Leben und Arbeiten in und um Hanoi - Life and Work in and around Hanoi

Panorama Mai Chau


Seit Sommer 2009 arbeite ich, vermittelt durch GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), als Lecturer an der Hanoi School of Public Health.
Dieser Blog berichtet von unserem Leben in Hanoi, Vietnam und Umgebung.
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Since the Summer of 2009, mediated by GIZ/CIM (Centrum für Internationale Migration und Entwicklung in Frankfurt), I work as a lecturer with the Hanoi School of Public Health.
This Blog reports on our life in Hanoi, Vietnam and surroundings.

Samstag, 28. Januar 2012

Silvester ohne Knaller

Wir waren also zuhause geblieben. 
Am 24. Januar begann das Jahr des  Wasserdrachens - Tet heißt das chinesisch-vietnamesische Neujahr.  Unter den Expats in Hanoi erzählt man sich, es gäbe nichts dümmeres, als "über Tet" in der Stadt zu bleiben; es sei alles geschlossen, die Läden, die Friseure, die Kneipen. Wenn man im vorhergehenden Einkaufschaos es nicht geschafft habe, sich durchzusetzen, müsse man einfach verhungern. Und außerdem sei es kalt.
Nun, wir sind geblieben und nicht verhungert. Wir waren 4 Tage vor Tet beim Metro und waren erstaunt, wie wenige Kunden dort unterwegs waren. Fast weniger als zu den ganz normalen Zeiten! Und die Regale waren nicht leer gekauft, wir konnten uns mit allem eindecken, was wir wollten. Dann hatte ich von meinem Dean in der Hochschule noch zwei Neujahrskuchen, Banh Chung, bekommen. In grüne Bananenblätter gewickelte Klebreispakete mit einer Füllung aus fettem Schweinefleisch und Bohnenmasse, die man mindestens 5 Stunden kochen muss. 


Einer entpuppte sich aber als ganz was anderes: Zwar auch in Blätter gewickelt, aber darin war eine überdimensionale Wurst aus weißer Fleichmasse, sehr ähnlich mit dem deutschen "Kalbskäs" und auch ebenso zuzubereiten. Dafür schenkte uns unser Vermieter noch zwei frisch gekochte weitere Banh Chung. 

Damit alleine kann man schon fast eine Woche überleben - solange der Wodka reicht, den man braucht, weil das Ganze doch richtig fett ist.
Ich mache mir eine Soya-Chilli Sauce dazu, und etwas Kim Chi (der Chili-Chinakohl aus Korea) ist auch sehr gut als Beilage.
 

Aber das mit der Kälte stimmte. Es war schon fast warm geworden am 22. Januar, aber rechtzeitig zu Tet kam die Kälte wieder. Zwar nicht schlimm für die Europäer, denen 12° anscheinend fast noch sommerlich anmutet, jedenfalls den Touristen, die unverdroßen in kurzen Hosen durch die Stadt laufen. Aber unser Haus kann man effektiv nicht heizen, drin wie draußen 12°, oder auch 14°, ist deshalb alles andere als gemütlich.
Besonders ungemütlich war dann unser Silvesterspaziergang an den Westlake. Ich hatte nachgelesen, dass es einige offizielle Feuerwerke geben solle um Mitternacht (private seien verboten!), das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Wir waren zu Fuß durch die engen Gassen gewandert, auf denen man von uns aus direkt nach Norden zur Uferstrasse kommt. Unterwegs dröhnte aus einigen offenen Türen laute Musik, drin sah man die eine oder andere Familienrunde beim Schnaps trinken. "Chuc Muc Nam Moi!" wurde ausgetauscht.
Am See begrüßte uns ein kräftiger Wind, der übers Wasser kam und einem die Luftfeuchtigkeit so richtig in die Knochen pustete. Obwohl wir nicht in kurzen Hosen waren, sondern in langer Lederhose, Wollpullover und Anorak mit Kapuze. Wir waren auch nicht die Einzigen, die hier das neue Jahr begrüßen wollten. Die Strassencafes waren voll besetzt, an der Promenade unter den Palmen stand ein Moped/Roller neben dem anderen, jeweils mit einem jungen Pärchen besetzt, das durch enge Umarmung versuchte, der Kälte zu trotzen. Auch einige Autos standen da, deren Besitzer wollten wohl aus dem windgeschützten Inneren heraus das Feuerwerk sehen.
Aber welches Feuerwerk?
Ja, die Null Uhr wurde schon durch einen lauten Kanonenschlag in der Ferne markiert. Ja, es wurden auch für 15 Minuten da drüben auf dem anderen Ufer Raketen in den Himmel gejagt. Weit weg war das, und auch sonst nicht wirklich beeindruckend. Sollen die Chinesen nicht das Feuerwerken erfunden haben? An unserem (eigentlich stadtseitigen) Ufer aber tat sich nichts und gemeinsam mit den Vietnamesen machten wir uns bald auf den Heimweg. Keine Knaller, kein Sekt, keine Umarmungen. Ein alter Mann bestand darauf, mir per Handschlag Chuc Muc Nam moi zu wünschen.
Auch auf dem Heimweg war alles friedlich. Das einzige was darauf hinwies, dass doch ein besonderer Tag war, waren die Opfertische mit allen möglichen Speisen und Geschenken, die zu dieser nachtschlafenden Zeit in unserer (etwas wohlhabenderen) Umgebung vor den Häusern standen. 


Gerne wurde auch die angemessene Menge Opfergeld in kleinen Feuerchen verbrannt. Oder sonst eine kleine symbolische Gabe.
Und in "unserer" Chua, dem "Den Dong Nuoc" war Hochbetrieb. Gut gekleidete Herrschaften wanderten geruhsam von Altar zu Altar, opferten und beteten, ein großer Papierhase wurde erst aufgebaut, dann aber doch schnell verbrannt.
Insgesamt war es eine friedliche, fröhliche und familiäre Atmosphäre, die den Einstieg ins Drachenjahr prägte.i
Das deutsche Silvester, mit Krach, Gestank und lauten Menschen, es war plötzlich ganz weit weg. 
Wir fanden es fast schöner so.

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