“Elena! Komm schnell!” Der Ruf unserer Haushaltshilfe Ly (sie spricht Deutsch!) klang alarmiert, sie rief aus meinem Arbeitszimmer.
Und der Alarm war berechtigt: Die vietnamesischen Termiten hatten zugeschlagen und beschlossen, mein Bücherregal zu ihrem neuen Domizil zu machen. An den Rückseiten der senkrechten und wagerechten Regalbretter entlang hatten sie ihre braunen “Wehrgänge” gebaut, mehr oder weniger breite und dicke, harte Tunnelgänge, einige größere Bauten in den Ecken. Auch die Papiere, Akten und Bücher waren großzügig einbezogen wurden in die Bauplanung.
Die braune Baumasse war noch nicht ganz hart geworden, und so konnten wir schnell alles auseinander nehmen. Großflächige Attacken mit der Insektengiftspritze wurden von den weißen, larvenartigen Termiten relativ schlecht toleriert, sie mochten nicht mehr fressen und sich bewegen.
So wurde mit vereinten Kräften das gesamte Regal mit Inhalt nach draußen geschleppt und dort nochmals intensiv besprüht. Im Zimmer wurden die Gänge von der Wand gekratzt und die Eintrittspforten, unten an der Fußbodenleiste, nochmal heftig mit Gift behandelt. Es bewegte sich nichts mehr.
Aber Ly war weiter alarmiert und auch uns war klar: Wenn man nur die ausgeschwärmten Termiten gekillt hat, dann ist das Problem ja nicht gelöst. Die Königin muss vergiftet oder ausgegraben werden! (Ich erinnerte mich an meine Jugend, als mitten in unserer Küche in Südafrika eine solche Königin in 2 Meter Tiefe unter dem Fussboden ausgegraben – und vom Finder gegessen – wurde). Nun war unser Befall aber im 1.OG, und die Viecher kamen dort von irgendwo unter dem Fußboden. Wie sollte man da den Bau finden? Ly alarmierte sofort unseren Vermieter und erklärte, daß man Spezialisten kommen lassen mußte, die dann mit geeigneten Mitteln die Königin vergiften.
Nach 2 Tagen kam dieser “Spezialist” dann auch, sehr vertrauenerweckend in einem Hemd mit der Aufschrift einer Firma für “Pest Control”. Beim näheren Hinsehen fand er kleine Termitengänge noch in mehreren weiteren Zimmern, in den Ecken zwischen Holzteilen und Wänden. Ein anderer junger Mann kam mit der großen Giftspritze und verteilte sein Gift flächendeckend. Die Pfützen standen noch viele Stunden hinterher überall auf dem Fußboden. Es sollte ja auch von den fleissigen Termiten zur Königin getragen werden um sie an ihrem traurigen Schicksal teilhaben zu lassen.
Wir haben die Nacht im Gästezimmer im oberen Stockwerk verbracht und es traf sich gut, dass wir dann erst mal eine Woche Urlaub geplant hatten, das Haus konnte also in Ruhe mit dem Gift bleiben.
Vorher aber hatte Elena in harter Arbeit alle Bretter, Bücher und Papiere von dem Termitenzement befreit. Einige Bretter sind schon ziemlich heftig angeknabbert.
Es bleibt natürlich die spannende Frage, ob die Königen wirklich tot ist. Denn gegessen hat sie niemand.
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