Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Freitag, 22. Oktober 2010

Mindestlöhne

Gestern hatte ich einen interessanten Austausch zum Thema Mindestlöhne mit unserem Vermieter. Es ging um unsere von ihm gestellte Reinigungsfrau. Sie soll jeden Morgen Garten und Schwimmbad sauber machen, bis zu 2 Stunden, sonst arbeitet sie bei ihm. Ich hatte der Dame vor etwa 10 Tagen eine schriftliche Abmahnung in die Hand gedrückt, auf Englisch und vietnamesisch, und angekündigt dass wir den Lohn kürzen werden oder ihre Tätigkeit beenden, wenn sich ihr zeitliches und qualitatives Engagement nicht verbessert. Sie hatte schließlich nur noch 45 Minuten gearbeitet, das Pool-Wasser verdrecken lassen und auch den Garten nur noch rudimentär gepflegt. Dafür war uns die Zahlung von 1 Million Dong pro Monat zu hoch. Das sind zwar nur etwa 50 US Dollar, aber nach meiner Kenntnis liegt ja auch das durchschnittliche Jahreseinkommen in Vietnam (laut Weltbank, Atlas Methode) bei 480 USD pro Jahr. Trotzdem werde ich seitdem am Morgen nicht mehr gegrüßt, wenn ich zum Schwimmen auftauche.
Nun kam also unser Vermieter, offensichtlich ungehalten, und erklärte mir, ob ich nicht wüßte, dass es in Vietnam einen geregelten Mindestlohn gibt, und der läge inzwischen für Hauspersonal bei 50.000 VND pro Stunde. Wenn wir also von unserer Gartenfee etwa 45 Stunden pro Monat Arbeit bekämen (1,5 Stunden mal 30 Tage, sie kommt auch am Wochenende), dann wäre der Lohn von 1 Million doch echt billig. Rechnerisch kann man dem nicht widersprechen: Multipliziert mit 50.0000 ergäbe das ein Monatsgehalt von 2.250.000 VND.
Ich habe aber mal angefangen, zu recherchieren. Laut offiziellem Regierungsdekret wurden die Löhne in Vietnam im Juni 2010 erhöht: Für staatliche Einrichtungen liegt der monatliche Mindestlohn jetzt bei 730.000 VND, Berufsanfänger mit Studienabschluss bekommen 1,7 Mio VND. Auch der Privatsektor ist geregelt: In Firmen mit überwiegend ausländischen Kapital gibt es vier Gruppen von 1,0 Mio VND bis 1,34 Mio VND. Ich weiß zudem aus eigener Erfahrung, dass Professoren knapp 4 Millionen VND Gehalt haben ($200), Dozenten knapp 3 Millionen ($150) und etwa Hebammen im Krankenhaus 1 Million ($50).
Wohlgemerkt: Das sind alles Zahlen für Vollzeitbeschäftigung, die in Vietnam offiziell bei 40 Wochenstunden liegt.
Die Antwort unseres Vermieters: Das sei alles falsch, ich müsse noch viel über Vietnam lernen. Sein Sohn (Vorstandsassistent bei der größten Telefongesellschaft) hätte schließlich auch ein Monatsgehalt von $2200. Dazu habe ich ihn natürlich sehr beglückwünscht, aber mir doch den Hinweis erlaubt, dass das mit Mindestlöhnen wohl nichts zu tun hat.
Nun meinte mein lieber Vermieter, es stünde uns ja frei, jederzeit jemanden Anderes für die Tätigkeit einzustellen. Ich solle nur wissen: Für die Einarbeitung einer solchen Kraft, sprich die Einweisung in die Bedienung der Schwimmbadmaschinerie, hätte er keine Zeit. Da müßte ich schon selber sehen, wie ich klar komme.
Spätestens hier ergibt sich die Frage, warum er sich überhaupt so engagiert für das Gehalt seiner Putzfrau.
Die vietnamesische Antwort ist klar. (Fast?) Jeder höher gestellte Vietnamese verlangt und bekommt einen Anteil des Gehalts abgeliefert, wenn er einem seiner Untergebenen eine lukrative Stelle verschafft. (Das ist Teil der Fürsorgepflichten, die man als Chef in Vietnam nach konfuzianischer oder sonstiger Tradition hat. Ob Konfuzius auch die Ablieferung vorgschrieben hat, kann ich nicht sagen) Sollte das wirklich bei unserem Vermieter auch so sein? Eigentlich hat er das als Besitzer mehrerer Häuser und Wohnungen nicht nötig. 

Aber gute Traditionen soll man ja nicht ohne Not verabschieden ...

2 Kommentare:

  1. kurlaender@aol.com22. Oktober 2010 um 21:17

    Es ist zwar schon lang her, daß ich mich intensiver mit Kung-Tse und den div. sich auf ihn berufenden Denkschulen befaßt habe, aber mir ist KEINE bekannt, die der Faulheit oder der Flegelhaftigkeit je im Geringsten das Wort geredet hätte, von der Bestechlichkeit ganz zu schweigen !

    Herzlichst wie stets Dein Gotthard

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  2. Nun, nun! Wer wird denn solche häßlichen Worte benutzen!? Es handelt sich Fürsorge des Chefs gegenüber seinem Untergebenen, für dessen Wohlergehen er sich verantortlich fühlt.Und dieser zeigt halt dann seine Dankbarkeit.
    Ein Schelm, der Böses dabei denkt!

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