Inzwischen geht es mir auf die Nerven!
Wenn man sich mit Leuten unterhält, die noch nicht so weit sind, dann hört man eigentlich nur, wie wenig zuverlässig, geschickt in Arbeitsvermeidung, teilweise unverschämt diese Hausangestellten sind. Angesichts der Aussicht, in der Heimat ohne auskommen zu müssen, verklärt sich das Bild dann wohl etwas.
Fast schon wütend werde ich, wenn ich dnn die Verdiensterwartungen dieser Damen lese: 250.- Dollar im Monat, 13 mal pro Jahr, plus Tet-Geld und, und, und. Neulich schrieb jemand, seine Perle "verdiene" schon mindestens 350.-pro Monat.
Warum mich das stört? Weil ich meine Kollegen an der Hochschule kenne, die als Lecturer mit 3 Universitätsabschlüssen grade mal 150.- Dollar "verdienen", als Professor können sie dann auf 200.- kommen. Weil ich weiß, dass Ärzte im Krankenhaus auch froh sind, wenn sie ein Gehalt von 150.- Dollar bekommen, Krankenschwestern deutlich weniger. Weil ich weiß, dass die Krankenhäuser immer schlechter Personal finden, worunter die Versorgung ganzer Landsstriche leidet.
Dies stört mich deshalb, weil ich weiß, dass genau diese Expats, die mit ihren neo-kolonialen Gehältern den Arbeitsmarkt kaputt machen (warum soll eine junge Frau als Kankenschwester arbeiten, wenn sie als Maid in Ciputra ein Vielfaches verdienen kann?), dann anschließend darüber herziehen, wie korrupt doch die Vietnamesen alle angeblich sind. Dabei versuchen die nur, ihren Lebensunterhalt als Staatsbedienstete durch Nebeneinnahmen dem anzugleichen, was die Ausländer ihren Putzfrauen bezahlen.
Man verseht auch nicht, warum das nötig ist. Ein Blick auf die aktuelle Seite des New Hanoian zeigt: Es gibt beliebig viele Stellengesuche.
Warum hier die Gesetze des Marktes nicht funktionieren, nach denen ein Überangebot die Preise senken müßte, verstehe ich nicht.
Es ist wohl einfach so, dass die Expats in ihrer eigenen Welt leben, in der das wirkliche Vietnam eher am Rande vorkommt. Jedenfalls haben sie sich von den geschäftstüchtigen Landeskindern in eine wirtschaftliche Märchenwelt verschleppen lassen, in der Märchenpreise für Traumleistungen anstandslos bezahlt werden. Das Motto "Ich werde doch mit dem Kindermädchen, dem ich mein Kind anvertraue, nicht über 50 Dollar verhandeln" ist einfach zum Glaubenssatz geworden.
Was nach alledem klar ist: Weil ich nicht bereit bin, einer Haushaltshilfe (die wir auch ganz gerne hätten, warum nicht?) mehr Lohn zu bezahlen, als mein eigenes Lokalgehalt ausmacht (wie das meiner Kollegen, denen gegenüber ich mich einfach genieren würde), werden wir unsere Zeit hier wohl ohne hilfreichen Geist überstehen müssen.
Schade eigentlich.

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