses Foto aus dem Jahr 2005 beweist. Sie gehört nach Aussage der Zoologen zu den letzten 5-8 Exemplaren, die es weltweit noch gibt.
Alarm ist nun laut Pressemeldungen angesagt, weil eine Invasion von kleinen Rotohrschildkröten droht, ihr den Lebensraum streitig zu machen.
Diese kleinen Schädlinge stammen wohl aus USA und breiten sich in Vietnam aus wie die Heuschrecken. Sie fressen Fleisch, Planzen, Aas, kurz alles was der Lebensraum anbietet. Und da dieser innerstädtische Lebensraum ohnehin eher ungesund ist, machen sie damit der heiligen Schildkröte ganz unheilige Probleme.
Die Stadt hat nun versprochen, "nach Tet" etwas zu tun (ab jetzt wird alles, was es zu tun gibt, erst "nach Tet" getan). Man will Fallen aufstellen um die Schädlinge zu fangen (und zu essen?), die Bevölkerung ist aufgerufen, sich an den Fangbemühungne zu beteiligen. Das werden sich die Anwohner nicht zweimal sagen lassen, Essen fangen ist immer gut in Vietnam.

Besorgniserregend ist aber, dass man bei der alten Schildkröte bereits vielfache Verletzungen beobachtet haben will. Vergebliche Bemühungen um den Fang eines großen Bratens? So wird jetzt geplant, auch die alte Dame zu fangen und professionell gemeinsam mit einer Artgenossin in einem anderen der Hanoier Seen wieder aufzupäppeln.
Wie schon in unserem Bericht über die frühere Königsstadt Co Loa erwähnt, spielen wundertätige Riesenschildkröten eine wichtige Rolle in der vietnamesischen Mythologie. Was sagt es uns, wenn diese wichtigste Vertreterin ihrer Art nun von kleinen amerikanischen Wanderschädlingen bedroht wird?

1 Kommentar:

Hallo! Über Kommentare und Ergänzungen freue ich mich - behalte mir aber auch die Löschung vor.