Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Sonntag, 17. April 2011

Der Tempel des östlichen Wassers

Unterwegs zu unserem Haus kommt man über einen kleinen Platz mit einem imposanten Eingangstor zu einem der unzähligen Tempel (Den oder Chua), die in der ganzen Stadt verstreut sind. 
Der Tempelhof, wenn man urch das Tor gekommen ist.

Ich habe mich mal etwas schlau gemacht über ihn, nachdem wir dort die zuvor beschriebene Len Dong Zeremonie erlebt haben.

Der kleine Tempel „Đông Nước“ im Ngọc Hà Bezirk, dem früheren Blumendorf vor den Toren der Stadt, wurde nach Feng Shui auf dem Land gebaut, wo die Wirbelstürme, bei Regen oder Gewitter, eine Säule von weißem Wasser in dem Himmel steigen ließen – die Menschen nannten ihn den Tempel des östlichen Wassers.
Der Tempel ist der Prinzessin Bạch Ngọc Nương geweiht. Nach der Legende war sie König Trần Anh Tông aus der Dynastie der Trần behilflich, die feindlichen Armeen der Laoten zu besiegen. König Trần Anh Tông regierte Đại Việt from 1293 bis 1314. (Sein Vater hatte kurz zuvor die Mongolen aus dem Land gewiesen.) Zur Belohnung ernannte er die tapfere Frau zur Prinzessin Bạch Ngọc Hồ und zur Thuỷ Tinh Lân Tinh.
Von den drei Eingangstoren gelangt man in den Tempelhof, dessen Seiten von den üblichen Nebengebäuden flankiert werden. Die Torsäulen sind geschmückt mit Darstellungen des Feuervogels Phoenix, martialischen Generalsfiguren als Beschützer, einigen chinesischen Schriftzügen, an den Seiten sind fast naiv anmutende Pferdedarstellungen.
Das niedrige Hauptgebäude, hinter dem sich der kleine Tempelteich verbirgt, und die Nebengebäude haben relativ flache, geschwungene Dächer, verziert mit mehreren, die Sonne erwartenden „Con Nghe“, den steinernen Hundgestalten, die bei keinem vietnamesischen Tempel fehlen. In der Tempelhalle dominiert mittig der Altar, rechts und links eingefasst von 8 Waffen, Trommeln, Gongs und Glocken. Weiter schmücken Statuen von “Đuc Ong”, “Quan Am”, “Hoang Bay” und “ Hoang Muoi” den Tempelraum. Sie stellen ebenso wie die Statue des “Thanh Mau” (Marian) auf dem Alter des Seitenflügels besonders schöne Schnitzereiarbeiten dar.
Neben der Prinzessin Ngọc Nương werden in dem buddhistischen Tempel die Darstellungen der ersten, zweiten und dritten Gestalt des Buddha verehrt. Erhalten sind auch die Chroniken zweier im Jahre 1572 geweihter Priester und weitere Dokumente. 
Über die Jahrhunderte wurde der Tempel oft renoviert, so dass er sich heute als schönes, gut erhaltenes religiöses Baudenkmal darstellt. Đền Đống Nước wurde 1993 als historisch wertvolles Kulturdenkmal stattlich anerkannt und in die offizielle Denkmalsliste aufgenommen.
In einem der Nebengebäude befindet sich eine Werkstatt, in der fast lebensgroße bunte Figuren von Pferde, Elefanten und sogar Menschen aus Papier hergestellt werden.

Ob auch diese großen und prachtvollen Figuren dann wirklich Opfer als Opfergaben verbrannt werden, fragten wir uns.  Ich erkundigte mich bei unserer früheren Sprachlehrerin und erfuhr:

Dies ist in der Tat der Fall. Könige, Prinzessinnen, Mandarine und sonstige Würdenträger brauchen einfach auch im Jenseits standesgemäße Fortbewegungsmittel

Es reicht nicht, nur das tägliche Essen und Trinken zu opfern. Dazu werden an hohen Festtagen dann die schönen Pferde und Elefanten verbrannt.

Auch die Menschenfiguren werden verbrannt - aber nicht wie bei uns im Mittelalter die Hexen oder nach Voodoo-Art der Stellvertreter der verhassten Chefs. Nein, aber wenn etwa eine Frau in ihrem dieseitigen Leben keinen Mann findet, dann kann es passieren, dass eine Wahrsagerin feststellt, ein Mann im Jenseits habe sich in sie verliebt und verhindere nun ihr Erdenglück.

Um sich zu befreien, muss sie ein Fest veranstalten, bei dem eine Frau aus Papier für den jenseitigen Liebhaber verbrannt wird. Wenn diese Opferfigur schön genug ist, dann wird er sie dort heiraten und die diesseitige Wunschfrau wird frei. Sie kann nun mit einem diesseitigen Mann ihr Erdenglück finden.
Oder jemand merkt, dass ihm gerade die Sterne nicht wohl gesonnen sind. Für jedes Jahr gibt es 24 Sterne (12 gute und 12 schlechte).

Jeder Mensch steht in jedem Jahr unter einem dieser Sterne. Wenn es ein schlechter ist, und er dauernd Pech zu haben scheint, dann kann es helfen, ein Tempelfest zu feiern und etwa einem der Könige Speisen, Geld (spezielles Opfergeld zum Verbrennen), Pferde oder etwa einen Elefanten durch Verbrennen zur Verfügung zu stellen. Er wird einem wohl gesonnen, und den Einfluss des bösen Sterns abwehren.
Hier stehen sie grade, und warten auf den Abmarsch ins Jenseits ...
 ... und dies ist dann das Tor dorthin ...
Alles dies erklärt uns zwanglos, warum es manchmal so verbrannt riecht in unserer Gegend: Jemand versucht, die Prinzessin Bạch Ngọc Hồ zu bestechen, damit sie den bösen Stern von ihm wendet.
Ob so die bekannte vietnamesische Korruption begonnen hat?

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