Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Freitag, 29. Oktober 2010

Mahler 8 in Hanoi: Fast 1000 Musiker mit der Symphonie zur 1000-Jahrfeier

Beim letzten "Zieht uns hinan!" hatten die Chöre wieder zusammen gefunden. Das Orchester hatte das Finale fulminant intoniert, einschließlich der Bläsergruppe auf der Empore. Mit den letzten Schlägen aller versammelten Pauken ging der Mahler 8 zu Ende. Beifall für den Dirigenten, die Solisten, den Chormeister, das Orchester, den Chor - alles wurde stürmisch gefeiert. Wie in einer späteren Kritik zu lesen, war die Aufführung auch insgesamt gelungen. Trotzdem, als wir danach beim gemeinsamen Fest zusammen saßen, stimmten die anderen Elena zu: Irgendwie blieb ein unbefriedigtes Gefühl. Einiges war uns als Chor nicht so gelungen, aber vor allem war dieses elektrisierende Chor-Gefühl nicht aufgekommen. Vielleicht weil er Chor zu riesig und zu sehr über die Bühne verteilt war. Vielleicht auch, weil der Dirigent, als reiner Orchestermeister, mit uns, dem Chor, einfach nicht so viel am Hut hatte.

Aber es war doch der glanzvolle Schlusspunkt einer intensiven Probenzeit. In der letzten Woche hatten wir uns bis zu 2 Mal täglich in einer kahlen Turnhalle getroffen, teils mit, teils ohne Orchester oder Solisten. 


Auch die Anzahl der Choristinnen und Choristen war immer weiter angewachsen: 6 Chöre aus Vietnam, einer aus Thailand, einer aus Japan sollten sich zu insgesamt einem Chor zusammensingen.
Die etwa 650 Sängerinnen und Sänger wurden aber gleich aufgeteilt: Chor 1 links, Chor 2 rechts. Innerhalb der Stimmen dieser Chöre dann nochmals in "Sopran/Alt/Tenor/Bass Eins" und "Sopran/Alt/Tenor/Bass Zwei", dazu noch der Kinderchor, der sicher schon mal 150 Kinder aufs Podest brachte.
Hier sehen wir zum Beispiel einen Ausschnitt vom "Alt 2" des Chores 2. Es ist Pause.
Hier warten einige Bässe des Chores 2 auf das Einüben der vietnamesischen Nationalhymne.
Damit fing das Konzert natürlich an!
Auch im riesigen Orchester fanden sich mehrere Gruppierungen zusammen, verstärkt unter anderem durch Musiker aus Norwegen. Manches, wie die vorgeschriebene Riesenorgel, musste improvisiert werden, in diesem Fall durch zwei Elektro-Orgeln, neben denen auch noch ein Flügel und ein Harmonium eingesetzt wurde.
Viele Pausen in den Proben - aber man kann sie ja nutzen.
Bei diesen vielen Menschen brauchte schon die Organisation unendlich lange. "Bitte alle vom Chor 2 bitte rechts auf die Empore!" Das dauert dann schon mal 20 Minuten.
Noch länger dauert es, als wir uns alle am Samstag nachmittag um 14.00 zur Generalprobe in Convention Center treffen. Ein hypermodernes, gigantomanisches Gebäude, bei dem man gar nicht wissen will, wieviele Entwicklungshilfemillionen ihren Weg dorthin gefunden haben. Der Aufbau des Chores auf der Bühne alleine braucht etwa eine Stunde.

 
Dann gibt der Dirigent, Herr Honna (Japaner, seit langem Leiter des hiesigen Symphonieorchesters), das Signal zum Aufstehen. Es raschelt und trampelt, dann geht ein Schrei durch die Reihen der Kinder und Damen, die dort gesessen haben. Es zeigt sich, dass die Podestkonstruktion, auf der die etwa 600 Menschen singen sollen, dem nicht gewachsen ist. Sie bricht zwar zum Glück nicht zusammen, aber sie gerät heftigst ins Schwanken. Ganz vorsichtig schleichen alle, alle wieder hinunter in den Saal.
Als sich dann noch zeigt, dass die Elektro-Orgeln keinen vernünftigen Anschluss zum hauseigenen Lautsprechersystem haben, gibt Herr Honna erst mal auf: "Geht alle mal spazieren, aber bitte nicht zu weit weg! Ich weiß jetzt auch nicht, wann wir unsere Generalprobe machen können."
Nun, es war dann gegen 17.00 Uhr, als wir uns wieder alle auf der Bühne versammelt hatten. 

Bei der Generalprobe, Aussicht als 2. Alt, 2. Chor. Gaanz hinten unten sind die Bässe vom Chor 1 kaum noch zu sehen!
Und zu hören?
Das Podest wackelte nicht mehr, die Orgeln dröhnten, die Solisten hatten keine Zeit zum Einsingen gehabt: Wir hatten alle unten im Café das Eine oder Andere getrunken.... Es wurde eine Generalprobe, in der nichts geprobt wurde: Einfach ein Mal durch, ohne Punkt und Komma, danach kurze Manöverkritik auf Vietnamesisch, Japanisch und Englisch.
 
Ja, zur Aufführung hatten wir uns natürlich alle fein gemacht. 

Diese Damen gehörten wohl zum Armee-Chor. Das ist also Uniform!
Die Vietnamesinnen mit ihren bunten Ao Dais, die Kinder mit ihren Pionieruniformen, wir restlichen wie üblich in Dunkel. 
Die Mädels vom Kinderchor hatten sich als so etwas wie Edelpioniere herausgeputzt...
Vor Beginn der Aufführung gab es doch noch eine Wartezeit. Zeit zur Autogrammjagd für die Kinder. Es gab ja eine nicht geringe Zahl an ausländischen Soilsten, Aber die warteten nicht wie wir im Zuschauerraum. Und so wurde uns halt die Ehre zu Teil, um Autogramme gebeten zu werden. 

Der Saal war mit seinen 3800 Plätzen sicher nicht ausverkauft. Aber wir waren ja auch nicht die 1000 Sänger, die eigentlich zu dieser 8. Symphonie von Gustav Mahler gehören. 

Das Publikum war wohl trotzdem beeindruckt und begeistert. Ob die bis 12 verschiedenen Chorstimmen, gleichzeitig mit 8 Solistinnen und Solisten und dem Orchester, jede Dissonnanz richtig getroffen haben, war ja auch beim besten Willen nicht heraus zu hören.
 
Die Presse war sich einig: Ein großartiges, in Vietnam noch nie dagewesenes Ereignis zur 1000-Jahr Feier, mit großer internationaler Beteiligung, war es auf jeden Fall! (ein Bericht ist in Norwegen erschienen.)

 
Und wir sind dabei gewesen!

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